„Bunte“ schlimmer als Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hat sich während seines Staatsbesuchs in Frankreich über den Körper von Brigitte Macron geäußert. Die Ehefrau des französischen Präsidenten sei „gut in Form“, ließ Trump sie wissen. Dann wandte er sich Präsident Emmanuel Macron zu und sagte: „Sie ist in toller körperlicher Verfassung!“ Als sein Blick anschließend wieder auf Brigitte Macron fiel, bekräftigte er das noch mal. Dieser Körper? „Beautiful.“

Donald Trump und seine Frau Melania stehen zusammen mit Emmanuel Macron und siner Frau Brigitte in einem Raum, drumherum stehen weitere Menschen.
Kompliment, das ging daneben! Screenshot: NBC News

Die Szene ist in einem Video zu sehen, das unter anderem NBC News verbreitet hat. Sie empört viele, vor allem Frauen, weil es viele sexistisch und unverschämt finden, dass Trump Brigitte Macron auf diese Weise auf ihre Figur anspricht und dabei offenbar auf ihr Alter anspielt.

„Peinlich!“ findet das unter vielen anderen auch die Klatschzeitschrift „Gala“ und lästert schon in der Dachzeile des Artikels über das „Mega-Fettnäpfchen von Donald Trump“. Den RedakteurInnen von „Gala“ käme es nämlich, das muss man wissen, nie und nimmer in den Sinn, Figur und Aussehen einer Frau zu bewerten, schon gar nicht in Bezug auf ihr Alter.

Screenshot einer Seite auf "Gala.de" mit einem Foto von Liz Hurley im lilafarbenen Bikini unter der Überschrift: "Frauen über 40: Die Wow-Bodys der Stars"

Gut, außer „Gala“ berichtet, zum Beispiel, in einer langen Foto-Klickstrecke über die „Wow-Bodys der Stars“, Kategorie: „Frauen über 40“, zum Beispiel Liz Hurley. Im „heißen Badeanzug“ mache sie „eine mehr als gute, sexy Figur“:

Kaum zu glauben, dass die Schauspielerin schon 52 Jahre alt ist.

Weil:

Kaum zu glauben, aber mit ihren 52 Jahren hat die Britin noch immer den Körper eines Topmodels Mitte 20.

Und die Moderatorin Sonya Kraus erst!

Kaum zu glauben, dass diese Frau Ü40 und zweifache Mutter ist!

Schauspielerin Jennifer Lopez:

Kaum zu glauben, dass J.Lo schon 47 Jahre alt ist. Sie ist so knackig und durchtrainiert wie kaum eine 20-Jährige. Respekt!

Kaum zu glauben, wie „Gala“ es einerseits „peinlich“ findet, was Trump gesagt hat, andererseits aber kaum eine Gelegenheit auslässt, selbst so zu reden.

Bei „Bunte“ stehen sie derweil ganz auf Donald Trumps Seite:

Recht hat er! Mit welchem sensationellen Outfit Brigitte Macron Trump-Gattin Melania die Show stahl, seht ihr im Video oben!

Im Video oben heißt es dann, Brigitte Macron habe einen „Körper zum Niederknien“, und dass ihr weißes Mini-Kleid einen Blick auf „ihre schlanken, langen Beine“ gewähre – was einen natürlich stutzig machen muss. Deshalb hat „Bunte“ zum Video oben noch ein Video unten gestellt. Überschrift:

Hat bei Brigitte Macron der Beauty-Doc ein bisschen nachgeholfen? Im Video klärt unser Experte auf:

Der „Experte“ ist, laut Einblendung, ein „Plastisch-Ästhetischer Chirurg“ aus Düsseldorf, der Brigitte Macron vermutlich noch nie leibhaftig begegnet ist. Bei „Bunte.de“ darf er nun, anhand eingeblendeter Fotos, trotzdem darüber aufklären, ob sie nicht „ein bisschen nachgeholfen“ hat. Weil, das muss man ja schon mal ganz deutlich sagen:

Auch mit 64 Jahren sieht die einstige Lehrerin des heutigen Präsidenten immer noch blendend aus.

So sagt es die „Bunte“-Sprecherin im Video. Außerdem haben „Bunte“ und der „Experte“ Zweifel, ob Brigitte Macrons Äußeres naturgegeben ist: Der „Experte“ weist darauf hin, dass man aufgrund des Alters annehmen könne, dass bereits ein „Volumenverlust“ in ihrem Gesicht aufgetreten sei. Da ihr Gesicht (auf den Fotos) aber rund wirke, könne man „unter Umständen davon ausgehen“, dass dort eine „Hyaluron-Behandlung durchgeführt wurde“.

Und außerdem: die Stirn!

Könnte man denken, da ist eine Botox-Behandlung durchgeführt worden.

Und der Mund! Kaum Falten!

Hier könnte eine Laser-Behandlung, ein Micro-Needling oder eine Behandlung mit Hyaluronsäure durchgeführt worden sein.

Mann sitzt vor weißer Wand an einem Tisch, trägt ein Sakko und ein hellblaues Hemd, man sieht ihn bis zum Bauch.
Die Nase! Botox-„Experte“ bei „Bunte.de“ Screenshot: Bunte.de

Schamloser kann man Spekulation mit Werbung kaum verbinden. „Bunte“ stiftet dem „Experten“ eine Einblendung inklusive des Namens der Privatklinik, in der der Chirurg all diese Behandlungen praktischerweise anbietet. Sicherheitshalber hat der Chirurg obendrein seine Visitenkarten vor sich aufgestellt, für alle Fälle. Bisschen doof (für ihn), dass man sie ohne Lupe oder Augenoperation nicht wirklich lesen kann. Aber einen Versuch war’s wert.

Die peinliche Werblichkeit ist aber nur das eine, das andere ist: „Bunte“ setzt noch einen drauf auf Donald Trumps von vielen gescholtene Äußerung. Wäre der US-Präsident „Bunte“-Redakteur, hätte sich seine Verabschiedung von Brigitte Macron wahrscheinlich so angehört:

Mit 64 sehen Sie aber immer noch blendend aus. Sie waren mal seine Lehrerin, nicht? Sensationelles Outfit auch! Und die langen, schlanken Beine! Ein Körper zum Niederknien. Wunderschön. Bisschen rundes Gesicht vielleicht. Könnte Hyaluron sein. Micro-Needling? Botox? Könnte man denken. Who knows. Auch keine Falten um den Mund! Botox. Maybe. Aber: Beautiful!

 

8 Kommentare

  1. Hat Trump die Bemerkung nicht eher kurz nach seiner Ankunft gemacht? Die Sache galoppiert doch schon während seines ganzen Aufenthalts in Paris durch die Medien. Die Verabschiedung war es aber definitiv nicht!
    Aber er war ja nur zwei Tage bei den Macrons, insofern ist kurz nach der Ankunft auch kurz vor der Abreise!

  2. @1 Frank Reichelt: Stimmt, mein Fehler. War offenbar gleich zu Beginn. Habe den Zeitbezug deshalb rausgenommen. Danke für den Hinweis!

  3. Medienarbeit hin oder her, man kann alles wenden, drehen und VERdrehen, wie man es selbs gern haben möchte. Die Wahrheit selbst, wie er es denn nun wirklich meinte oder was genau er ihr damit sagte, wird das aber dennoch nicht verändern. Und da niemand so ganz genau weiß, was er damit bezwecken wollte, mag es besser sein, sich ab und an mit den eigenen Äußerungen ein bisschen zurückzunehmen. Schon alleine deshalb, weil keine Äußerung, ob postitiv oder negativ, einen Menschen je davor schützt, für alles was er von sich gibt, selbst verantwortlich zu sein. Das gilt nicht nur für den Superclown Donald Trump, sondern ebenso für die Medien. Dass die Wahrheit eine Auslegungssache ist, haben die Medien schon immer sehr deutlich gemacht. Was also lernen wir daraus? Was sollen wir hieraus lernen? Was ist das ‚teaching within and behind‘, die Lehre darin und dahinter? Ich würde sagen, die eigene Wahrnehmung genau zu checken und sich auch selbst zu fragen: Was ist mein Beweggrund dass ich sage was ich sage? Was will ich damit erreichen? Gute Frage: wem nützen all die schäbigen Kommentare über die schäbigen Aussagen und das schäbige Verhalten eines Präsidenten und wem schaden sie? Vielleicht sollte der Fokus mehr darauf liegen, nicht noch mehr Schaden anzurichten, als dieser Mann mit seinem Charakter bereits anrichtet, wenn man es überhaupt Charakter nennen kann. Um ganz ehrlich zu sein: Wer diesen Mann als Mann ernst nimmt, hat ein wohl ein Problem mit ‚mental health‘. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht wachsam sein sollte. Je mehr er in Bedrängnis gerät, je unberechenbarer kann er werden, denn leider bekleidet er ein Amt, das Macht beinhaltet und einer wie er ist leicht im Stande, diese Macht gewaltig zu missbrauchen. Das sollte ihm jederzeit zugetraut, jedoch nicht noch schlimmer gemacht werden als es ohnehin schon ist. Die Menschen in Amerika fürchten ihn nicht wenig. Die Herzinfarkt und Todesrate ist seit seinem Amtsantritt um einiges gestiegen. Lustig ist das also nicht. Leute, sendet Gedanken aus, die anderen Menschen zugute kommen, ihrem höchsten Wohl helfen und die ihnen nicht noch mehr schaden, als es dieser Mann ohnehin schon tut. Je wichtiger seine Aussagen für die Presse werden, je mächtiger wird er. Das sollten sich auch die deutschen Medien vor Augen halten, wenn sie über ihn berichten. Will man ihn noch mächtiger machen? Wie groß ist die Sensationslust und die Lust auf seine Skandale? Wie war das noch gleich? Die Nachfrage regelt des Angebot. Herzliche Grüße aus Oberschwaben.

  4. Nun ja, ein kleiner Unterschied ist es ja schon, ob ich meiner Nachbarin im Treppenhaus ungefragt ins Gesicht sage: „Für Ihr Alter kommen Sie aber noch gut die Treppen hoch.“ Oder ob ich einem Kumpel heimlich anvertraue, dass meine Nachbarin mit 45 noch regelmäßig den Aufzug verschmäht.

  5. Offensichtlich ist das Sommerloch in diesem Jahr wieder so groß, dass sich die Medien aller Coleur (egal ob Print- oder Telemedien) schon gegen-
    seitig übertreffen müssen in übelsten Spekulationen zu Themen, die eigentlich nur die niedrigsten Instinkte anpricht.

  6. nur gut, dass die BUNTE nur ein durchgeknalltes Klatschblatt ist und keine Frau. Sonst müsste man über sie sagen: „WOW! Toller Body, aber leider dumm wie Bohnenstroh.“

  7. Ist doch standard mitlerweile … Aufreger-Thema suchen, scheinheilig ein Verhalten anprangern, dann Beispiele für ebensolches Verhalten in einer Klickstrecke zeigen und auf dem letzten Bild noch einen „Sprosored Post“ platzieren, der Produkte anbietet die entweder pro oder contra gewünschtes Verhalten sind, je nach Stimmungslage der Zielgruppe.
    Ach was: Pro und contra anbieten … Man will dem (potentitellen) Kunden doch keine Kaufmöglichkeit verwehren.
    Aufklärung ist nicht konsumförderlich!

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