Tatütata, Rainer Wendt ist wieder da!

Immerhin, da hatten der G20-Gipfel in Hamburg und die heftigen Ausschreitungen also doch noch etwas Gutes, jedenfalls für Rainer Wendt. Endlich durfte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) mal wieder in Mikrofone sprechen. In den vergangenen Monaten war er ja stiller geworden, zwangsläufig. Viele Medien, die sich sonst von Wendt knallharte Zitate liefern ließen, hatten von ihm abgelassen als herauskam, dass er Jahre lang ein Beamtensold bezog, ohne überhaupt als Hauptkommissar zu arbeiten.

Ein Skandal war das damals, zumal Wendt zunächst versucht hatte, die Sache zu vertuschen. Im Interview mit „Report München“ hatte er, darauf angesprochen, alles dementiert. Als die Reporter schon wieder weg waren, rief er sie an und gestand alles ein – kleinlaut, was sonst nicht seine Art ist. Normalerweise frönt Wendt der Lautsprecherei. Aber damit war es nach dem Sold-Skandal erst mal vorbei. Bis jetzt, zum G20-Gipfel am vorigen Wochenende.

Rainer Wendt im Interview mit N24: Mann, Glatze, Brille, braune Lederjacke, blaues Hemd, steht vor einem Polizeiwagen.
Rainer Wendt spricht wieder laut Screenshot: N24

Ein Sender bittet Wendt gleich mehrfach vor die Kamera: der Springer-Kanal N24. Erstmals spricht Wendt dort am Mittwoch, noch ganz locker in brauner Lederjacke. Er definiert, wie man in seinen Augen bei einer Demonstration richtig deeskaliert:

„Niedrigschwelliges Einschreiten bedeutet: frühzeitig und konsequent. Genau das ist die richtige Art und Weise, um dezueskalieren – nämlich nicht erst abzuwarten, bis sich Gewalt entwickelt, sondern konsequent eingreifen.“

Die Polizei gehe „sehr, sehr sensibel“ vor. Wendt sagt das, nachdem es am Wochenende zuvor bereits Ärger gegeben hatte um ein Demonstranten-Camp, das die Polizei offenbar nicht so sensibel geräumt hatte.

Donnerstagabend kommt es dann zu ersten schweren Ausschreitungen in Hamburg, Freitag betont Wendt gegenüber der Deutschen Presseagentur trotzdem noch mal: „Die Polizei hat die Lage im Griff. Wir sind von bürgerkriegsähnlichen Zuständen weit entfernt.“ Dass Autos oder Mülltonnen angezündet würden oder Scheiben zu Bruch gingen, lasse sich nicht immer verhindern. „Die Bilder sehen dann zum Teil dramatischer aus als es ist“, so Wendt. Für Chaos in der ganzen Stadt spreche das keineswegs.

Er sagt das, als viele Menschen bereits fassungslos Videos anschauen, in denen ein Mob zu sehen ist, der wahllos Autos in Brand setzt und Häuser demoliert. Aber das ist halt, laut Wendt, alles nicht so dramatisch, es sieht nur so aus. Der Polizei-Experte hat schließlich etwas gesehen, was mindestens so beunruhigend und gefährlich ist wie Autoanzünder – Demonstranten mit Luftmatratzen!

Eine N24-Reporterin beschreibt, wie sich diese vor Wasserwerfern postiert hätten, und dass die Wasserwerfer dann zum Einsatz gekommen seien. Ob dieses Vorgehen in Ordnung sei, will sie wissen. Wendt bejaht: War verhältnismäßig, war ja eine verbotene Versammlung. Und außerdem:

Diese Luftmatratzen, die sollen ja ziemlich harmlos aussehen, aber sie sind im Grunde genommen ein Schutzschild davor, die Polizei vor Einschreiten zu schützen.

Mit Luft gefüllte Plastik-Schutzschilde. Heikel.

Eine Krawallnacht später, am Samstag, ist Wendt dann endlich außer sich und damit in dem Modus, den Journalisten an ihm mögen. N24 schreibt deshalb auch über das Wendt-Video: „Rainer Wendt spricht Klartext“, was vor allem bedeutet, dass er lautspricht.

Auf die N24-Frage, ob die Polizei die Lage nicht „etwas unterschätzt“ habe, weicht Wendt sicherheitshalber gleich aus und redet über Olaf Scholz (SPD), den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg: „Wenn jemand die Lage falsch eingeschätzt hat“, poltert Wendt, „dann war es die politische Führung dieser Stadt, und die muss jetzt auch die Erklärungen liefern.“ Scholz müsse sich „vernünftig mit dieser Frage auseinandersetzen – oder seinen Hut nehmen.“

Dem Berliner Radiosender 105’5 Spreeradio sagt er, Olaf Scholz „hat uns lächerlich gemacht, als wir vor Krawallen gewarnt haben, und hat das Ganze wie einen Hafengeburtstag hingestellt.“  Wenn er „keinen Plan“ habe, „wie er linke Gewalt künftig verhindern will, muss er seinen Hut nehmen.“

Am Sonntag soll Wendt auch noch den Rücktritt des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD) gefordert haben; vermutlich sagte er, dass Grote seinen Hut nehmen soll.

Das ist das Prinzip Wendt: Erst mal sagen, dass die Polizei die Situation im Griff habe, während sie bereits eskaliert – und wenn es dann völlig schief gelaufen ist, flugs nach einem Schuldigen suchen, natürlich extern.

Am Montag, in der „Tagesschau“, darf Wendt seine Forderung nach einem Rücktritt von Olaf Scholz noch mal wiederholen. Die Verantwortung liege „natürlich“ bei Olaf Scholz, „und ob er nun zurücktritt oder nicht, muss er mit sich selbst ausmachen.“ Anschließend sagt Rainer Wendt, der Chef der zweitgrößten Polizei-Gewerkschaft, den schönen Satz:

„Es ist ja einigermaßen aus der Mode gekommen, dass politische Verantwortung auch Rücktritt bedeutet.“

Stimmt. Als Wendt wegen seines Sold-Skandals ins Straucheln geriet, wurde sein Rücktritt von verschiedenen Seiten gefordert, aber schon damals war es aus der Mode gekommen, Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. Was viele Journalisten, die zum Beispiel Nachrichten bestücken müssen, erleichtert aufatmen ließ.

25 Kommentare

  1. Leider werden die Beiträge von Herrn Rosenkranz dem, was ich mir von Übermedien erhofft hatte nicht ansatzweise gerecht. Ich kann hier keinen Gegenentwurf zur etablierten Medienwelt erkennen. Ein Schmähartikel über Herrn Wendt ist billig und wäre in einer x-beliebigen ASTA Zeitung besser aufgehoben. Wo ist der journalistische Wert des Artikels? „Wendt ist scheiße und das bringe ich Mal pointiert zu Papier. Macht Spaß!“ Ist das der Anspruch, den Übermedien an sich selbst stellt? Reicht ein reichlich selbstverliebtes schwarz-weiß Foto als journalistischer Qualifikationsnachweis? Ich war ehrlich begeistert von Übermedien. Aber noch so ein paar Dinger von diesem Autor und sehe keinen Sinn mehr in einem Abo. Das wäre wirklich sehr sehr schade.

  2. „Wo ist der journalistische Wert des Artikels? „Wendt ist scheiße und das bringe ich Mal pointiert zu Papier. Macht Spaß!“ Ist das der Anspruch, den Übermedien an sich selbst stellt?“

    Nein, das ist offenbar der Reflex, der bei Ihnen ausgelöst wird. Das liegt aber an Ihnen, nicht am Auslöser.

    Übermedien hat den Anspruch Medien zu kritisieren. Und das tut dieser Artikel. So deutlich, dass es erstaunt, dass Ihnen das jemand erklären muss. Kommt es Ihnen völlig normal und nicht weiter erwähnens- oder gar kritisierenswert vor, dass Medien – hier N24, Spreeradio und die Tagesschau – zur besten Sendezeit ausgerechnet einen Rechtsbrecher zu(m lauten) Wort kommen zu lassen, der zudem nicht nur ein angespanntes Verhältnis zur Wahrheit hat sondern auch ein ziemlich schräges zum Thema Verantwortungsübernahme? Einen der notorisch ‚hartes Durchgreifen‘ fordert – wenn es um andere geht? Einen Mann, der einem Polizistenverein angehört, sich aber vom Staat für einen Beruf aushalten lässt, den er seit zig Jahren nicht ausübt? Einen „Privilgien-Abgreifer“, der gegen „Privilgien-Abgreifer“ eifert (wenn diese im Parlament sitzen und seinen Hass nicht teilen). Einen, der keinerlei Respekt vor der Rechtsordnung hat, genau das aber ‚Ausländern‘ und anderen gerne vorwirft, im Grunde allen, bei denen es nicht schlandet und tümelt? Denken Sie das ist der Richtige für Tagesschau & Co? Und das das Bereitstellen medialer Bühnen für diese Figur nicht kritisierenswert ist?

    Falls ja, dann sind Sie vielleicht mit einem Compact-Abo besser bedient. Das ist nämlich eine der bevorzugten Gedankenmülldeponien dieses Polizistendarstellers. Oder Sie kaufen sich das, ähm, Buch, das er aus seinen radikalen Latrinenparolen zusammengepfriemelt hat – da können Sie so staatstragende Perlen wie

    „Ich kann jeden verstehen, der sagt, dies ist überhaupt kein Rechtsstaat mehr“

    lesen und sich fragen, ob so jemand den randalierenden Staatsverächtern geistig nicht viel näher ist, als er Ihnen via Tagesschau weismachen will.

  3. Ich habe mich doch sehr gewundert, als er in der Tagesschau angekündigt wurde. Dabei war ich froh, so lange nichts von ihm gesehen oder gehört zu haben. Die Gewerkschaft muss schon sehr auf Präsenz in den Medien bedacht sein, in welcher Art auch immer, um sich von ihm auch jetzt noch öffentlich vertreten zu lassen.

    Leider sind Wichtigtuer wie er immer sehr beliebt in Redaktionen. Scheinbar ist er nun rehabilitiert und darf endlich wieder vor der Kamera „Klartext“ reden – inhaltsleer und polemisch wie eh und je. Da kann man einfach nur umschalten.

  4. Als ich Wendt bei N24 gesehen habe, war ich zwar erstaunt, dass er nun wieder ins Fernsehen darf. Allerdings hat es N24 ja auch nicht so mit Journalismus und außerdem lassen die sich häufiger mal von obskuren Persönlichkeiten Dinge erklären.

    Aber in der Tagesschau?! Ist der Gniffke noch ganz dicht?

  5. Sold Skandal? Der Mann wurde von seinem Arbeitgeber praktisch freigestellt um für seine Gewerkschaft arbeiten zu können und er war auch nicht der einzige bei dem zumindest ähnliche Regelungen angewandt wurden.
    Da gab es keine Vortäuschung falscher Tatsachen. Wenn mein Chef mir das anbietet würde ich auch ja sagen. Mit gutem Gewissen. Wenn sich da jemand verantworten muss, ist es der Arbeitgeber.

    Was bleibt sind seine unangemeldete Tätigkeit für die Axa. Wäre einigermaßen albern, wenn ein Gericht befindet, dass Wendts defakto nicht ausgeübte Arbeit als Polizist darunter stark gelitten hätte. Ohne Kenner der Materie zu sein könnte da relativ wenig Bestrafung bei rumkommen.
    Sollte Wendt einmal ein wenig zu schnell gefahren sein, könnte das das schlimmste Vergehen des “Rechtsbrechers“ sein.

    Die Versuche Menschen mit unliebsamen Meinungen mit Hilfe einer Art Tugend Inquisition fern ab des Rechtsstaats zu verbieten sind ein ganz widerlicher Stil, der quer durch die Medien Einzug erhalten hat.

  6. Weiter gedacht: ist der ÖR-Rundfunk noch ganz dicht, klammheimlich zur medialen Rehabilitierung eines diskreditierten Polizei-Apparatschiks beizutragen? Dem Autor gebührt ein Lob, das Wiederauftauchen von Rainer Wendt bemerkt und dokumentiert zu haben.

  7. @2 Rick: In der Tat, das wäre sehr schade, wenn Sie uns nicht mehr mit einem Abo unterstützen würden. (Vielen Dank, übrigens!)

    Es ist völlig legitim, dass Sie den Text und dessen Ton nicht mögen. Ich finde trotzdem, dass er bei Übermedien richtig platziert ist. Oder sollte man nicht kritisieren können, wie viele Medien dem lauten Vorsitzenden der kleineren Polizei-Gewerkschaft immer wieder Sendezeit geben, damit er seine – teils steilen – Thesen preisgibt? Bei Herrn Wendt weiß jeder Journalist, dass er Zitate bekommt, die Krach machen. Vor allem das. Und dass nun ausgerechnet Herr Wendt lauthals Rücktritte fordert, bei seinem ersten großen Auftritt, nachdem viele seinen Rücktritt gefordert hatten, ist schon eine Ironie der Geschichte, das müssen Sie zugeben, oder?

    @3 Someonesdaughter: Ich weiß jetzt nicht genau, weshalb Herr Wendt ein, wie Sie schreiben, „Rechtsbrecher“ ist.

  8. @8 Boris Rosenkranz: „Ich weiß jetzt nicht genau, weshalb Herr Wendt ein, wie Sie schreiben, „Rechtsbrecher“ ist.“

    Weil mindestens nach dem Beamtenrecht – früher hieß übrigens mal „Strafdienstrecht“ – Aufsichtsratsmandate grundsätzlich gegenüber dem Dienstherrn anzeigepflichtig sind, Nebentätigkeiten generell sind genehmigungspflichtig. Dass Wendt alleine von der Axa 50.000 Euro p.a. für einen Sitz im Aufsichtsrat kassiert, hat er ebenso wenig angezeigt oder sich genehmigen lassen wie die 13 weiteren Posten in Aufsichtsräten, Vorständen und Ausschüssen.

    Ihre Kollegen von der LTO hatten dazu IIRC mal einen mehrteiligen Beitrag veröffentlicht, in dem die rechtlichen Konsequenzen der Causa Wendt, die sich aus dem Beamtenrecht, dem Disziplinarrecht und ggf. dem Strafrecht für den Herrn ergeben, dargestellt waren.

  9. @6: „Da gab es keine Vortäuschung falscher Tatsachen. Wenn mein Chef mir das anbietet würde ich auch ja sagen. Mit gutem Gewissen. Wenn sich da jemand verantworten muss, ist es der Arbeitgeber.“

    Das ist irgendwie lustig: Wenn es da keine „Vortäuschung falscher Tatsachen“ gab, wofür sollte sich dann der Arbeitgeber verantworten? Reinwaschung von Wendt und Schuldabwälzung auf den ‚Arbeitgeber‘ in einem Gedankengang, das hat schon was. Was sehr skurriles.

    „Die Versuche Menschen mit unliebsamen Meinungen mit Hilfe einer Art Tugend Inquisition fern ab des Rechtsstaats zu verbieten sind ein ganz widerlicher Stil, der quer durch die Medien Einzug erhalten hat.“

    Genau diesen widerlichen Stil pflegt Wendt, quer durch die Medien, von Compact bis in die Tagesschau, was Ihnen aber offensichtlich nichts weiter ausmacht.

  10. Ich habe das mit Herrn Wendt zu G20 bislang nur am Rande mitbekommen und bin Boris Rosenkranz und Übermedien dankbar, das alles so präzise aufzulisten. Es bestärkt mich darin, an meinem Abo festzuhalten.

  11. Kam mir sofort in den Sinn:
    https://www.youtube.com/watch?v=AbYHF6ymAO4
    Demnächt im Kino:
    „Retörn of se Wendt“
    Also entweder war man bei der ein oder andeern Sendeanstalt extem verzweifelt…oder man hat wahllos das Rolodex-Roulett betätigt…
    einem Mann ein Forum zubieten,dem die neutrale EXpertise aus jedem Knopfloch quillt und nicht nur daheraus ;-)
    Wollte ich mal sachlich anmerken!

  12. @Boris Rosenkranz: Zunächst einmal vielen Dank für Ihre sachliche und gelassene Reaktion. Ich wünschte, ich wäre in meinem Kommentar auch etwas sachlicher geblieben. You know what I mean! So schnell laufe ich als Abonnent auch nicht davon. Dafür ist Übermedien im Kern zu wichtig. Wir brauchen nämlich dringend einen Journalismus, der die konsensmaschinelle (frei nach Chomsky) Diskreditierung eines Michael Lüders mit scharfem Messer seziert, hinterfragt und durch schlichte Recherche (sic!) einen sogenannten Faktencheck des renommierten Spiegel ad absurdum führt. Großartig! Wir brauchen mutige Medien. Mutig heisst aber heute aus meiner Sicht nicht nur sich mit kugelsicherer Weste nach Syrien zu begeben. Noch mutiger erscheint es mir, den weit verbreiteten Beschädigungssjournalismus auch dann als solchen zu entlarven, wenn der oder die Geschädigte der AfD angehört und damit im journalistischen Common Sense als rechtlos gilt. (Stichwort Sex Skandal und AfD) Sich dem Vorwurf auszusetzen, man verrichte ausgerechnet das Geschäft der AfD und es dennoch zum Thema zu machen ist grandios und richtig. Ich wünsche mir ein Übermedien, dass meinungsfrei journalistische Fassaden zerlegt und sachlich Unrichtiges als solches benennt. Der Bedarf an Ideologie-Schleudern und Konsensmaschinen ist m.E. gedeckt. In Ihrem Artikel wird mir persönlich zu häufig negativ erwähnt, dass Herr Wendt überhaupt zu Wort kommt. So What? Es gibt viele, zu viele Staaten in denen Leuten vorab das Wort entzogen wird. Und auch bei uns neigt man immer mehr dazu. Medien dafür zu kritisieren, dass sie das NICHT tun finde ich, vorsichtig formuliert, falsch. Auch wenn’s manchmal weh tut. Und auch die Person Wendt und seine Haltung zu kritisieren tun schon genug andere. Da könnte sich Übermedien gern auf Wichtigeres konzentrieren. Zumal auch Herr Wendt (vgl. Lüders) bereits hinreichend beschädigt ist. (Für was eigentlich genau?). Sich darüber zu ärgern, dass er medial immer noch lebt, obwohl er doch ordentlich zusammengetreten wurde, ist aus meiner Sicht überflüssig. Übermedien kann mehr!!!!!! Ich glaube fest daran!

  13. Alle die den Wendt ans Bein pinkeln sei gesagt dass es in Deutschland gewisse Vorschriften in Sachen Betriebsrat gibt. D.h.
    Ab einer gewissen MitarbeiterAnzahl gibt es einen hauptamtlichen Betriebsrat und der ist vom Arbeitgeber bei Weiterbezahlung seiner Bezüge frei zu stellen.

  14. In Ihrem Artikel wird mir persönlich zu häufig negativ erwähnt, dass Herr Wendt überhaupt zu Wort kommt. So What?

    Es wird doch in genau diesem Artikel genauso häufig dazu geschrieben, wieso das negativ ist. Weil er eben inhaltlich nichts zur Sache beitragen will und weil die Journalisten das vorher auch genau wissen. Weil das jeder vorher wusste, der es wissen mochte. Weil man Herrn Wendt das Wort gibt, damit er mit Schmackes durchs Nachrichtenprogramm schreit und alle anderen ‚Holla!‘ rufen dürfen. Und das ist negativ. There you go.

    Der Bedarf an Ideologie-Schleudern und Konsensmaschinen ist m.E. gedeckt.

    Ideologie-Schleudern wie Law&Order-Apologeten und Konsensmaschinen à la ‚Die Polizei muss mehr Präsenz zeigen.’/’Da muss man härter durchgreifen.‘? Der Bedarf ist allerdings durch Herrn Wendt mehr als gedeckt.

    Last and least:
    Es gibt viele, zu viele Staaten in denen Leuten vorab das Wort entzogen wird. Und auch bei uns neigt man immer mehr dazu. Medien dafür zu kritisieren, dass sie das NICHT tun finde ich, vorsichtig formuliert, falsch. Auch wenn’s manchmal weh tut. Und auch die Person Wendt und seine Haltung zu kritisieren tun schon genug andere. Da könnte sich Übermedien gern auf Wichtigeres konzentrieren.
    Weil zu viele Staaten, so wie wohl auch der unsrige, Leuten das Wort entziehen, ist es falsch Medien zu kritisieren, die Leute zu Wort kommen lassen, bei denen das weh tut? Und im Übrigeren sollte man sich auf anderes konzentrieren, weil ja schon genug andere kritisieren, dass es weh tut? Sollte Übermedien sich dann lieber nicht zu Wort melden, auf dass Herr Wendt das Wort nicht entzogen werde? Stimmt, jetzt tut’s auch mir langsam weh. Aua.

  15. Wieso Ärgern? Bei mir verursacht Wendt keinen Ärger sondern ausgeprägte Facepalm-Stirn.

    Und ich finde den Artikel schon passend weil er schön detailliert darlegt wie Wendt zwischen beschönigen und poltern schwankt.
    Zwischentöne? Fehlanzeige…
    Fakten? Stören nur…
    Selbstreflektion? Brauch ich nicht, hab doch meine Überzeugung…

  16. @VonFernSeher

    Wie kommen Sie darauf, dass Jemandem das Wort entzogen werden sollte? Erstens darf Wendt sowieso schon überhaus häufig seinen rechten Blödsinn über den Äther in deutsche Haushalte schicken und zweitens geht es um journalistischen Anspruch in vermeintlich journalistischen Formaten. Sie schreiben doch auch selbst, dass von Wendt nichts Substantielles zu erwarten ist und man vorher genau weiß, was er sagen wird. Insofern hätte man sich dieses Interview auch sparen (oder alternativ ein Interview mit Arno Dübel zum Arbeitsmarkt führen) können. Vernünftig und möglicherweise auch lehrreich für die Zuschauer wäre es gewesen, wenn man zu dem ganzen Themenkomplex einen erfahrenen Polizeiwissenschaftler oder meinetwegen auch einen Soziologen, beziehungsweise Psychologen befragt hätte, der sich auf diesem Gebiet auskennt. Aber vermutlich war gerade keiner der genannten verfügbar. Und weil der Gniffke weiß, dass der Wendt immer Zeit hat, hat er den halt anrufen lassen und vielleicht findet er den wendschen Rechtspopulismus sogar auch ein bisschen geil.

    Würden wir in einer gerechten Welt leben, dann würde sich die Nachrichtenableserin Holst für diesen Tiefpunkt journalistischer Arbeit in Grund und Boden schämen und um Entschuldigung Bitten.

  17. @Gunnar
    Da Missverständnis liegt wohl an meinem Tippfehler. Der Absatz nach ‚Last and least:‘ ist ein Zitat, nur nicht wie die anderen eingerückt. Mit dem Rest rennen Sie bei mir (und vielleichtwahrscheinlich auch beim Autoren) offene Türen ein.

  18. In der Berichterstattung über die G20-Proteste fallen mir einige Dinge auf, die unlogisch sind.

    Das geht los mit der Attributierung der Geschäfte „Rewe“ und „Budni“. Meisten wird einfach nur erwähnt, daß Einzelhandelsgeschäfte geplündert wurden. Aber in den Berichten, wo die Geschäfte explizit genannt sind, ist das dann „die große Kette Rewe“ und „der kleine örtliche Budnikowsky“. Und es schwingt dann im Unterton meist so etwas wie Verständnis mit, daß von Antikapitalisten das Rewe-Geschäft geplündert wurde, man empört sich ausschließlich über das Plündern der Budnikowsky-Filiale.

    Dabei ist Rewe keine Kette! Das ist kein Unternehmen, dem sämtliche Rewe-Läden in Deutschland gehören. Sondern es ist lediglich ein Dachverband – ein Dachverband von selbstständigen Einzelhändlern („Rewe“ steht für „Revisionsverband der Westkaufgenossenschaften“). Jeder Einzelhändler ist finanziell unabhängig von eigenverantwortlich, er entscheidet auch selbst über den Umfang seines Sortiments. Manche der Einzelhändler im Rewe haben nur einen einzigen Laden, andere auch mehrere, meistens aber bleibt die Anzahl im einstelligen Bereich.

    Es spricht also vieles dafür, daß der von der Rewe-Plünderung betroffene Einzelhändler eine viel kleinere Firma ist als der Budnikowsky. Zumindest müsste man das erst mal klären. Statt dessen wird aber wie selbstverständlich das Narrativ verbreitet, daß Antikapitalisten quasi als Selbstverständlichkeit „die große Kette Rewe“ angreifen, und dann total unverständlich „den kleinen Budnikowsky“.

    Als nächstes macht man sich darüber lustig, daß Olaf Scholz das Großereignis des G20-Gipfels mit dem Hamburger Hafengeburtstag verglichen hat. Kommt denn keiner auf die Idee, daß der Vergleich dieser beiden Veranstaltungen gerechtfertigt ist?

    Bei vielen der Aufruf zum G20-Protest ging es um die Globalisierung, um die weltweiten Warenströme, die damit verbundene Ausbeutung und Umweltverschmutzung. Die weltweite Globalisierung, das Gegeneinander-Ausspielen der Lohnniveaus und Steuern der verschiedenen Staaten, das wird von den weltweit agierenden Konzernen gemacht. Die Politik kann lediglich versuchen, die Globalisierung zu zähmen und sie in sinnvolle Bahnen zu lenken, indem sie international zusammenarbeitet und einheitliche Regeln aufstellt.

    Für jemanden, der gegen die Globalisierung protestieren will, ist daher doch der Hamburger Hafengeburtstag inhaltlich viel passender als der G20-Gipfel. Beim Hafengeburtstag feiern sich die Unternehmen, die die Globalisierung möglich machen und vorantreiben:
    – Die Infrastruktur des Warenumschlags und der Lagerung.
    – Die Container-Schifffahrt.
    – Die Logistik des internationalen Warentransports.
    Da, beim Hamburger Hafengeburtstag, da wird die Macht des Kapitalismus dargestellt und lustig gefeiert (und ja, ich selbst war da auch schon mal mittendrin dabei) – nicht beim Treffen von 20 Staatsvertretern, die sich einfach nur miteinander unterhalten wollen.

    Der Hamburger Hafengeburtstag findet jährlich statt. Und noch nie habe ich von begleitenden Protesten durch Antikapitalisten, Globalisierungsgegner und Umweltschützern gelesen. Statt dessen ist das immer ein fröhliches Fest, bei dem die Menschen sich amüsieren. Der Kapitalismus wird gefeiert mit Pommes, Currywurst und Fischbrötchen, mit Riesenrad und Schlagermusik. Warum dann jetzt bei dem Gipfel, wo ein paar Menschen bloß miteinander sprechen wollen, das genaue Gegenteil? Das ist doch völlig unlogisch!

    Wenn die Firmen sich feiern, die die internationalen Warenströme und die damit verbundenen Folgen erst möglich machen, dann wird aus antikapitalistischer Seite ignoriert. Wenn aber die Politiker sich treffen, die gemeinsam Regelungen zum Umgang mit der Globalisierung finden sollen, dann wird von einem breiten Bündnis zu blockieren und zu verhindern versucht. Wie erkläre ich das einem Außenstehenden?

    Aber niemand in der deutschen Presselandschaft thematisiert mal diesen Widerspruch. Statt dessen wird das einfach so hingenommen. Und Olaf Scholz muß sich dafür rechtfertigen, daß er den Hamburger Hafengeburtstag und G20-Gipfel überhaupt miteinander verglichen hat.

    Es ist alles so komisch! Und so unlogisch! Bin ich der einzige Mensch, der diese Unlogik sieht?

  19. Mir war nie klar, warum ein Gewerkschaftsfunktionär zu anderen als gewerkschaftlichen Themen befragt wird (zu letzteren habe ich ihn niemals gehört). Sicher ist er neben Gewerkschafter auch Polizist und kann als solcher befragt werden, aber er ist nur Polizeibeamter niedrigen Ranges und zudem lange aus der eigtl. Berufstätigkeit heraus. Äußern sich z.B. IG-Metall-Vorsitzende zur Produktqualität der Stahlindustrie oder zum neuesten BMW-Modell? Wohl kaum oder nur peripher. Aber Wendt äußert sich nur zu vergleichbaren Themen. Er wirkt nicht als Gewerkschafter, sondern als Polizeivertreter, als hätte die Polizei eine innere Selbstführung , an deren Spitze Wendt stünde, als spreche durch Wendt „die Polizei“. Als hätte Hauptkommissar Wendt wirklich etwas zu inhaltlich-polizeilichem Handeln oder gar zur Innen-, Migrations- und gar Justizpolitik zu sagen. Dennoch geben ihm Medien immer wieder die Bühne dafür. Ich halte das schon prinzipiell für skandalös. Durch sein eigenes Handeln nun führt es Wendt ad absurdum. Zum Glück.

  20. @17, Daniel Rehbein:
    „Es ist alles so komisch! Und so unlogisch!“
    Die Diskussion wird von Emotionen geleitet welche mit Logik nur bedingt zu erfassen ist.

    @18, Lars:
    “ Er wirkt nicht als Gewerkschafter, sondern als Polizeivertreter,“
    Und er vertritt auch „nur“ die zweitgrößte Gewerkschaft, hat also nur bedingt Rückhalt aus den eigenen Reihen.

  21. Schade, dass mein Kommentar mit dem Link zum Video des Neo Magazins über Rainer Wendt es nicht durch die Kommentarprüfung geschafft hat. Ich habe ein sehr schlechtes Namensgedächtnis und mir hat es tatsächlich geholfen, seinen Namen in Erinnerung zu behalten.

  22. @14: „Alle die den Wendt ans Bein pinkeln sei gesagt dass es in Deutschland gewisse Vorschriften in Sachen Betriebsrat gibt.“

    Und was hat das mit Wendt zu tun?

    Ihnen sei gesagt: Der war nie Betriebsrat, dazu hat er nie die nötigen Stimmen zusammenbekommen. Nice try, aber letztlich nur der Versuch, denen „ans Bein zu pinkeln“, die Wendt kritisieren.

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