Vera Lengsfeld, Lügenpresse-Expertin

Das Erste veranstaltet heute einen Abend zum Thema „Journalistische Verantwortung“. Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die Frage: „Vorwurf ‚Lügenpresse‘ – Kann man Journalisten noch trauen?“ Als Sachverständige ist unter anderem die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld eingeladen.

Das ist ein bisschen originell.

Lengsfeld betreibt ein Blog, in dem sie ihren Leser immer neue Anlässe liefert, sich mit ihr über den Zustand der Demokratie und Medien zu empören. Ihre Beiträge werden von diversen Internetseiten wie „Achse des Guten“ oder „eigentümlich frei“ übernommen.

Anfang November behauptete sie, dass viele Linke Donald Trump im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf unterstützten, darunter die Schauspieler Susan Sarandon und Matt Damon und der Dokumentarfilmer Michael Moore. Das war falsch. Lengsfeld war unter anderem auf obskure Internetseiten hereingefallen, die mit Falschmeldungen Klicks generieren oder Meinung machen wollen.

Sie hat trotz Hinweisen auf ihren Irrtum ihren Fehler strotzenden Artikel nie berichtigt. (Redet aber heute im Ersten Deutschen Fernsehen über „Journalistische Verantwortung“.)

Lengsfelds steile Thesen schaffen es immer wieder auch in die sogenannten „Mainstream-Medien“. Heute taucht sie als eine Art Expertin in einer dpa-Meldung auf:

Kritik an deutschen Steuergeldern für Clinton-Stiftung

Washington (dpa) – Die Bundesregierung ist wegen Millionenzuwendungen an die umstrittene Clinton Foundation von Bill und Chelsea Clinton in die Kritik geraten. Das Bundesumweltministerium hat der Stiftung zwischen einer und fünf Millionen Dollar (940 000 bis 4,7 Mio Euro) zukommen lassen, wie die Clinton Foundation auf ihrer Homepage ausweist. Zumindest ein Teil davon wurde im dritten Quartal 2016 und damit im Wahlkampf zu [sic!] US-Präsidentschaftswahl gezahlt, bei der Hillary Clinton als Kandidatin der Demokraten angetreten war.

Neben dem Bundesumweltministerium ist auch das Staatsunternehmen GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) als Spender von mindestens einer Million Dollar aufgelistet. Die frühere CDU-Parlamentarierin Vera Lengsfeld kritisierte die Zuwendungen. „Klar ist, dass anscheinend deutsche Steuerzahler, ohne es zu wissen, Hillary Clintons Wahlkampf finanzieren mussten“, schreibt sie in ihrem Blog.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums bestätigte der Tageszeitung „Die Welt“ die Zahlungen. Es handele sich allerdings nicht um Spenden, sondern um Zahlungen im Rahmen einer Klimainitiative. Die Clinton-Stiftung führe ein Projekt zur Forst- und Landschaftsrenaturierung in den ostafrikanischen Ländern Kenia und Äthiopien durch, das von Deutschland kofinanziert werde.

Die Clinton-Stiftung setzt sich in großem Stil für gemeinnützige Projekte vor allem in Entwicklungsländern ein. Sie war aber vor allem während des US-Wahlkampfes auch in die Negativschlagzeilen geraten. Hillary Clinton wurde unterstellt, als Außenministerin Spendern der Stiftung verbesserten Zugang gewährt zu haben. Das FBI untersucht den Umgang mit Spenden bei der Organisation.

Das Bundesumweltministerium hat über die geförderten Projekte in Ostafrika im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) bereits im März informiert. Zwischen 2014 und 2016 seien dafür gut 1,5 Millionen Euro geflossen. Die GIZ hat in Malawi Gesundheitszentren gefördert.

Nun kann man eine solche Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und der Clinton-Stiftung natürlich kritisch sehen – aus konkreten oder prinzipiellen Erwägungen. Sie hat allerdings nichts mit einer Unterstützung Clintons im Wahlkampf zu tun, wie sie Lengsfeld unterstellt. Erstens floss das Geld in konkrete Projekte. Und zweitens ist die Clinton-Stiftung eine gemeinnützige Stiftung, die nicht den Wahlkampf von Hillary Clinton finanziert hat.

Das suggeriert aber die dpa-Meldung. Die Agentur stellt schon im ersten Absatz eine Verbindung zum Wahlkampf her. Und nachdem sie Lengsfeld mit dem Satz zitiert hat: „Klar ist, dass anscheinend deutsche Steuerzahler, ohne es zu wissen, Hillary Clintons Wahlkampf finanzieren mussten“, schließt sie die Formulierung an, das Bundesumweltministerium „bestätigte, dass Geld geflossen ist“, was scheint Lengsfeld Recht zu geben scheint – erst danach folgt eine Relativierung.

Und überhaupt: dpa würde Lengsfelds Satz ja nicht zitieren, wenn offenkundig wäre, dass sie Unsinn redet, richtig?

Falsch. Die dpa zitiert den Satz, weil er die Meldung erst richtig aufregend macht und die Zutat für einen großen Skandal liefert. Auch die „Welt“, die am Montag auf ihrer Titelseite über die Zahlungen berichtet hat, zitierte darin Lengsfeld.

Ihre unbelegte Unterstellung wurde nicht nur von all den Seiten verbreitet, die sich als Gegenstimmen zur vermeintlichen „Lügenpresse“ verstehen, sie schaffte es zum Beispiel auch in die Überschrift der zur Axel-Springer-Gruppe gehörenden Online-Magazins „Business Insider Deutschland“.

Ein dpa-Sprecher räumte auf Anfrage ein, „dass wir das Zitat noch besser hätten einordnen können“.

Das ist eines von den Dingen, die in den etablierten Medien schieflaufen: Sie verbreiten unbesehen und unkommentiert haltlose Behauptungen.

Und „Maischberger“ bucht ausgerechnet Vera Lengsfeld, die immer wieder solche haltlosen Behauptungen liefert und nicht korrigiert, um zu erörtern, ob Journalisten noch zu trauen ist. Darauf muss man erstmal kommen.

Nachtrag, 19:45 Uhr. „Spiegel Online“ nimmt Vera Lengsfelds Lügengeschichte ebenfalls auseinander: Wie eine Verschwörungstheorie entsteht.

45 Kommentare

  1. Danke dafür. Frau Lengsfeld wird weiter lügen, und sie wird sich weiterhin nicht schämen, wenn ihre Lügen auffliegen.

  2. Also, ich habe mir angewöhnt, eine Sendung erstmal anzuschauen bevor ich sie kritisiere. Ich befürchte zwar, dass es so sein wird wie im Artikel beschrieben – aber warten wir doch mal ab.

  3. Ich habe gar nicht beschrieben, wie die Sendung wird. Ich habe beschrieben, wen die Sendung eingeladen hat. Und was diejenige ganz aktuell für einen Beitrag zur Lügenpresse geleistet hat.

  4. Die Maischberger Sendung in der Gäste kritisch befragt wurden, gab es bislang nicht.
    Das ist auch schlicht nicht das Format deutscher Talkshows.

  5. Aber Sascha Lobo hat das ja angesprochen und kritisiert(was ich auch erwartet habe) – und die bemerkenswert störrische Standhaftigkeit von Lengsfeld ist doch pure Realsatire! Ich find’s herrlich! Es wäre aber in der Tat Maischbergers Aufgabe, sie weiter festzunageln bei der Geschichte. Stattdessen wurde das wieder mal abgebügelt von der Moderatorin.

  6. „pure Realsatire“

    Ich Frage mich, wie viele der heute sicherlich zahlreichen Zuschauer das auch so erkennt.

  7. Ja, Frau Lengsfeld, Sie habens es wieder einmal vor Millionen Zuschauern vorgemacht: So entstehen Lügen! Einfach mal wider besseres Wissen und ohne Belege so behaupten, der Justizminister bittet die Presse um geneigte Berichterstattung.
    Erbärmlich. Gehen Sie auch in Dresden spazieren und schreien „Lügenpresse “ ?

  8. Für mich die spanneste Frage: Ist so jemand wie Frau Lengsfeld, die Sascha Lobo und der Welt kackdreist ins Gesicht lügt (sinngemäß „Ich habe immer zu meinen Fehlern gestanden“) tatsächlich von ihrer speziellen Wahrheit überzeugt, oder ist das ein bewusstes Schauspiel?

  9. Der Herr Busfahrer sollte mir mal erklären, wieviel Zeit man braucht, um aus allen Sendungen, Kommentaren, Zeitungen, Internetforen, Talkshows etc . sich ein objektives Bild machen zu können. Ist er vielleicht Frührentner? In seiner DDR-Zeit war das weniger aufwendig, weil nur einheitliche Staatsmedien sowie ARD und ZDF auszuwerten waren. Grundsätzlich glaube ich, das die Medien bewusst oder unbewusst die Massen manipuliert, weil über alles und jedes nicht objektiv berichtet wird und durch Weglassen etc gesteuert wird. Ukraine-, Krim- und Russlandberichte sind die besten Beispiele.

  10. Frau Lengsfeld fordert die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, nimmt aber jede Einladung der durch „Zwangsgebühren“ finanzierten Anststalten an. Sie hetzt gegen die so genannte „Lügenpresse“, verbreitet aber in den einschlägigen Blogs wie achgut, Tichys Einblick, Freie Welt oder eigentümlich frei offensichtliche Unwahrheiten. Ihr Ruf nach Meinungsfreiheit ist in Wirklichkeit der Ruf nach Zensur. Der Auftritt bei Maischberger mag wie eine Realsatire gewirkt haben, einem entscheidenden Teil der Zuschauer dürfte dies aber entgangen sein. Dieser Teil ist immun gegen jegliche Kritik, er interessiert sich nicht für Argumente. Deswegen ist es auch nicht gerade clever , Leute wie Frau Lengsfeld einzuladen. ARD und ZDF holen sich damit letztlich ihre Feinde ins Haus. Sie bieten ihnen freiwillig eine Bühne, auf der sie ihre kruden Theorien präsentieren dürfen. Blatt- bzw. Sendungskritik pervers. Was nützen da die Belege von Sascha Lobo, die versenden sich eh. Das Volk stört sich allenfalls daran, dass Frau Lengsfeld nicht 60 Minuten durchsprechen durfte. Das Format Talkshow hat jedenfalls noch nie zum Austausch von Argumenten getaugt. Die Runden sind statt dessen mittlerweile zum Agitationsfeld der Rechts-Populisten mutiert, seitdem diese dumpfe Minderheit dort überproportional gefeatured wird. Grotesk! Die Frage ist nur: Dürfen AfD-Wähler und Pegida-Jünger das überhaupt sehen oder kriegen die Ärger, wenn Bachmann, Höcke und Festerling rausbekommen, dass sie den Feindsender eingestellt haben?

  11. „Und überhaupt: dpa würde Lengsfelds Satz ja nicht zitieren, wenn offenkundig wäre, dass sie Unsinn redet, richtig?“

    @Stefan, nach dem, was mir regelmäßig aus Radio, (Öffentlich-Rechtlichem) Fernsehen und Zeitung an offensichtlichem Unsinn in Form eines Zitates entgegenleuchtet,
    war meine -selbstgebildete- Auffassung, dass ein Berichterstatter (Journalist, Agentur, Moderator…) ein Zitat nicht unterlassen kann, nur weil es einen Sachverhalt nicht richtig wiedergibt.
    Wenn dem Journalisten das Weglassen (Berichtigen ?) freisteht, macht das meinen Blick auf die Leistungen der Medien allerdings nicht heller….

  12. Am besten gefällt mir Frau Lengsfelds Formulierung: „Klar ist, dass anscheinend…“ Schlicht genial und so universell zum Behaupten von allem Möglichen einsetzbar. Übernehme ich in mein Repertoire.

  13. #15 @Stefan, Sie weichen aus: dürfen Journalisten Zitate richtig stellen?

    Zu Ihrer Frage: Frau Lengsfeld zu zitieren könnte z.B. der Tatsache geschuldet sein, dass sie sich in der Angelegenheit geäußert hat.
    Wie Sie belegt haben, hat Frau L. das verfälschend getan.
    Ihre Aussage: „Das ist eines von den Dingen, die in den etablierten Medien schieflaufen: Sie verbreiten unbesehen und unkommentiert haltlose Behauptungen.“
    Glauben Sie jetzt wirklich, ich könnte_Ihnen_ erklären, wie Nachrichten-Business geht? (Das bezweckte -andersrum- meine ernst gemeinte Frage)
    Da haben sich jetzt, glaube ich, die Seiten des Tisches verdreht (ich will nicht von Fronten schreiben.

  14. @Jörg: Ja, ich finde Journalisten dürfen und sollten darauf hinweisen, wenn Zitate offenkundig falsch oder unbelegt sind. Das sieht man ja ganz schön, wie die Kollegen in den USA das – inzwischen! – mit Trump-Tweets handhaben, bei denen sie inzwischen meistens gleich dazu schreiben, wenn die Behauptungen (etwas was den millionenfachen Wahlbetrug angeht) unbelegt sind.

    Eine ganz andere Frage ist aber doch, warum man überhaupt erst ein so irreführendes Zitat von jemandem in eine Agenturmeldung aufnehmen soll, die weder Expertin noch Betroffene oder Beteiligte ist. Es geht ja hier nicht darum, zwei Positionen in einem Streit durch Zitate abzubilden.

    Insofern hätte dpa das Zitat gar nicht einordnen oder korrigieren sollen, sondern einfach: weglassen. Wegen der Kombination aus Irrelevanz und Quatschigkeit.

  15. Auch nach diesem Artikel finde ich es bedenklich, wenn die Bundesrepublik in Wahlkampfzeiten Geld an die Clinton-Stiftung spendet. Schon, wenn etwas wie Korruption aussieht…

  16. „Eine ganz andere Frage ist aber doch, warum man überhaupt erst ein so irreführendes Zitat von jemandem in eine Agenturmeldung aufnehmen soll, die weder Expertin noch Betroffene oder Beteiligte ist.“

    Frau L. ist erstens Beteiligte als Steuerzahlerin.
    Und zweitens als Publizistin, denn ganz offensichtlich verdient sie damit ihr Geld.
    Das macht sie noch lange nicht zu einer glaubwürdigen Person, aber rückt sie (wahrscheinlich) in den Focus von Leuten, „die irgendwas mit Nachrichten machen“, wie z.B. Nachrichtenagenturen.

    Aber meinetwegen brauchen _wir_ hier nicht weiter über Frau L. uns auszutauschen; sie wird sich von Ihren Nachweisen falscher Äußerungen nicht beirren lassen und wird für mich nicht zur Sympathieträgerin.

  17. @Holger Kreymeier:
    Ja, das Frau Maischberger Herrn Lobo nicht mal hat ausreden lassen und diese Diskussion abrupt abgebrochen hat, hat mich zum weiterzappen animiert. War ein paar Minuten zuvor erst dazugekommen. Aber das ist mit ein Grund, warum ich mir solche TalkingShit-Runden nicht antue. Weil immer dann, wenn es mal interessant wird, sofort das Thema oder der Teilnehmer gewechselt wird. Furchtbar. Was soll das ?
    Schön war auch, als Herr Wickert die Medien verteidigen wollte und meinte, da und da hätten die Medien ja ihren Fehler eingestanden und bereut bla bla blubb. Und dann kam direkt der Kommentar ( von Frau Lengsfeld ?!) das sich dieses Spiel aber immer wieder wiederholen würde und die Medien dann doch nichts draus gelernt hätten. Bravo.
    Gestern wohl nicht aber dann Vorgestern musste ich wieder das Gesicht von Herrn J. Reichelt in den ÖR sehen. Wer lädt so Leute immer wieder ein ?

  18. Sehr schade. Ich halte alternative, kritische Stimmen wie Lengsfeld für wichtig. Aber so nicht. Wer so freihändig kreativ mit Wahrheiten umgeht wie sie, und es ist ja nicht nur in einem Fall, diskreditiert sich selbst. Der Punkt geht hier eindeutig an Lobo.

    Die Sache mit Heiko Maas und der angeblichen Bitte um freundliche Berichterstattung an den „Spiegel“ wurde jedoch tatsächlich so von der BILD Ende Oktober berichtet.
    http://www.bild.de/politik/inland/heiko-maas/proteststurm-kinderehe-48513366.bild.html
    http://vera-lengsfeld.de/

    Da war sie gestern einfach schlecht vorbereitet. Wenn man sich schon in die Talkshows des Staatsfernsehens begibt, muss man seine Quellen auch parat haben. Sonst geht man unter.

    Vielen Dank Herr Niggemeier für Ihre gute Arbeit!

  19. Man müsste anmerken: wer lügt, ist keine kritische Stimme. Das relativiert den Satz „kritische Stimmen wie“ doch sehr. Es geht also und eigentlich um „kritische Stimmen nicht wie Lengsfeld“.

  20. @Taschenrechner
    Nein.
    „Offenbar hatte sein Ministerium dem „Spiegel“ einen Entwurf mit Bitte um freundlichen Tenor zur Verfügung gestellt.“
    „Offenbar“ ist das Zauberwort. Die BILD vermutet nur. Wissen tut die nix.

  21. Und zur Maischberger-Show. Unerträglich. Der Busfahrer schwadroniert von „Lügenpresse“ und „Gleichschaltung“ (Und er HAT gesagt, die sei hier schlimmer als in der DDR). Aber wehe, SM meint, er „marschiert“ bei Pegida. Dann fühlt er sich sofort diskreditiert. Und der Mann kommt damit durch!

  22. @Daniel
    Ich habe nicht behauptet, dass die Sache mit Maas belegt ist. Die BILD vermutet viel, wenn der Tag lang ist. Allerdings kann man nicht mehr sagen, VL hätte das frei erfunden. Vorstellbar ist es für mich durchaus, denn insbesondere SPON hat meiner Meinung nach in letzter Zeit die kritische Distanz zu Maas etwas verloren. Er wurde in deren Artikeln sehr einseitig gelobt und in Schutz genommen. Zudem durfte er mehrfach Gastkommentare verfassen, in denen er richtig ausgeteilt hat.

  23. @Taschenrechner
    Nein. Sie hat keine Quelle, sie hat die Vermutung der BILD. Und die hat auch nicht berichtet. Die hat rumvermutet. Da gibt es nichts zu belegen. Frau Lengsfeld hat die Vermutung der BILD zur Tatsache erhoben. Die kann sie aber nicht belegen. Und kommt damit davon, einfach „die Formulierung“ zu ändern.

  24. @Daniel
    Naja, das sehe ich etwas anders. Lengsfeld hatte das wohl damals in der BILD (bzw. online) gelesen, die den Vorgang als „offenbar“ geschildert hatte. „Offenbar“ ist allerdings schon semantisch stärker als „vielleicht“ oder „möglicherweise“. Als beliebiges „rumvermuten“ würde ich das nicht abtun. „Offenbar“ übersetze ich als „ich bin mir ziemlich sicher“. Das Wort „offenbar“ hat z.B. in mathematischen Texten die Bedeutung „evident“ bzw. „unmittelbar einsichtig“.

    Klar, unbestritten, das war unprofessionell. Aber es ist doch was ganz anderes als eine freie, völlig aus der Luft gegriffene Spontanerfindung. In diesem Sinne ist es keine so harte Lüge, wie manche hier tun. Das „Gerücht“, wenn man es denn so nennen will, stammt nicht von ihr.

    Wolfgang schreibt z.B. oben: „Einfach mal wider besseres Wissen und ohne Belege so behaupten, der Justizminister bittet die Presse um geneigte Berichterstattung. Erbärmlich.“ Das kann man eben so nicht behaupten, denn weder war es „einfach mal“, und „wider besseres Wissen“ würde bedeuten, dass sie entweder wusste, dass es falsch ist oder es keinerlei Indizien in diese Richtung gibt. Ihr ist die Quelle (ja, auch die BILD ist eine Quelle) halt im Gefecht nicht eingefallen.

    Ich finde das jetzt nicht so wahnsinnig verwerflich. Schlimmer sind die Fälle, in denen sie selbst originär Unsinn in die Welt setzt sowie längst bekannte Fehler in ihrem Blog nicht behebt. Z.B. steht der „Linksaußen für Trump“-Artikel immer noch dort. Ob Änderungen daran vorgenommen wurden oder nicht, ist nicht ersichtlich und die Kontroverse darüber bleibt unerwähnt. Das ist unseriös.

  25. @Taschenrechner
    Um Seriosität kann es bei VL schon lange nicht mehr gehen. Eher darum, wie weit sie sich – und die, die ihr glauben – sich von der Realität entfernt haben. Offenbar ist nicht schwächer. Es bedeuted „Ich halte es für offensichtlich und daher für wahr“. Oder „Ich weiß es nicht aber alles spricht dafür“. Aber die BILD hatte keinen Grund, es für wahr zu halten. Es passte nur in ihr Bild. Und weil es VL auch ins Bild passte, erzählt sie es halt als Tatsache. Gefragt nach einem Beispiel dafür, daß ihre These vom politischen Einfluss auf die Medien stimmt. Sie übernimmt also die Vermutung der BILD und verkauft sie als Tatsache. Habe ich das nicht schonmal gesagt?

  26. @Daniel:
    Frau L. hat ja 1996 schon mal zum Boykott der taz aufgerufen, nachdem Wiglaf Droste und Gerhard Henschel dort auf der „Wahrheit“ (wo sonst?!) den Fortsetzungsroman „Der Barbier von Bebra“ veröffentlicht hatten, in dem es um Morde an ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern ging (unter anderem wurde Thierse mit einer Klarinette erdolcht). War damals schon eine Mischung aus Paranoia und noch randomisierten Wutbürgertum. Daran hat sich nicht viel geändert, nur dass sie jetzt Teil einer entsicherten Bewegung ist und dort auf Millionen Gleichgesinnte trifft. Frau L. glaubt ja auch, dass es einen „Antifa e.V.“ gibt, der vom Staat finanziert wird und dessen Mitglieder von der Bundesregierung zu Demos gekarrt werden. Zu erkennen, was Satire ist, war noch nie ihre Stärke. Und wer die „Wahrheitsseite“ der taz ernst nimmt, der hat natürlich wenig Probleme damit, Dinge als Wahrheiten zu verkaufen, die beim Faktencheck durchfallen, aber doch so schön ins Weltbild passen.

  27. Ich fand die Sendung grauenhaft, gerade weil mich das Theam interessiert. Viel zu ueberladen und fast nur mit Fehlbesetzungen. Als Nicht-AfD-Fan hat mir der Busfahrer am besten gefallen. Klare Ansage. Von ihm und jetzt von mir. Ein solches zielloses Durcheinandergequatsche bestaetigt nur die AfD-Anhanger in ihrer Meinung, dass das Oeffentlich – rechtliche Fernsehen fuer den Arsch ist. Schuld daran ist das fehlende Konzept der Redaktion. Weniger Themen. Mehr kompetente Gaeste. Eine faehige Moderatorin ohne Schnappatmung. Besonders schwach fand ich den weichgespuelten Herrn Wickert, der sich in den 70er Jahren ganz linksaussen gerierte, als SPD-Mitglied getarnt, Erziehungsfernsehen machte und jetzt den AfD-Versteher und guetigen Journalisten-Onkel gibt. Mich wuerde die Meinung von Niggemeier interessieren, ob ueberhaupt und welchen Wert diese Sendung hatte. Nicht nur, wie schwach Lengsfeld war.

  28. @Werner Kiby: Ich fand’s grauenhaft. Alles. Von der ersten Minute an. Sehr schwer erträglich. Das Durcheinandergerede. Die verzweifelten Versuche von Frau Maischberger, zu erklären, worüber gerade geredet wird. Ich glaube, dass niemand, wirklich niemand nach dieser Sendung schlauer war.

  29. Das ist doch völlig absurd. Die Bundesregierung würde nie so etwas wie Pizzagate unterstützen. Wer weiß, ob es Pizzagate überhaupt gibt.

  30. Doch, ganz viele sind schlauer.
    Viele Lügenpressen-Rufer. Denn Frau Maischberger hat sich – der FOCUS hat das präzise nachgezählt – zweimal entschudligt dafür, dass sie „marschieren“ gesagt hat. Da wird doch wohl klar, dass die Presse nun nicht mehr anders kann. Langsam kommt die Wahrheit ans Licht!
    Frau Lengsfeld hat auch was gelernt, denn es wird ihr nicht noch einmal passieren, dass sie die Frage nach „Belegen“ so schlecht beantwortet. Sie wird wohl wieder auf die Geschichte zurückgreifen: Merkel hat 2008 die Chefredakteure der wichtigsten Presseorgane gebeten/angewiesen, in der Finanzkrise keine Panik zu schüren.
    Ich habe auch was gelernt. Wie perfekt das Papagaienhafte der „entsicherten Rechten“ funktioniert. Auswendig gelernte Sätze, fein aufgesagt, ohne deren Inhalt zu verstehen. Schönstes Beispiel: Herr Radtke, der zwar hinter „marschieren“ den Versuch vermutet, ihn in eine Ecke zu drängen. Aber „Lügenpresse“ und „Gleichschaltung“ sagt. Er versteht es wohl nicht, dass das nicht zusammenpasst. Er kann es nur auswendig aufsagen.
    Und ich habe gelernt, dass die Wahrnehmung des Themas eben nicht an Silvester „gekippt“ ist. Sondern im September 2015. Als – Gerhard Vowe hat das erklärt – die Zahlen in den Zeitungen „plötzlich“ siebenstellig waren.

  31. „…Und zweitens ist die Clinton-Stiftung eine gemeinnützige Stiftung…“

    Aber genau das ist doch sehr umstritten und wenn man die Geschichte der Clintons betrachtet auch äußerst unwahrscheinlich. Leider basiert der ganze Artikel auf der Annahme, dass diese nicht weiter hinterfragte Aussage richtig sei.

  32. @Florian: Nein, der Artikel basiert auch darauf, dass das deutsche Geld nicht irgendwie allgemein in die großen Töpfe der Clinton-Stiftung floss, sondern in ganz konkrete Projekte, die die Stiftung in Afrika durchführt.

  33. Im Spiegel-Artikel wird ja auch deutlich, dass die Gelder basierend auf einer Ausschreibung für Entwicklungshilfemaßnahmen geflossen sind, die sich an nichtstaatliche Entwicklungshilfeeinrichtungen (Stiftungen, sonstige NGOs, …) gerichtet haben.
    Es ist also 1. anzunehmen, dass die Entscheidung für das Projekt der Clinton-Stiftung nicht politisch, sondern wie normalerweise bei solchen Ausschreibungen durch externe Gutachter getroffen wurde (aktive Entwicklungshelfer, Professoren aus diesem Feld, …) – möglicherweise sogar anonymisiert. Und wenn man die Clinton-Stiftung, die ja nun anerkanntermaßen ein Träger von Entwicklungshilfemaßnahmen ist, aus politischen Erwägungen kritisch als Empfänger dieser Mittel beurteilt, wäre 2. zu hinterfragen, wie man die Clinton-Stiftung überhaupt rechtsstaatlich vom Empfang dieser Mittel ausschließen kann: mit welcher Begründung sollten einem Ausschreibungs-Gewinner diese Mittel rechtssicher versagt werden?

    Ob sich aktive Politiker wie die Clintons mit einer solchen Stiftung einen Gefallen tun ist tatsächlich fraglich. Aber die Aufregung hier in Deutschland basiert ja wohl wirklich eher an einem Mangel an Differenzierung und der Lust am Skandal bei den genannten Kritikern.

  34. @BV Danke fuer den Hinweis. Der Stern belegt, dass keiner der drei von Lensgfeld als Beweis fuer falsche Berichterstattung des “Stern“ Faelle ueberhaupt in dem von ihr zitierten Artikel thematisiert wurde. Im Fall “Sebnitz“ war es sogar der Stern, der die Falschmeldung aufdeckte. Inzwischen hat sich Lengsfeld mit genauso verlogenen, windelweichen Aeusserungen entschuldigt. Aber was bleibt zurueck: Das Gefuehl von zigtausen Menschen, dass die Vorwuerfe von der Luegenpresse zumindest in dem Fall gerechtfertigt seien. Ein Totalversagen der Sendung. Ich wunderte mich schon waehrend der Sendung, warum es Masichberger zuliess, dass Lengsfeld minutenlang Kritik an einem Artikel ueben durfte, den niemand kannte. Voellig unprofessionell. Da ist es Usus, dass die Moderation sagt, der Text ist niemandem bekannt, deshalb muss ich das hier abbrechen. Statt Gequatsche ueber angebliche Luegenartikel haetten konkrete Text- oder Filmbeispiele vorgestellt und deren Aussagen mit den Fakten verglichen werden muessen. Vor allem solche, die umstritten sind. Mir ist es unverstaendlich, dass die ARD bei einem Thema, das sie in existentieller selbst Weise betrifft, eine Kollegin so dilettantisch in einem Talkshowformat, das Millionen sehen, agieren laesst. Gegen die Verleumdungen aus der rechten Ecke ist eine offensive Vorgehensweise angesagt, und Selbstkritik da, wo erforderlich. Aber auf hohem journalistischem Niveau, und nicht durch Labertanten und -onkel.

  35. @36 Das ist nicht umstritten. Die Clinton Stiftung IST eine gemeinnützige Stiftung

    „Die Vermutung, hier bestünde ein Zusammenhang mit dem US-Wahlkampf, ist auch deswegen absurd, weil die Förderentscheidungen bereits 2014 und 2015 getroffen wurden, also lange vor Beginn des Wahlkampfs.” Zitat des Umweltministeriums.

  36. Kleiner Hinweis von der Grammatikpolizei: „strotzen“ ist kein transitives Verb. Richtig ist deshalb „vor/von Fehlern strotzender Artikel“ oder „fehlerstrotzender Artikel“, nicht aber „Fehler strotzender Artikel „.

  37. Nachdem man ihr rechtliche Schritte angekündigt hat musste sie nun zurückrudern. In der Sendung wurde ihr nicht mit Fakten widersprochen. Laut Stern hat man noch während der Sendung die Redaktion von Maischberger informiert. Aber auch das hat nichts geändert. Man kann sich doch diese ganzen Sendungen, ob sie nun von Will, Maischberger oder von Plasberg sind sparen. Immer wieder grausam.

    https://www.google.de/amp/mobil.stern.de/amp/politik/deutschland/vera-lengsfeld-entschuldigt-sich-fuer-falsche-behauptungen-beim-stern-7222566.html?client=ms-android-samsung

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