Wieso ist das so? (20)

Warum laufen im Radio immer dieselben Songs?

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Wundern Sie sich auch manchmal, warum auf manchen Radiosendern immer dieselben Songs laufen, während es andere Titel so gut wie nie ins Programm schaffen? Wie trifft eine Musikredaktion eigentlich ihre Entscheidungen? Braucht es sie in Zeiten von Spotify und Co. überhaupt noch? Und wie sollte man als Sender mit dem Song „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino umgehen, den Rechtsextreme für sich kapern wollen? Darüber hat unsere Autorin Johanna Bernklau mit Robert Morawa, dem Musikchef von Bayern 3, gesprochen.


Übermedien: Welches Lied wird aktuell am häufigsten gespielt bei Bayern 3?

Robert Morawa: Im Moment sind es „Stumblin’ In“ von CYRIL und „Whatever“ von Ava Max und Kygo. Die spielen wir so vier- bis fünfmal am Tag. Das können aber nächste Woche schon wieder andere Titel sein, weil wir die aktuellen Hits jede Woche neu bewerten.

Können Sie die Titel noch hören?

Tatsächlich schon. Wir wissen, dass unser Publikum die Songs wirklich mag und ich kann auch nachvollziehen, warum: Weil sie einfach die Mundwinkel nach oben ziehen. Wenn der Tag schlecht war, kann man dabei wieder gute Laune bekommen.

Wie wird entschieden, welche Songs auf Bayern 3 laufen?

Einmal pro Woche setzen wir uns in der Musikredaktion zusammen und bewerten die ganz neuen Titel. Wir haben einen Musikkatalog, der aus verschiedenen Komponenten besteht: den neuen Hits, den aktuellen Lieblingssongs unserer Hörer:innen und dem sogenannten Back-Katalog mit Hits aus den 2000ern, mit denen unser Publikum aufgewachsen ist. Das ergibt am Ende die Musikmischung, die wir präsentieren wollen und an der wir dauernd arbeiten. Für die konkreten Playlists gibt es bestimmte Raster, weil es keinen Sinn macht, wenn man alle aktuellen Hits hintereinander spielt und dann kommen vier Stunden lang keine mehr. Also bauen wir uns ein Gerüst, damit jede Stunde nach der typischen Bayern-3-Mischung klingt.

Wie passen Gute-Laune-Songs mit ernsten Nachrichtenthemen, wie zum Beispiel der letzten Flutkatastrophe, zusammen? 

Jede Sendung wird tagesaktuell noch einmal angeschaut. Dabei beachten wir selbstverständlich aktuelle Nachrichtenthemen und passen die Musik dementsprechend an.

Warum hört man manche Lieder so häufig und andere nicht?

In einer hohen Rotation, also der sogenannten Heavy Rotation, laufen immer die Songs, die zu diesem Zeitpunkt die beliebtesten und relevantesten Hits bei unserer Zielgruppe sind. Das fragen wir auch immer wieder bei unserem Publikum nach. Das ist nichts, was wir uns selber zusammenreimen. Im Grunde arbeitet eine Musikredaktion wie eine Nachrichtenredaktion: Es macht keinen Sinn, jeden Abend alles zu berichten, was es auf der Welt gibt. Die Redaktion muss sich entscheiden, was die relevanten Themen für die Zielgruppe sind. Genauso ist es mit der Musik. Wir müssen mit unserem Gespü…

2 Kommentare

  1. Was ich interessant finde ist das Deutschlandfunk Nova kaum Musiküberschneidungen zu z.B. Bayern 3 hat obwohl sie auch Pop spielen und ein ähnliche Alterszielgruppe haben. Das scheint es unterschiedliche Zielgruppen trotz ähnlichen Genre und Alter zu geben.

  2. Auf WDR4, okay, Zielgruppe Ü50, wiederholen sich die Titel im Wochentakt. Ist Börerwunschtag, wünschen sich die Hörer die gleichen Titel, die sie ohnehin bereits die ganze Woche über gehört haben.

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