Covid-19

Wie Homöopathie-Magazine Angst vor Impfungen schüren

Haben Anhänger*innen von Homöopathie und Anthroposophie ein Problem mit Impfungen gegen Covid-19? Verbände und Globuli-Hersteller versuchen den Eindruck zu zerstreuen. Ein Blick in entsprechende Magazine vermittelt allerdings ein anderes Bild: Hier wird eher dafür geworben, sich nicht impfen zu lassen. Mit teils kruden Theorien. Ein ausführlicher Blick in diese Hefte.


Anfang Dezember erschienen in etlichen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen, die fürs Impfen gegen Covid-19 warben. Der Absender, ausgerechnet: die Deutsche Homöopathie-Union (DHU), einer der größten Hersteller homöopathischer Präparate. Normalerweise wirbt die DHU nicht in „Bild“, FAZ und „Welt am Sonntag“, sondern vor allem in Illustrierten, die ihre Produkte im Gegenzug gerne redaktionell empfehlen – wie ganz normale Medizin.

Quelle: DHU

Für ihr Impf-Anliegen suchte die DHU eine größere Öffentlichkeit: „Der Weg aus der Pandemie dauert nur zwei Sekunden“, stand über einem Anzeigenmotiv; über einem anderen: „Wir sollten das Land nicht spalten. Sondern impfen“. Im Text darunter schrieb die DHU, Impfen sei „der einzige Weg, der uns aus der Pandemie führen wird“.

Gleichzeitig nutzte das Unternehmen die Anzeigen jedoch als trojanisches Pferd, indem es Medizin als „Erfahrungswissenschaft“ bezeichnete, die „Erfahrung genauso wie wissenschaftliche Erkenntnisse“ berücksichtige. Das lässt genügend Raum für esoterischen Hokuspokus.

Trotzdem ist es erst mal überraschend, dass die DHU diese Anzeigen veröffentlichte. Für die niedrige Impfquote in deutschsprachigen Ländern werden auch Anhänger*innen von Homöopathie und Anthroposophie verantwortlich gemacht; eine Reihe von Medien haben einen möglichen Zusammenhang herausgestellt. Das könnte die DHU dazu bewogen haben, zu versuchen, das Image aufzubessern und so zu tun, als gehöre man „zu den Guten“, wie der Arzt und Homöopathie-Kritiker Christian Lübbers vermutete.

„Wir kommen damit unserer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen der Gesundheitswirtschaft nach“, sagt Frank Waimer, der Chef der DHU. Das Unternehmen stellte sich auch hinter den Verband klassischer Homöopathen, der verkündete, „homöopathisch denkende & arbeitende Praktiker:innen“ hätten Impfungen nie kategorisch abgelehnt.

„Nichts-tun ein noch größeres Risiko“

Eine mögliche Erklärung der DHU-Kampagne lieferte der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in einem an Mitglieder gerichteten Newsletter, auf den Lübbers aufmerksam machte.

„Unsere Homöopathie“ sei in Gefahr, hieß es dort. Es sei zu befürchten, dass eine „neue, jüngere und wissenschaftsgläubige Politikergeneration“ nicht davor zurückschrecken könnte, an der gesetzlichen Verankerung der Therapierichtung zu rütteln. Soweit der DZVhÄ wisse, sehe die DHU die Kampagne als möglichen Befreiungsschlag, um die Homöopathie zu schützen – die Anzeigen richteten sich insbesondere an die Politik.

„Die DHU ist sich dabei sehr bewusst, dass die Kampagne unter Umständen auch von Teilen ihrer eigenen Apothekenkundschaft kritisch bis ablehnend aufgenommen werden könnte. Hervorgehoben wurde aber die Überzeugung, dass Nichts-tun ein noch größeres Risiko wäre.“

Der Globuli-Hersteller sehe sich in der Pflicht, „uns allen Flankenschutz im Feldzug gegen eine individualisierte Medizin zu geben“.

Ohnehin wäre es wohl „politischer Selbstmord“, sich als ärztlicher Berufsverband gegen die Impfkampagne auszusprechen, sagt der DZVhÄ – der indirekt einräumt, dass es unter den Kolleg*innen viele Impfgegner gibt. „Wir stecken in einem Dilemma, Lösungsoptionen scheinen mit einer Quadratur des Kreises vergleichbar“, heißt es.

„Würde Pochen auf unsere homöopathischen Möglichkeiten nicht sofort als Größenwahn wahrgenommen, ganz nach dem Motto: da sieht man es mal wieder, die spinnen, die Homöopathen, also höchste Zeit, dass sie aus Herzen und Hirnen der Menschen verschwinden?“

Der DZVhÄ werde in der nächsten Zeit die Kampagne der Pharmafirma mit Testimonials aus seinen Reihen begleiten und auch sonst „in enger Abstimmung“ mit dieser die „Wissenschafts-Kommunikation“ verstärken. Dem Mantra „Wer Homöopathie sät wird Impfverweigerung ernten“ dürfe man sich nicht widerspruchs- und widerstandslos ergeben, erklärt der DZVhÄ-Vorstand – „in der Hoffnung auf Ihr Verständnis und Ihre Solidarität“.

Dabei vermitteln homöopathische und anthroposophische Magazine, vertrieben teilweise von seriösen Großverlagen, erhältlich mitunter in Bio-Supermärkten, genau den Eindruck, den DHU und DZVhÄ zu zerstreuen versuchen. Sie machen eher Werbung dafür, sich besser nicht impfen zu lassen.

„Die Wurzel“

Ein aktuelles Beispiel fragwürdiger Bio-Presse findet sich in „Die Wurzel“, dem so genannten „Vitalkost-Magazin“, das Leserinnen und Lesern dabei helfen will, Selbstheilungskräfte zu entdecken. 2019 bezeichnete „Die Wurzel“ bereits die Masern-Impfpflicht als „Diktatur gegen die Natur!“ – ohnehin verstießen Impfungen gegen den keltisch-druidischen Glauben.

Ausgabe 4/21 Quelle: Die Wurzel

In der jüngsten Ausgabe geht es nun um das Thema „Chlorophyll gegen Corona-Impfstoffe und 5G“. Das Pflanzenmolekül gleiche angeblich Zellschäden aus und verringere die „krebserregende, zellteilende Wirkung der Corona-Spike-Proteine“, die man mit der Covid-19-Impfung verabreicht bekomme. Wissenschaftliche Studien, die etwa belegen, dass eine Impfung krebserregend sein könnte, gibt es aber nicht – im Gegenteil.

Schon in der vorigen Ausgabe empfahl „Die Wurzel“ Bücher des österreichischen Autors Clemens Arvay, die auch im Wurzel-Shop erhältlich sind, und zitierte aus einem umfangreich; die Tageszeitung „Der Standard“ nennt Arvay und andere: „Impfangstmacher“. Im Inhaltsverzeichnis der „Wurzel“-Ausgabe heißt es zu dem Text, Impfungen seien eine „pathologisch-pharmakologische“ Methode; Naturheilverfahren beruhten hingegen darauf, „mit dem Virus in Kontakt zu kommen, damit das Immunsystem das Virus kennenlernen kann“.

„Homöopathie-Zeitschrift“

Auch in Magazinen, die von eigentlich seriösen Verlagen herausgegeben werden, finden sich bedenkliche Behauptungen zur Impfung. Da wäre zum Beispiel die „Homöopathie-Zeitschrift“, die von der Mediengruppe Oberfranken Fachverlage herausgegeben wird, die etliche medizinische Zeitschriften vertreibt. Ihre Muttergesellschaft gibt auch Lokalmedien wie das „Coburger Tageblatt“ oder die „Saale-Zeitung“ heraus, betreibt das Portal inFranken.de und ist an verschiedenen Radiosendern beteiligt.

Ausgabe 3/21 Homöopathie-Zeitschrift

In der „Homöopathie-Zeitschrift“ veröffentlichen unter anderem Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Klassische Homöopathie. Laut deren Autorenrichtlinien sollen Aussagen „begründet und nachvollziehbar“ sein. Gleich der erste Artikel des Hefts listet angebliche „häufige Impffolgen“ auf.

„Jetzt, da ich mich anschicke, dieses brisante Thema zu bearbeiten“, schreibt der Autor Ernst Trebin, „befinden wir uns noch mitten in der Corona-Pandemie. Hier erwarte ich mir keine allzu große Hilfe von allopathischen Medikamenten, wohl aber von der Homöopathie.“ Als „allopathisch“ bezeichnen Homöopathen die etablierte Medizin.

Trebin wurde wegen gefälschter Maskenatteste kürzlich vom Amtsgericht Bamberg zu einer Geldstrafe verurteilt; er wie auch die Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt. Er erachte es „als fragwürdig“, schreibt Trebin in der „Homöopathie-Zeitschrift“, „in eine bestehende Pandemie hineinzuimpfen“. Das berge „große Gefahren“. Dass es in Deutschland lange weniger Coronatote als etwa in Italien gegeben habe, liege womöglich daran, dass es in Deutschland weniger Grippeimpfungen gebe, behauptet Trebin – der nach eigener Schilderung Herzrhythmusstörungen, die angeblich durch eine Impfung verursacht wurden, homöopathisch behandelt.

„Die Menschen“ stünden durch „die öffentliche ‚Impfpropaganda‘ unter erheblichem Druck“, schreibt Trebin und stellt die Frage, ob nicht subtile Impfschäden „ganze Kindergenerationen beeinträchtigen“, etwa durch Autismus, ADHS oder Gewaltexzesse, die er als mögliche Impffolgen ansieht.

„Es gibt viel Schlimmes auf dieser Welt und das hat seinen Ursprung meist in Geldgier oder in religiösem Fanatismus“, schreibt Trebin. Er glaubt, aufs „Impfen“ treffe beides zu: Am Gewinnstreben der Pharmaindustrie bestehe kein Zweifel, aber der Eifer der Ärzteschaft gehe noch darüber hinaus. „Selten habe ich den Wahnsinn, zu dem die Menschheit fähig ist, offenkundiger erfahren als aus dem Mund der ‚Impfprediger‘.“

Und wer wirbt unter dem Motto „Zum Glück helfen Sie“ prominent auf der Umschlagsinnenseite der „Homöopathie-Zeitschrift“ für ein firmeneigenes Portal, das sich an Ärzte und Heilpraktiker richtet? Genau: die DHU.

„Fakenews und seriöse Berichterstattung“

In anderen Artikeln der „Homöopathie-Zeitschrift“ wird vor einer „Gesundheitsstörung“ gewarnt, die eine Impfung auslösen könne, in Bezug auf mRNA-Impfstoffe ist von einer „Pervertierung der Zellfunktionen“ die Rede, und der homöopathische Arzt Volker Weis behauptet sogar, dass „Ältere und vorgeschädigte Menschen“ eine Impfung gegen Covid-19 am wenigsten nötig hätten, sie könnte ihnen eher schaden. Auch dafür gibt es keine Belege. Älteren und Vorerkrankten wird stattdessen dringend zur Impfung geraten.

Auf seiner Website schreibt Weis, „Meinungsmache, Fakenews und seriöse Berichterstattung“ seien „kaum mehr voneinander zu unterscheiden“ – und verbreitet krude Theorien: Wenn ein „zeitlicher Zusammenhang zwischen zwei Geschehen“ festzustellen sei, etwa zwischen einer Impfung und einer Erkrankung, „muss dies nach der Logik ein Faktum sein“. So macht er eine Korrelation zur sicheren Kausalität. Einem Freund, dessen Frau über ihren Impftermin glücklich gewesen sei, habe er gesagt: „Da gibt es eigentlich keinen Grund, glücklich zu sein, hoffentlich passiert nichts Schlimmes!“

Wie kann es sein, dass die DHU einerseits große Werbeanzeigen für Impfungen gegen Covid-19 schaltet und gleichzeitig auch in diesem Umfeld wirbt?

Eine Sprecherin lässt Fragen von Übermedien dazu unbeantwortet, auch der Verlag. Eine Redakteurin der „Homöopathie-Zeitschrift“ schreibt lediglich, als Fachredaktion richte man sich an Homöopathen, „so dass unsere Antworten auch nicht für das breite Publikum, das Sie ansprechen wollen, geeignet wären“. Die Aussagen im Heft stellten die „persönliche Meinung von Kollegen“ dar. „Viele Kollegen befürworten das Impfen, manche nicht.“

Die Soziologin Nora Pösl von der Ruhr-Uni Bochum sagt im Interview mit dem NDR: „Personen, die der Esoterik zugeneigt sind, sind prinzipiell eher wissenschaftsskeptisch, da die esoterischen Erklärungsmodelle mit wissenschaftlichen Methoden gar nicht beweisbar sind und auch meist den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen.“ Es seien jedoch längst nicht alle Personen innerhalb der Verbände reine Ideologen: Oft stünden mittlerweile einfach ökonomische Interessen im Vordergrund.

Homöopathen-Streit

Über die Pandemie und über Impfungen gibt es auch unter Homöopathen Auseinandersetzungen. „Weltweit haben Lockdown-Maßnahmen das natürliche Infektionsgeschehen nicht beeinflussen können“, behauptet Weihnachten 2020 etwa die Ärztin Ulrike Fröhlich, Vorständin der Hahnemann-Gesellschaft, einem Zusammenschluss homöopathischer Mediziner. Impfungen könnten niemals eine Antwort auf eine laufende Pandemie sein. Entsprechende Studien bezeichnet Fröhlich als „Menschenversuch“, sie behauptet, dass symptomlose Personen nicht ansteckend seien und bei Gesunden das Risiko von Impfungen den Nutzen überwiege, was beides nicht stimmt. Und zu Weihnachten wünschte sich Fröhlich den „Zutritt der Hahnemann Gesellschaft auf die Intensivstationen“.

Dem DZVhÄ war das zu viel – zumindest vermittelte der Verband diesen Eindruck, als er schrieb:

„Der DZVhÄ distanziert sich klar und eindeutig von allen Aussagen der Hahnemann-Gesellschaft, die als Verharmlosung der Covid-19 Pandemie verstanden werden können.“

Die Folgen der Verharmlosung der Pandemie zeigten sich „aktuell in erschütternder Deutlichkeit in anderen Ländern“, erklärte der Ärzteverband.

„Die Verantwortung für eine gelingende Pandemiebekämpfung und den Schutz der Bevölkerung können einzelne Ärzt*innen nicht übernehmen, deshalb liegt diese Verantwortung bei der Politik und ihren professionellen Beratern.“

Die Hahnemann-Gesellschaft ließ das nicht auf sich sitzen: „DZVhÄ kuschelt mit den Skeptizisten“, stänkerte sie. „Unser DZVhÄ entfaltet immerhin Aktivitäten, hier gegen die eigenen Kolleginnen und Kollegen der Hahnemann-Gesellschaft, anstatt inhaltlich und politisch gegen die Feinde der Homöopathie vorzugehen.“

Gleichzeitig behauptete der DZVhÄ: „Homöopathisch tätige Ärzt*innen sind keine Impfgegner.“ Unterstützung erhielt der Verband dabei Mitte Dezember von nur auf den ersten Blick erstaunlicher Seite: „Kein Zusammenhang zwischen Impfquote und Homöopathie-Nutzung“, verkündete der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in Bezug auf eine eigene Umfrage. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass impfkritische Homöopathie-Anhänger bei der Online-Befragung gut repräsentiert waren. Und in dem Pharmaverband sind auch große Homöopathie-Hersteller vertreten.

„Allgemeine Homöopathische Zeitung“

Das offizielle DZVhÄ-Organ, die „Allgemeine Homöopathische Zeitung“, erscheint im angesehenen Thieme-Verlag. Findet sich hier wieder, was der Verband behauptet? Dass homöopathisch tätige Ärzt*innen keine Impfgegner sind? Eher nicht.

Die Epidemie sei in erster Linie eine „Epidemie der Angst“, meint die Homöopathie-Ärztin Anne Sparenborg-Nolte, eine der Herausgeber*innen, in einem Editorial. „Wir sind Zeitzeugen der epidemischen Ausbreitung eines nicht einschätzbaren Virus und eines anderen, nichtmateriellen Agens, das eine hohe Kontagiösität besitzt: der Angst.“ Zwei „coronakritische“ Beiträge habe sie gegen ihre Überzeugung nicht veröffentlicht: Weil die Kollegen hierdurch „ihre berufliche Existenz aufs Spiel setzen könnten“.

In einem Artikel, der dann doch veröffentlicht wurde, wird Covid-19 als „harmlose Erkältungskrankheit“ bezeichnet. Wenn es Komplikationen gebe, seien diese nicht dem Virus geschuldet, sondern dem Umstand, dass Covid-19 sich mit anderen Krankheiten vermische. „In dieser Mischform ist Covid-19 schwer zu behandeln“, schreibt der Autor, der 2016 einen Vortrag mit dem Titel „Warum ich nicht mehr impfe“ gehalten hat. Jede Impfung könne „eine Krankheit in eine chronische und zusätzlich durch Vermischung in eine verkomplizierte Krankheit verwandeln“, behauptet er. Der Grund könne in der unmittelbaren Vergangenheit liegen – oder Generationen her sein.

In einem weiteren Artikel beschreibt der Arzt Jens Wurster, der sogar homöopathische Methoden bei Krebskranken eingesetzt hat, wie er eine Patientin mit homöopathisch verdünntem Arsen versorge. Sie erhalte es zur Therapie ihrer Angst vor einer Infektion. Aus Wursters Sicht erfolgreich – aus medizinischer Sicht gefährlich. Die Patientin habe ihm gesagt: „Ich habe überhaupt keine Angst mehr vor Corona, sondern nur vor der Impfung.“

„natur & heilen“

Wurster schrieb im Oktober 2020 auch in „natur & heilen“ einen Artikel. Das Monatsmagazin behauptet, eine Auflage von mehr als 140.000 Exemplaren zu haben. Die Zeitschrift wirbt mit „überzeugenden Zahlen“ – und einer unglaublichen Erfolgsstory: In den vergangenen 20 Jahren soll sich die Auflage verdoppelt haben. Die Leser*innen des Magazins seien „einkommensstark“, „überdurchschnittlich gebildet“, zu über 90 Prozent weiblich.

Ausgabe 10/21 Quelle: natur & heilen

Die Ausgabe, in der Wursters Text erschien, befasste sich mit angeblichen Erfolgen der Homöopathie bei der Behandlung von Covid-19. Es sei möglich, „mit der Homöopathie selbst Menschen zu helfen, die viele Vorerkrankungen haben“, schreibt der Arzt. Auch das wieder: gefährlich. Denn Wurster empfiehlt Homöopathika sogar bei starken Atemproblemen und Erstickungsgefühlen.

Ein Problem von Impfungen sei, behauptet Wurster, dass diese die Patienten anfälliger für andere Viren machen könnten. Schon bei der Spanischen Grippe vor rund hundert Jahren habe die zweite Infektions-Welle möglicherweise aufgrund vorhergehender Impfungen besonders viele Todesfälle gefordert.

Bei früheren Cholera-Ausbrüchen hätten die Heilerfolge homöopathischer Ärzte „immer wieder Neid unter der Ärzteschaft“ erregt, heißt es in einem anderen Artikel von „natur & heilen“. Homöopathie habe auch zahlreiche Pockenkranke gerettet, werde aber trotzdem unterdrückt: „Es scheint, als dürften die Erfolge der Homöopathie nicht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen.“ Homöopathie könne man „auch für komplizierte Situationen auf der Intensivstation einsetzen“, wird ein indischer Arzt zitiert. „Es reicht schon ein Tropfen auf die Lippe.“

Anthroposophische Magazine

Anthroposophen-Magazine verbreiten ähnlich fragwürdige Informationen zu Impfungen wie jene der Homöopathen. Im Waldorfschulen-Magazin „Erziehungskunst“ findet sich etwa ein Interview mit Georg Soldner, Leiter der Akademie Anthroposophische Medizin in der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland. Die Langzeitsicherheit von mRNA-Impfstoffen sei „völlig unbekannt“, behauptet Soldner – was so nicht stimmt. Hingegen sei die durch Infektion erworbene Immunität „breiter und damit lernfähiger angelegt“; hierdurch könne sich „auf natürliche Weise eine nachhaltige Immunität in der Bevölkerung entwickeln“. Auch das ist nicht belegt.

Ausgabe 2/2021 Quelle: Info 3

Die Neben- und Langzeitwirkungen der Corona-Impfstoffe seien „größtenteils noch unbekannt“, hieß es Anfang vorigen Jahres auch im Anthroposophen-Magazin „Info3“, ungeachtet der Zulassungsstudien, die damals bereits vorlagen. Gleichzeitig bemühen sich Beiträge in dem Heft, angebliche Vorurteile gegenüber Anthroposophen auszuräumen – so würde ja auch im anthroposophischen Krankenhaus Havelhöhe geimpft.

„Seit es die Anthroposophische Medizin gibt, hat sie sich noch nie dem medizinischen Fortschritt verweigert“, behauptet der Autor, der ein Buch über angebliche anthroposophische und homöopathische Corona-Heilmittel geschrieben und diese als Alternative zu Impfungen präsentiert hat. Die „Erfassung positiver oder negativer unspezifischer Effekte“ benötige „eine längere Beobachtungszeitdauer“, schreibt er in Bezug auf Covid-Impfungen.

Das Magazin „Info3“ hat nach eigenen Angaben eine Reichweite von ungefähr 40.000 Leser*innen, zu den regelmäßigen Themen gehörten „spirituelle Dimensionen“, „verwurzelt“ sei das Magazin in der Anthroposophie. Ende 2019 bereits widmete „Info 3“ eine Ausgabe dem „Skeptiker-Syndrom“ und einer angeblich „organisierten Homöopathie-Kritik“, an der sich auch das von mir mitgegründete Onlinemagazin „MedWatch“ beteilige. Kürzlich bezog sich das Magazin unter anderem auf einen Essay im „Spiegel“ über „Waldorfschule und Impfgegner“ und schrieb: „Die Hexenjagd gegen die Ungeimpften ist längst eröffnet“. „Kleinste Gruppen“ würden „auf den Scheiterhaufen“ gezerrt, „um sie im öffentlichen Meinungsfeuer zu verbrennen“.

Korrektur, 7.1.2022. Wir hatten geschrieben, Clemens Arvay habe einen Artikel in der Zeitschrift „Die Wurzel“ verfasst, was aber nicht stimmt. Richtig ist: „Die Wurzel“ hat Bücher von Arvay vorgestellt und daraus zitiert. Wir haben das im Text korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

33 Kommentare

  1. Ja, wir leben in Zeiten des großen Schwurbels. Der ist halt überall. Aber so schlimm ist es mit den Anthros jetzt auch nicht. Ich behaupte mal vage, auf den aktuellen Anti-Impf-Spaziergängen wandern 1,52% Homöopathen und 98,48% Allopathen.

    Gesichert hingegen ist: Auf unserem Abort liegt die Info 3 (die Skeptiker-Syndrom-Ausgabe war gar nicht so schlecht) und ab und zu nehme ich ein Kügelchen Meteoreisen, um die Lunge energetisch zu supporten. Braucht’s nach dem Boostern eigentlich nicht, aber sicher ist sicher und so ein Globuli macht ja nicht dick.

    Ach so: Eine entfernte Bekannte trägt ein Fläschchen um den Hals, das die »Dingens … hier … die Vakzine von Geimpften, die mich anatmen, abwehrt«. Ich vermute, es ist Cognac drin oder Klosterfrau Melissengeist, also irgendwas, das ordentlich knallt.

  2. Ein Homöopath, der anderen Geldgier und religiösen Fanatismus vorwirft, ah ja…
    Danke für diesen Artikel! Was mich persönlich immer besonders aufregt, ist, dass die Homöopathie sich relativ widerspruchslos als Naturheilkunde verkaufen kann. Ich selbst habe erst im Zuge meines Studiums gelernt, dass das reine Scharlatanerie ist. Ich dachte immer, wenn das in der Apotheke verkauft wird, wird’s schon kein esoterisches Placebo sein. Vielleicht kann die Pandemie ja ein Anlass sein, diesem gefährlichen Unsinn die Legitimation zu entziehen? Binnenkonsens abschaffen, Heilpraktiker verbieten etc.
    Unterliegen die genannten Magazine eigentlich der Kontrolle durch den Presserat?

  3. „Die Wurzel“ mit einer Auflage von 15.000 Stück ist eine Zeitschrift für Rohköstler:innen, die davon ausgehen, die für den Menschen natürlichste und gesündeste Ernährungsweise zu praktizieren, die sie vor den allermeisten bzw. allen Krankheiten inklusive Infektionskrankheiten schütze. Diese Menschen lehnen Impfungen jeder Art ohnehin in den meisten Fällen ab und lesen somit in der „Wurzel“ nur das, was sie sowieso schon glauben. Über Anhänger:innen dieser Ernährungsweise hinaus dürfte die Zeitschrift kaum Leser:innen haben, insofern ist hier wohl nur in sehr geringem Maß davon auszugehen, dass Menschen vom Impfen abgehaten werden, bei denen prinzipiell eine Chance bestünde, sie vom Impfen überzeugen zu können.

    Schlimmer in Bezug auf verhinderte Impfungen sind da wohl die wirklichen Homöopathie-Zeitschriften, da Homöopathie auch von vielen Menschen akzeptiert wird, die der Schulmedizin nicht oder nicht vollkommen ablehnend gegenüberstehen. Da könnte ich mir eher vorstellen, dass einige sich vom Impfen abhalten lassen, die man prinzipiell fürs Impfen hätte gewinnen können.

    Ganz unerfreulich finde ich, dass ein an und für sich seriöser Verlage für medizinische Literatur wie Thieme ebenfalls eine Homöopathie-Zeitschrift herausgibt. Da lässt sich wohl Geld mit machen, also nimmt man das gerne auch noch mit.

  4. @Michael Frey-Dodillet

    Ich habe Ihre Relativierungen unter jedem Artikel mit Bezug zum Thema Homöopathie ursprünglich mal für eine Art Satire gehalten, aber Sie scheinen das ja tatsächlich ernst zu meinen. Nur weil alle möglichen Gruppierungen herumschwurbeln, gibt es keinen Grund, eine reichweiten- und finanzstarke Schwurbelgruppe kleinzureden. Dass unter den Impfverweigerern die absolute Zahl der „Allopathen“ überwiegt, ist natürlich wenig verwunderlich, wenn man davon ausgeht, dass diese auch unter der Gesamtbevölkerung mehrheitlich vertreten sind. Wie Sie auf die 1,5% der Homöopathen unter den Impfverweigerern kommen, weiß ich nicht, in meinen Augen interessanter wäre ohnehin der Prozentsatz der Impfverweigerer unter den Homöopathen. Auch wenn ich nicht verstehe, wie Sie auf die Idee kommen, sich mit Globuli abzusichern (ich sichere mich ja auch nicht mit Schokolade ab), ist das allein Ihre Sache. Ich wende mich weniger gegen den Konsum von Zuckerkügelchen als vielmehr gegen die der Homöopathie innewohnende Unlogik, die in der härteren Ausprägung nichts als eine profitorientierte Wissenschaftsfeindlichkeit ist. Den Blödsinn gibt es seit 200 Jahren, es kann unter logischen Gesichtspunkten nicht funktionieren und keine Studie konnte bislang eine Wirkung abseits des Placebo-Effekts feststellen. Es ist weder Naturheilkunde noch sonstige „alternative“ Medizin, es ist Scharlatanerie und gehört als solche wissenschaftlich bekämpft, gesellschaftlich geächtet und politisch zurückgedrängt. Nehmen Sie es bitte nicht persönlich und bleiben Sie gesund.

  5. Es ist wenig überraschend, aber vermutlich ist das Publikum dieser Zeitungen auch ohnedies nicht direkt Fan der richtigen Medizin.

  6. > der Hahnemann-Gesellschaft, einem Zusammenschluss homöopathischer Mediziner

    der Hahnemann-Gesellschaft, eines Zusammenschlusses homöopathischer Mediziner

    (Genitivtherapie)

    Inhaltlich: Was denn nun, Homöopath:innen oder Mediziner:innen? Kann man beides sein?

  7. @Ritter der Nacht

    Danke für die guten Wünsche und ebensolche zurück. Ich nehme das nicht persönlich. Die einen steigen bei Homöopathie halt früher aus, die anderen später.

    Generell tue ich mich schwer damit, etwas zu «ächten«, nur weil ich es nicht verstehe oder die Wissenschaft es mir zurzeit nicht erklären kann. Die hat ja schon öfter mal ein paar hundert Jahre gebraucht, um das ein oder andere zu belegen.

  8. _Die Wissenschaft_ kann Homöopathie sehr wohl erklären – also, warum sie Unfug ist. Das ist auch bereits zu Genüge geschehen. Man kann sich weigern, die Erklärung oder jedenfalls das Ergebnis (nämlich: ist Unfug) zur Kenntnis zu nehmen, aber das war es dann auch. Die Wissenschaft ist mit dem Thema durch.

  9. @8 MF-D

    Generell tue ich mich schwer damit, etwas zu «ächten«, nur weil ich es nicht verstehe oder die Wissenschaft es mir zurzeit nicht erklären kann.

    Was ist dieses „etwas“ bzw. „es“, was sie nicht verstehen?

  10. Ein besonders guter Schüler war ich nie und den ein o. anderen Klops habe ich mir geleistet, wie das bei pubertären 17jährigen so ist.
    Jedenfalls war man seitens der Waldorfschule, die ich damals(68-70) in Wanne-Eickel besuchte der Meinung, ich sei untragbar für sie geworden. Immerhin durfte ich das Schuljahr vollenden mit der Auflage, jeden Morgen eine viertel Stunde lang sog. Heileurythmie zu machen und mir wöchentlich eine Arnikaspritze in den Hintern bei der antroposophischen Schulärztin abzuholen.
    Soviel zum Thema Freiwilligkeit und Impfzwang, den die sog. „Spaziergänger“ heute postulieren.
    Nach Ende des Schuljahres bin ich dann in eine sehr erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in einem grossen Industriebetrieb eingestiegen: Da war Schluss mit diesem Antro-Hokuspokus.
    Obwohl längst im Ruhestand, treibt mich das Thema bis heute um, zumal geschwisterlicherseits sehr präsent.
    Da ist eine Diskussion unmöglich.

  11. @13:
    Ja, diesen Bericht des WDR habe ich auch gesehen. Kurz nach Dreh-Ende ist der Herr, der alles richtig gemacht hatte zu glauben, innerhalb weniger Stunden gestorben.
    Emphatie: Nein!
    Eine meiner esoterisch-okkultistisch antroposophisch verschwurbelte Schwester schrieb mir, sie sei(en) genesen.
    Ich habe nicht weiter nachgefragt, die Entfernung schützt.

  12. @ 15:
    … da ich keine (a)sozialen Netzwerke(?) nutze.
    Danke für den Link. Findet sich so o. ä. vermutlich bis ganz sicher weltweit.

  13. Sie fressen für die breitere Öffentlichkeit Kreide, weil sie um ihre Pfründe fürchten. Sobald man glaubt, unter seinesgleichen zu bleiben, kann man dann ja wieder sein wahres Gesicht zeigen.

    Homöopathen sowieso, denn deren wichtigste Zielgruppe fürs einträgliche Geschäft ist ja längst weit über alle ideologischen Borniertheiten hinausgewachsen. Die paar Rohköstler, die sich ›Die Wurzel‹ antun, fallen da kaum ins Gewicht. Und dass die gutverdienende städtische Klientel, die gerne mit Globuli die eine oder andere maladie imaginaire zu vertreiben hofft, angesichts von Lockdowns, Schulschließungen und Reisebeschränkungen größeres Verständnis für pandemieverlängernde Impfskepsis aufbringt, dürften wohl nicht einmal die verbohrtesten Hahnemann-Jünger annehmen.

    Anthroposophische ›Ärzte‹ sind vermutlich tatsächlich noch schlimmer drauf. Ich bin da im familiären Umfeld vorbelastet und weiß, wovon ich rede. Der Hausarzt meiner Eltern (beide Ü80) hat diesen tatsächlich bis weit in den letzten Sommer hinein die Impfung ausgeredet: das sei ja alles sowieso nicht nötig, das gute Immunsystem, und dann auch noch diese Gentechnik, etc. Das alles unterm Schutzmantel der »Therapiefreiheit«, und es gibt leider wohl tatsächlich nichts, was man gegen solche geradezu bösartige ideologische Verbohrtheit unternehmen kann.

    Meiner Schwester und mir ist es glücklicherweise gelungen, die Eltern zur Besinnung zu bringen. Aber auf solche letztlich zufällige individuelle Problemlösungen sollte sich ein Gesundheitssystem eigentlich nicht verlassen müssen. Ich hoffe schwer, dass eine der Konsequenzen der Pandemie darin bestehen wird, diese ganze Scharlatanerie aus dem System medizinischer Versorgung und vor allem Vergütung auszuschließen.

  14. Herrlich, diese Selbstentlarvung:
    „Es gibt viel Schlimmes auf dieser Welt und das hat seinen Ursprung meist in Geldgier oder in religiösem Fanatismus“

    Welche Medikamente haben noch mal die höchste Gewinnmarge? Und womit verdienen Leute, die Impfungen als Autismusursache ansehen, ihr Geld? Die Antworten: Homöopathische Mittel und teure Therapien/Seminare zur Autismus-Austreibung oder -Prophylaxe.

  15. Es ist ja wirklich nichts Neues, was die professionellen Homöopathen da veranstalten. Die Abwehrstrategie hat Tradition und die Geschäftsmodelle müssen vor naturwissenschaftlichen Realitäten geschützt werden. Denn die Leute leben davon und da spielt es keine Rolle, was Naturwissenschaft dazu zu sagen hat. So wie die katholische Kirche ihre Mißbrauchskandale nicht vor der Legislative verantworten muss, brauchen die Homöopathen und Anthroposophen keinen Beleg, sondern können ihre eigene Wissenschaft betreiben (aus der Erkenntnis höherer Welten, versteht sich).
    Und das ist die Triebfeder : „…..Es sei zu befürchten, dass eine „neue, jüngere und wissenschaftsgläubige Politikergeneration“ nicht davor zurückschrecken könnte, an der gesetzlichen Verankerung der Therapierichtung zu rütteln. …“.
    Das Stichwort der intrinsischen Verachtung der Naturwissenschaften dieser Kreise ist “ wissenschaftsgläubig“. Aber mit diesem Kontext wird man in den Waldorfschulen erzogen. Wissenschaft ist kein Glaube, sondern eine Methode. Und #12 beschreibt es eindrucksvoll, was dort im Lehrbetrieb passiert – auch heute noch. Für Wissenschaft muss man sich halt ein bissl mehr anstrengen als die Zehnerpotenzen der Verdünnung auswendig zu lernen.
    Ich hoffe, die Stimmung, die Frau Grams und Herr Lübbers erzeugt haben hält an, bis ihnen die staatlichen Zuwendungen gestrichen werden.

  16. Von einem so radikalen Gegner jeglicher Komplementärmedizin wie Hinnerk ist kein anderer Text zu erwarten. Von einer Plattform wie Übermedien schon. Ich erwarte hier eine differenziertere Art der Berichterstattung, die weniger einseitig und mit bereits vorgefasster Meinung daherkommt, noch dazu festgemacht an herausgerissenen Zitaten und Randgruppen-Medien wie der „Wurzel“. Wir brauchen in der Wissenschaft und ebenso im Journalismus eine kritische Vielfalt und keine Meinungsdiktatur. Und wenn sich Hinnerk schon als seriöser Wissenschaftsjournalist verstehen möchte, dann sollte er wissen, dass Langzeitauswirkungen der mRNA-Impfungen zwangsläufig nicht bekannt sein können – oder kann er hellsehen? Nicht alles zeigt sich innerhalb der kurzen Zeit, die wir diese Impfstoffe jetzt anwenden und schon gar nicht in den Zulassungsstudien. Und wir wissen auch nicht, was sich aus den zahllosen Herzmuskelentzündungen bei den jungen Männern auf lange Sicht entwickeln wird. Das zu leugnen, steht einem Wissenschaftsjournalisten nicht an.

  17. #18
    »Welche Medikamente haben noch mal die höchste Gewinnmarge?«

    EBIT-Margen 2019
    Tecfidera von Biogen: 50,6 Prozent
    Novorapid von Novo Nordisk: 43,4 Prozent
    Kanjinti von Amgen: 41,6 Prozent
    Humira von AbbVie: 41,2 Prozent

    EBIT-Gewinner des Jahres 2019
    AstraZeneca: 13,0 Prozent (EBIT um 77 Prozent ggü. 2018 gesteigert)

    Gewinn-Gewinner des Jahres
    Roche mit 19,8 Milliarden Euro

    Die bösen, bösen Homöopathen aber auch.

    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/preisexplosion-fuer-patentgeschuetzte-arzneimittel-wenn-eine-arznei-eine-million-kostet-pro-packung/26019794.html

  18. @ #20:
    „kritische Vielfalt“
    Die gibt es, aber dazu gehören halt keine Methoden, die erwiesenermaßen nicht über den Placeboeffekt hinaus wirken.

    „Langzeitauswirkungen“:
    https://www.volksverpetzer.de/corona/langzeitfolgen-corona-impfung/

    „zahllosen Herzmuskelentzündungen“
    Qualitativ: Nebenwirkungen von Impfungen sind auch Symptome der eigentlichen Erkrankung.
    Quantitativ:
    263,2 Fälle pro eine Million Dosen (Moderna)
    37,4 Fälle pro eine Million Dosen (Biontech)
    (neueste Studie, Stand Freitag)

  19. @21:

    Homöopathie – 30-36% Gewinnmarge für Apotheken
    Verschreibungspflichtige Medikamente – ca. 20% Gewinnmarge

    550Mio. Gesamtumsatz mit homöopathischen Mitteln in 2020 in DE.

    Die Entwicklungskosten (einfach irgendeine Wirkung behaupten) dürften sich ja auch in Grenzen halten. Herstellungkosten (mit Wasser verdünnen, Flasche paar mal auf den Tisch knallen) auch nur marginal. Keine Ausbildung benötigt, kann zur Not vom Schülerpraktikanten gemacht werden. Rohstoffkosten dürften auch extrem klein sein: die Ursubstanz wird ja nur Tröpfchenweise benötigt um es dann Hektoliterweise verkaufen zu können („C23“ heißt, 23 mal im Verhältnis 1:100 verdünnt. Aus 1ml Substanz macht man also bei „C23“ mal eben 100²³ml). Bleibt also nur das Wasser selbst (woher kommt das eigentlich?) und evtl. der Alkohol im Wasser, mit dem die Stoffe gelöst würden. Neben dem Marketing dürfte also die Wasserrechnung das teuerste an der Herstellung homöopathischer Präparate sein. Und vllt. der Milchzucker (woher kommt der? Na?), auf den das bis zur nicht-Nachweisbarkeit verdünnte Zeug geträufelt wird. Falls das überhaupt passiert, ist ja nicht nachweisbar. Die könnten auch einfach bunte Kirmes-Zuckerkugeln einkaufen und behaupten, dass das wirkt.

    Dass sich die Hersteller nicht „Phamaunternehmen“ nennen wird wohl daran liegen, dass sie keine pharmazeutischen Produkte herstellen.
    Und dass das Wort im Kundenklientel natürlich negativ konnotiert ist.
    Mit wirksamen Medikamenten Geld zu verdienen ist lt. Homöopathen also unmoralischer, als mit nicht wirksamen.
    Und wir wundern uns über die Radikalisierung in Gesundheitsfragen.

    Oder wie Natalie Grams-Nobmann sagt:
    https://www.spektrum.de/kolumne/grams-sprechstunde-wer-globuli-saet-wird-impfgegnerschaft-ernten/1953463

  20. Nachtrag: Das ist ja auch kein „entweder, oder“.

    Ich kann die Praxis des überteuerten Handels mit patentgeschützten Medikamenten der großen Phamaunternehmen scheiße finden und dennoch feststellen, dass Homöopathie nicht wirkt (außer als Placebo).

  21. Ich kann mit dem Placebo-Effekt sehr gut leben. Der Psychotherapeut pflanzt mir für 200 Euro pro Stunde auch nichts anderes ein als gute Gedanken, die Veränderungen bewirken. Im Idealfall.

    Das hier ist auch nett geschrieben: »Für eines der in den USA bestverkauften homöopathischen Mittel, Oscillococcinum, muss der Hersteller genau eine Ente pro Jahr kaufen. Schenkel und Brust kann sich der Laborant am Wochenende sogar selbst in die Pfanne hauen, denn gebraucht werden nur Leber und Herz.«

    https://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/04/Alternative-Medizin-Homoeopathie-Geschaeftsmodell

    Weiter unten stehen noch ein paar interessante Zahlen und der Satz: »Am Umsatz von Apotheken in Deutschland haben homöopathische Mittel einen Anteil von etwas über einem Prozent. Und den Hauptanteil der Kosten übernehmen die Verbraucher ohne Murren ohnehin meistens selbst.«

    Die Aufregung um Homöopathie hat schon etwas sehr sektiererisches. Das sind ganz viele »Im Namen des Herrn« unterwegs. Auf beiden Seiten.

  22. @25

    Die Aufregung um Homöopathie hat schon etwas sehr sektiererisches.

    Homöopathie ist leider zu oft Türöffner für Schwurbelthemen.

  23. @25: Hast du schon mal eine Therapie gemach? In der Regel bekommt man da nichts, und dann wird alles gut. Erst wenn man selbst tätig wird, kann eine Therapie wirklich helfen. Der/die Therapierende oder gar eine Gruppe begleiten einen dabei, geben Feedback, helfen beim Erkennen von Denkfehlern, geben einen Raum zum Zerbrechlichsein, ordnen ein, zeigen Umgangsmethoden, halten aus, inspirieren etc. Wer mir der Haltung in eine Therapie geht, dort gesund gemacht zu werden, muss erst mal die Kröte schlucken, dass ihm da niemand die Aufgabe abnehmen kann, etwas selbst zu bewegen.

    Kalender- und Teesprüche oder Instagram-Zitate – also deine angesprochenen guten Gedanken – helfen nur bedingt und selten nachhaltig, sie sind eher was für Coachings. Das hat alles sicher auch seinen Sinn und Nutzen, aber bei Traumata, echten Lebenskriesen oder Depressionen hilft das alles nix. Eher im Gegenteil, sie verhindern oft die Selbstannahme, weil so Sprüche in solchen Situationen eher suggerieren, dass man nicht okay ist oder falsch denkt.

  24. @ MFD:
    Find’s voll okay wenn jemand sagt „Der Placeboeffekt reicht mir“.
    Das Problem ist ja, dass die Homöopathen so tun, als hätte der Hokuspokus irgendwas mit „Pflanzenheilkunde“, irgendwas mit „natürlich“ zu tun. Und deren Zielgruppe will ja auch nur hören, was das eigene Weltbild bestätigt. Weshalb das Placebo ja überhaupt wirken kann.

    Und klar ist das sektenartiges Verhalten, wenn man an etwas glaubt, das mehrfach widerlegt wurde. Ist ja nicht wie bei Gott, wo man immer sagen kann „Ja vielleicht is‘ da ja noch was…“. Ne. Da kommt nix mehr. (Off-Topic Empfehlung: Star Trek Voyager Staffel 4 Folge 11 „Leben nach dem Tod“)

    Dass Ihnen Aufklärung ebenfalls vorkommt, wie „Sektieren“ wundert mich etwas. Aber „Enttäuschung“ ist ja auch negativ konnotiert und scheint etwas zu sein, was man heutzutage eher vermeiden möchte. Passt aber zu Ihrer Aussage über Psychotherapie (5 Jahre Studium).

    Oscillococcinum ist mal wieder ein Intelligenztest. Eine Google-Suche in Kombination mit „Verdünnung“ und „Wirkstoff“ ist sehr erheiternd.

  25. #20 von Elisabeth
    “Von einem so radikalen Gegner jeglicher Komplementärmedizin wie Hinnerk ist kein anderer Text zu erwarten. Von einer Plattform wie Übermedien schon.”

    In der Tat! Ich bin ganz Ihrer Meinung, und stelle angesichts eines derart einseitigen, schlecht recherchierten und tendenziösen Artikels, die Sinnhaftigkeit meines Übermedien-Abos ernsthaft in Frage.

  26. @29
    Da wir als Gesellschaft wissen (durch zahlreiche Studien), dass Homöopathie eine Mogelpackung ist, die auch zu schlimmen Folgen führen kann (!), siehe die aktuelle Meldung über die Homöopathin Carola Javid-Kistel, wäre es mehr als Tendenziös, wenn Übermedien hier anders als kritisch über dieses wirklich leidige, unnötige und Schaden schaffende Thema berichten würde.

  27. @30:
    Es hat schon seinen Grund, dass es immer bei pauschalen Vorwürfen bleibt. Konkrete Verwürfe ließen sich nämlich entkräften.

    Homöopathie-Lobbyismus [bewusst als Profiteur (Anbieter) oder unbewusst als Gratis-Multiplikator (Gläubige)], wie hier von Multiplikator #29 demonstriert, adressiert niemals die Kritiker, sondern die Zielgruppe. Diese soll durch ständige Wiederholung von bestehenden Vorurteilen von eben jenen überzeugt bleiben, denn sie ist eine kaufkräftige Zielgruppe.

    In dem Fall wird die Behauptung, der Artikel sei „einseitig“, „schlecht recherchiert“ und „tendenziös“ (was ist der Unterschied zwischen „einseitig“ und „tedenziös“ by the way?) einfach aufgestellt.
    Kritische Geister würden nach Belegen, nach Referenzen fragen. Unkritische Gläubige freuen sich, dass ihr Weltbild mal wieder bestätigt wurde.

    Die Profiteure wissen, dass ihre Zielgruppe nicht sehr groß ist. Bestandswahrung ist da wichtiger als Neukundenakquise.

    Liebe Gläubige, Ihr seid Marketingexperten auf den Leim gegangen, die nur euer Bestes wollen. Jetzt müsst ihr nur noch herausfinden, was das ist.
    Das ist auch alles nicht schlimm, siehe Natalie Grams-Nobmann zum Beispiel. Besser man lässt sich spät enttäuschen, als nie.

  28. Es ist tatsächlich ein Glaubenskampf auf beiden Seiten. Das zeigt sich nicht nur daran, dass die DHU dafür kritisiert wird, Werbung in einer Zeitschrift zu schalten, die Artikel abdruckt, deren Meinung man ablehnen sollte. Denn wenn das ein relevantes Kriterium wäre, dann wäre es umso relevanter bei auflagenstarken Medien, angefangen bei der Bild. Am Werben in der Bild arbeitet sich aber niemand kritisch ab.
    Der Glaubensaspekt zeigt sich aber auch daran, dass kaum jemand die wissenschaftliche Studienlage prüft. Auch die Homöopathiegegner glauben nur, was sie irgendwo an Behauptungen über die Studien aufgeschnappt haben. Tatsächlich gibt es nicht wenige Studien, die eine Wirkung festgestellt haben.
    Nun gibt es halt gut und schlecht gemachte Studien. Dafür gibt es Metastudien, um eine Studiendurchschnitt zu ermitteln. Die vorletzte Metastudie ergab das vielzitierte Ergebnis: kein Effekt,der über den Plaaceboeffekt hinausgeht. Die letzte Metastudie ergab dagegen, Homöopathie „may have small, specific treatment effects“. Weitere Forschung sei nötig.
    Wenn man also unideologisch an die Sache geht, ist das Fazit: für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh.

  29. Wenn man also unideologisch an die Sache geht, ist das Fazit: für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh.

    Nein.

    Wie mehr als zwei Metastudien seit sehr langer Zeit und immer wieder beeindruckend bezeugen.
    Man muss die halt nur zur Kenntnis nehmen.

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