Foto: wahrscheinlich keine Frau

Maria Sturm* ist freie Fotografin. Und sie ist schwanger. Der letzte Satz klingt, als wäre die 34-Jährige in Schwierigkeiten. Ist sie eigentlich nicht. Aber: „Bislang habe ich noch keinem meiner Auftraggeber gesagt, dass ich ein Kind erwarte“, sagt die Berlinerin. Aus Angst, dann nicht mehr gebucht zu werden: „Ich fürchte, von da an mit dem Stempel ‚Schwanger-Mutterschutz-Familie‘ aus den Köpfen der Bildredaktionen zu verschwinden“, so Sturm, die seit ihrem Studienabschluss 2012 regelmäßig für Kunden wie „Zeit Online“, „NZZ Folio“ und das Deutsche Theater Berlin arbeitet.

Offen zugeben würde diese Vorgehensweise vermutlich keine Redaktion. Doch sie kennt die Situation von mehreren Kolleginnen, die derzeit mit aller Kraft versuchen, sich das Standing wieder aufzubauen, das sie vor der Schwangerschaft hatten.

Weniger Aufträge, weniger Geld, mehr Stereotype

Der Fall Maria Sturm zeigt, dass etwas nicht stimmt im Fotojournalismus. Gendergap lautet die Diagnose: Fotografinnen bekommen weniger Aufträge, verdienen weniger Geld, müssen sich gegen Stereotype wehren und verlassen den Beruf häufiger als männliche Kollegen.

Wie lassen sich diese systemischen Ungleichheiten abbauen?

Dass es mehr vollberufliche Fotografen gibt als Fotografinnen, ahnt jeder, der die Branche etwas genauer betrachtet. Um diesen Artikel aber nicht aus einer bloßen Ahnung heraus zu schreiben, analysierte Übermedien 16 Printpublikationen (jeweils eine Ausgabe, die am 25. oder 26. Juni erhältlich war):

  • Wie viele Fotografinnen beziehungsweise Fotografen haben Motive beigesteuert?
  • Stammen mehr Bilder von Frauen oder von Männern? Und wer hat das Titelfoto geschossen?

Die Auswahl – sie reicht von der „Berliner Zeitung“ über die „Frankfurter Allgemeine“ und den „Stern“ bis hin zu „Geo“, „Spiegel“, „Emma“, „Dummy“ und „Bild“ – ist keineswegs repräsentativ, zeigt aber doch einen Ausschnitt davon, wie es um die Geschlechtergerechtigkeit in deutschen Medien bestellt ist.

Die Ergebnisse:

  • In keiner der 16 Publikationen gibt es ein paritätisches Verhältnis zwischen Fotografinnen und Fotografen. Am dichtesten dran ist das „Dummy“-Magazin (42% Fotografinnen – die dort sogar 55% der abgedruckten Bilder beisteuern). Auf Rang zwei des Rankings folgt die „Emma“ (34% Fotografinnen, die Anzahl der Motive lässt sich nicht zuordnen), vor dem „Zeit Magazin“ (20% Fotografinnen mit 43% der Bilder). Am Ende der Tabelle versammeln sich die „Berliner Zeitung“ (2% Fotografinnen mit 2% der Bilder), die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (3% Fotografinnen mit 7% der Bilder) und die „Süddeutsche Zeitung“ (6% Fotografinnen mit 6% der Bilder).
  • Im Mittel aller 16 Publikationen liegt der Anteil von Fotografinnen bei lediglich 15 Prozent.
Untersuchung Fotografinnen Gendergap

Allerdings ließ sich nicht bei allen Fotocredits bestimmen, ob eine Frau oder ein Mann den Auslöser gedrückt hat. Beispielsweise, wenn die Motive von Agenturen eingekauft und lediglich mit „DPA“, „Getty“ oder „Imago“ annotiert waren. Dieser Anteil war mitunter sehr hoch (FAZ: 83%, Focus: 73%, Berliner Zeitung: 68%). Theoretisch könnten derlei Motive mehrheitlich von Frauen gemacht worden sein. Theoretisch. Denn in der Agenturlandschaft ist das Ungleichgewicht zwischen Fotografinnen und Fotografen mindestens genauso groß wie bei den freien Fotograf*innen.

Übermedien hat die Redaktionen der „FAZ“, „SZ“ und „Berliner Zeitung“ kontaktiert – jene drei Publikationen, bei denen in der untersuchten Ausgabe am wenigsten Fotografinnen zu finden waren – und um eine Stellungnahme gebeten. „SZ“ und „Berliner Zeitung“ haben sich dazu nicht geäußert, von der Pressestelle der „FAZ“ heißt es:

„Unsere Bildredaktion – die zur Hälfte aus Frauen besteht – sucht die Fotos, die wir in unseren Publikationen veröffentlichen, nicht nach dem Geschlecht der Personen aus, die die Fotos gemacht haben. Ausschlaggebend werden für unsere Redaktion auch in Zukunft die Motive und die Qualität der Aufnahmen sein.“

Einerseits ist dieses Vorgehen verständlich und nachvollziehbar. Andererseits auch nicht. Denn wenn sich nichts ändert, wird die Benachteiligung von Fotojournalistinnen im Berufsalltag unverändert weitergehen.

Fotografen Anfang Januar 2020 bei der Vorstellung des Regierungsprogramms in Wien
Fotografen bei der Vorstellung des Regierungsprogramms Anfang Januar 2020 in Wien Foto: SKATA/Imago

Dieses Missverhältnis ist kein rein deutsches Phänomen oder allein auf den Fotojournalismus begrenzt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schrieb kürzlich in einer Meldung zum Thema Lohngerechtigkeit:

„Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In Deutschland liegt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern bei 20 Prozent. Selbst bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied immer noch sechs Prozent.“

„Wir leben in einer Gesellschaft, von der wir denken, wir wären mit der Gleichberechtigung schon sehr weit. Praktisch sind wir das aber häufig nicht. Vielerorts existiert noch eine undurchdringliche gläserne Decke“, sagt Renate Ruhne. Die Soziologin beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Fragen zur Geschlechterforschung.

Studie zur Lage in Deutschland

Für den Fotograf*innenverband Freelens arbeitet sie derzeit an einer Studie „Zur Bedeutung von Geschlecht/Gender im Produktionsprozess und in der medialen Repräsentation von Fotografie“. Dafür führt sie neben einer Literatur- und Dokumentenanalyse, die auch historische Entwicklungen einbezieht, vertiefende Interviews mit Fotograf*innen sowie mit Schlüsselpersonen aus dem Umfeld der Fotografie, wie Galerist*innen, Bildredakteur*innen und Lehrenden relevanter Ausbildungseinrichtungen durch.

„Die Diskussion um den Gendergap gibt es ja schon länger, daher der Impuls zu Studie“, sagt der Freelens-Vorsitzende Roland Geisheimer. „Wir wollen diese Fragestellung wissenschaftlich angehen. Ist es so, wie unser Gefühl suggeriert? Gibt es tatsächlich deutlicher weniger Fotografinnen oder finden sie schlicht weniger Beachtung?“

Coronabedingt verzögerte sich der Beginn der Befragungen. Die Auswertung soll im Frühjahr 2021 vorliegen. Theorie und Wissenschaft sind das Eine, Praxis und eine öffentliche Plattform das Andere. So muss sich Freelens durchaus fragen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit miteinander übereinstimmen. Denn in der um Kurator Peter Lindhorst eröffneten Freelens-Galerie werden seit Gründung 2004 vornehmlich die Werke männlicher Fotografen ausgestellt: 53 Werkschauen galten Fotografen, zwölf Fotografinnen.

Nur 16 Prozent der Fotografinnen können von ihrem Beruf leben

Adrian Hadland, Professor für Kommunikation, Medien und Kultur an der Universität Stirling, kann bereits auf konkrete Zahlen und Erfahrungen bei Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit verweisen. In Zusammenarbeit mit dem Reuters Institute for the Study of Journalism sowie World Press Photo führten Hadland und Camilla Barnett 2015 erstmals eine globale Umfrage unter Teilnehmer*innen des World Press Photo-Wettbewerbs durch, um mehr über die Situation im Fotojournalismus zu erfahren. Inzwischen liegen drei solcher Untersuchungen („The State of the News Photography“) vor, die jüngste stammt von 2018.

Vertieft haben Hadland und Barnett ihre Analysen in einer weiteren Studie. Die Ergebnisse sind eindeutig. Ein Auszug:

  • Obwohl Fotojournalistinnen in der Regel gebildeter und besser ausgebildet sind als männliche Kollegen, müssen Frauen in der Branche mit größeren Schwierigkeiten kämpfen.
  • Frauen sind im untersten Einkommensbereich (0 bis 9.999 US-Dollar) überrepräsentiert: 44% Frauen, 33% Männer.
  • Frauen sind im oberen Einkommensbereich (über 70.000 US-Dollar) unterrepräsentiert: 2% Frauen, 8% Männer.
  • Frauen schätzen ihre finanzielle Situation häufiger als prekär ein als Männer (43% vs. 35%).
  • Nur 16% der Fotojournalistinnen können von ihrem Beruf leben (ohne andere fotografische/wirtschaftliche Standbeine), bei den Männern sind es 21%.

Hadland fasst es so zusammen:

„Allem Anschein nach geht die historische Unterrepräsentation von Frauen in der Fotografie weiter.“

Die Gründe für dieses nach wie vor so starke Missverhältnis sind derart vielfältig wie die Motive in der Fotografie. Es geht fast immer um Hierarchien und die Verteilung von Machtstrukturen in Männerdomänen, die sich über viele Jahrzehnte manifestiert haben – gesamtgesellschaftlich, aber auch speziell in der Fotografie. „Wer konnte denn früher ein Studio eröffnen? Wer sind die Heroen, die in der Entwicklung der Fotografie genannt werden?“, fragt die Soziologin Renate Ruhne.

Spontane Aufträge, Überstunden, Wochenendtermine

Auch der Aspekt der Familienbetreuung spielt eine Rolle. Die wird nach wie vor zu größeren Teilen von Frauen übernommen. Spontane Aufträge annehmen, Überstunden, Termine am Abend oder Wochenende? Die Branche verlangt von Fotograf*innen, frei und ungebunden zu sein – und dieses Bild, so Ruhne, würden in erster Linie Männer für sich beanspruchen. Frauen mit Kindern können diese Erwartungshaltung nur schwer erfüllen. Oft wird ihnen eine solche Handlungsfreiheit aber auch von vornherein abgesprochen.

Wo wir schon einmal bei Stereotypen sind: Frauen seien sensibler und für bestimmte Themen und Einsatzgebiete weniger (Krieg und Krisen) beziehungsweise mehr (Lifestyle, Familie) geeignet, heißt es häufig. „Und viele Leute, die an Personen im Fotojournalismus denken, haben automatisch ein männliches Bild im Kopf“, sagt Anna Stemmler, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin im Studiengang „Fotojournalismus und Dokumentarfotografie“ der Hochschule Hannover. Die Atmosphäre, die den Studierenden hier jahrelang vorgelebt wurde, sei die eines toughen, männlichen Fotografen gewesen, so Stemmler. Dieses Bild ändere sich nur langsam.

Der Studiengang in Hannover zählt zu den renommiertesten in ganz Europa. Zwei Drittel der Bewerber sind laut Hochschulangaben männlich, ein Drittel weiblich. Dieses Verhältnis ist deutlich ausgeglichener als jenes, das letztlich im Berufsalltag ankommt. Dort sind es für die gesamte Branche Schätzungen von Kommunikationsprofessor Hadland zufolge nicht 33, sondern etwa 15 Prozent Frauen. (Das entspricht auch dem Mittelwert, den unsere Auszählung ergeben hat.) Wohin aber verschwindet mehr als die Hälfte der angehenden Fotojournalistinnen auf ihrem ursprünglichen Weg?

Orientieren sich Frauen eher weg vom Fotojournalismus …

Lars Bauernschmitt, Professor an der HS Hannover, vermutet, „dass Fotografinnen eher die Zeichen der Zeit erkannt haben als die männlichen Kollegen“:

„Sie wissen, dass eine Karriere im klassischen Fotojournalismus keine Perspektive mehr bietet und orientieren sich um. Ich habe den Eindruck, dass sich Frauen intensiver mit den Möglichkeiten zum Storytelling in digitalen Medien auseinandersetzen als Männer.“

… oder blockieren die Strukturen ihre Karriere?

Weitsichtige Frauen versus kurzsichtige Männer, also? Kann das die Erklärung sein? Bauernschmitts Kollegin Stemmler ist nicht überzeugt. Stattdessen vermutet sie, dass männlich geprägte soziale Umfeld in der Branche erschwere es den Frauen, sich durchzusetzen:

„Häufig sitzen nach wie vor Männer in Entscheiderpositionen, vergeben Aufträge, Stipendien oder Preise. Allerdings stellt die Besetzung von Auswahlkomitees (auch) mit Frauen keine Garantie dafür dar, dass Frauen gleichermaßen zum Zuge kommen. Auch Frauen können sexistisch sein und sind es häufig. Wir sind ja alle im Patriarchat sozialisiert, dieser Matrix zu entkommen ist schwer. Frauen sind in diesem System nicht per se solidarisch mit anderen Frauen, sondern übernehmen oft die männlich normierten Standards, die als objektiv gelten. Und konkurrieren dummerweise massiv mit anderen Frauen, anstatt gemeinsam zu handeln.“

Stemmler sagt, dass Männer eher gewillt seien, Männern zu vertrauen oder ihnen Fehler zu verzeihen, als sie es bei Frauen tun würden. Gerade in der Fotografie gehe es viel um Selbstwahrnehmung und -vermarktung, und da würden Männer häufig mit einer selbstverständlicheren Präsenz auftreten als viele Kolleginnen.

Das berichtet auch Maria Sturm. Sie hat den Eindruck, männliche Kollegen würden viel häufiger und selbstverständlicher Ideen, Projekte und Themen pitchen:

„Ich habe oft das Gefühl, mein Vorschlag müsse bereits sehr fundiert und genau ausgearbeitet sein, bevor er an die Redaktion geht. Ich denke nicht, dass es per se an mangelndem Selbstbewusstsein liegt. Wir sollten uns schlicht trauen, früher zu pitchen.“

Ist Fotojournalismus also eine Frage des Geschlechts? Michael Pfister würde eine differenziertere Betrachtung des Themas begrüßen. Der 41 Jahre alte Director of Photography vergibt seit über einem Jahrzehnt bei Gruner+Jahr, Axel Springer und „Zeit Online“ hunderte Jobs an Fotojournalist*innen in der ganzen Welt. „Wenn ich jemanden beauftrage, überlege ich sehr genau, was das für eine Geschichte wird, wer dafür am besten geeignet ist und was die Umstände zulassen“, sagt Pfister.

Der männlichen Dominanz im Fotojournalismus ist sich der Schweizer allerdings schon lange bewusst. Er fordert, dass sich Bildredaktionen dieses Ungleichgewicht bei der Auftragsvergabe häufiger vor Augen führen.

Pfister ist „beeindruckt von Kollektiven wie Women Photograph, die auf sich aufmerksam machen, Stipendien organisieren und Datenbanken erstellen – und aufzeigen, dass es wahnsinnig viele starke Visual Storyteller gibt, die nicht in die Kategorie ‚weiß und männlich‘ fallen“.

Die Plattform „Women Photograph“

Women Photograph wurde 2017 von der US-amerikanischen Fotografin Daniella Zalcman gegründet. Ihr Ziel: Frauen und nicht-binäre Fotojournalistinnen eine Plattform geben, um die Gendergap zu schließen. Inzwischen zählt Women Photograph über 1.000 Fotografinnen aus mehr als 100 Ländern.

Auch Charlotte Schmitz gehört dazu. Die Berlinerin ist überzeugt, dass das Netzwerken von Frauen untereinander eine große Rolle spielt, um an der aktuellen Situation etwas zu ändern und die Sichtbarkeit sowie die beruflichen Perspektiven von Fotojournalistinnen zu verbessern.

Auch aus dieser Überzeugung heraus starteten Schmitz und die US-Fotografin Hannah Yoon vergangenen März das kollaborative Fotografieprojekt „The Journal“:

„Der (Foto-)Journalismus hat eine enorme Verantwortung, ein ausgeglichenes Bild der Welt zu zeigen. Wenn Frauen weniger Aufträge bekommen als Männer, fehlt uns dieser Teil der Wirklichkeit jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung.“

Das gilt auch bei Covid-19. Bei „The Journal“ dokumentieren mehr als 400 Fotografinnen ihren privaten Raum während der Corona-Pandemie. „Es ist eine sehr intime und persönliche Weise, diese Ausnahmesituation zu zeigen. Wir wollen dazu beitragen, dass später von dieser Pandemie nicht nur Bilder von Särgen, Krankenhäusern und Atemschutzmasken im kollektiven Gedächtnis bleiben, sondern Bilder aus dem Privaten, aus unseren Communities“, so Schmitz.

Sie befürchtet, dass die Ungleichheiten im Berufsalltag von Fotojournalist*innen durch die Folgen der Corona-Pandemie weiter steigen werden. Weniger Abnehmer, weniger Jobs und geringere Honorare. „Meine Sorge ist, dass vor allem freiberufliche Fotografinnen noch mehr in Bedrängnis geraten. Da sehe ich „The Journal“ als wichtige Plattform, die dagegenwirken kann.“

Mehr Netzwerke, mehr Stipendien, mehr Sensibilisierung

Außerdem wünscht sich Schmitz hierzulande eine aktivere Debatte über diese Missverhältnisse. In den USA sei die Branche bereits deutlich weiter – nicht nur, was den Aspekt Gendergap angehe, sondern das Thema Inklusion ganz allgemein. Ein Ansatz dafür wäre die kürzlich initiierte Photo Bill of Rights.

Tatsächlich gibt es in Deutschland bereits ein ähnliches Netzwerk wie das von Women Photograph. Aus einem Stammtisch heraus bildete sich 2018 der Female Photoclub. „Bei unseren lokalen Treffen in Köln stelle ich fest, dass wir in den letzten zwei Jahren schon viel erreicht haben, die Frauen mutiger und selbstbewusster werden und sich untereinander mehr austauschen und netzwerken“, sagt Juliane Herrmann. Die Fotojournalistin ist seit der ersten Stunde Teil der inzwischen 750 Frauen starken Organisation. Sie sieht die Gründe für den starken Gendergap vor allem darin, dass „der Fotojournalismus an sich eher auf einen männlich dominierten Markt ausgelegt“. Es sei tief in unseren westlichen Sehgewohnheiten verankert, dass beispielsweise aktuelle Tagespolitik tendenziell eher hart und spektakulär dargestellt würde. „Andere, diverse Perspektiven finden oft weniger Beachtung. Gleichzeitig wird Fotografinnen die Fähigkeit abgesprochen, sich überhaupt härteren Themen zu widmen.“

Was also tun, um die Situation im Fotojournalismus ausgeglichener zu gestalten? Mehr Netzwerke, in denen sich Frauen organisieren und unterstützen, vielleicht sogar speziell für Fotojournalistinnen mit Kindern. Außerdem mehr Stipendien und Förderungsmöglichkeiten. Vor allem aber mehr Sensibilität für das Thema. Sowohl in den Bildredaktionen als auch in der Ausbildung. Anna Stemmler beispielsweise wünscht sich Workshops an Hochschulen, in denen die Lehrenden für diese Problematik sensibilisiert werden.

Maria Sturm erwartet ihr erstes Kind im Herbst. Sie wird nicht auf ihre Auftraggeber zugehen, um von der Familiengründung zu erzählen. „Ich habe viel darüber nachgedacht, wem und wie ich von meiner Schwangerschaft berichte – und wünsche mir, dass Fotografinnen zukünftig nicht mehr überlegen müssen, ob sie ihre Schwangerschaften geheim halten sollten.“


*) Nachtrag, 20.8. Die zitierte Fotografin Maria Sturm ist mit dem Autor Florian Sturm weder verwandt noch verschwägert oder liiert.

34 Kommentare

  1. Das muss man auch erst einmal schaffen: mutmaßlich viele Stunden damit verbringen, empirische Daten über den Anteil weiblicher Fotografen bei diversen Medienpublikationen zu sammeln, und dann ausgerechnet bei der einzig entscheidenden Frage, wieviel der bestehenden Ungleichverteilung auf (systemische) Diskriminierung zurückgeführt werden kann und wieviel nicht, eine Anekdote zu erzählen und sodann das Problem als gegeben zu dekretieren wie weiland die Kirche die unbefleckte Empfängnis.

    Wer ein Problem lösen will, der muss es zunächst einmal verstehen. Sonst macht man genau das, was der Artikel bezüglich seines empirischen Teils mit sichtbarem Stolz von sich weist: aus (k)einer Ahnung heraus schreiben.

  2. Mal blöd gefragt: wie werden Fotojournalisten(m/w/d) überhaupt bezahlt? Nach Fotos, nach Aufwand, mal so mal so?
    Zusatzfrage: kriegen Fotojournalistinnen weniger Geld pro Arbeitseinheit als ihre männlichen Kollegen, oder kriegen sie weniger Aufträge?

  3. Ich habe in Hannover Fotojournalismus studiert und kann zwei Sachen bestätigen: Das taffe Macho-Männerbild wurde uns in der Tat vorgelebt und wir haben größtenteils die Arbeiten von Männern besprochen – das änderte sich aber seit meinem Abschluss, soweit ich das höre.
    Es ist auch so, dass die wenigsten von uns (nur) vom Fotojournalismus leben. In den Bildredaktionen in Deutschland findet sich oft ein/e Absolvent/in aus Hannover – aber Bildredaktion ist nicht rausgehen und Fotografieren. Das liegt aber einfach an der Veränderung der Branche. Wie der Artikel belegt werden oft Agentur-Bilder genommen und dort sind die Stellen begrenzt. Selbst der Stern hat nur noch einen festangestellten Fotografen, soweit ich das zuletzt hörte.

    @Mycroft: Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber meistens mache ich eigenständig eine komplette Geschichte alleine und biete sie dann Medien an, die das Material dann entweder für einen festen Satz pro Seite/Abdruck oder eine pauschale Summe komplett nehmen. Alternativ schickt mich ein Medium irgendwohin. Für einen Tagessatz gibts dann die Nutzungsrechte für die Bilder. Soweit ich das als weisser Mann beurteilen kann, gibts da keine unterschiedliche Gagen nach Geschlecht, aber man kann natürlich versuchen nachzuverhandeln. Die im Text erwähnte Charlotte Schmitz hat mit mir im gleichen Jahrgang studiert. Sie ist besser im Verhandeln als ich.
    Ein paar Archiv-Bilder lasse ich auch durch die dpa vertreiben, das sind aber lächerliche Summen, so 2-8 Euro im Monat. Eins meiner Fotos war mal in der 20 Uhr Tagesschau vorm Wetterbericht, dafür gabs 5 Euro

    Aber ich denke, wenn man in der Ausbildung nur Männer hat, nur Arbeiten von Männern bespricht und in den Medien nur Männer sieht, ist das nicht eine super Basis zu verhandeln oder selbstbewusst aufzutreten in dieser stark geschrumpften Branche.

  4. es ist ein natürlicher Instink (es liegt in den Genen), Schwangere zu schützen. Davon hing/hängt der Fortbestand der Menschheit ab.
    Das kann man nicht abschalten im Instinkt.
    Man muss das ansprechen offensiv: „Frohe Nachrichten! Ich bin im 4. Monat schwanger, ich habe keine gesundheitliche n Einschränkungen und will die nächsten 3-4 Monate noch voll durcharbeiten. Denkt an mich, wenn ihr Aufträge habt!“

    Wenn nach dieser frohen Kunde die Aufträge merklich einbrechen, hat man gute Chancen vor Gericht zu klagen wegen Ungleichbehandlung oder Ausgrenzung oder Diskriminierung.

  5. Wenn ein bevorzugter Fotograf bzw. eine Fotografin ausfällt, ob wegen Schwangerschaft oder langwieriger Reha, wird der Bildredakteur im Pool schauen, welcher Fotograf möglichst schnell mehr ans Haus gebunden werden kann, und zwar mit vielen Aufträgen, damit die Person auch wochenends bereit steht und all das macht, was die Person, die ausfällt, ohne Murren und Knurren gemacht hat, damit sie überhaupt zum bevorzugten Fotografen werden konnte. Wenn diese Person sich dann bewährt hat und die andere wiederkommt, ist es illusorisch anzunehmen, dass letztere ohne Weiteres wieder ihre gewohnte Auftragszahl bekommt. Vielleicht, wenn ein ausgeprägt freundschaftliches Verhältnis zum Bildredakteur besteht. Je distanzierter und anonymer, desto unwahrscheinlicher.

    In unserer Region und im Bereich Lokaljournalismus, den ich als Redakteur überschauen kann, ist es übrigens genau andersrum: Im Fotobereich sind häufig Frauen tätig, die davon nicht leben müssen, der Ehemann ist Hauptverdiener. Weil das Bildhonorar so mies ist. Ausgebildete Fotografen mit Studio, die früher nebenbei für die Zeitung gearbeitet haben, machen das inzwischen nicht mehr, weil die Honorare über zwei Jahrzehnte nicht angepasst wurden.

  6. Die Bezeichnung „Protagonistin“ im Nachtrag finde ich etwas unglücklich. Klingt, als ob Frau Sturm eine Kunstfigur aus einem Roman ist, es gibt sie doch wohl wirklich und der Name wurde auch nicht geändert?

  7. @ILLEN
    Danke.

    Chapeau wie man es schafft über drei Ecken und mit gendergap versucht ein Genderproblem heraufzubeschwören, das es in der Form nicht gibt.
    Fehlt nur noch der Hinweis, die Fotografie würde es Frauen schwerer machen, den Beruf auszuüben.

  8. Es stimmt: Längere Abwesenheit als freier Mitarbeiter/Selbstständiger ist ein großes Problem. Egal, ob wegen Schwangerschaft, Krankheit, Pflege oder was auch immer.

    Das gilt wohl für alle Branchen, aber für die Medien kommen einige Aspekte verschlimmernd hinzu: Überangebot an Mitbewerbern, miese Bezahlung, generelle Dumping-Mentalität.

    Dass Frauen wegen Schwangerschaft potenziell stärker und öfter von dem Problem „berufliche Auszeit als Selbstständige“ betroffen sind, ist sunbedingt ein paar Gedanken wert.

    Aber hier hat Autor Sturm das Problem völlig unnötigerweise auf ein Genderthema beschränkt. Leider verliert der Artikel dadurch an Relevanz und Plausibilität. Schade.

  9. Klarer Fall von: Mehr Frauen in gemütliche Prestige-Berufe. Man kann’s ja versuchen.
    Da, wo wirklich Frauen scheisse behandelt und mies bezahlt werden, wie der ganze Pflege- und Putzbereich (oder einfach „unskilled labour“), kommt nix. Auch bei Männern nicht, aber das interessiert eh keinen.

    Also da, wo wirklich gearbeitet wird (was wärend des Lockdowns trotzdem laufen musste), wird man mit einem kleinen Bonus abgespeist und der Bundestag klatscht einmal. Ändern tut sich nix.
    Macht endlich eure Augen auf für echte soziale Ungerechtigkeiten, werte „Linke“.

    LG ein Linker alter Schule :D

  10. Ich find‘ ja immer witzig, dass das von „Linken“ bzw. Sozialdemokraten verlangt wird und auch nur die abgestraft werden, wenn sie es nicht umsetzen.
    Von der Union z. B. wird es nicht erwartet, also Peng.
    Dann wiederum frage ich mich, was wird eigentlich von der Union verlangt? Schwarze Null? Wer verlangt das und wem, der von „Linken“ soziale Politik verlangt, hilft das?
    Momentan ist Kommunalwahlkampf bei uns. Die Linken / Grünen wieder mit 30-Wort Plakaten, die keiner im Vorbeifahren entziffern kann. SPD mit Gesichtern und die Union hat sich gänzlich von Inhalten befreit. Die haben 2 Plakate mit je 1 Wort: 1. „(Stadtname)“ 2. „Machen.“

    Klar, wenn nichts von einem erwartet wird, kann man auch niemanden enttäuschen!

  11. Da, wo wirklich Frauen scheisse behandelt und mies bezahlt werden, wie der ganze Pflege- und Putzbereich (oder einfach „unskilled labour“), kommt nix.

    Es ist mir ein Rätsel, warum hier auf ÜBERMEDIEN der Beruf Fotograf:in und nicht der Pflege- und Putzbereich betrachtet wird.

  12. Also ich bin auch selbständig, als Ein-Mensch-Betrieb.

    Und in der Tat gibt es das grundsätzliche Problem, dass ich schauen muss, was ich mache, wenn ich mal ausfalle. Auch als Mann. Ich kann physisch und/oder psychisch erkranken, ich kann aus anderen Gründen eine Pause brauchen oder auch nur wollen. Das ist das Risiko.

    Frau Sturm hätte vor der Ergreifung dieses Berufs wissen können, dass sie als Frau einen weiteren Ausfallgrund hat, den ich als Mann nicht habe: eine Schwangerschaft.

    Daraus ernsthaft ein „Gender Gap“ zu konstruieren, ist ja absurd. Es ist, wenn überhaupt, ein „Sex Gap“. Dass Frauen schwanger werden und Männer nicht, dass ist eine Ausprägung des biologischen Geschlechts und nicht des gesellschaftlichen.

    Meine Herren, (Sprache ist auch nicht immer gerecht…), was für ein Aufriss für nichts. Ihr schafft es wirklich, dass selbst Menschen, denen Geschlecht in all seinen Ausprägungen nun wirklich egaler als egal ist, nur noch den Kopf schütteln über die zusammenphantasierten Phänomene, die ihr hier immer wieder vorbringt.

  13. Danke für die Belehrung, dass Männer nicht schwanger werden können.

    Die Frage die hier implizit gestellt wird ist doch, ob die biologische „Benachteiligung“ („weiterer Aufallgrund“) zu einer finanziellen / gesellschaftlichen Benachteiligung führen muss / sollte.

    Ich bin der Meinung, dass das staatlich aufgefangen werden sollte – So eine Art Sozialversicherung in die alle reinbezahlen, aber nur schwangere Frauen während ihrer beruflichen Ausfallzeit daraus etwas erhalten.
    Das passt natürlich nicht in ein Weltbild, in dem Schwangerschaft ausschließlich ein Kostenfaktor ist und dem man gerne ausblendet, dass dadurch die Steuerzahler und Sozialversicherungsbeiträger von morgen erschaffen werden.

  14. @Fritz Schumann: Danke für die Auskunft.

    „Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber meistens mache ich eigenständig eine komplette Geschichte alleine und biete sie dann Medien an, die das Material dann entweder für einen festen Satz pro Seite/Abdruck oder eine pauschale Summe komplett nehmen.“
    Das heißt, Sie investieren Zeit und Arbeit und tragen das Risiko, evt. auf Ihren Kosten sitzen zu bleiben, sehe ich das richtig?

    Kann es sein, dass das „taffe Macho-Bild“ die nötige Risiko-Bereitschaft ist/sein soll?

  15. @15

    Sicherlich würde ich das so nicht ausschließen, aber ich war schon vorm Studium recht risikofreudig, was größere Projekte angeht.
    Bislang hat sich jedes Projekt auf die eine oder andere Art ausgezahlt. Zudem bin ich seit zehn Jahren auf ein Thema spezialisiert und kann die Relevanz bzw. den Wert von Geschichten inzwischen ganz gut einschätzen. Und wie auch im Text beschrieben lebe ich auch nicht nur von Fotojournalismus, sondern finanziere journalistische Projekte auch durch andere Arbeit. Das erlaubt mir auch eine größere Freiheit in der Themenwahl.

  16. @Anderer Max

    Und Sie meinen nicht, dass die Risiken der Selbständigkeit von den Selbständigen getragen werden sollten?

    Zu den Risiken zählt, weshalb auch immer, mal auszufallen.

    „Sozialversicherungen“ haben wir hierzulande doch nun wahrlich in Hülle und Fülle.

  17. @BAZOOKA JOE
    Man könnte argumentieren, dass eine Schwangerschaft gesellschaftlich gar nicht mehr als Risiko angesehen wird. Sondern als Investition. Die dann auch von der Gesellschaft getragen werden sollte.

  18. Angenommen, ich bin selbstständig, meine Frau im öff. Dienst, wird schwanger, aber ICH nehme mir die Elternzeit – bekäme ich die Einnahmeverluste auch von der Allgemeinheit erstattet?

  19. @Micha
    Wieso?
    Jeder soll doch Kinder kriegen, wenn er oder sie oder beide wollen. Oder einen Hund.
    Dass Reprouktion als gesellschaftlicher Goldstandard angesehen wird ist ja anno 2020 schon schräg.
    Und wer mit dem „Argument“ der Rente ist ja nun völlig zynisch.

    Zum Text zurück: dass sich Selbständige noch wundern, dass sie, wenn sie eine Auszeit nehmen aus welchen Gründen auch immer, dann nicht mehr gebucht werden, nun ja weil es ein anderer halt macht, zeugt von maximaler Naivität.
    Dann sollen sie sich sich doch anstellen lassen, dann gibt es auch die Sicherheit.

  20. @JMK
    „@Micha
    Wieso?
    Jeder soll doch Kinder kriegen, wenn er oder sie oder beide wollen. “

    Geht aber aktuell eben nicht auf gerechtem Wege, weil der Mann den Wunsch einfach umsetzen kann, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen zu müssen, die Frau aber eben meist ihre Karriere knicken kann.
    Das ist doch der Punkt.

  21. @JMK
    Hat jetzt was damit zu tun, dass Kinder kriegen für die jeweiligen Geschlechter im Berufsleben Konsequenzen hat, die nicht gleich verteilt sind?

  22. Kinderkriegen hat nicht nur im Berufsleben Konsequenzen, die für die jeweiligen Geschlechter unterschiedlich verteilt sind, sondern quasi überall.
    Die Gesellschaft versucht das dadurch zu kompensieren, dass es für werdende Mütter Kündigungsschutz gibt, für werdende Väter aber nicht, um sich dann zu wundern, warum so wenig Väter Elternzeit nehmen.

    Also Schwangerschaftsschutzgeld für schwangere Selbstständige ok, aber dann bitte auch für selbstständige werdende Väter.

  23. JMK (8.)
    „Chapeau wie man es schafft über drei Ecken und mit gendergap versucht ein Genderproblem heraufzubeschwören, das es in der Form nicht gibt.“

    Aber ich muss doch sehr bitten.
    Gender, Rasse und Diskriminierung ist ein Geschäft, an dem sich viele die Hände wärmen. Wenn Sie dem die Geschäftsgrundlage nehmen, könnte die Arbeitslosenzahl um weitere Hunderttausend ansteigen. Und zwar dauerhaft. Denn machen wir uns nichts vor, die in diesem Geschäft tätigen sind nicht unbedingt die, die für nützliche Arbeit geeignet sind.
    Deshalb bitte weiterdiskriminieren.

  24. @Mycroft
    Väter werden nicht schwanger, deshalb gibt es keinen Kündigungsschutz während der Schwangerschaft für Männer.
    Nehmen Väter Elternzeit, dann haben auch sie Kündigungsschutz.

    Also die Konsequenzen, die zum Nachteil nur für die Mutter im Berufsleben führen, siehe diesen und zahlreiche andere Artikel, ignorieren?

  25. Väter werden nicht schwanger, aber Männer Väter. Das heißt, werdende Väter können während der Schwangerschaft gekündigt werden.

    Gegenfrage – was würde werdenden Müttern weggenommen, wenn man ihren Partnern dieselbe Kündigungsschutzfrist während der Schwangerschaft zusichert?

  26. @Mycroft
    Ich weiß nicht, worauf das hinaus laufen soll?

    Von mir aus kann auch werdenden Vätern Schwangerschaft-Kündigungsschutz gewährt werden, den werdenden Müttern würde damit nichts genommen werden.
    Hab aber auch noch nie gehört, dass werdende Mütter da etwas gegen haben könnten.

    Diskussion der Diskussion willen?

    Mein Punkt war, dass ich eine Ungerechtigkeit sehe, dass Frauen, die Schwanger werden, oft dadurch berufliche Nachteile erfahren.
    Und ich das als nicht Gott gegeben sehe.

    Was war Ihr Punkt?

  27. „Mein Punkt war, dass ich eine Ungerechtigkeit sehe, dass Frauen, die Schwanger werden, oft dadurch berufliche Nachteile erfahren.“ Ja.
    Die beruflichen Nachteile für Frauen beginnen aber nicht erst mit der Schwangerschaft.
    Wenn man nämlich den Kündigungsschutz für werdende Mütter deutlich stärker ausbaut als den für werdene Väter, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Firmen gezielt Männer einstellen.

    Aber gut, wenn Sie kein Problem damit haben, die Schutzrechte für angestellte werdende Mütter auf angestellte werdende Väter zu übertragen, haben Sie vermutlich auch kein Problem damit, Schutzrechte für selbstständige werdende Mütter aus selbstständige werdende Väter zu übertragen.

  28. „Die beruflichen Nachteile für Frauen beginnen aber nicht erst mit der Schwangerschaft.
    Wenn man nämlich den Kündigungsschutz für werdende Mütter deutlich stärker ausbaut als den für werdene Väter, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Firmen gezielt Männer einstellen.“

    Ich fing hier im Strang damit an, dazu anzuregen, eine grundsätzlich andere Sicht einzunehmen. Das Bestehende einfach mal in Frage zu stellen.
    Um dann eben nicht durch solche Detailfragen wieder alles zu zerreden.

  29. Das Problem ist, dass die für die Debatte herangezogene Berufsgruppe so schlecht dafür geeignet ist. Fotojournalisten sind meist Freischaffende, ein Kündigungsschutz greift da ohnehin nicht. Das Problem ist eher, nach der Ausfallzeit wieder Aufträge im normalen Umfang zu bekommen. Das könnte gesetzlich nur geregelt und geschützt werden, wenn es in Verträgen genau definiert ist. Medienhäuser greifen aber gerade deswegen auf Externe zurück, weil das flexibler und kosteneffizienter ist. Weiß nicht, wo und wie man da ansetzen könnte …

  30. Das ist ja alles hoechstinteressant -nur wurde das Hauptproblem vieler Fotografen mal wieder nicht erwähnt:
    Von BIlD angefangen bis hin zu allen Illustrierten beträgt heute der kostenlose fotoanteil von facebook – twitter- oder instagram-Fotos bis zu 80 Prozent !!
    Um Antwort wird gebeten :
    Peter Bischoff
    Info@peter-bischoff.de

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