Kriegsherren, Erklärbären, Sunnyboys: Männer für die Krise

Sie strahlen Selbstsicherheit aus, haben auf alles eine Antwort und fahren anderen über den Mund: Die Krise gebiert die Sehnsucht nach dem „starken Mann“. Seit Mitte März gibt es davon auffallend viele in den Medien. Die weibliche Hälfte der Bevölkerung hat das Nachsehen.


Das Bild in der Klatschzeitschrift „Paris Match“ erinnert an das alte Rom, als sich die Senatoren in weißen Gewändern um ihren Kaiser scharrten: Sechzehn grauhaarige Männer umringen den französischen Staatschef vor Türen voller Blattgold. Überschrift: Der Kriegsrat.

Der doppelseitige Aufmacher bedient die Stereotypen vergangener Zeiten. Abgebildet ist der Krisenstab von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Allerdings nicht vollständig: Die weiblichen Mitglieder fehlen. Das Foto in „Paris Match“ zeigt sie nicht, sie sitzen auf der anderen Tischseite. Einen Tag später bringt die größte Lokalzeitung Frankreichs, „le Parisien“, vier Männer auf dem Titel, die über die Welt nach Corona philosophierten. Der Mann wird auch hier als Krisenmanager inszeniert.

Vielleicht ist es ein uralter Reflex. Eingeschrieben in unsere Kultur-DNA dank eines jahrhundertealten patriarchalen Erbes. Aber er funktioniert – zumindest in einschlägigen Redaktionen. Doch im 21. Jahrhundert bleibt dieses Medienklischee zumindest nicht mehr unkommentiert. Am wenigsten in Frankreich, wo für die Emanzipation weitaus mehr getan wird als in Deutschland.

Die Männerrunden wurden im Nachbarland nicht nur auf Twitter und in Radiosendungen heftig kritisiert, sondern das Gleichstellungsministerium berief auch ein Team für die Mission „Emanzipation in Krisenzeiten“ ein.

Es soll in Zahlen fassen, wie viele Expertinnen in den Medien vorkommen, mit welcher Redezeit, zu welchen Sendezeiten. Auch die Redaktionen selbst sollen darauf abgeklopft werden, ob in der Krise Journalistinnen weniger entscheiden als vorher.

Frauen halten das System am Laufen, Männer erklären

Eine Beobachterin der Mission ist Céline Calvez, ehemalige Unternehmerin und nun Abgeordnete für Macrons Partei LREM. Sie wacht über Zeitungstitel und die Zusammensetzung von Redaktionen. „Die Krise verstärkt, was schon vorher gut und was schlecht war“, sagt sie. Es sei „verrückt“, alleine Männer zu befragen. „Gerade jetzt, wo die Gesellschaft von Frauen an der Kasse, im Krankenhaus und im Altenheim hoch gehalten wird, ist dies ein Unding.“ Calvez hofft, schon durch ihre Mission und die damit verbundene Aufmerksamkeit einen Rollback in den Medien zu verhindern.

Deutschland ist von einer solchen Mission noch Lichtjahre entfernt. Auch wenn das hiesige Frauenministerium auf Anfrage einräumt, dass die Präsenz von Frauen in den deutschen Medien deutlich unter der von Männern liege. „Auch wir beobachten, dass diese bestehende Ungleichheit durch die gegenwärtige Corona-Krise noch verstärkt wird“, erklärt ein Ministeriumssprecher. Eine Mission wie in Frankreich plane man allerdings nicht.

Dabei gibt es auch in Deutschland derzeit einige Aufreger. Wie unter einem Brennglas zeigt die Krise, wie ungleich der Einfluss in den Medien verteilt ist.

Der Branchendienst „Kress“ stellte zehn Personen vor, „die jetzt gefragt sind“. Diese zehn Personen sind zehn Männer.

„Kress“-Chefredakteur Marc Bartl erklärt das per Email so: „Im Vorfeld der Köpfe-Hitliste vom 2. April war unsere Corona-Berichterstattung von männlichen Medien-Verantwortlichen geprägt.“ Diese Artikel wiederum befeuerten die Klicks auf die Köpfe-Profile, einer Art Kurzbio auf kress.de. Je höher die Klick-Zahl, desto besser der Platz im Ranking. Das heißt, diejenigen, über die „Kress“ berichtet, finden sich quasi automatisch in den Top Ten wieder – ein Karussell der Wichtigkeit.

Wie viele Klicks letztendlich das Ranking begründen, möchte Bartl nicht sagen. Aber auch er räumt ein: „Mir ist aufgefallen, dass unsere Berichterstattung über Corona im März sehr von männlichen Führungskräften in Medien geprägt war. Die Kritik, die daraufhin vor allem via Twitter laut wurde, empfand ich als berechtigt und konstruktiv.“

„Kress“ brachte schließlich einen deftigen Gastbeitrag von Mareice Kaiser, der Chefredakteurin von „Edition F“. Sie hatte die Diskussion um die „Kress“-Köpfe auf Twitter befeuert.

Reproduktionsschleife der Ungleichheit

Zwar tut es allen leid, aber am Ende reproduziert sich das männlich dominierte System so immer wieder selbst: Männer empfehlen Männer, die dann auffallen und von Männern aufgegriffen werden. Die Medien sind dabei Helfershelfer der Ungleichheit.

Gerade in Krisenzeiten scheint sich diese Reproduktionsschleife noch zu verstärken: Männer ziehen die Macht an sich. „Die Väter gehen weiter in die Redaktion, die Mütter bleiben mit den Kindern im Home Office“, sagt eine Redakteurin beim SWR. Auch das Home Office selbst ist offenbar abträglich für gleichberechtigte Entscheidungen. Die Pariser Gleichheits-Beauftragte Calvez erzählt, in vielen Redaktionen würden nun nicht mehr größere, diverse Gruppen über Titel und Themen entscheiden, sondern alleine die Ressortleiter. Auch die Diskussionen in Videokonferenzen seien von Männern geprägt.

Das verwundert nicht, denn schon vor Corona-Zeiten lag die Macht in den Redaktionen klar bei den Männern, wie eine Studie des Vereins ProQuote zeigt.
Der Frauenanteil in den Chefredaktionen von 100 untersuchten Regionalzeitungen lag im vergangenen Jahr nur bei rund zehn Prozent; bei zehn überregionalen Zeitungen, darunter FAZ und SZ, nur bei rund 20 Prozent. Nimmt man die Verteilung auf der Ressortleiterebene noch hinzu, sind immerhin 25 Prozent der Chefsessel mit Frauen besetzt. Einzig in der Tageszeitung „taz“ ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgeglichen. Seit kurzem hat sie eine weibliche Doppelspitze.

ProQuote will in der Krisenzeit besonders wachsam sein. „Wir werden ganz genau gucken, ob die Krise auf Kosten von Frauen geht”, sagt Edith Heitkämper, die Vorsitzende des Vereins. Etwa, ob Journalistinnen überdurchschnittlich viele Aufträge verlieren oder besonders häufig ihre befristeten Jobs verlieren wie in der Wirtschaftskrise 2008.

Frauen treffen andere Entscheidungen

Die Ungleichheit gilt auch für die andere Seite des Mikrofons. Viele Medien tun sich schwer damit, Expertinnen zu finden. In der Coronakrise ist der Grund schnell ausgemacht: In vielen Berufen, besonders in den medizinischen, sind mehrheitlich Männer auf den Chefposten. Gabriele Kaczmarczyk, die Vizepräsidentin des Deutscher Ärztinnenbundes, hat nachgerechnet: Sie hat 25 Virologen und drei Virologinnen gefunden. „Das ist die übliche Verteilung in der Medizin“, sagt die pensionierte Anästhesistin und Gastprofessorin an der Berliner Charité. Trotzdem müssten gerade die wenigen Virologinnen befragt werden – denn das mache nicht nur für die Gleichheit, sondern auch bei den Inhalten einen Unterschied.

Kaczmarczyk hat an dem von ihr gegründeten Lehrstuhl für „Frauenspezifische Gesundheitsforschung“ an der Charité herausgefunden, wie unterschiedlich Frauen und Männer in der Medizin arbeiten. „Ärztinnen verabreichen beispielsweise seltener schwere Medikamente, raten häufiger von teuren Operationen ab. Und haben damit zumeist bessere Ergebnisse. Es ist für eine Epidemie unerlässlich, ihre Expertise anzuhören.“

Für Redaktionen ist es aufwändiger, Expertinnen ausfindig zu machen. Aber viele machen es sich einfach – und laden immer dieselben Experten ein, die einmal als „sprechfähig“ abgespeichert wurden. Eben die, die einmal im Karussell der Wichtigkeit sitzen. Verstärkt wird das noch, wenn weibliche Redakteure durch die Kinderbetreuung nicht voll arbeiten können.

„Tatsächlich müssen sich Redakteurinnen mehr anstrengen, um Expertinnen zu finden“, sagt ProQuote-Sprecherin Heitkämper, die für das Gesundheitsmagazin „Visite“ im NDR arbeitet. Es gebe exzellente Virologinnen und Infektiologinnen: neben Melanie Brinkmann oder Marylyn Addo zum Beispiel auch Dunja Bruder, Sandra Ciesek oder Katrin Leitmeyer vom European Centre for Disease Prevention and Control. „Wir müssen bewusst Frauen zu Wort kommen lassen, das sollte selbstverständlich sein – sonst erklären uns Männer die Welt, und wir Frauen nicken brav.“

Fun-Fact: Die britische Virologin June Almeida hatte das Corona-Virus in den 1960er Jahren entdeckt und ihm seinen Namen verliehen. Ihre Leistung wurde zunächst lächerlich gemacht: Die Gutachter befanden, dass die von Almeida produzierten Fotos einfach nur schlechte Bilder von ganz normalen Grippeviren seien.

„Ich kann das!“

Wie „mansplaning“ aussehen kann, lässt sich bei „Anne Will“ beobachten. In den vergangenen vier Sendungen der Talkshow traten sechs Frauen und fünfzehn Männer auf.

Am 15. März, kurz vor der Kontaktsperre, war es noch formal ausgeglichener. Es saßen genau so viele Frauen wie Männer in der Runde: Cerstin Gammelin von der SZ, Angela Inselkammer, Chefin des bayerischen Hotelverbandes, und Claudia Spies, Leiterin der Intensivmedizin an der Charité.

Trotz der paritätischen Besetzung zeigt die Sendung, was Forscherinnen und Forscher schon lange beobachten: Die Selbst- und Fremdzuschreibung von Autorität ist bei Männern um ein Vielfaches höher. Anders ausgedrückt: Männer halten sich für kompetenter und werden von anderen als kompetenter eingestuft – unabhängig von ihrer tatsächlichen Weisheit.

In diesem Fall bemerkenswert: Der Auftritt von Alexander Kekulé, Mikrobiologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Wissenschaftler tourt gerade durch die Talkshows. Kékulé, so viel sagen schon mal die Sekundenzähler, spricht in der Sendung von Anne Will rund elf Minuten. Die Berliner Anästhesie-Professorin Spies spricht weniger als acht Minuten. Schwerer als der Redeanteil wiegt aber die dominante Haltung von Kekulé: Er gibt den Erklärbär der Runde.

Als SZ-Wirtschaftsexpertin Gammelin sagt, niemand könne vorhersagen, wie lange die Einschränkungen in der Epidemie andauern würden, ruft Kekulé ungefragt: „Doch doch, ich kann das.“ Und prophezeit – „aber nageln Sie mich nicht fest“ –, dass mit den Osterferien alles vorbei sein dürfte. Das ist zwar nicht so gekommen, aber spielt letztendlich auch keine Rolle: Kekulé hat sich behauptet und den starken Krisenmanager markiert.

Am Ende der Sendung fährt Kekulé sogar seiner Kollegin Spies über den Mund: Als diese die Symptome für Corona aufzählt – Husten, Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen – unterbricht er sie mit einem lauten: „Nein, das stimmt nicht. Schnupfen gehört nicht zu den typischen Symptomen.“ Was faktisch falsch ist, denn Schnupfen ist laut Robert-Koch-Institut sehr wohl ein Indiz und tritt in rund 22 Prozent der Fälle als Symptom auf.

Aber egal, Anne Will entzieht nun der Ärztin Spies das Wort und erteilt es Kekulé. „Dann sagen Sie doch einmal, was richtig ist.“ Kekulé: „Also, Schnupfen ist eher sekundär.“ Letzter Wortbeitrag der Sendung. Am Sonntag den 19. April war Kekulé übrigens wieder bei Anne Will, nicht Claudia Spies oder eine ihrer Kolleginnen.

Die Moral dieser Geschichte: Wissenschaftler verkaufen sich erfolgreicher als Wissenschaftlerinnen in den Medien. Was nicht heißt, dass ihr Produkt, also ihr Wissen größer ist. Allein die Verkaufe ist besser.

Auf die Spitze trieb das der Bonner Virologe Hendrick Streeck. Seine Studie im von der Epidemie besonders betroffenen Kreis Heinsberg ließ er von der PR-Agentur Storymachine vermarkten. Dahinter stecken der frühere „Bild“-Chef Kai Diekmann, der Event-Manager Michael Mronz und Geschäftsführer Philipp Jessen. Der Wissenschaftler Streeck brachte es damit zu einer gewissen Prominenz. Die „Bild“-Zeitung – immerhin der ehemalige Arbeitgeber von Diekmann – beschrieb ihn am 2. April mit folgenden Worten:

„Er ist der sunnyboy unter den Virologen. Hendrik Streeck, 42 Jahre jung, trägt neben charmantem Lächeln und blondem Scheitel auch einen Professorentitel.“

Er sei der „Corona-Pionier“.

Hier wiederholt sich der Effekt des „Kress“-Ranking: Mann lobt Mann lobt Mann. „Das Virus zeigt unsere Gesellschaft wieder so viril, wie sie eigentlich ist. Nun jedoch offen, hemdsärmelig und breitbeinig, ohne schlechtes Gewissen und ohne verschämte Gesten“, schreibt Jana Hensel in der „Zeit“. Aber Journalistinnen und Journalisten könnten dem etwas entgegensetzen. Wie es beispielsweise die „Financial Times“ tut: Sie ließ vor eineinhalb Jahren eine Warnung im Redaktionssystem installieren, die losbimmelt, sobald in einem Artikel Expertinnen fehlen. Zuvor hatte das Wirtschaftsblatt gezählt, dass in seinen Beiträgen nur eine von fünf zitierten Personen weiblich ist.

Ein ähnliches Warnsystem will nun auch die Pariser Abgeordnete Calvez in den Redaktionen installieren. In der vergangenen Woche hat sie schon den Chef des „Parisien“ getroffen. „Seitdem sie wissen, dass wir darauf achten, zählen sie nach.“

Nachtrag, 27. April. Wir haben einen Absatz hinzugefügt, der auf den Gastbeitrag von „Edition F“-Chefredakteurin Mareice Kaiser verweist, den „Kress“ veröffentlicht hat.

50 Kommentare

  1. Wie hoch ist der Anteil der Texte, die Übermedien bisher veröffentlichte und von Frauen geschrieben wurde? Hängt die vermutlich hohe Zahl an „Männertexten“ damit zusammen, dass drei Männer (Stefan Niggemeier, Boris Rosenkranz und (seit diesem Jahr auch) Jürn Kruse) Übermedien verantworten? Ich glaube nicht. Aber was ist der Grund, dass auch bei Übermedien der „Männeranteil“ so hoch ist und wurde das von den Autorinnen ebenfalls bedacht? Ist das Problem der Corona-Analyse auch bei der Medienanalyse zu finden?

  2. @Jens
    Wollen Sie damit exemplifizieren, dass es ein Ungleichgewicht gibt, wenn es selbst bei Übermedien auftritt? Was könnten denn dann die Autorinnen dafür? Was wollen Sie uns mit Ihren Fragen mitteilen? Etwas Sinnstiftendes? Ich glaube nicht.

  3. @Autorinnen: Danke für diesen Artikel!
    @Übermedien: Danke fürs Veröffentlichen!
    @Kommentarspalte: „NURWEILEINEFRAUWASSAGTISTDASJAWOHLNICHTWICHTIGERUNDRICHTIGERALSWENNEINMANNDASSAGTUNDÜBERHAUPTISTDASVOLLSEXISTISCHGEGENMÄNNERUNDIRGENDWASMITSTATISTIK…“
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  4. Hey, ausgerechnet BILD reduziert Streeck auf Alter („Sonnyboy“, 42 Jahre jung), Aussehen („charmantes Lächeln“, Frisur) und dann ist er auch noch Professor. Worin, ist ja auch egal. Aber wie kann ein gutaussehender Mann auch noch schlau sein?
    Das beweist, dass die Idee der Gleichberechtigung bei BILD angekommen ist, und jetzt werden da nicht nur Frauen auf Äußerlichkeiten reduziert und verniedlicht, sondern auch Männer. Das beweist leider nicht, dass die Idee der Gleichberechtigung bei BILD auch verstanden wird, aber immerhin.

    Ansonsten bei der nächsten Kabinettssitzung die Westfälische Reihe ausprobieren. Oder Redaktionssitzung. Oder überall.

  5. Kann sich jemand erinnern, wann die Quotenprizesschen Bilanz gezogen haben „Hey, seht mal, was wir alles auf die Beine gestellt haben!“?

    Ich auch nicht.
    Auf Kosten von anderen Leben, nicht einmal Danke sagen, stattdessen jammern, greinen, beschuldigen, pöbeln – die immer gleiche Leier.

    Übrigens sind zwei Drittel aller Youtube-Videos von Männer gemacht.
    Warum das so ist weiß ich nicht.
    Muss ich auch nicht wissen, Annika Joeres und Susanne Götze werden uns sicherlich bald den Grund nennen: Die weltumspannende Vereinigung zur Unterdrückung der Frauen, das sog. „Patriarchat“ ist der Grund. Was anderes kommt ja gar nicht in Frage.

  6. Kann sich jemand erinnern, wann EinerVonVielen nen sinnvollen Beitrag geliefert hat? Ist ja auch schwierig, wenn man zu dumm ist, seine Kindergartenbeleidigung ohne Tippfehler hier hin zu schmieren.
    Es gibt übrigens Gründe, warum Frauen nicht so oft streamen wie Männer: ungerecht harte abwertende Kommentare wie der über mir, aber oft leider noch viel hämischer, sexistischer und unanständiger.

  7. #3 Gast:

    Sie und der Artikel passen wirklich wunderbar zusammen, besser hätte es auch keine Parodie mehr hinbekommen. Danke dafür.

  8. @Illen: Sie haben da was falsch verstanden. Ich finde den Artikel ja GUT, deshalb ist es jetzt weder eine große Überraschung noch eine krasse Beleididung, dass ich und der Artikel wunderbar zusammenpassen. Find ich auch. Steht ja in meinem Kommentar.

    @EINERVONVIELEN / Peter Sievert: Das hingegen ist sehr lustig, also ausgerechnet die Quantität von Youtube-Videos (of all things…) als Indiz für die geistige und sowieso auch allgemeine Überlegenheit des Mannes an sich anzuführen. Hätte man nicht wenigstens die Wikipedia-Autorenschaft oder sowas bemühen können?! So viel Mühe kann man sich bei seinem Männer-sind-einfach-das-geilere-Geschlecht-Geplärre schon geben. Weitere steile These im Übrigen, woran das liegen könnte: Weil die meisten Frauen nicht jeden Furz, den sie lassen, so bedeutsam und weltbewegend finden, dass sie dazu ein Video (oder einen Internetkommentar) veröffentlichen müssen.

  9. „Übrigens sind zwei Drittel aller Youtube-Videos von Männer gemacht.
    Warum das so ist weiß ich nicht.“

    Ich schon. Das zeigt mal wieder, das wir Männer eher dazu neigen uns wichtig zu nehmen und glauben, der Welt unsere Gedanken mitteilen zu müssen. Frauen sind da einfach bescheidener und haben gelernt das eigen Ego mal zurückzunehmen.
    Interessanterweise kommentieren auch unter diesem Artikel mal wieder mehr Männer als Frauen. Was sagt das aus, das sich manche mal wieder gleich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen?
    Ein natürliches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern wird es immer geben, aber das ist noch lange kein Grund die Ungleichheit zu zementieren und nicht zu versuchen ihn zu minimieren.

  10. „… als sich die Senatoren in weißen Gewändern um ihren Kaiser scharrten…“ – Ein trefflicher Verschreiber, wie auch heute die „Experten“, Politiker usw. mit den Füßen „scharren“, um sich um Anne Will u.a. zu „scharen“.
    Der von diesen Männern dominierte Sprech geht mir schon länger auf den Geist. Deren Perspektive wirkt sich auch auf die Handlungsschwerpunkte aus: lange Diskussionen um Fußball, kaum um Kita-Probleme etc.
    Danke für den Beitrag.

  11. Das süffisante Grinsen von Herbert Diess und Hendrik Streeck gestern bei „Maybritt Illner“, als Mai Thi Nguyen-Kim zugeschaltet wurde, sprach Bände. Auch dass die Regie genau diese patriarchal-herablassende Haltung noch ins Bild setzt (und Illner selbstverständlich nichts dazu sagte), spricht sehr für die These dieses Textes.

  12. Ich habe den Standpunkt der beiden Damen bisher immer geteilt – bis ich als einziger Mann in einem Team aus Frauen und unter der Leitung von Frauen gearbeitet habe.

    Mir stellt es sich so dar: Chauvinismus ist keine geschlechterspezifische „Rolle“ – sondern selbsterwähltes Verhalten jedes Individuums. Schon Schopenhauer sagte einst (sinngemäß) – „Wenn du weißt, dass du im Argument unterlegen bist – so werde beleidigend und grob.“

    Das (Nicht)Ausnutzen ebensolcher Verhaltenspraktiken zur Behauptung der eigenen Meinung im Argument zeugt von individueller Fähigkeit (oder auch eben einer Nichtvorhandenen).

  13. @Gast

    Wo Sies sagen, muss ich auch schmunzeln. Wobei es natürlich konsequent ist, eine absurde Aussage mit einem sinnlosen Argument zu unterfüttern :-)

  14. Gäbe es bereits einen Jana Fleischhauerin-Award, ich würde diesen Artikel als Vorschlag für die Nominierungsliste einreichen.

    Ähnlich flott angerührt mit allerlei willkürlich ausgewählten Zutaten aus dem Treibhaus der Anekdotenevidenz, die man sich besser nicht im Einzelnen genauer ansieht oder gar gewichtet.
    Das jenen zu verdeutlichen, die es nicht von selber bemerken, wenn sie mit diesem Holzhammerargumentrezept bearbeitet werden, würde hier jeden Rahmen sprengen. Dafür müsste man jedes einzelne „Beweisstück“ abklappern, bis die dürre Substanzgrundlage unübersehbar wird. Eigentlich ein Musterfall für Übermedien, das hier mal durchzusezieren und -dekonstruieren, aber…es kommt ja von den Richtigen. Und im Richtigen kann es nichts Falsches geben, korrekt?

    Ungefähr so unmöglich war es mir meist auch, Fleischhauers Spiegel-Kolumnen-Allerli-Eintöpfe sachlich zu kommentieren. Vielleicht könnte man ja, wie bei Augstein vs. Fleischhauer, Streitgespräche Jan vs. Annika&Susanne starten? Das könnte ich mir sehr unterhaltsam vorstellen.
    Im Nachgang gar nichts gefunden habe ich zu einem Lehrstuhl für „Frauenspezifische Gesundheitsforschung“ an der Charite und auch nicht zu der genannten Studie zu geschlechtsbhängigen Praktiken von Ärzten. Weder per Google, noch auf Frau Kaczmarczyk Literaturliste. Wurde der entsprechende Absatz eigentlich nachträglich geändert? Gestern schien ich „bewiesen“ gelesen zu haben, nicht „herausgefunden“. Auch der Zusatz „Und haben damit zumeist bessere Ergebnisse“ war mir gestern noch gar nicht aufgefallen. Gibt noch andere Stellen, bei denen ich diesen Eindruck habe, vielleicht täuscht mich da aber auch meine Erinnerung.
    Ich wüsste jedenfalls gerne mehr über die Untersuchungs-Methode und die empirische Bedeutung von „Zumeist“. Zusammen mit der Rollenklischeezementbombe von den „Frauen an der Kasse, im Krankenhaus und im Altenheim“ scheint das ja jenen Google-Mitarbeiter zu bestätigen, der in einem internen Brief einige Aspekte mit solch verschiedenen Verhaltensmustern begründete, die wissenschaftlich belegt seien, und der deswegen als Sexist geschmäht wurde bis ihn Google auf öffentlichen Shitstormdruck feuerte.

    Na gut, ich habs getan. Jetzt hängt es weit herausgestreckt aus dem Fenster, mein kleines Köpfchen. Fröhliches Halali. Nur zu, das war eine bewußte Entscheidung.

    PS: Ist es eigentlich Zufall, dass hier eine Spiegel- und eine Zeitmitarbeiterin eine Studie als Referenz einbringen, in der merkwürdiger- und unbegründeterweise der Spiegel in der Liste der untersuchten überregionalen Presse fehlt, die Zeit noch einigermaßen gut wegkommt, wenn man auch die subalterne Ebene mitzählt, während man sich bei anderen nur auf die oberste Kress-relevante Teppichetage kapriziert?

  15. Der Name war auch fast das einzige Weibliche am Leopoldina-Gutachten (nur 2 der 26 Mitwirkenden waren Frauen) und im Ergebnis war es dementsprechend ignorant gegenüber der Perspektive von Frauen. Gerade in der Krise zeigt sich, dass es kein Luxus ist, darauf zu achten, dass genügend Frauen zu Wort kommen. Ein moderne Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf ihre Perspektive zu verzichten. Erfahrungsgemäß schaffen es alte weiße Männer (der Altersdurchschnitt der Mitwirkenden lag bei 60 Jahren) meistens nur sehr unzureichend, die Situation von Frauen mit zu bedenken und das schlimmste ist, dass sie sich dessen nicht bewusst sind, sondern auch noch meinen, alles überblicken zu können. Und die wenigen Frauen (auch in Talkshows) sollen auch nicht zu den Frauenbeauftragten der Gruppe gemacht werden, sondern sie möchten ihre eigenen Ziele verfolgen. Nur wenn das Verhältnis der Geschlechter einigermaßen ausgeglichen ist, sind die Frauen frei ihre Kernkompetenz einbringen zu können und nebenbei auch noch die weibliche Perspektive mit abzudecken.

  16. #8 Gast:

    Ich fürchte eher, Sie haben da jetzt etwas falsch verstanden. Schauen Sie sich einfach nochmal Ihren Kommentar in #3 an. Vielleicht hilft’s. Wenn nicht, auch nicht schlimm!

    #15 Sarah:

    Und dabei ist Leopoldina noch nicht einmal richtig weiblich, sondern der latinisierte und grammatisch gebeugte König Leopold. Es ist ein Gleichstellungsdesaster!

  17. @symboltroll

    Der von Ihnen offenbar nicht sehr gründlich gesuchte Lehrstuhl wurde 2003 gegründet mit der Unterstützung durch Prof.Kaczmarczyk (Lehrstuhlinhaberin war sie alkerdings nicht.) Er heißt mittlerweile „Gender in Medicine“.

  18. Geschlechterklischees nerven. Wenn ich morgen früh wieder am Krankenbett stehe, mache ich mir nochmal Gedanken über „Frauen halten das System am Laufen, Männer erklären“ und auch den Umstand, dass die in der „Coronakrise“ am Besten dastehenden Länder mehrheitlich von Frauen „geführt“ werden (diese Erkenntnis entstammt leider nicht dem Artikel). Irgendwas muss ich als Mann grundsätzlich falsch gemacht haben, wie wohl auch meine Chefin, ihre Chefin und deren Chefin (bei dem „queeren“ Mann an der Spitze der Ärzteschaft bin ich mir gerade unsicher). Vielleicht sollte ich meinen – übrigens sehr kompetenten – Kolleginnen auch nahelegen, den von ihnen geliebten Job an den Nagel zu hängen, sie werden schließlich in der Politik gebraucht, in der Virologie, der Epidemiologie, der Autowerkstatt, der Elektrikerbude, bei Anne Will, in quotierten Zitaten und auf den Doppelseiten in Frankreich. Kann doch nicht sein, dass die einfach keinen Bock auf den Scheiß haben, Zensursula sollte ihnen ein Beispiel sein! Oder wenigstens Frau Merkel und Frau Schwesig, die in meinem Bundesland tagtäglich die Titelseiten illustrieren.

    Vielleicht sollten wir auch alle mal ein wenig gelassener bleiben und nicht immer nur mit dem Geschlechtsteil denken/werten. Natürlich ist bisweilen – leider – noch immer Kritik angebracht und nötig, aber hier habe ich das Gefühl, eine Blase führte zu einem Konstrukt mit einer Verallgemeinerung im Ergebnis.

    Btw.: Dass in Deutschland Schnupfen (jetzt zu 21%) mit Covid-19 korreliert, bedeutet noch keine Kausalität, man/frau kann tatsächlich auch gleichzeitig mehrere Infektionen „beherbergen“ – die Erkenntnisse ändern sich noch immer binnen Tagen und variieren regional sehr. Aber ich möchte nicht „mansplainen“, was weiß ich schon.

    Der Abwasch ruft…

  19. „Auch der Zusatz ´Und haben damit zumeist bessere Ergebnisse war mir gestern noch gar nicht aufgefallen. „´

    Mir auch erst beim zweiten Mal. Liegt vielleicht daran, dass man diese Stanze der Genderpropaganda nicht mehr so mitkriegt, ist ja eh in jedem dieser Nonsens-Artikel dabei.

    Google bringt zu Frauen sind die besseren die Wahrheit ans Licht. Diese sensiblen Fabelwesen sind die besseren
    – Bürgermeister
    – Manager
    – Autofahrer
    – Schützen
    – Ärzte
    – Hedgefondsmanager
    – Anleger
    – Chefs
    – Investoren
    – Vermittler
    – Rechner und Händler
    – Online-Gründer
    – Weinkenner
    – Chirurgen
    – Führungskräfte
    – Zuhörer
    – Teamleiter
    – Schiedsrichter
    – Handwerker
    – Designer
    – Börsenmakler
    – Entwickler
    – Konfliktlöser
    – Krisenmanager
    – Wissenschaftler
    – Business-Analysten
    – Programmierer
    – Einparker
    – und noch viel, viel mehr

  20. Es erschließt sich mir nicht, warum 3 Virologinnen (w) als wichtiger angesehen werden sollten als 25 Virologen (m). Die männlichen Virologen sind doch keine homogene Masse, sondern hierbei wird es sehr verschieden Arten von Persönlichkeiten und Denkansätzen geben. Letztendlich sind es einfach 28 Wissenschaftler/innen.

    Ich finde die Denkweise wirklich befremdlich, wenn man nicht in Individuen denkt, sondern nur in verallgemeinerten Gruppen, die gegeneinander ausgespielt werden. Ich dachte, dass die Gesellschaft schon weiter wäre.

  21. „@Einervonvielen Mit Verlaub, du bist einfach nur ein dummes Arschloch.

    Ein Wohlklang, das Bellen der getroffenen Hunde.

  22. #21 Peter Maier

    Sie haben eben noch nicht ausreichend verinnerlicht, dass eine Frau* zu sein bedeutet, dass Sie grundsätzlich genuin weibliche Erfahrungen machen, die Ihnen eine einzigartige und doch alle Frauen* verbindende Perspektive verleihen, die sowohl Männer grundsätzlich nicht in der Lage sind ebenfalls einzunehmen und die gleichzeitig jedes beliebige Thema automatisch voranbringt bzw. ohne die automatisch ein entscheidendes und Frauen* diskriminierendes Defizit vorliegt, unabhängig davon, ob jemand artikulieren kann, was diese Perspektive sein soll und wie sie das konkrete Thema entscheidend voranbringen würde. Denn wenn 25 männliche Wissenschaftler über ein Thema nachdenken, dann denken sie eben „männlich“. Was das dann wieder bedeuten soll, kann jeder anhand seiner eigenen Vorurteile und Bauchgefühle bestimmen und dann z.B. mit anekdotischer Evidenz zu einem journalistischen Artikel verrühren.

    Verstehen sie? Wegen dieser weiblichen Perspektive machen z.B. Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen mehr Gewinn! Das ist wissenschaftlich bewiesen. So wie die Gravitation. Von Newton. Die ist auch bewiesen. Wir von den Gender Studies sind eben die absolute Speerspitze der seriösen Wissenschaft!

    ;-)

  23. @Peter Maier #21

    Ich verstehe Ihr Argument und finde es plausibel. Von mir eine Anregung aus eher pädagogischer Sicht.

    Drehen wir aber mal auf Null:
    Wenn wir uns darauf einigen, dass Männer und Frau gleich schlau sind, wäre der Erwartungswert an einer Stelle, wo es auf Kopfleistung ankommt, dass etwa 14 von 28 Mitgliedern weiblich sind.
    Wenn dann aber nur 3 von 28 weiblich sind, stellt sich nunmal die Frage, warum das so ist und wie man das ändern kann, insbesondere in Hinblick auf die nächste Generation.
    Und ein Mittel wäre nun mal, den 3 überproportionale Aufmerksamkeit zu geben, damit sich das Rollenbild „wichtige Positionen werden von Männern getragen und Frauen organisieren die Termine“ nicht auf ewig manifestiert. Erziehung funktioniert eben zum Großteil über Vorbildwirkung und Vorleben.

    Dass gerade im konkreten fall die öffentlich präsentierte wissenschaftliche Meinung dennoch repräsentativer wissenschaftlicher Konsens und fachlich einwandfrei sein sollte, versteht sich von selbst.

  24. #24 Peter Sievert

    Wenn dann aber nur 3 von 28 weiblich sind, stellt sich nunmal die Frage, warum das so ist und wie man das ändern kann

    Eine der diskutierten Ursachen für die Ungleichverteilung, die wir sehen, ist, dass Frauen und Männer zwar bis auf sehr wenige sehr spezielle Bereiche die gleichen Fähigkeiten haben, aber im statistischen Schnitt nicht die gleichen Interessen. Dass es also schlicht viel weniger Frauen als Männer gibt, die Interesse an einem Leben z.B. als Vorstand oder als Leiter eines großen Forschungsinstituts haben, obwohl sie die exakt gleichen Fähigkeiten mitbringen.

    Jetzt kann man natürlich sagen, dass selbst wenn dies zuträfe, das nur ein Beweis dafür wäre, dass man Programme brauche, um das Interesse von Frauen zu erhöhen. Aber davon abgesehen, dass man sich mit dieser Schlussfolgerung auf wissenschaftlich abschüssiges Terrain begibt (denn man setzt die gewünschte Schlussfolgerung – wir brauchen Gleichstellung – an den Beginn der Beweiskette anstatt an ihr Ende): Es gibt diese Programme in den meisten westlichen Staaten seit mindestens 30 Jahren (Girls Days, female fellowship Programme, Stipendien, u.v.m) und die empirischen Befunde deuten mehr oder weniger eindeutig dahin, dass der Aufwand so gut wie keine Früchte trägt.

    Das führt in das gerade in den Sozialwissenschaften hochkontroverse Problem, inwieweit menschliche Interessen sozial frei modellierbar oder durch unabänderliche Prozesse (Dopaminausschüttung bei Vornahme einzelner Tätigkeiten, charakterliche Festlegungen in der Adoleszenz usw.) eingeschränkt sind. Hier sind wir sicher noch weit von abschließenden Erkenntnissen entfernt.

    Der Punkt ist aber doch: Bereits diese kurze Übersicht zeigt, dass man aus einer rationalen, der Wissenschaft verpflichteten Perspektive nicht einfach annehmen kann, dass die beobachteten gesellschaftlichen Unterschiede in statistischen Verteilungen unbedingt etwas mit Diskriminierung zu tun haben müssen. Sie könnten damit zu tun haben. Etwas. Oder viel. Oder ausschließlich. Aber solange es zahlreiche andere Erklärungsansätze gibt, die zudem von zahlreichen empirischen Befunden gestützt werden, ist es unredlich, (systemische) Diskriminierung als einzige und umfassende Ursache schlicht vorauszusetzen.

    Aber, wie der Kollege Symboltroll hier mE bereits zu Recht resignierend bemerkt hat: in diesem Thema zirkuliert mittlerweile derart viel Falsches, von wissenschaftlichem Cargokult über Straßen voller guter Absichten bis zu dreisten Lügen, dass selbst Sisyphos schreiend zu seinem Fels flüchten würde, anstatt sich damit zu beschäftigen.

  25. „Einzig in der Tageszeitung „taz“ ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgeglichen. Seit kurzem hat sie eine weibliche Doppelspitze.“

    Kleine Korrektur: Noch ist Georg Löwisch Chefredakteur. Zum 1. Mai wird er von Barbara Junge abgelöst, Ulrike Winkelmann wird erst am 1. August die zweite Hälfte der Doppelspitze werden.

  26. @Illen

    „Es gibt diese Programme in den meisten westlichen Staaten seit mindestens 30 Jahren (Girls Days, female fellowship Programme, Stipendien, u.v.m) und die empirischen Befunde deuten mehr oder weniger eindeutig dahin, dass der Aufwand so gut wie keine Früchte trägt.“

    Nun ja, das ist ja auch wirklich nur Herumdoktern an den Symptomen und solche Pseudomaßnahmen sind zum Teil totaler BS (z.B. der Girls Day).

    Also das Zurückziehen auf z.B. den Standpunkt, es sei einfach nicht weibliches Interesse, wenn Ihnen halt von Geburt an vorgelebt wurde, wer an Macht-Positionen Interesse zu haben hat, ist halt schwierig. Da ist aktive Diskrimierung dann auch gar nicht mehr nötig.

    Optimistisch denke ich aber, dass diese 3 von 28 auch schon einen Jahrgang haben, wo die Lücke halt noch größer war. Wenn die heutigen Studentinnen und Schülerinnen in das (ja doch ziemlich hohe) Alter kommen, in dem man Chefsessel besetzt sind, werden sie sich schon einen größeren Anteil an allen möglichen Positionen erkämpft haben.

  27. Wenn die heutigen Studentinnen und Schülerinnen in das (ja doch ziemlich hohe) Alter kommen, in dem man Chefsessel besetzt sind, werden sie sich schon einen größeren Anteil an allen möglichen Positionen erkämpft haben.

    Nein.

    In NRW (wahrscheinlich auch außerhalb) sind hunderte Posten für Schuldirektoren vakant. Die hochqualifizierten und hochemanzipierten besseren MenschInnen müssten nicht kämpfen. Anruf genügt – und schon hätten sie die ach so herbeigesehnte Führungsposition.
    Aber sie rufen nicht an.
    Unter Führungsposition verstehen die ein Versorgungspöstchen als Frühstücksdirektorin.
    Leitungsposition mit Verantwortung, im Kampfgetümmel?
    Pfui, bäh.

    Seit Jahrzehnten wird den sensiblen, moralisch und intellektuell hauchhoch überlegenen Fabelwesen der rote Teppich ausgerollt.
    Sie beschreiten ihn nicht. Im Gegenteil, der Anteil der Studentinnen in den nützlichen Fächern ist rückläufig.

    Um auf mein Eingangsbeispiel zurückzukommen, wer hindert Frauen daran, bei youtube genauso viele Videos einzustellen wie Männer?
    Wer sind die Diskriminatoren? Und wie genau machen die das?

    Wer hindert Frauen am erfinden, wer verbietet Frauen Firmen zu gründen?

  28. “dass Frauen und Männer zwar bis auf sehr wenige sehr spezielle Bereiche die gleichen Fähigkeiten haben

    Jein.
    Im Durchschnitt(!) sind die Fähigkeiten von Männern und Frauen offenbar gleich.
    Aber die Verteilung ist unterschiedlich. Bei Männern ist die Verteilung statistisch breiter als bei Frauen. Salopp gesagt: Bei Männern gibt es mehr Genies und mehr Honks.
    Das ist der Trivialgrund, weshalb Männer in den Führungspositionen genauso überrepräsentiert sind wie im Knast.

  29. Dumme Menschen sind nicht krimineller als schlaue.
    Der Vergleich wäre, dass es mehr männliche geistig Behinderte gibt.

    „Wenn die heutigen Studentinnen und Schülerinnen in das (ja doch ziemlich hohe) Alter kommen, in dem man Chefsessel besetzt sind, werden sie sich schon einen größeren Anteil an allen möglichen Positionen erkämpft haben.“
    Ok, niemand hält Frauen aktiv davon ab, Virologie zu studieren. Jetzt haben aber Medien natürlich einen Erziehungsauftrag, junge Frauen dazu zu bringen, Virologie zu studieren und dann bitteschön auch Chef(m/w/d)posten zu besetzen.

    Männer sind von Corona allerdings mehr betroffen, vllt. wäre es fair, die Anzahl der weiblichen Experten zu dem Thema auf 40 % zu begrenzen.

  30. @ Einervonvielen:

    Wie valide die Studien sind, die eine unterschiedlich breite Verteilung von Intelligenz zeigen, ist aber durchaus umstritten.
    Und ansonsten kommt es sehr auf den Ort an, wie viele Frauen beispielsweise MINT-Fächer studieren:

    https://science.orf.at/v2/stories/2899355/

    Oder auch, wenn es darum geht, wie viele Frauen etwa in der Wirtschaft zu den Führungskräften gehören. Zahlen eines Berichts der globalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Grant Thornton“ von 2016:

    Weibliche Führungskräften in Unternehmen in Russland:
    45% (Spitzenreiter weltweit).
    In den USA:
    20%
    In Deutschland:
    15%.

    Solche Differenzen und Komplexitäten muss eine Analyse halt auch berücksichtigen, wenn sie nicht unterkomplex sein möchte.

  31. @28: Auf die Anmerkung, dass gerade in der Gesundheitsforschung eine weibliche Perspektive unterrepräsentiert ist und bei den derzeit gefragten Virolog*innen kaum Frauen dabei sind, antworten Sie, die Frauen könnten ja gerne Schulleiterin in NRW werden, aber das wollen Frauen ja nicht, denn die sind ja faul und wollen nur Versorungsposten? Selten so einen Schwachsinn gelesen. Schnellinger hat Recht.

  32. Warum darf der Virologe Kekulé nicht der Anästhesistin Spies widersprechen? Die Beweisführung der Autorinnen gegen ihn ist jedenfalls dünn: Auf derselben RKI-Seite, auf der für deutsche PatientInnen ohne nähere Erklärung „Schnupfen 21%“ angegeben ist (offenbar Daten aus der Anamnese ohne Einordnung des Symptoms), findet sich auch ein „Erregersteckbrief“ aus China als Infografik, der zu Kekulés Aussage passt (nur wenige Prozent „verstopfte Nase“). Man kann also nicht ohne weiteres behaupten, seine Behauptung sei „falsch“. Auch ein Mann kann mal Recht haben. ;-)
    https://www.rki.de/SharedDocs/Bilder/InfAZ/neuartiges_Coronavirus/Abbildung1_Erregersteckbrief.jpg?__blob=normal&v=6

  33. @33
    Natürlich darf er widersprechen, hat er ja auch getan ohne jegliche negative Folge ;-)
    Es geht eben nicht darum, dass er Recht haben könnte oder nicht. Sondern darum, dass er die Deutung auf eindeutige Art und Weise für sich ungefragt reklamiert hat, obwohl, wie Sie richtig feststellen, man nicht ohne weiteres behaupten kann, seine Behauptung seien „richtig“.

  34. Wenn es darum geht, die Dinge schwarz/weiß zu malen, besteht kein Unterschied zwischen Journalistinnen und Journalisten. Als ob es nicht reichen würde, den quantifizierbaren Unterschied zwischen interviewten Expertinnen und Experten zu kritisieren, müssen nun wirklich alle möglichen Argumente an den Haaren herbeigezogen werden, die sogar einen Qualitätsunterschied von Fachfrauen und -männern belegen sollen.

    Die Frau, die bessere Virologin. Die Chromosomen definieren den Unterschied. Unter den genannten „exzellenten Virologinnen und Infektiologinnen“ findet sich u.a. auch Sandra Ciesek. Die Frau, die Anfang März noch befand, der Corona-Virus sei nicht gefährlicher als die Grippe:

    https://www.frankfurter-wochenblatt.de/frankfurt/frankfurter-wochenblatt-mitte/westend-corona-virologin-klaert-uni-campus-ueber-virus-13592427.html

    Ähnliches hatte Tage zuvor auch Alexander Kekulé behauptet.

    Irren ist also weiterhin menschlich, nicht männlich. Und schlechter Journalismus ist ebenfalls geschlechtsunabhängig.

    Die Aussage Kekulés : „Schnupfen gehört nicht zu den typischen Symptomen“ ist eben nicht „faktisch falsch“, wie die beiden Autorinnen schreiben. Das Niesen ist mit den laut RKI genannten 21% der Patientenaussagen eben nicht typisch (Christian Drosten geht übrigens davon aus, dass in vielen Fällen der genannte Fließschnupfen eine zusätzliche Infektion sein könne).

    Es gibt also einen Graubereich. Für solche Graubereiche gibt es auch passende Wörter und Formulierungen. Aber das hätte dann zur Folge, dass die eigene Botschaft nicht mehr so hübsch knallig rüberkommt. Insofern tendiert auch Übermedien gelegentlich hin zum Boulevard.

    In einem Punkt immerhin verlassen die Autorinnen das Schwarz-Weiß-Muster und bevorzugen Grautöne: Auf dem Paris-Bild werden selbst den Männern graue Haare angedichtet, die sichtbar gar keine haben.

  35. @FPS

    „Als ob es nicht reichen würde, den quantifizierbaren Unterschied zwischen interviewten Expertinnen und Experten zu kritisieren“

    Ja, da haben Sie recht. Man tut seiner Sache einen Bärendienst, wenn man über das Ziel hinaus schießt und sich angreifbar macht mit allzu absoluter Argumentation und Formulierung.

  36. @35: Gute Beobachtung, die mir mein Inhaltsblocker unmöglich gemacht hat. Es haben ja sogar die wenigsten der abgebildeten Männer graue Haare. Das ist eine Kleinigkeit, aber bezeichnend. Oder „grauhaarig“ meint gar nicht „grauhaarig“ sondern steht für irgendwas. Wie „alt“ oder „weiß“ oder „Mann“. Man kann nie sicher sein.

  37. Warum sind Frauen so besessen von Frauen?
    Männer machen einfach Dinge; Frauen überlegen erst, ob das auch gerecht ist, ob der Frauenanteil stimmt, ob die Macher zu weiß sind.
    Dabei ist es im Endergebnis völlig egal, wer die Krise bewältigt und wer welches Geschlecht hat oder welche Hautfarbe.
    Gleichwohl verweist man darauf, dass Frauen Dinge anders sehen und anders machen (biologisch bedingt eben), spricht ihnen aber die Leistung ab, einfach im Home Office die Kinder zu bespaßen – das ist ihre angestammte biologische Aufgabe, dafür sind sie am besten …
    Diese unabstreitbar notwendige Aufgabe der Nachwuchsaufzucht – völlig egal, wenn es um „Karriere“ geht. Entscheidet euch halt mal, es geht nicht alles auf einmal. Das Virus ist auf jeden Fall genderneutral.

  38. Eigentlich stehen graue Haare für Autorität. Tests mit Mantelpavianen, Gorillas und die Erschaffung Adams von Michelangelo sind da ganz eindeutig.

  39. Was ist denn das Prozedere, um in die Leopoldina aufgenommen zu werden? Bewirbt man sich selbst, muss man vorgeschlagen werden? Wie steigt man dann auf, um an so einem Tisch sitzen zu dürfen?

    Teaser:

    Sie strahlen Selbstsicherheit aus, haben auf alles eine Antwort und fahren anderen über den Mund

    .
    Wie kann man das auf Männer verallgemeinern, wenn man im Text einen Mann anführt, der einmal über den Mund fährt?

    Wieso wird die sehr populäre Mai Thi Nguyen-Kim nicht erwähnt und ihr „Wir sind erst am Anfang“-Video?

    Bei Anne Will ist mir aber Frau C. Berndt negativ aufgefallen – nicht nur sie – die behauptet hat, Deutschland sei unter den dichtbesiedelten Staaten mit größerer Einwohnerzahl an der Spitze, was die Eindämmung der Infektionen beträfe.
    Hat sie von Südkorea und Japan noch nie gehört? Sie ist im Wissenschaftsresort der SZ tätig – was macht sie seit Ende Januar? Es wurde aber auch von den anderen Gästen und der Moderartion nicht kritisiert.

    @JOHN LENIN, 24. APRIL 2020 UM 13:01 UHR

    Das süffisante Grinsen von Herbert Diess und Hendrik Streeck gestern bei „Maybritt Illner“, als Mai Thi Nguyen-Kim zugeschaltet wurde, sprach Bände.

    Gibt es einen Link zu der Stelle oder wurde sie nur einmal zugeschaltet? Können Sie Gedanken lesen, so dass Sie wissen, weshalb die Herren süffisant gegrinst haben? Was macht Sie so sicher, dass das Grinsen süffisant war?

    Noch fragwürdiger erscheint mir das Ansinnen, dass die Bildregie solche Reaktionen zensieren soll. Oder dass die Moderatorin da eine Pflicht hat einzuschreiten.

    Sie meinen das ernst, stimmt’s?

  40. @andererMax:
    12. JOHN LENIN hat das hier kritisiert:

    Auch dass die Regie genau diese patriarchal-herablassende Haltung noch ins Bild setzt (und Illner selbstverständlich nichts dazu sagte), spricht sehr für die These dieses Textes.

    Gibt’s in der Mediathek.

    Nein. In der Mediathek gibt es die ganze Sendung und ein nervöses Fingern am Schieberegler zeigte mir, dass Frau Kim mehrfach zugeschaltet wurde – ich bin also selbst gezwungen herauszufinden, welche Mimik süffisant sein soll. Da kann ich dann protestieren und es heißt, das wäre ja gar nicht die Stelle.

    Gibt’s in der Mediathek.

    In der Mediathek gibt es auch Fisch.

    Link zu Satzung/Wahlordnung
    Danke.
    Das ist ein Link, damit kann man was anfangen.

    Also die füllen sich aus innen heraus nach. Verdiente Wissenschaftler, bla, bla.

    Unter „Satzung“, darin unter „§ 2 Wesen, Zweck und Aufgaben“ steht nicht, dass eine Quote angestrebt wird, Kampf dem Patriarchat auf dem Programm steht und auch nicht, dass Frauen unterdrückt werden sollen. Die genderbetonte Sprache unterstreicht lediglich eine reservierte Sensibilität für solche Fragen.

    Vielleicht genügen weniger Frauen als Männer den Kriterien, vielleicht genügen sie ebensooft, wollen aber seltener diesem Zirkel angehören? Woher kann man das wissen?

    Man kann natürlich spekulieren, dass es Frauen im Mittel seltener in solche Gremien zieht – wie man es aus der Mitarbeit an der Wikipedia beobachtet hat oder bei Parteimitgliedschaften. Das ist natürlich nur Spekulation.
    In einer Gesellschaft, in der fast jede Organisation froh ist, mindestens eine Frau, besser mehrere, in der Leitung vorzuweisen zu haben, wirkt das Lamento wie eine Vorwärtsverteidigung:

    Der Name war auch fast das einzige Weibliche am Leopoldina-Gutachten (nur 2 der 26 Mitwirkenden waren Frauen) und im Ergebnis war es dementsprechend ignorant gegenüber der Perspektive von Frauen. Gerade in der Krise zeigt sich, dass es kein Luxus ist, darauf zu achten, dass genügend Frauen zu Wort kommen.

    Erst nicht mitarbeiten und dann lamentieren, man sei nicht gehört worden, so kann man es auch beschreiben. Schuld sind natürlich wie immer die Männer.
    Die Evidenz ist die gleiche.

  41. Interessant auch:

    die Zahl der Frauen, die sich an der Diskussion hier beteiligen.

    Schönen 1. Mai wünsch ich.

  42. #47 Gast

    Mit der wolkig-selbstgewissen Formulierung haben Sie ja den Sound exakt getroffen, mit dem sonst das Patriarchat et al. für Denkfaule beschworen wird. Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt? Ich komm‘ nicht drauf!
    ;-)

  43. @45: „Erst nicht mitarbeiten und dann lamentieren, man sei nicht gehört worden (…)“
    Sprach der, der nicht in der Lage war „Leopoldina Wahl Vorstand“ bei Google einzugeben. Ihre gespielte Naivität kaufe ich Ihnen nicht ab.

    „ich bin also selbst gezwungen herauszufinden, welche Mimik süffisant sein soll. Da kann ich dann protestieren und es heißt, das wäre ja gar nicht die Stelle.“
    Präventiv-Rumopfern, falls einer widerspricht? Überfordert mit der Videoplayer-Zeitleiste? OK, bitte aber nicht mehr über mangelnde Mitarbeit anderer aufregen. Alternativ nicht den Naiven spielen. Entweder man suhlt sich in seiner Inkompetenz (scheint es eine Zielgruppe für zu geben) oder scheißt klug. Beides gleichzeitig wird schwierig.

    „In der Mediathek gibt es auch Fisch.“
    *daumenhoch*

    Ich würde Ihr Verhalten ja als „toxische Maskulinität“ bezeichnen. Aber das haben sich bestimmt auch nur die Gender Studies ausgedacht und existiert „in Wahrhheit“ gar nicht, gelle? Und lassen Sie mich raten: Belege dafür gibt es natürlich auch keine.
    Wenn es nicht immer so ermüdend wäre, sich mit euch Schlappschwänzen (hat er nicht gesagt!) rumzuschlagen. Bisschen mehr Selbstbewusstsein, dann muss man auch nicht immer Präventiv schon Opfer spielen.

  44. Vielen vielen Dank hierfuer. Mir geht die Ueberheblichkeit und das mansplaining von Prof. Kekule in seinem Podcast sehr auf die Nerven, von seinen Beispielen von Hausfrauen und Maennern im Baumarkt. Das ist schade, weil ich es gut finde, viele kluge Stimmen zu hoeren. Und es ist schade, dass sowenig Zuhoeren und Rezeption dieser Punkte moeglich ist – wie auch viele der Kommentare hier zeigen, the gentleman does protest too much!

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