Was die „Süddeutsche Zeitung“ zum Fall Epstein nicht schreibt

Bald hätte der Prozess gegen ihn beginnen sollen, gegen den Mann, dem vorgeworfen wird, über Jahrzehnte minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und an andere vermittelt zu haben. Ein regelrechter Sexhandelsring soll es gewesen sein, den der US-Milliardär Jeffrey Epstein betrieb. Und es ist lange noch nicht klar, wer alles davon wusste oder sogar mitmachte, und wahrscheinlich wird es auch nie ganz aufgeklärt. Epstein selbst kann man jedenfalls nicht mehr fragen. Kurz nachdem er im Sommer 2019 zum zweiten Mal in seinem Leben verhaftet worden war, beging er im Gefängnis Suizid.


Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Mitte August groß über den Fall Epstein berichtet, in einem langen Text auf der berühmten Seite Drei. Epsteins Tod hinterlasse „so viele Rätsel“, schreiben Christian Zaschke, der New-York-Korrespondent der SZ, und der Leiter des Feuilletons, Andrian Kreye:

„Wie konnte einer, der schon einmal wegen Verführung Minderjähriger im Gefängnis gesessen hatte, einer der nie erklärt hatte, wie er zu seinen angeblichen Milliarden gekommen war, so lange seinen Platz innerhalb der oberen Zehntausend halten?“

Das ist eine gute Frage, und ein Teil der Antwort ist möglicherweise: Weil er bekannt war mit einem Mann, der bestens vernetzt ist. Mit John Brockman. Doch dessen Name taucht in dem Artikel nicht auf. Wie auch in allen anderen Beiträgen, die bisher in der SZ zum Fall Epstein erschienen sind. Obwohl Brockman eine bedeutende Rolle gespielt haben soll.

Der 78-Jährige gilt als digitaler Impresario und einflussreichster Literaturagent der USA. Er vertritt viele prominente Wissenschaftler, deren Texte auch die „Süddeutsche Zeitung“ immer wieder veröffentlicht; erst in diesem Frühjahr startete sie eine Serie mit Beiträgen, die aus Brockmans „Tafelrunden zur künstlichen Intelligenz“ hervorgegangen seien.

Denn Brockman begleitet Diskurse nicht nur, er stößt sie an. Früh hat er den Begriff der „Dritten Kultur“ geprägt und eine Vereinigung der sonst voneinander eher abgeneigten Natur- und Geisteswissenschaften gefordert, um Antworten auf die „letzten Fragen“ zu finden. Was auch den verstorbenen Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, begeisterte. Schirrmachers FAZ-Feuilleton war entsprechend von Brockmans Autoren und Gedanken beeinflusst. Die beiden waren in ständigem Austausch.

Profil bei Edge.org: SZ-Feuilleton-Chef Kreye Screenshot: edge.org

Dass die SZ eng mit Brockman verbunden ist, liegt auch daran, dass Feuilleton-Chef Kreye, der lange SZ-Korrespondent in New York gewesen ist, den Literaturagenten gut kennt und zudem bei Edge.org mitwirkt, einem Debattenforum, das Brockman 1996 ins Leben rief. Bei Edge schreiben insbesondere Wissenschaftler, um ihre Ideen einem breiteren Publikum näher zu bringen.

Kreye hat oft über Edge und Brockman berichtet. Zu dessen 70. Geburtstag im Jahr 2011 lobte er sein „zielsicheres Gespür für die wichtigen Themen seiner Zeit“ und das „ungeheure kaufmännische Geschick“. Im Frühjahr schrieb Kreye, man dürfe sich Brockman als „Mischung aus König Artus und Dorothy Parker vorstellen“, als einen, der „schlagkräftige Talente oft früher als andere“ erkenne und bei dessen „Humor und Charme“ jede Runde auf Touren komme. Und als Kreye im Juni diesen Jahres den Theodor-Wolff-Preis für einen Essay über Künstliche Intelligenz erhielt, sagte er, vor allem der „Wissenschaftsimpresario John Brockman“ sei eine „Schlüsselfigur“ für ihn gewesen.

Bekannt ist auch die „Frage des Jahres“, die Brockman bis zum vergangenen Jahr stellte, etwa: „Was ist deine gefährliche Idee?“ oder „Was wird alles ändern?“ Sie beantworten zu dürfen, ist eine Ehre, die auch Kreye zuteil wurde. Zwischen 2004 und 2018 lieferte er Texte für die Rubrik, insgesamt zwölf Mal; im Jahr 2004, als die Frage „Was ist dein Gesetz?“ lautete, steuerte zufälligerweise auch ein gewisser Jeffrey Epstein einen (sehr kurzen) Artikel bei.

Jeffrey Epsteins „PR-Mann“

Wer so nah dran ist an Brockman wie Kreye, weiß natürlich Bescheid, was über den Impresario so kolportiert wird. Außerdem haben verschiedene Medien darüber berichtet, auch im deutschsprachigen Raum. Darüber, dass Brockman geholfen haben soll, Jeffrey Epstein in intellektuelle Kreise zu vernetzen. Der Autor Evgeny Morozov, bis vor kurzem noch Brockmans Klient, nennt seinen Ex-Agenten deshalb den „intellektuellen Ermöglicher“ und „PR-Mann“ Epsteins – Dienste, die sich für Brockman offenbar rentierten.

Wie „Buzzfeed“ schreibt, ist Epstein „der bei Weitem größte Geldgeber“ von Brockmans Edge Foundation gewesen, „und seine Verbindung mit Edge verschaffte ihm Zugang zu führenden Wissenschaftlern und Persönlichkeiten der Technologiebranche“. Zwischen 2001 und 2017 soll er laut Morozov rund 640.000 Dollar gespendet haben, was in etwa Kosten von rund 700.000 Dollar deckt, die Edge in dieser Zeit für „travel, conferences, and meeting“ ausgab.

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Unter diese Posten dürfte auch das „Billionaires‘ Dinner“ gefallen sein, zu dem Brockman regelmäßig einlud, ein gediegener Austausch von Wissenschaftlern und Unternehmern, eine Ego-Veranstaltung „für die Reichen, Schönen und Mächtigen“, wie Morozov sie nennt, und an der auch Epstein mehrfach teilgenommen haben soll. Zweimal offenbar um die Jahrtausendwende, ein weiteres Mal 2011, also Jahre nachdem er als Sexualstraftäter im Gefängnis gesessen hatte. Man konnte wissen, wer dieser Epstein ist. Auch wenn er 2008 in einem dubiosen Verfahren nur wegen eines Falls verurteilt wurde – mehr als 50 junge Frauen hatten ihm damals vorgeworfen, sie missbraucht zu haben.

Brockman selbst, schreibt Morozov, habe 2004 nach so einem Dinner gesagt:

„Letztes Jahr haben wir ,Das wissenschaftliche Dinner‘ ausprobiert. Alle gähnten. Deshalb geht es beim ,Milliardärsdinner‘ dieses Jahr wieder um Geld, Sex und Macht.“

Auch Andrian Kreye kennt das „Billionaires‘ Dinner“, er hat selbst daran teilgenommen. Auf einem Foto von 2014 ist er dort neben dem Amazon-Gründer Jeff Bezos zu sehen, auf einem anderen von 2015 neben Lucy Southworth, der Wissenschaftlerin und Ehefrau von Google-Erfinder Larry Page. Wer Brockman gut kennt, verkehrt eben in solchen Kreisen, und so ein Termin ist natürlich ein Traum für jeden Journalisten. Über das 2014er-Treffen hat Kreye auch in der SZ geschrieben, 2015 war dann das letzte Dinner dieser Art.

Epstein-Spenden: „Wie radioaktiver Müll in den Haushalten“

Wer wann Spenden von Epstein bekam, und vor allem: wer sie auch nach 2008 noch annahm, also nach dessen Verurteilung und Haftstrafe, darüber wird in den USA heiß diskutiert. Prominentes Beispiel: das renommierte Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das Epsteins Geld gerne angenommen hat – aber versuchte, den gar nicht so edlen Spender zu verschleiern. Als das aufflog, trat Joichi Ito, der Direktor des Media Labs, Anfang September zurück. Natürlich ist auch er einer von Brockmans Klienten.

Andrian Kreye hat über Itos Rücktritt und die Spenden-Debatte berichtet. Er schreibt, Epsteins Gelder wirkten „wie radioaktiver Müll in den Haushalten der Institute und Institutionen“, und die Liste der Empfänger sei lang:

„Einige haben sich schon distanziert. Andere, wie die Harvard University, die 6,5 Millionen Epstein-Dollar bekommen haben soll, äußern sich nicht.“

Dass auf der Empfänger-Liste auch die Edge Foundation stand, erwähnt SZ- und Edge-Autor Kreye nicht. Auch nicht, dass Brockman derjenige gewesen sein soll, der Epstein mit von ihm vertretenen Wissenschaftlern wie Ito zusammenbrachte. Dabei hat Kreye von den Epstein-Spenden an Edge bereits „im Rahmen meiner Recherchen in diesem Sommer“ erfahren, wie er auf unsere Nachfrage erklärt.

Artikel auf der „Seite Drei“ der SZ am 21.11.2019 Ausriss: SZ

Auch im jüngsten Text von Kreye und dem New Yorker SZ-Korrespondenten geht es um die Spenden: „Sehr viele Menschen“ versuchten, „nicht über ihre Verbindungen zu Jeffrey Epstein zu reden“ – „Männer meistens. Mit Macht, Einfluss, Geld. Und großen Namen“. Ein paar werden genannt: Bill Clinton, Donald Trump – aber der große Name des mächtigen, einflussreichen, männlichen Literaturagenten John Brockman fehlt auch hier. Vor allem, wenn Leute aus „der Welt der Wissenschaft“ über Epstein redeten, „dann wollen sie um Himmels Willen nicht, dass ihr Name in einer Geschichte über ihn auftaucht“.

Brockman gehört ebenfalls zu jenen, die über Epstein lieber schweigen. Auf Anfragen von Journalisten hat er sich bisher nicht geäußert, obwohl er vielleicht ein bisschen was zu erzählen hätte, auch über Epsteins Umgang mit „jungen Frauen“, von dem er in einer Mail berichtet, die er Evgeny Morozov im Jahr 2013 schickte. Morozov hat sie in „The New Republic“ veröffentlicht.

Brockman versuchte offenbar, ein Treffen zwischen Morozov und Epstein anzubahnen, und er vergaß dabei auch nicht, Epsteins „wunderschöne junge Assistentin aus Weißrussland“ zu erwähnen. Über Epsteins Verurteilung als Sexualstraftäter schreibt er: „He also got into trouble and spent a year in jail in Florida“ – was freundlich, um nicht zu sagen: euphemistisch ausgedrückt ist.

Prinz Andrew und „Irinas Fußmassage“

In der Mail berichtet Brockman auch von einem Besuch bei Epstein. Wie er ihn antraf, im Trainingsanzug, mit einem Briten „in einem Anzug mit Hosenträgern“, und „zwei junge gut gekleidete russische Frauen“ hätten ihnen die Füße massiert. Komisch fand Brockman das offenbar nicht. Wer der Brite war, der „Irinas Fußmassage“ erhielt, sei ihm dann klar geworden: „seine Königliche Hoheit, Prince Andrew, the Duke of York“.

Um den Prinzen geht es auch im jüngsten SZ-Text von Kreye und seinem Kollegen. Denn dem zweiten Sohn der Queen wird vorgeworfen, vor rund 20 Jahren eine 17-Jährige sexuell missbraucht zu haben, die er über Epstein kennen gelernt haben soll. Das hat die Frau kürzlich unter anderem in TV-Interviews erklärt. Die Stelle in der SZ, an der es genau darum geht, wäre also eine gute Stelle gewesen, um auch von Brockman zu erzählen, von seiner Rolle – und von seiner bemerkenswerten Mail. Aber das steht da nicht.

Brockman wird unterstellt, er habe in der Mail mit den jungen Frauen für ein Treffen mit Epstein geworben. Kann sein, muss aber nicht. Morozov jedenfalls schreibt, er könne nicht glauben, seit er die Mail wiederentdeckt habe, dass Brockman „rein gar nichts von Epsteins wilden sexuellen Eskapaden“ gewusst habe. Und natürlich drängt sich mindestens die Frage auf, wie viel Einblick Brockman hatte. Und ob er auch gegenüber anderen Epsteins „junge Frauen“ erwähnte, zum Beispiel gegenüber Andrian Kreye, der unsere Nachfrage dazu aber nicht beantwortet hat.

Artikel auf der „Seite Drei“ der SZ am 14./15.8.2019 Ausriss: SZ

Dass Kreye Epstein auch zweimal persönlich traf, ist hingegen bekannt. Er beschreibt es selbst, in dem Seite-Drei-Text Mitte August, kurz nach Epsteins Suizid. Es wird nicht ganz klar, wer da mit „der Reporter“ gemeint ist, der in Epsteins New Yorker Villa ein Dinner besuchte und in dessen Privatjet zu einem Treffen mit Wissenschaftlern flog, weil Kreye den Text ja nicht allein verfasst hat. Aber auf Nachfrage bestätigt er, dass er „der Reporter“ ist.

Beim „Science-Dinner“ mit Marvin Minsky

„Vor gut zehn Jahren“, heißt es im Text, habe dieser Reporter „das Glück“ gehabt, als „Plus One“ zu einem Galadinner dazuzustoßen, „also als namenloser Gast eines Gastes, was in der Hackordnung der New Yorker Society der untersten Stufe des menschlichen Daseins entspricht“. 2007 sei dieses „Science Dinner“ gewesen, sagt Kreye auf Nachfrage. Er sei dort gewesen, um „den KI-Pionier Marvin Minsky zu treffen“, und Zugang verschaffte Kreye natürlich: John Brockman. Er habe ihn damals um Zugang „gebeten“, schreibt Kreye auf unsere Nachfrage.

Schon die Ankunft im „Herrschaftshaus“ sei „einschüchternd“ gewesen. „Der Reporter“ wird von Ghislaine Maxwell empfangen, die inzwischen verdächtigt wird, Epsteins Komplizin gewesen zu sein, und die damals, wie Kreye schreibt, eine „junge Assistentin“ an ihrer Seite hatte. Später tritt dann auch Epstein auf, „ein Hüne“, „ein Alphatier“: „Freundlich schritt er von Tisch zu Tisch“.

Der SZ-Text fragt auch, ob die beim Dinner anwesenden Wissenschaftler hätten ahnen können, „dass Jeffrey Epstein in seinen Villen und Anwesen minderjährige Mädchen zu bezahltem Sex drängte“. Die Antwort folgt einen Absatz später:

„Einer, der Epstein hin und wieder besucht hat, erzählt, dieser habe die Welten immer streng getrennt.“

Aber ist das so? Hier die Wissenschaft, da der Missbrauch?

Vielleicht wäre es nicht schlecht, an dieser Stelle noch mal Marvin Minsky zu erwähnen, den vor zwei Jahren verstorbenen KI-Forscher, den Kreye beim Dinner treffen wollte. Minsky war ebenfalls ein Klient von Brockman und Professor am von Epstein mitfinanzierten MIT. Wie Epstein „Science“ in einem Interview erzählte, war er Minsky „sehr nah für eine ziemlich lange Zeit“ und finanzierte „einige seiner Projekte“. Und seit diesem Jahr wird auch dieser Marvin Minsky beschuldigt, ein Mädchen missbraucht zu haben, und zwar jene, die das auch Prinz Andrew vorwirft.

Sicher: Minsky ist tot, man kann ihn nicht mehr damit konfrontieren. Und seine Witwe beteuert, ihr Mann habe nie „Sex“ mit diesem oder einem anderen Mädchen gehabt, in keiner von Epsteins Residenzen. Sie seien immer zusammen dort gewesen und hätten auch nie übernachtet.

Aber ist das nicht trotzdem ein Teil der Geschichte? Dass es so einen Vorwurf gegen einen Wissenschaftler gibt? Wieso kommt Minsky zweimal kurz im SZ-Text vor, der Vorwurf gegen ihn aber nicht? Stattdessen steht dort, dass die anwesenden Personen nichts ahnen konnten, weil „beide Welten“ getrennt gewesen seien – wie die SZ eine einzige anonyme Quelle zitiert.


Die „Süddeutsche Zeitung“ lässt bemerkenswerte Leerstellen in ihren Berichten zum Fall Epstein, die vor allem John Brockman betreffen, mit dem die SZ, auch und gerade über ihren Feuilleton-Chef, lange verbunden ist.

Wenn man diese Leerstellen kennt, ergibt sich ein verheerendes Bild: Es wirkt, als seien sie mit Absicht offen gelassen worden. Aus Rücksichtnahme auf einen engen Partner der Zeitung, der mit einem ihrer leitenden Journalisten eng verbunden ist. (Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, die einen kritischen Artikel von Evgeny Morozov zu Brockmans Netzwerk druckte, erwähnt im Text immerhin, mit Brockman „zusammengearbeitet“ zu haben.)

Neben Morozov haben sich inzwischen auch andere von Brockmans Agentur und Edge distanziert, zum Beispiel der Publizist und „New York Times“-Kolumnist Carl Zimmer oder die Schriftstellerin Naomi Wolf. Andrian Kreye offenbar nicht. Unsere Frage, wie er heute zu John Brockman stehe, hat er nicht beantwortet. Er schreibt nur, er arbeite „seit vielen Jahren“ mit ihm zusammen und mit seiner Agentur, die der SZ „Gastbeiträge und Interviewpartner für Technologiedebatten vermittelt“.

In einem Interview anlässlich des Theodor-Wolff-Preises hat Andrian Kreye dieses Jahr gesagt, „für den wichtigsten Motor unserer Arbeit“ halte er unter anderem: „die Bereitschaft, alles zu jeder Zeit in Frage zu stellen. Auch sich selbst.“ Unsere Frage, weshalb er, weshalb die „Süddeutsche Zeitung“ nicht über Brockmans Rolle im Fall Epstein berichte, hat Kreye ebenfalls nicht beantwortet, auch auf mehrfache Nachfrage nicht. Und zu der Frage, inwiefern er es für unproblematisch halte, über den Fall zu berichten, obschon er mit John Brockman zusammenarbeite, schreibt Kreye:

„Meine Zuarbeit zu Artikeln von Kolleginnen und Kollegen oder meine eigenen Beiträge zu dem Thema sehen weder ich selbst noch die Chefredaktion der SZ als problematisch an.“

Nachtrag, 22.12.2019. Nach Veröffentlichung haben wir noch mal bei der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ angefragt, ob sie weiterhin der Meinung ist, dass ihre Berichte über den Fall Epstein in Ordnung waren – oder ob sie Konsequenzen zieht.

Sie ließ daraufhin den Pressesprecher der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), zu der sie gehört, mitteilen, „dass die SZ sich zu diesem Thema nicht äußert“. Was bemerkenswert ist, andererseits aber auch nicht überrascht. Bei Feuilleton-Chef Andrian Kreye brauchte es drei Mails und drei Anrufe (bei denen Herr Kreye nie persönlich zu erreichen war), bis er schließlich zurückmailte – um dann immer noch nicht alle Fragen zu beantworten.

17 Kommentare

  1. „Die „Süddeutsche Zeitung“ lässt bemerkenswerte Leerstellen ihr ihren Berichten zum Fall Epstein, die vor allem John Brockman betreffen, mit dem die SZ, auch und gerade über ihren Feuilleton-Chef, lange verbunden ist“
    Da ist wohl „in ihren Berichten“ gemeint.

  2. Leider kann ich nur die Einleitung bis zur Bezahlschranke lesen, deshalb meine genauso direkte wie neugierige Frage:

    Geht’s um eine Verschwörung?

  3. Vielen Dank für den Einblick. Für mich ist es auch interessant zu sehen, welche unterschiedlichen Leute auf diesen ganzen dinners zusammenkommen. Wenn Epstein für die Veranstaltung Geld gibt, selbst dort Gast ist und von dort Kontakte knüpft, die er dann selbst nutzt – und dann seine tollen Extras anbietet – man fragt sich schon, wer da alles angebissen hat. Sein Event tatsächlich billionaires‘ dinner zu nennen, peinlich ist Herrn Brockman schonmal nix.

  4. @ Holger:

    Sagen Sie mal Holger, wenn Sie schon wirklich alles unqualifiziert kommentieren wollen und hier jede Kommentarspalte in Geiselhaft nehmen, könnten Sie sich doch für die Zeit Ihrer Verletzung wenigstens ein Übermedien-Abo gönnen und die Artikel vorher lesen. So teuer ist das doch auch nicht und Weihnachten steht vor der Tür. Also auf geht’s und mit nem Abo selbst beschenken!

  5. Schließe mich #7 an und frage mich einmal mehr, wie man heutzutage überhaupt auf den Gedanken kommen kann, dass solche Leerstellen in tiefgründigeren journalistischen Aufarbeitungen nicht irgendwann auf einen selbst zurückfallen…

  6. Das Schlimme ist, dass es um die Süddeutsche geht. Focus oder Bild: je nun. Aber wir brauchen ja die unkorrumpierbaren Medien. Wenn die Süddeutsche nicht zuverlässig auf dieser Seite steht, ist das doppelt enttäuschend.

  7. Ich kann nur jedem empfehlen, den verlinkten Artikel von Evgeny Morozov mit der Mail von Brockmann an eben ihn.
    Es ist sehr vorsichtig und zurückhaltend zu sagen, dass Brockmann etwas gewusst haben muss. Der Mailwechsel liest sich in meinen Augen eher so, dass Brockmann aktiv mit der Vermittlung von jungen, hübschen Frauen geworben hat… zweideutig ist schon gar nicht mehr das richtige Wort dafür.
    An 3 Stellen werden verschiedene junge Frauen völlig aus dem Nichts und ohne Zusammenhang zu Spenden, etc. erwähnt, wo kein anderer Zweck zu erkennen ist, außer Begierde anzustoßen.

  8. @ Tobias #9
    „Wenn die Süddeutsche nicht zuverlässig auf dieser Seite steht“
    Herrje, die gute Süddeutsche. Auf welcher Seite? Haben Sie jemals das desinformative Material gelesen, das Anette Ramelsberger bei der Süddeutschen so produziert? Und sich gefragt, warum das so grottig ist?

  9. Kommentare bei Übermedien zu verfassen, sollte den Abonnenten vorbehalten bleiben.
    Was die „Süddeutsche“ betrifft: Die lese ich gerne, aber eben nicht nur die.

  10. Ob man anhand einer einzelnen Mail tatsächlich ein Mitwisser oder Mittätertum beweisen kann, sei mal dahingestellt, aber zu erwähnen, und sei es bloß als Offenlegung, dass man enge Kontakte zu jemanden hat(te), der zu epstein gute Kontakte hatte, wäre schon nicht schlecht gewesen.

  11. Zu einer vollständigen Berichterstattung gehörte es auch, die Rolle von Hubert Burda, selbstverständlich ohne jede Vorverurteilung, aber doch einmal kritisch-recherchierend zu beleuchten. Brockman war es womöglich, der Burda und Epstein schon Anfang der 2000er zusammengeführt hat, wie sein lobpreisendes Porträt über Burda als begnadetem Netzwerker, bebildert u.a. mit einem Foto von diesem im Gespräch mit Epstein in NY, in einer frühen Ausgabe von „Edge“ nahelegt. Aufgegriffen in der deutschen Presse? Kontakte zu Heidi Klum – ja. Bei Hubert Burda – Schweigen. Schon erstaunlich.

    Nachweis:

    https://www.edge.org/conversation/hubert_burda-hubert-burda-germanys-agent-of-change

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