Maria und Josef suchen eine Bleibe, finden aber nur Dieter Bohlen

Illustration: Christoph Rauscher

Vorgeschichte: Maria und Josef mitsamt dem kleinen Jesus sind auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht. Nach einer langen Reise sind sie in Köln-Ossendorf angelangt.

Schüchtern klopfen sie an die Tür eines riesigen Gebäudes, um dort nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen.

Ein junger Mann mit Headset und Klemmbrett öffnet und leitet die überraschte Maria, noch ehe diese eine einzige Frage stellen kann, in das hell erleuchtete Innere des Gebäudes.

In der Mitte ein Tisch mit vier Personen. Rechts ein braun gebrannter Mann im Camp-David-Shirt, vor ihm das Namenschild „Dieter“.


DIETER: So, wie heißt du denn? Stell Dich doch mal vor.

MARIA: Ich bin Maria und suche für heute eine Übernachtun…

DIETER: Stopp!!! Gehe erstmal zurück auf den Stern da auf dem Fußboden. So, wo kommt du jetzt her?

MARIA: Aus Bethlehem.

DIETER: Hä, wie? (dreht die Karteikarte in seiner Hand) Bei mir steht Nazareth. Was denn jetzt? Naja, ist ja auch scheißegal, wo du herkommst. Erzähl lieber, warum du hier bist!

MARIA: Ich habe den Erlöser geboren (zeigt auf das Baby auf ihrem Arm), und wir wissen nicht, wo wir heute schlafen sol…

DIETER: Und wer ist der Typ da hinten?

MARIA: Das ist Josef, das ist mein …

DIETER: Jaja, das wissen wir alle. Den Clown musst du nächstes Mal nicht mitbringen. Der guckt aus der Wäsche wie ich beim Kacken. Und dein Outfit ist mehr out als fit. Solche Säcke hat man vielleicht vor 2.000 Jahren getragen. Aber nicht heute.

MARIA: (setzt leise an) Wir suchen eine Bleibe für heute Nacht, und da dachte ich …

DIETER: Großer Fehler … Du sollst nicht denken! Überlasse das Leuten, die das können. Und rede mal lauter. Da kommt ja nichts an bei uns am Jurytisch Wenn ich mir morgens einen Pickel ausdrücke, dann hat das mehr Power als Deine Stimme.

Also Maria, kannst Du hier irgendwas zum Besten geben? IR-GEND-WAS?

MARIA: (zögert) Zum Besten geben? Vielleicht ein Ave Maria …

(murmelt leise vor sich hin:)

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen!

DIETER: Ich sags mal wie es ist. Der liebe Gott gibt einigen Frauen dicke Möpse, anderen eine schlechte Stimme. Und Dir hat er nun mal eine schlechte Stimme gegeben. Aber im Ernst: Du bist ein hübsches Mädchen, Du kannst doch auch was anderes machen. Warum willst Du unbedingt singen?

MARIA: Aber wir wollten doch nur für heute Abend eine Bleibe …

DIETER: „Aber, aber, aber“ … Nix aber! Wenn du so ’ne ganz softe kleine pushy, pushy Stimme hast, musst du dir ’ne pushy, pushy Nummer aussuchen. Ich würde auch fünf Kilogramm Hackfleisch in die Charts kriegen, aber bei dir muss ich passen: Du stehst da wie ein Schwanz in der Hochzeitsnacht. Aber am Ende kommt auch bei dir nichts raus.

(Nun meldet sich Josef aus dem Hintergrund)

JOSEF: Entschuldigen Sie bitte …

DIETER: Gut. Dann erkläre ich es dir auch nochmal, du Sozialhilfe-Romeo da hinten: Wir suchen hier Vulkanausbrüche und keine Furzfontänen. Man spürt, dass ihr die Musik liebt, aber diese Liebe ist einseitig. Ihr müsst aber nicht traurig sein deshalb. Guckt mal, Schweine können zum Beispiel nicht Stabhochspringen und sind deshalb auch nicht traurig.

JOSEF: Aber wir wollten doch einfach nur fragen, ob wir wenigstens für eine Nacht …

DIETER: Okay, dann muss ich wohl deutlicher werden. Deine Ische (zeigt auf Maria) hat einen ganz eigenen Stil, – aber den finde ich absolut Scheiße. Um sowas auszuhalten, haben Leute irgendwann angefangen, Drogen zu erfinden. Wenn die bei mir im Keller singen würde, würden die Kartoffeln freiwillig geschält nach oben kommen. Die singt, als wenn sie ne Klobürste im Arsch hätte. Wenn ich meinem Hund ’ne Currywurst in den Hintern schiebe, dann macht der auch solche Geräusche.

Und eure Optik finde ich eine Katastrophe. Ihr seht nicht aus, wie man sich Popstars vorstellt. So in C&A-Winterklamotten von vor drei Jahren.

Und jetzt guck nicht wie Bruno, die Klofliege, sondern nimm Deine Maria und die kleine Lärmquelle und schieb ab.

(Wie aus dem Nichts erscheint ein Security-Mitarbeiter, der die Heilige Familie aus dem Studio ins Freie begleitet.)


Dieter Bohlen ist Musikproduzent und seit 2002 ständiges Jurymitglied in der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“.

10 Kommentare

  1. Immerhin: Über Bohlens Sprüche und Witze können alle lachen, Männer genauso wie Frauen und beide kriegen ja auch gleichermaßen ihr Fett weg, wenn sie einfach nur schlecht singen.

    Ausgenommen vom Lachen ist natürlich ein (ganz kleines) Händchen voll Feministinnen, die dann langweilige Bücher über die Verderbtheit der männlichen Welt schreiben und die sie sich dann gegenseitig zu Weihnachten schenken, weil die sonst eh keiner haben will. – Ihre Männer bestimmt auch nicht aber die müssen wollen.?

    Die Karawane, respektive Bohlens Show aber zieht Jahr für Jahr unbeirrt weiter und das ist auch gut so, wenigstens mal noch eine Sendung, die Frechheit und Unterhaltung ohne den erhobenen Zeigefinger bietet.

  2. @Holger: Gute Genesung für Deine Bandscheibe! Hoffentlich ist es Dir bald wieder möglich, Dich Deiner üblichen Beschäftigung zu widmen.

  3. @3 (Carsten):

    Ich danke artig für die fürsorglichen Genesungswünsche.?

    Endlich mal eine uneingeschränkt herzliche Botschaft ohne Netz und doppelten Boden.

    Ich bin so gerührt, das ich durch deinen Post (wo wir ja jetzt schon mal beim Du sind) , jetzt also fast schon drauf und dran bin, noch länger zu bleiben. Das würde sicher auch alle anderen glücklich machen und einige davon würden Dir das sicher nie vergessen, egal was kommt.??

    Na ja aber nur fast. Man soll trotzdem Weihnachten ist, auch nicht allzu großzügig mit den Geschenken umgehen, meine Beiträge sind so schon wertvoll genug.?

  4. Über Bohlens „Witze“ können nur Gedankenlose und Zyniker lachen. Die Sendung ist unnötig wie ein Kropf und verliert völlig zu recht stetig Zuschauer.

  5. @4 (Peter Sievert):

    Das mit den Zahlen stimmt zwar, aber sie sind halt trotzdem noch auf einem sehr hohen Niveau.

    „Über Bohlens „Witze“ können nur Gedankenlose und Zyniker lachen.“

    Ach herrjeh. Die Zyniker sind auch nur gefallene Satiriker oder wie es Oscar Wilde mal formulierte:

    „Man nennt das Zynismus: ein Ding zu betrachten,
    wie es wirklich ist, nicht, wie es sein sollte.“

    Na ja und die „Gedankenlosen“ vergessen zum Leidwesen der Neusprech-PriesterInnen wo sie noch lachen dürfen und wo nicht, sowas ist menschlich, zum Glück.

  6. „Immerhin: Über Bohlens Sprüche und Witze können alle lachen“

    Komisch, ich kenne wirklich niemanden, von dem ich wüsste, dass er Bohlen lustig findet. Das ist wohl so ein Milieu-Ding.

  7. „Komisch, ich kenne wirklich niemanden, von dem ich wüsste, dass er Bohlen lustig findet. Das ist wohl so ein Milieu-Ding.“

    Nicht unbedingt. Vielleicht kennen Sie ja auch nur niemanden, der sich traut Ihnen zu sagen, das er darüber lacht.

    Das ist in etwa so, wie mit dem Dschungelcamp:

    Offiziell schaut man maximal schockiert und setzt gekonnt die Schnappatmung ein, wenn auch nur die Frage danach kommt.

    Trotzdem aber wissen seltsamerweise alle Bescheid. Ich frag mich da immer nur woher??

  8. @ Holger (#7):

    Ich weiß Bescheid, weil ich Anja Rützels Trash-TV-Kolumne auf SPON verfolge. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe noch nie eine Folge Dschungelcamp geschaut. „Maximal schockierend“ finde ich das aber nicht, nur uninteressant (und ein bisschen abstoßend, ich mag keine Schaben).

    Und Bohlen? Auch Castingsendungen finde ich uninteressant, aber ich kenne natürlich Auszüge. Seine Witze liegen auf dem Niveau von Schulhofrowdys, die dem Loser Wasser in die Hose kippen und dann herumkrakehlen, er hätte sich eingenässt.

    Überhaupt: Gäbe es eine Hölle, so hätte Bohlen eine Ewigkeit verdient, in der ihm bei voller Lautstärke „Geronimo’s Cadillac“ in Endlosschleife vorgespielt wird – das nennt sich ironische Bestrafung und klopft auf Dauer den hartgesottensten Zyniker weich.

  9. @Holger
    „Das ist in etwa so, wie mit dem Dschungelcamp:

    Offiziell schaut man maximal schockiert und setzt gekonnt die Schnappatmung ein, wenn auch nur die Frage danach kommt.

    Trotzdem aber wissen seltsamerweise alle Bescheid. Ich frag mich da immer nur woher?“
    Wieder sind sie falsch informiert.
    Natürlich gibt es Menschen, welche die Sendung nie gesehen haben/nicht sehen und dennoch drüber Bescheid wissen, weil die Sendung halt breit besprochen wird.
    Allerdings ist es gerade beim Dschungelcamp so, dass die Sendung eben aus der reinen Trash-TV Ecke raus gekommen ist und nicht nur von Anja Rützel, sondern zum Beispiel auch von Übermedien nicht nur besprochen, sondern auch das Zuschauen zelebriert wird.
    Die Sendung ist mittlerweile fast schon Kult geworden, was eher dazu führt, dass es zu gemeinschaftlichen gucken der Sendung führt.
    Manchen ist das schon wieder zu viel Kult.

    Was sie meinen, ist die Bild-Zeitung.
    Oder eben Bohlen. Den findet man in der Regel nur in bestimmten Milieus witzig.
    Lachen sie auch über die Witze von Mario Barth?
    Und wie finden Sie seine „Aufklärungssendungen“?

  10. Könnte man nicht mal so einen Hide-Holger-Button einführen? Ich hab keinen Bock, dessen Bullshit unter jedem Beitrag zu lesen.

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