„Mehr Spaß“

Prinz Charles und der Rosenscheren-Killer

„Wir reden Klartext“, verspricht die „Mehr SPASS“ jede Woche auf ihrer Titelseite, und was eine Bauer-Zeitschrift verspricht, das hält sie natürlich. Wenn also Steffi Graf irgendwo sagt, dass sie vom Tennisspielen kaputte Hüften und Knieprobleme hat, heißt das im Klartext:

Schlagzeile: Steffi Graf - Von Schlägern zum Krüppel gemacht

(Von „Tennisschlägern“ selbstverständlich.)

Und auf der Titelseite:

Schlagzeile: Steffi Graf - VERKRÜPPELT - Das qualvolle Ende unseres Idols

Doch nicht nur im Klartextreden ist „Mehr SPASS“ eine Koryphäe, sie ist auch eine der herausragenden Zeitschriften auf dem Gebiet des investigativen Journalismus. Sie kommt an Geschichten, von denen andere nur träumen.

In ihrer aktuellen Ausgabe hat sie diesen unglaublichen Fall aufgedeckt:

Schlagzeile: Prinz Charles - RUSSEN-MAFIA - Brutaler Blut-Zar will ihn zerstückeln

Prinz Charles werde bedroht, schreibt die Zeitschrift. Der „weißrussische Blutjuwelenhändler Wladimir Lupstvarov (38)“, Spitzname: „Wlad der Blutige“, wolle Charles entführen und foltern, „bis er um seinen eigenen Tod winselt“. Die „Spezialität von Wlad: die Hände seiner Opfer mit einer Rosenschere zu bearbeiten.“

Charles werde zurzeit rund um die Uhr „von der Crown Unit bewacht. Diese Spezialgarde besteht aus handverlesenen Bodyguards, doch selbst die ziehen die Stirn kraus. Denn was Charles bedroht, ist grausam und pervers: Ein weißrussischer Mörder-Zar will ihn zu Tode quälen!“

Die Crown Unit wisse davon, weil sie eine „Wodka-Runde“ abgehört habe, in der der „brutale Blut-Zar“ darüber gesprochen habe. „Paul Hennessy, Kommandant der Crown Unit: ‚Wir rechnen stündlich mit einem Angriff.‘ Entschlossen fügt er hinzu: ‚Doch wir schießen zuerst.’“

Krass. Ein weißrussischer Blutjuwelenhändler will Prinz Charles zu Tode foltern. Und was noch krasser ist: Niemand weiß davon. Kein anderes Medium auf der ganzen Welt hat darüber berichtet.

Sucht man im Internet nach Wladimir Lupstvarov, findet man … nichts.

Screenshot von Google: "Es wurden keine mit deiner Suchanfrage - Wladimir Lupstvarov - übereinstimmenden Dokumente gefunden."

„Wlad der Blutige“: nichts.

Wlad + Rosenschere: auch nichts.

Auch nach der „Crown Unit“ sucht man vergeblich. Es gibt zwar eine Einheit der Metropolitan Police, die für die Mitglieder der Königsfamilie zuständig ist, die heißt aber nicht „Crown Unit“, sondern „Royalty and Specialist Protection Command“.

Der ganze Artikel ist dermaßen exklusiv, dass es nur eine einzige Stelle gibt, die man auch woanders lesen kann; als es darum geht, warum der „Mörder-Zar“ Prinz Charles ermorden will:

Was ist passiert? 2007 springt Charles ein, als in der Grafschaft Ayrshire das denkmalgeschützte Dumfries House kurz vor der Pleite steht. Seine „Prince’s Foundation“ erwarb für 23 Millionen Euro die Residenz – doch das riss ein riesiges Loch in die Kasse. Deshalb suchte und fand Charles einige Spender – und in deren Gefolge trat der weißrussische Blutjuwelenhändler Wladimir Lupstvarov (38) auf. (…) Als Charles erfuhr, wer Wlad wirklich ist, ließ er den Weißrussen ausbooten. Der schäumte vor Wut.

Der erste Teil – dass die „Prince’s Foundation“ mit Hilfe von Spenden das denkmalgeschützte Anwesen kaufte – ist auch in anderen Medien zu lesen. Vor zwei Monaten wurde dabei sogar über einen dubiosen Oligarchen aus Russland berichtet:

Schlagzeile der BBC: "Prince Charles charity link to Russian offshore network"

Zu den Spendern gehörte nämlich der Russe Ruben Vardanyan. Und dessen Investmentbank soll ein Netzwerk aus Offshore-Firmen betrieben haben, die Milliarden Dollar außer Landes brachten, schreiben BBC und „Guardian“, von Geldwäsche ist die Rede.

Von einem Blutjuwelenhändler, der Prinz Charles mit einer Rosenschere zerkleinern will, schreibt allerdings niemand. Nur die „Mehr SPASS“ aus dem Bauer-Verlag, die Speerspitze des investigativen Klartextjournalismus.

8 Kommentare

  1. es ist wirklich nicht zu fassen, was diese Schmierfinken ungestraft an Lügen in die Welt setzen dürfen.

  2. Mich würde mal interessieren, ob solche „Berichte“ nicht den Straftatbestand des Betruges erfüllen, nämlich die Käufer*innen dieser „Zeitschrift“ über Tatsachen zu täuschen, um sie so zum Kauf zu bewegen und dadurch einen Vermögensvorteil zu erlangen. Oder kommen die mit dem „Argument“ durch, dass die Käufer*innen den Inhalt der „Zeitschrift“ für Unterhaltung wie einen Hedwig Courths-Mahler halten würden?

  3. Was die „Mehr Spaß“ hier für Investigativjorunalismus geleistet hat, ist phänomenal! Gerade der Um- oder vielmehr Missstand, dass keine andere Zeitung diese grausame Verschwörung aufdecken konnte, adelt doch die „Mehr Spaß“ erst Recht!
    Die Verbindungen liegen doch schon auf der Hand! Dass der dubiose Oligarch seinen wahren Namen nicht der breiten Öffentlichkeit offenbaren will und sich heimtückisch Ruben Vardanyan nennt, kann doch nur naive Naseweiße, die keine Ahnung von der Russenmafia haben verwundern! Bei der „Mehr Spaß“ arbeiten offensichtlich Profis auf dem Gebiet, anders ist diese bahnbrechende Enthüllung nicht zu erklären! Auch, dass die Crown Unit nicht im Internet zu finden ist, unterstreicht doch nur ihre Echtheit. Ein Geheimdienst, welcher nicht geheim ist, kann so gut nicht sein! Und dass diese Top-Story nicht ihre Runde macht, liegt einzig und allein daran, dass Wlad der Blutige mit seinen Öl-Milliarden die internationalen Medien besticht. Offensichtlich lag der kalte Stahl seiner Rosenschere auch schon an den Händen dieser Kokolores-quatschenden Kommentarschreiber, anders ist der Rindenmulch, den Sie, @Schmidt123 (oder sollte ich Igor Smitstalov sagen) und Sie, @MartinF (wohl eher Marcin Fuskalov) hier verbreiten ja nicht zu erklären. Wenn Prinz Charles irgendwann seine manikürten Prinzenhände fehlen, werdet ihr euch noch alle wundern!

  4. Nächste Schlagzeile und Plottwist:
    Prinz Charles verlor beide Hände…
    Er trägt jetzt (Rosen)Scheren!
    Dann:
    Grausam!
    Charles wollte zärtlich sein…
    Entstellt!
    Camilla verlor ihre Ohren!

  5. Neuer Plottwist:
    Charles ist grosszügig/generös
    Er spendet Camilla seine Ohren..
    den grössten Teil davon!

  6. und wenn man die schamlosen Lügner mit ihrem Dreck konfrontiert und sie sich dafür verantworten sollen, berufen sie sich auf einen „bisher stets zuverlässigen Informanten“, dessen Namen sie aber leider nicht nennen dürfen. So hört das nie auf.

  7. Nächster Plottwist:
    Til Schweiger verfilmt die Geschichten unter:
    1. Kein-Händchen-Prinz
    2.Kein-Öhrchen-Camilla

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