Die Welt in den Regionalzeitungen schrumpft

Für viele Auslandskorrespondenten kam die Nachricht aus der fernen Heimat überraschend: Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) der Madsack-Mediengruppe wird in Zukunft die sechs Titel des Kölner Dumont-Verlages mit allen überregionalen Inhalten beliefern. Auch in Deutschland verstanden nur Insider wie der frühere Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, die dramatischen Auswirkungen für die bundesdeutsche Medienlandschaft. In einem Kommentar schrieb der heutige „Horizont“-Chefredakteur treffend: „Madsack schwingt sich auf, zur wichtigsten deutschen Zeitungsgruppe zu werden – mehr Titel als Funke in Essen, mehr Leser als ‚Bild‘, mehr Einfluss als die Südwestdeutsche Medienholding mit der noblen ‚Süddeutschen‘, der ‚Stuttgarter Zeitung‘ und ihrer ganzen weitläufigen Verwandtschaft von Ulm bis Ludwigshafen.“

Das RND beliefert mehr als 50 Tageszeitungen in der Republik mit einer Auflage von mehr als 2,3 Millionen Exemplaren und einer Reichweite von rund 6 Millionen Lesern am Tag. Eine angemessene Auslandsberichterstattung ist in diesem riesigen Medienimperium allerdings nicht vorgesehen.

Im Gegenteil: Die meisten der Auslandskorrespondenten, die bislang für die Dumont-Gruppe aus London, Madrid oder Johannesburg berichteten, erreichte aus Köln eine Kündigung ihrer bisherigen festen Monatspauschale. Alle Dumont-Titel, darunter die „Berliner Zeitung“, der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“ beziehen ihre überregionalen Artikel seit 1. Oktober vom Redaktionsnetzwerk in Berlin, aber das will die meisten Auslandskollegen nicht mehr beschäftigen.

Pauschalen nur noch in wenigen Ausnahmefällen

London-Korrespondent Sebastian Borger bekam das Kündigungsschreiben zum 30. November in den Ferien im August. „Mich wundert jedes Mal wieder bei diesem Vorgang, dass man mit dem Betroffenen erst spricht bzw. ihm schreibt, wenn alles entschieden ist“, sagt er über den Umgang der Heimatredaktionen mit ihren Kollegen im Ausland. Borger ist seit 1995 in London und erlebt es nicht zum ersten Mal, dass der Kreis seiner Zeitungskunden kleiner wird.

Diesmal fällt für den Journalisten allerdings rund ein Drittel seines bisherigen monatlichen Verdienstes weg. Weil Madsack in London, ebenso wie in Paris, bereits mit einer Journalistin vom Europa-Büro Detlef Drewes zusammenarbeitet, bliebe Borger in der Zusammenarbeit mit RND nur die Möglichkeit, ergänzend hin und wieder einen Artikel für Texthonorar beizusteuern. So ähnlich sieht es auch für viele andere Kollegen in Afrika, Kanada oder Indien aus, wobei die Verhandlungen nach Angaben von Madsack noch laufen. Das Verlagshaus beantwortete kaum eine der Fragen von Übermedien.

Schriftlich teilt der Verlag mit: „Das RND besetzt derzeit alle strategisch und wirtschaftlich interessanten Regionen durch Korrespondenten.“ Madsack versichert, die Auslandsberichterstattung habe für das Redaktionsnetzwerk einen sehr hohen Stellenwert. „Experten aus aller Welt, die vor Ort über sehr gute Netzwerke verfügen und detailliertes Wissen über weitreichende Zusammenhänge in der jeweiligen Region haben, gehören zu einem ganzheitlichen journalistischen Angebot.“ Deshalb werde das RND Berlin künftig „ein sehr breit aufgestelltes Korrespondentennetz haben, welches hochwertige journalistische Inhalte für mehr als 50 Partner liefert.“

Doch schon jetzt wird deutlich, dass RND nur mit wenigen Auslandskorrespondenten weiter zusammen arbeiten und dafür auch nicht angemessen bezahlen will. Monatspauschalen sind außer in wenigen Ausnahmefällen nicht mehr vorgesehen, sondern nur noch „pay per publication“, wie das bei RND heißt. Bisher war üblich, dass ein freier Auslandskorrespondent einen „Bauchladen“ von Abnehmern hatte: mehrere Zeitungstitel, von denen er einzelne Monatspauschalen bezog, die sein Arbeitsleben im Ausland sicherten.

„Der Weg in die Verarmung“

Nun gerät das ganze Konzept der bisherigen Auslandsberichterstattung für Regionalzeitungen aus den Fugen. Unter den betroffenen Kollegen kursiert eine Liste der vorgesehenen Texthonorare vom Oktober. Danach soll ein Text bis 4000 Zeichen mit 100 Euro bezahlt werden, ein Beitrag über 4000 Zeichen mit 150 Euro (auch ein Leitartikel, wie ausdrücklich erwähnt wird), eine Seite-3-Geschichte oder eine Doppelseite am Sonntag mit 400 Euro.

„Wenn die Honorare so niedrig liegen, ist das Dumping“, sagt Hendrick Zörner vom Deutschen Journalisten Verband (DJV). „Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den Kollegen und deren Leistung.“ Für Zörner ist das Hauptproblem, dass RND statt der Monatspauschalen nur noch Honorare anbieten will. Ein Auslandskorrespondent könne mit dem RND-Angebot reiner Texthonorare nicht mehr kalkulieren, wie viele Artikel eine Redaktion ihm regelmäßig überhaupt abnehmen wird, sagt Zörner. Er bleibe aber auf gleichbleibend hohen Kosten sitzen. „Das ist der Weg in die Verarmung, denn ohne feste Monatspauschale kann sich kein deutscher Korrespondent einen Auslandsaufenthalt leisten“, kritisierte Zörner in einem Blogeintrag.

Der DJV ist bislang nicht involviert, weil sich aus dem betroffenen Kollegenkreis keiner an den Verband gewandt hat. Ihm sei nicht bekannt, ob DJV-Mitglieder betroffen seien, sagt Zörner. Allerdings sei erfahrungsgemäß auch die Bereitschaft von RND gering, mit der Journalistengewerkschaft zu reden.

Wer bei den betroffenen Auslandskorrespondenten nachfragt, erfährt vor allem, dass jedes Schicksal anders ist. Die Kollegen haben sich untereinander vernetzt und tauschen sich aus, aber durch die Kürzungen der vergangenen Jahre und ständige Neuordnungen in der deutschen Medienlandschaft unterscheiden sich die „Bauchläden“, deren Kundenkreis und die Vertragskonditionen alle viel stärker voneinander als noch in den 1990er Jahren. Damals konnte man mit rund zehn Zeitungen als Auftraggeber in einigen Berichtsgebieten noch um die 10.000 Euro verdienen, die Zuschnitte der „Pools“ waren ähnlich. Doch die goldenen Zeiten des Korrespondentenlebens sind schon lange vorbei. Wer länger dabei ist, hat schon frühere Sparrunden der Zeitungen miterlebt. Aber jetzt wird es für einige Kollegen richtig eng, denn die hohen Mieten oder das Schulgeld für die Kinder lassen sich nicht ebenso leicht reduzieren wie ihr Verdienst.

Weniger Tiefe, mehr weiße Flecken

Einig ist man sich im Kollegenkreis darüber, dass das RND-Modell weitreichende Auswirkungen auf die Berichterstattung haben dürfte. „Natürlich wird sich jeder Kollege auf Schnellschüsse spezialisieren, die keinen großen Aufwand erfordern und damit lukrativer sind“, sagt ein Kollege. Die Berichterstattung aus dem Ausland werde weiter verflachen und die weißen Flecke der Berichterstattung zunehmen.

Für Ärger sorgt auch, dass Madsack offenbar in jedem Berichtsgebiet nicht etwa nur mit einem Kollegen exklusiv zusammen arbeiten will, sondern ganz nach Bedarf auch andere freie Kollegen ansprechen wolle. „Kriegt dann derjenige den Zuschlag, der morgens früher aufsteht und eine Geschichte anbietet, oder wer das bessere Verhältnis mit der jeweiligen Planerin oder dem Planer hat?“, fragt sich ein Korrespondent. Auch Erkrankungen oder ein Jahresurlaub sind in diesen Madsack-Plänen nicht mehr vorgesehen, befürchtet die meisten Kollegen.

Aber das Bild ist so divers, dass es auch Fälle gibt, wie beispielsweise den Kairo-Korrespondenten Martin Gehlen, der bei der Südwest Presse Ulm fest angestellt und damit ganz anders gesichert ist. Auch die Korrespondentin Anja Reich in Tel Aviv war mit einem Redakteursvertrag der „Berliner Zeitung“ ins Ausland gegangen und ist deshalb zunächst nicht betroffen. In anderen Berichtsgebieten wissen die Kollegen dagegen nicht, ob sie jetzt nicht besser gleich ihre Koffer packen und das Korrespondentenleben ganz aufgeben.

Seit 1. Oktober liefert der RND die Texte, aber es sei noch zu früh etwas über die Auswirkungen zu sagen, hört man aus den Redaktionen. „Klar ist, dass sie einen absoluten Inlandsblick haben und Ausland sie wenig interessiert“, sagt ein Kollege über die ersten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit. Bei der „Frankfurter Rundschau“ wird befürchtet, dass das eher magere Auslandsangebot des RND vermutlich viel zu wenige Beiträge enthält, um das Blatt wie gewohnt mit Auslandsgeschichten zu füllen.

„Madsack ist besonders brutal vorgegangen“

Aber die Nachbeben dieser Veränderungen dürften nicht nur die Zeitungskunden von RND in Mitleidenschaft ziehen: „Die Folgen der radikalen Sparpolitik des Hauses Madsack bekommen jetzt auch andere Zeitungen zu spüren“, sagt Zörner. Vor allem die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Badische Zeitung“ sind stark betroffen, denn bei ihnen gehört eine ausführliche Auslandsberichterstattung ähnlich wie bei der „FR“ eigentlich zum Markenkern. Aber auch viele Zeitungen wie die „Südwestpresse“ oder die „Schwäbische Zeitung“ hatten mit Dumont gemeinsame „Bauchladen“-Konstruktionen. Einige Auslandsredaktionen fürchten nun die Auswirkungen auf die gemeinsamen Autoren: Die „Pools“, die eine gute Auslandsberichterstattung in den Regionalzeitungen bislang garantierten, wackeln. „Wir schauen mit Bangen auf das, was da kommt“, sagt ein Auslandsredakteur. Leser und Leserinnen dürften bald einige vertraute Autoren aus dem Ausland vermissen.

„Das ist eine schleichende Entwicklung“, sagt ein Chefredakteur nachdenklich. Die Regionalzeitungen sähen seit Jahren kommen, dass das bisherige System der Auslandsberichterstattung an seine Grenzen stoße. „Madsack ist da jetzt besonders brutal vorgegangen.“ Es würde jetzt vermutlich noch etwas dauern, aber da müssten neue Lösungen der Zusammenarbeit gefunden werden.

Völlig unklar ist bislang, zu welchen Teilen sich RND überhaupt an Reisekosten beteiligen wird, die sich bislang die verschiedenen Zeitungskunden teilten. Schließlich ist eigentlich die Idee eines Auslandskorrespondenten, dass er durch sein Berichtsgebiet reist, um von Land und Leuten zu berichten. Wer aus Kostengründen nur noch am Schreibtisch in der Hauptstadt sitzt, läuft Gefahr, wenig anderes zu liefern als die Nachrichtenagenturen. Große Auslandsreportagen und die Geschichten abseits des Mainstreams dürften noch seltener werden.

Dass eine zu stark auf Washington bezogende USA-Berichterstattung vor dem Wahlsieg von Donald Trump zu erheblichen Fehleinschätzungen in der deutschen Berichterstattung führte, galt einigen Auslandsredakteuren eigentlich als Warnschuss dafür, wie es nicht laufen sollte. Nun ist die Furcht groß, dass es bald kaum noch anders geht. Auch die Kulturberichterstattung aus dem Ausland dürfte in Zukunft noch weiter ausdünnen. Unwahrscheinlich, dass im Feuilleton der FR zukünftig noch eine Opernrezension aus Madrid oder Paris erscheint.

Über das Ausland vom Schreibtisch in Berlin berichten

„Meinem Eindruck nach wollen viele Zeitungen aus Angst vor dem Tod lieber Selbstmord begehen“, sagt Borger. Er versteht, dass Zeitungskrisen in der Krise sind, aber nicht, dass sie ausgerechnet an der Auslandsberichterstattung sparen. In seinem Berichtsgebiet ist mit dem erwarteten Brexit auch ständig viel los, das auch deutsche Leser interessieren dürfte.

Der London-Korrespondent hat Glück gehabt, denn ihn hat der Berliner „Tagesspiegel“ zum 1. Oktober angeworben. Seither erscheinen seine Artikel statt in der „Berliner Zeitung“ bei der Konkurrenz. Allerdings dürfte auch dort spannend werden, ob der „Tagesspiegel“ in Zukunft mehr als Texthonorare zahlen wird. In den vergangenen Jahren behalf sich die Hauptstadtzeitung damit, dass zwei Politik-Redakteure von Berlin aus über Großbritannien berichteten. Der frühere, langjährige London-Korrespondent Matthias Thibaut hatte sich schon vor Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

Schließlich war der „Tagesspiegel“ im Oktober 2015 Vorreiter der jetzigen Entwicklung und kündigte fast allen freien Auslandskorrespondenten die Monatspauschalen auf. Aufmerksame Leser vermissten seither die Berichterstattung vieler guter Autoren, sei es Wolfgang Drechsler aus Kapstadt oder Elke Windisch aus Moskau. Auch die Russlandberichterstattung wird seither vom früheren Moskau-Korrespondenten der „Berliner Zeitung“, Frank Herold, von Berlin aus per Internet-Recherche betrieben. Die eigene Anschauung vor Ort und die Recherche aktueller Entwicklungen schien den Verantwortlichen offenbar verzichtbar.

Aber bei der Hauptstadtzeitung soll es offenbar weitere Veränderungen gegeben. „Wir sind gerade dabei, unsere Berichterstattung komplett neu zu sortieren“, antwortet Chefredakteur Lorenz Maroldt auf Anfrage nach der Auslandsberichterstattung des Blattes. „Zum einen haben sich durch die Zusammenschlüsse bei Funke und Madsack Überschneidungen mit ‚Berliner Zeitung‘ und ‚Berliner Morgenpost‘ ergeben.“ Den Korrespondenten sei nun von RND und der Funke-Gruppe eine weitere Zusammenarbeit mit dem „Tagesspiegel“ untersagt worden. Deshalb werde die Art der Berichterstattung überdacht.

Abseits von den großen überregionalen Tageszeitungen wie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ sowie den öffentlich-rechtlichen Sendern setzt sich die mangelnde Wertschätzung der Auslandsberichterstattung leider durch, auch wenn es zu einem Land wie Deutschland eigentlich gar nicht passt. Da scheinen die Redaktionen provinzieller zu sein als das Land. Schließlich reisen die Bundesbürger gerne, in vielen Familien gibt es migrantische Wurzeln und die deutsche Wirtschaft ist vor allem exportorientiert. Das häufig wiederholte Argument in den Verlagen, die Leser interessiere das Ausland nicht, scheint da wenig stichhaltig. Die Frage liegt nah, ob die deutsche Medienlandschaft in Zeiten der Globalisierung noch richtig aufgestellt ist.

3 Kommentare

  1. Als regelmäßiger Leser einer der RND-Zeitungen sehe ich in den letzten Jahren eher einen positiven Trend, was die Breite und Tiefe der Berichterstattung angeht. Wahrscheinlich war meine Zeitung früher nicht so international ausgerichtet wie andere, die hier genannt wurden. Auf jeden Fall sehe ich nun auf Seite 2/3 und auch in der Sonntagsbeilage immer öfter größere, gut gemachte Geschichten aus dem In- und Ausland, die es so früher nicht gab. Und bei der Auslandsberichterstattung auf den Folgeseiten habe ich den Eindruck, dass eher das Agenturmaterial abnimmt und die Korrespondentenberichte besser werden. Dafür ist etwas Regionalität (man könnte auch sagen: Provinzialität) verloren gegangen. Unterm Strich finde ich die Entwicklung als Leser aber gut.

    Das ändert natürlich nichts an den geschilderten Arbeitsverhältnissen von Auslandskorrespondenten. Ich würde nur die Überschrift, dass die Welt in den Regionalzeitungen schrumpft, so pauschal nicht unterschreiben.

  2. Wow…, welch ohrenbetäubende Stille unter diesem Artikel.

    Ich weiß jedenfalls gerade nicht, ob es mich als Unterschichtler beruhigt oder beunruhigt, dass die genannten Journalisten durch ihresgleichen ungefähr genauso viel öffentliche Solidarität erfahren, wie meinesgleichen.

  3. @Schreibkraft: Ja, ziemlich still hier. Aber erstmal geht ein Dank an die Autorin für den wirklich guten Überblick. Was man immer so vermutete, wenn man Zeitungen aus verschiedenen Regionen in den Händen hielt, ist hier gut aufbereitet.

    Ob der Tagesspiegel am Anfang der Entwicklung stand? Meine Erinnerung fing bei der taz an. Das war 2010.
    http://www.taz.de/!5135725/

    Ansonsten dürften zahlreiche Zeitungen durch die RND- und Madsack-Mäntel wirklich interessanter geworden sei, wie #1 schreibt. Das wird nicht unbedingt für die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung zu ihren besten Zeiten gelten. Aber doch für viele kleine Blätter in der vermeintlichen Provinz. Ob sich dort der tägliche Tageszeitungsleser regelmäßig mit den Problemen der Welt beschäftigen wollte – oder doch eher mit dem Kampf gegen die Beschwerlichkeiten des Alltages? Wer sich darüber wirklich auf dem Laufenden halten will, müsste so vier bis fünf Stunden Zeitungslektüre täglich aufwenden, und verschiedene Korrespondenten lesen.

    Die Frage bleibt ja, ob Auslandsjournalisten vor Ort wirklich nach Deutschland etwas grundsätzlich anderes, Bereichernderes kabeln als dpa und die Öffentlich-Rechtlichen – oder ob sie es nur anders aufschreiben. Wer schreibt regelmäßig über den Rückhalt der polnischen PIS bei der Mehrheit der Bevölkerung? Regelmäßig über die Wählerinnen des angeblich so sexistischen Donald Trump, und ob sie sich von ihm abwenden? Wer beschreibt regelmäßig China als immer fortschrittlicheres Land, das Verelendung (im eigenen Land) zu vermeiden versucht, aber schreibt doch viel lieber über Menschenrechte und fehlende Mehrheitsbeteiligungen für die Wirtschaft? Brauche ich einen Griechenland-Korrespondenten für die Finanzkrise, und wenn ja, für welche Aspekte?

    Bei den Auslandskorrespondenten vollzieht sich jetzt, was es in Deutschland schon seit Jahren zu beobachten gibt. Gatekeeping funktioniert nicht mehr, viele Interessierte können sich aus vielen Quellen informieren, teilweise in der Landessprache oder im lokalen Englisch. Damit nimmt auch der Wert der Einordnung durch den Auslandskorrespondenten ab.

    In Asien gibt es zB viele gute Tageszeitungen, die das englischsprachige Agenturmaterial von AP und AFP abdrucken. Nicht nur Nachrichten – manche der Features hätte ich mir als Übersetzungen in deutschen Zeitungen gewünscht.

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