Das große Serien-Verstecken im ZDF

Man muss ja eigentlich nicht mehr die Nase rümpfen über schlechte Sendeplätze und vorzeitig abgebrochene Serien. Sie sind ja inzwischen jederzeit abrufbar, streambar, bestellbar, kaufbar – oft nahe an den Erstausstrahlungen der Herkunftsländer. „House of Cards“, „Game of Thrones“, oder selbst das kleine „Big little Lies“: alles Gesprächsthema, weil aktuell, weil vorhanden.

Mag sich „Designated Survivor“ wie eine „Kinderkanal“-Version von „Homeland“ anfühlen, mag sich „Twin Peaks“ oder „Better call Saul“ furchtbar in die Länge ziehen und „American Horror Story“ erst in der sechsten Staffel über sich hinauswachsen (nebenbei: Wer versteht eigentlich „Sense 8“?) – egal, es ist alles verfügbar, und das ist das Ereignis!

Eine Frau lehnt vorne links an der Wand, hinten stehen zwei weitere Personen, ein Mann und eine Frau, alle blicken ernst in die Kamera.
„Line of Duty“, im ZDF gut versteckt Foto: BBC

Ich möchte mich hier trotzdem kurz im Zorn über den Umgang mit einer Serie auslassen, die offenbar, trotz ihrer hohen Qualität, keine große Lobby hat. Auch nicht im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Die Serie heißt „Line of Duty“, ist eine BBC-Produktion und läuft in England seit 2012 in vier Staffeln, zwei weitere sind geplant. Es geht um eine interne Polizei-Ermittlungseinheit namens AC-12, die Fälle von Korruption, Tötung mit Vorsatz und Mobbing-Delikte innerhalb der Polizei beurteilen muss.

Die Geschichten von Jed Mercurios, der die Idee zu „Line of Duty“ hatte und Produzent der Serie ist, kreisen um Verantwortung und falsche Entscheidungen, die einen richtigen Kern zu haben scheinen – meist ausgelöst durch ein handfestes Verbrechen, das in hochspannenden Verhör-Gesprächen nachvollzogen wird. Ja, eine Krimiserie, aber auch mit realistischen Bedrohungs-Szenarien in jeder der angenehm kurzen Staffeln.

Vicky McClure, Martin Compston und Adrian Dunbar spielen die Ermittler, dazu kommen bemerkenswerte Gastauftritte, etwa von Keeley Hawes („The Missing“), Jessica Raine („Call the Midwife“), Kevin Doyle („Downton Abbey“), George Costigan („Happy Valley“), Lennie James („The Walking Dead“) und Thandie Newton („Westworld“).

Richtig, diese Serie lief schon 2015 im ZDF, sogar ein halbes Jahr zuvor erstmals auf 13th Street im Pay-TV. „Line of Duty“ schaffte es im ZDF aber leider nur auf den schwurbeligen Serien-Sendeplatz in der Nacht zum Freitag, meist so gegen 1:00 Uhr früh (oder eben spät, viel zu spät). Der Platz, wo auch „Ripper Street“, „Ray Donovan“ oder „Mad Men“ verloren gingen.

„Line of Duty“ durfte nicht in den klassischen Serien-Sonntag-Spätabend im ZDF. Der ist inzwischen in der Hand der Senioren-Krimis: „Inspector Banks“, „Inspector Barnaby“, Inspector „Lewis“. Alles harmlos. Vorbei die Zeit, als die schmutzigen englischen Krimis wie „Für alle Fälle Fitz“, „Messiah“ oder die späten Folgen von „Heißer Verdacht“ diesen Platz besetzen durften; schon die jüngsten Episoden von „Luther“ wurden auf den Freitag geschoben, das Entführungspuzzle „The Missing“ dort zuletzt gar überraschend abgesetzt.

Line of Duty, Staffel 1, DVD: Auf dem Cover sieht man oben eine Skyline, unten drei Personen, eine telefoniert.

Ja, ich wollte nicht über Sendeplätze meckern. Doch was bleibt mir übrig? „Line of Duty“ findet sich in Teilen bei Youtube, aber auf keiner der großen Streaming-Plattformen. Drei Staffeln sind in Deutschland als DVD bei Rough Trade erschienen, dort bekommt „Line of Duty“ den Zusatz „Cops unter Verdacht“, das Cover erinnert an diese ausgelutschte „CSI“-Optik und suggeriert ein düsteres Mörderspiel.

Und im ZDF wird „Line of Duty“ – versteckt. Der digitale Spartenkanal ZDFneo wiederholt die Serie nun noch einmal: mittwochs, tief in der Nacht, so gegen 0:45 Uhr, meist in Doppel- oder Dreier-Folgen, und natürlich lange nach Prime-Time-Wiederholungen der Stieg-Larsson-Verfilmungen bzw. „Die Toten vom Bodensee“.

Ich guck’s dort trotzdem einfach nochmal und freue mich.

Es wird mir wieder wahnsinnig gefallen! Weil ich weiß, dass es dort sonst eh keiner findet. Und um wirklich ganz allein zu bleiben, da bei ZDFneo, habe ich hier noch einen ganz unspektakulären Trailer vorbereitet. Ich wünsche mir viel Spaß und spannende Unterhaltung!

„Line of Duty“, ZDFneo, ab 28.6.2017, 0:45 Uhr

 

18 Kommentare

  1. Immerhin aber – und das muß man hier zugute halten – wird die Serie komplett ausgestrahlt (und sogar wiederholt).

    Ich warte immer noch darauf, daß es ein Sender schafft, die herausragende Serie Duckman endlich mal mit allen 70 Folgen auszustrahlen, aber nach 26 Episoden wurde einfach aufgehört. Hin und wieder hat anscheinend ein Sender versucht, die Serie wieder in’s Programm zu hieven, aber auch da nur unvollständig. Und auf DVD gibt’s ebenfalls keine Version mit deutscher Tonspur, – schade, weil die Synchronisation ziemlich herausragend ist: Wer Jan Spitzer einmal als Cornfed gehört hat, der will einfach nichts anderes mehr.

    Es hätte ja vielleicht auch geholfen, wenn die Sender sich die sehr schwarzhumorige Serie einfach vor der Ausstrahlung zumindest einmal angesehen hätten. In beiden mir bekannten Fällen ist die Serie nämlich – ist ja Zeichentrick, muss so! – im Kinderprogramm gelandet. Und da gehört sie nun wirklich nicht hin.

  2. Ich schaus mir gerne auch mal an, danke.
    Aber sagt mal, ich hab nur die Hälfte der ersten Folge gesehen, aber Ray Donovan hats doch verdient, oder kommt da noch was?

  3. Muriel hat eine Hälfte der ersten Folge von „Ray Donovan“ gesehen und erkannt das die Serie den Sendeplatz mitten in der Nacht verdient hat?
    Ich glaub da kommt nicht noch was Inhaltliches und ich kann Muriels Kommentare auf 3Uhr nachts ungesehen verschieben.

  4. @Larry: Oder du kannst ergänzend zu dieser raffinierten gehässigen Bemerkung, die mir und allen anderen zweifelsfrei zeigt, wie viel besser und tugendhafter du bist, meine Frage beantworten und mich eines Besseren belehren.
    Ich hätte eine klare Präferenz, respektiere aber natürlich deine Entscheidung.

  5. Sense8 ist der grösste Blender vor dem (serien)herrn.
    Hier wird eine gute Idee völlig verwurstet (siehe matrix 2+3). Allein schon diese Orgie die ca. die hälfte der Folge eingenommen hat war vollkommen sinnfrei. Das dieses Machwerk überhaupt ne zweite Staffel bekommen hat ist schon Höchststrafe für den Zuschauer.

    @Muriel
    Ich weiss jetzt deinen Kommentar nicht einzuordnen, aber nach einer halben Folge würde ich sagen das man heutzutage nicht mehr erkennen kann wohin die Reise einer Serie geht. Ist jetzt aber auch nix weltbewegendes aber ich mag Liev Schreiber und die Rolle passt hervorragend zu ihm. Offenlegung: ich hab Breaking Bad nach der Staffel 3 nicht mehr weiterverfolgt weil es nur noch ein öder Mist war ;)

  6. Da die BBC ja gern die internationale Schnittfassung auf den Kontinent vermarktet und kontinentale Sender die auch gern kaufen, obwohl es nachweislich auch anders ginge, meide ich solche um jeweils ca. 10 Minuten pro Episode gekürzten Serien doch ganz gerne und importier sie einfach direkt aus dem UK. So wie LoD.

    Darüber hinaus ist mir der Sendeplatz egal, solangs in der Mediathek steht.

    Muriel, wir sind heute aber mal wieder ein Herzchen, hm?

  7. Line of Duty habe ich eine Folge lang durchgehalten. Tödlich langweilig und mit nicht enden wollenden Klischees schrecklich schlecht geschrieben. Aber wer von Better Call Saul behauptet, es zöge sich in die Länge, oder denkt, American Horror Story sei etwas anderes als auf hochglanz polierter Mist, von dessen Geschmack kann ich eigentlich nicht viel halten.

    Und ja, Ray Donovan lohnt sich tatsächlich nicht wirklich.

    Inzwischen verstehe ich die Beschwerden über Sendeplätze nicht mehr. Spät laufende Sendungen kann man aufzeichnen. Oder man ruft sie beim Streaming-Anbieter seines Vertrauens ab. Im deutschen Fernsehpublikum existieren nicht genügend Menschen, die an tief- bis abgründigen und/oder komplexen Serien und Filmen interessiert sind. Da ist der Tatort das höchste der Gefühle. Deshalb laufen solche Sachen spät in der Nacht.

  8. @Stefan Pannor: Sind wir?
    Seufz.
    Na gut.
    Ich bedaure meine deplazierte Bemerkung über Ray Donovan. Mir war nicht klar, dass ich damit jemandes Gefühle verletzen würde, und es tut mir aufrichtig leid. Ich wollte ausschließlich zum Ausdruck bringen, dass ich einen ausgesprochen üblen Eindruck von der Serie hatte und gerne wüsste, wie andere sie wahrnehmen und ob sie sich vielleicht entwickelt, wie andere Serien das ja auch manchmal tun. Das ist mir offensichtlich nicht gelungen, und ich werde mich hier in Zukunft vorsichtiger über Medienprodukete äußern und daran denken, dass etwas, was mich einfach nur ärgert, anderen sehr am herzen liegen kann. Ich danke allen, die mich auf meinen Fehler hingewiesen haben und freue mich auf möglich offene und freundliche Gespräche in Zukunft.
    An mir solls nicht liegen.
    @Narf: Danke schön, das beruhigt mich.

  9. @7 Jens Polze: Danke für die Antwort! Hab ich vorhin übersehen. Ich behaupte natürlich auch nicht, die Reise einer Serie nach einer halben Folge zu kennen.
    Und Liev Schreiber mag ich auch, deshalb hab ich die Serie ja ausprobiert.
    Aber ist es denn so abwegig, dass ich ein Medienprodukt, das mir (persönlich, andere können das anders wahrnehmen, es mag ja auch nicht jeder Pflaumenmus) eine halbe Stunde lang absolut nichts gibt außer einem Gefühl großer Peinlichkeit und Langeweile, irgendwann ausschalte und nicht noch ein Wochenende lang binge in der Hoffnung, dass es sich komplett dreht und mich doch noch begeistert?
    Bin ich denn wirklich so ein Grinch?

  10. @Narf #9

    Ist das nicht schön, dass Geschmäcker so unterschiedlich sein können?

    (auch ich bin bei Breaking Bad irgendwann ausgestiegen, weil mir das zu langatmig war)

  11. @Theo: Ich hatte meine Schwierigkeiten mit Breaking Bad, weil in der Serie kaum ein Charakter (außer vielleicht Walt Jr.) als Sympathieträger dargestellt wurde. Ich habe bis zum Ende durchgehalten und kann die hervorragenden Leistungen aller Beteiligten wertschätzen. Noch einmal würde ich mir die Serie aber nicht antun.

  12. @Muriel: Ich meine mich zu erinnern, dass ich zu Beginn auch recht irritiert von Ray Donovan war, dann aber irgendwann so ab Folge 3 doch recht angetan -auch wenn ich mit manchen Charakteren nie warm geworden bin. Ich würde daher empfehlen es noch Mal hartnäckiger zu versuchen- allerdings kann ich es auch nicht differenzierter begründen, weil es zu lang her ist, dass ich das geschaut habe.

  13. Ganz ehrlich, solange die deutschen Sender ausländische Filme nur synchronisiert bringen, ist mir der Sendeplatz wirklich egal, da ich es mir ohnehin nicht dort ansehe. Leider muss ich teilweise sehr lange darauf warten, Filme und Serien (legal) im Original sehen zu dürfen, aber Synchro geht gar nicht. Ich sag nur Doctor Who auf Deutsch *schauder*

  14. Das ZDF stellt immer mal wieder Originalfassungen online, außerdem gibt es DVD-Importe. Zumal ich zumindest bei japanisch, französisch und den ganzen skandinavischen Sprachen mit dem O-Ton eh hoffnungslos überfordert wäre.

  15. @Stefan Pannor: Natürlich gibt es DVD Importe oder überhaupt DVD mit mehreren Sprachfassungen. Und ich war überglücklich, als ich nicht mehr auf die ganzen Importvideos angewiesen war, sondern einfach so für (relativ) kleines Geld die unsynchronisierten Fassungen bekommen konnte (was trotzdem bedeutet hatte, dass ich meine Videosammlung in eine DVD Sammlung umwandeln musste). Aber es ging ja hier um TV. Und deren Sendeplatzwahl. Nicht um Mediatheken oder DVD.
    Japanisch und Französisch gehen noch, aber bei skandinavischen und Turksprachen oder gar arabischen Sprachen ist mit OmU dann trotzdem lieber. Und bei einer relativ breiten Sprachwahl finde ich immer irgendeine Untertitelspur, die ich lesen kann.

  16. Vielen Dank Herr Pastewka,
    habe noch nie was von der Serie gehört und nach dem ich mir in den letzten Tagen die erste Staffel angesehen habe, bin ich ebenso begeistert wie Sie.
    Da die ö.R. jetzt keine Fussballgebührenlizenzgedöns mehr zahlen müssen….
    sollten sie sich die BBC komplett kaufen….Geld ist ja da.

    Beste grüße und freu mich auf das nächste „Guckt….“

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