„Faktencheck ist bei uns journalistischer Alltag“

Als Yvonne Bauer, die Chefin des Bauer-Verlags („Freizeitwoche“, „Schöne Woche“, „Woche Heute“ usw.), vor ein paar Jahren mal auf die permanent falsche Berichterstattung in ihren Regenbogenblättern angesprochen wurde, sagte sie:

Fehler können natürlich passieren. Aber die Anzahl der Gerichtsverfahren ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Eine positive Entwicklung, finden wir. Faktencheck ist bei uns, wie überall in der Branche, journalistischer Alltag.

Jo.

Wir haben auch mal ein paar Fakten gecheckt und sind in Bauers „Freizeitwoche“ auf diese Geschichte über Florian Silbereisen gestoßen:

Die Ausgabe erschien im Sommer. In der E-Paper-Version wurde das Cover inzwischen etwas modifiziert:

Die Geschichte war nämlich Quatsch. Nachdem sich Florian Silbereisen juristisch dagegen gewehrt hatte, musste das Blatt die Titelschlagzeile und die Textpassagen im Innenteil schwärzen und eine Gegendarstellung abdrucken.

Zwei Ausgaben zuvor hatte das Blatt verbreitet, Roland Kaiser hätte für seinen Sohn „nie Unterhalt gezahlt“. War aber auch falsch.

Was Yvonne Bauer wohl dazu sagen würde?

Fehler können natürlich passieren.

Natürlich. Bei Bauer können sie aber nicht nur, sie sollen sogar. Sie sind wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.

Hier nur mal ein Teil der Artikel, die die „Freizeitwoche“ und vier andere Bauer-Blätter allein in diesem Jahr noch schwärzen mussten:

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Ausrisse aus „Das Neue“, „Das neue Blatt“, „Freizeitwoche“, „Neue Post“ & „Woche Heute“

Beim Bauer-Verlag nennen sie das übrigens auch ziemlich ironiefrei „Qualitätsjournalismus“.

Von den Blättern, aus denen die Ausrisse stammen, verkauft der Verlag pro Jahr rund 100 Millionen Exemplare.

7 Kommentare

  1. Wenn mich mein selektives Gedächtnis nicht täuscht, nehmen ja z.B. auch Anja Reschke oder die „Zeit“ den „Qualitätsjournalismus“ für sich in Anspruch.
    Aua!

  2. @ Jörg / #1
    Tja. Sowohl Christiane Nüsslein-Volhard als auch Johannes von Buttlar behaupten, Wissenschaft zu betreiben. Die eine zu Recht, der andere zu Unrecht.

    Frau Reschke und die Zeit betreiben Journalismus. Da „passieren“ tatsächlich Fehler, aber es werden nicht vorsätzlich erfundene Geschichten verbreitet. Wie man das nennt, was Freizeitwoche und Co. betreiben, weiß ich nicht. Journalismus jedenfalls nicht.

    Aber ich nehme mal an, Sie rücken wie die üblichen „Lügenpresse!!!“-Krakeeler nur deswegen Journalismus und „Journalismus“ zusammen, weil ersterer Ihre Ressentiments nicht ausreichend bedient, oder täusche ich mich?

  3. #2 Lieber Earendil,
    na, ist ja gut, dass Sie meine Ressentiments kennen und schon jeden über den entsprechenden Kamm scheren können ….

    Mein Schmerzlaut war in diesem Falle eine Art Mitleidsbekundung mit Frau Reschke und anderen, die sich nicht mal wehren können, mit solchen Pappnasen, von denen dieser Artikel handelt, auf ein Niveau gestellt zu werden, wegen des „Qualitätsjournalismus“ als angeblicher „Markenkompetenz“.

  4. @Jörg / #3
    Ok, so kann man Ihren Kommentar natürlich auch lesen. Dann nehme ich alle Anwürfe zurück…

  5. Puh. Mit nur vier Kommentaren ein Lehrstück über die Gefahr von Andeutungen, nicht gekennzeichneter Ironie und Vorurteilen geschaffen. So entstehen Kriege…

  6. Ich glaubte #1 richtig verstanden zu haben und wunderte mich daher über #2, weswegen zu #5 nichts weiter geschrieben werden muss. :D
    tachchen noch…

  7. So einen gedruckten Rotzfleck kann man doch nur lesen, wenn man tatsächlich irgendwo rumsitzen muss und große Langeweile erleidet. Mir fallen da nur Wartezimmer und Frisörläden ein. Einmal im Jahr liegt sowas neben meinem Strandtuch rum und da ertappe ich mich mal dbei, in diesen Blättchen zu blättern. Furchtbar. Wie kann man sowas wöchentlich kaufen ohne Schäden davonzutragen ?
    OK! ist ja da die jugendliche Version, nicht minder schlimm.

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