Die üblichen Verdächtigen

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Cartoon: Hauck & Bauer

Die Nachrichtenagentur dpa gibt ihren Kunden die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie gegen den Pressekodex verstoßen wollen oder nicht. Ihr Landesdienst Sachsen-Anhalt berichtete am vergangenen Samstag von einem Familienstreit, bei dem ein 17-Jähriger offenbar unter Drogeneinfluss erst seine Mutter und dann zwei Polizeibeamte mit einem Messer bedrohte. Die Agentur fügte einen „redaktionellen Hinweis“ für die bearbeitenden Journalisten hinzu:

Bei dem tatverdächtigen 17-Jährigen handelt es sich um einen Asylsuchenden aus Syrien. Laut Polizei steht die Nationalität in keinem Zusammenhang mit der Tat.

Zwei Tage zuvor hatte dpa über einen Fall aus Baden-Württemberg berichtet, wo vier junge Männer an Silvester zwei 14 und 15 Jahre alte Mädchen vergewaltigt haben sollen. Hier war der Hinweis an die Redaktionen noch ausführlicher:

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Verdächtigen um Syrer. Den Angaben zufolge ist kein Zusammenhang mit den Übergriffen in Köln erkennbar. Auch handele es sich nicht um eine Straftat, die im Umfeld eines Asylbewerberheimes begangen worden sei. In Übereinstimmung mit dem Pressekodex nennt dpa die Nationalität nicht, wenn sie in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Tat steht bzw. nicht zu deren Verständnis notwendig ist.

In beiden Fällen hatten sich namhafte Medien – darunter die „Mitteldeutsche Zeitung“, das ZDF, der SWR – entschieden, die Nationalität der Verdächtigen trotzdem zu nennen.

Die Vorgabe aus Ziffer 12 des Pressekodex, die sich ähnlich auch in anderen journalistischen Ethik-Richtlinien auf der Welt findet, ist hierzulande gerade noch weniger populär als sonst. Wer in einem Bericht über eine Straftat die Herkunft oder Nationalität der Verdächtigen nicht nennt, wenn sie nicht aus Deutschland sind, muss sich vorwerfen lassen, „die Wahrheit“ zu verschweigen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte Ende der vergangenen Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die Medien ausdrücklich aufgefordert, einen „Migrations- oder Flüchtlingshintergrund“ bei Straftaten zu nennen. Alles andere wäre „Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die Politik und Medien bewusste Verzerrung vorwerfen“.

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Ausriss: FAZ, 9. Januar 2016

Es geht also längst nicht mehr nur um die Berichterstattung über die außergewöhnlich schlimme Silvesternacht in Köln und anderen Städten – mit den besonderen Umständen, bei denen sich viele Argumente dafür finden lassen, die (vermutete) Herkunft der Täter zu nennen. Es geht inzwischen darum, bei jeder Straftat einen möglichen Migrationshintergrund zu nennen. Das zeigt, in welchem Maß sich die Debatte verschärft hat – und welche Sorge plötzlich im Vordergrund steht. Auf eine paradoxe Art sollen besorgte Bürger dadurch beruhigt werden, dass man ihnen nun alles sagt, was einzelne Flüchtlinge anstellen – auch wenn man sie dadurch noch weiter besorgt. Dagegen spielt die Befürchtung, dass auf diese Weise Stereotype gefördert und Vorurteile bestärkt werden, dass die große Masse der unbescholtenen Flüchtlinge und Migranten stigmatisiert werden, keine Rolle mehr.

Die Herkunft erklärt die Tat

Warum wollen Menschen wissen, woher Straftäter kommen? Die einfachste Antwort ist: Weil sie in der Herkunft eine Erklärung für die Tat sehen. In besonders unverbrämter Form brachte das in der vergangenen Woche ein Kolumnist der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ zum Ausdruck. Rod Liddle kritisierte die BBC dafür, dass sie in ihren Fernsehnachrichten nicht erwähnt hätte, dass die Diebe und Gewalttäter von Köln wie Araber oder Nordafrikaner ausgesehen haben soll.

„Was um alles in der Welt ist da los“, habe sich der Zuschauer fragen müssen. „Haben die deutschen Männer den Verstand verloren? Sind sie verrückt geworden?“ Aber nein: Denn es waren ja gar keine deutschen Männer. „Es waren alles nordafrikanische oder arabische Einwanderer.“ Jeder einzelne, behauptet Liddle sogar.

Arabische Männer müssen nicht erst irgendeinen Verstand verlieren, um in dieser Form kriminell und gewalttätig zu werden, geht die Logik. Die sind so. Was war da los in Köln? Ach so, Araber.

So abstoßend dieser Kurzschluss ist: Wer umgekehrt bei solchen Vorfällen von vornherein ausblendet, woher die Täter kamen, nimmt sich auch die Chance, Ursachen zu finden, die tatsächlich mit der Kultur, der Religion, dem Frauenbild, der Migrationserfahrung der beteiligten Gruppen zu tun haben. Wobei es allerdings helfen würde, wenn man mehr wüsste, als dass es sich um Menschen handelte, die irgendwie nordafrikanisch oder arabisch aussahen („südländisch“ sagte man früher noch, was vermutlich aus einer Zeit stammt, als uns auch Italiener, Jugoslawen und Griechen verdächtig erschienen). Waren es Flüchtlinge aus Syrien, die neu im Land sind? Kriminelle aus dem Maghreb, die schon länger ihr Unwesen treiben? Der Furor, mit dem die Medien in den ersten Tagen bestürmt worden, gefälligst die Herkunft der Verdächtigen zu benennen, obwohl darüber noch so wenig bekannt war, deutet darauf hin, dass es hier gar nicht ums Verstehen und Erklären ging, ums Hinsehen, um „die Wahrheit“, sondern um eine schlichte Feststellung, ähnlich der des „Sun“-Kolumnisten: Ausländer. Es waren Ausländer. Mehr muss man nicht wissen.

Oder Moslems. Sicher Moslems. Muss ja. Weiß man ja. Keine weiteren Fragen.

Weil in Köln die Polizei die Öffentlichkeit mehrere Tage lang darüber täuschte, was sie über die Verdächtigen tatsächlich schon wusste, und weil die entstehende Leerstelle von interessierten Politikern, hysterischen Publizisten und wütenden Es-immer-schon-gewusst-Habern mit viel Lärm gefüllt wurde, heißt es nun, dass die Herkunft von möglichen Straftätern grundsätzlich nicht mehr „verschwiegen“ werden soll. Ganz egal, ob sie eine Rolle spielt. Sie spiele nämlich immer eine Rolle.

Es gibt viele Umstände, die Menschen kriminell werden lassen können, gestörte Beziehungen, mangelnde Bildung, fehlende Perspektiven, etwas Psychologisches, Armut, und, ja, auch Herkunft, Erziehung, Kultur. Komischerweise fordert niemand, den Bildungsgrad von Straftätern nicht mehr zu „verschweigen“ oder eine eventuelle berufliche Aussichtslosigkeit. Nur ein Migrationshintergrund, der muss immer genannt werden.

Ohne die Herkunft zu nennen, wäre ein Bericht nicht komplett. Und sobald sie genannt wird, ist er es?

Was ändert sich, wenn jede Polizeimeldung, wenn jeder Bericht über eine Straftat, an der Flüchtlinge oder Migranten oder Ausländer beteiligt sein könnten, einen entsprechenden Hinweis enthält? Werden die Bürger dann in die Lage versetzt, sich ein ganzes, umfassendes, unzensiertes Bild von Kriminalität und Migranten zu machen? Müssen sie sich endlich nicht mehr gängeln lassen, von pädagogischen Journalisten, die ihnen die ganze unbequeme Wahrheit nicht zutrauen?

Gut, „unbequem“ ist die „Wahrheit“ vor allem für die unbescholtenen, anständigen Syrer, Araber, Nordafrikaner, die sich plötzlich einem Generalverdacht ausgesetzt sehen. Denn warum sonst sollten wohl alle, vom Innenminister bis zum Pegida-Demonstranten, darauf bestehen, dass ihre Nationalität bei jeder Straftat genannt wird, wenn nicht aus dem Zweck, damit der Leser sich seinen Teil denken kann. Die Information über Herkunft oder Nationalität ist allem Anschein nach wichtig, sonst könnte man sie ja weglassen.

Der eine und der andere Generalverdacht

„Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch hat vor ein paar Tagen in einem Kommentar geschrieben, je öfter der Satz falle, dass man Ausländer nicht unter Generalverdacht stellen solle, desto klarer werde:

Die Bevölkerung steht unter Generalverdacht!

Ihr wird unterstellt, dass sie von Hunderten kriminellen Migranten an Silvester automatisch auf Millionen hier lebende, gesetzestreue Menschen schließt, die eingewandert sind oder von Einwanderern abstammen.

Das tun die Bürger nicht.

Tun sie nicht? Natürlich tun sie es. Natürlich sollen sie es. Die Diskussion der vergangenen Woche dreht sich doch nicht darum, wie man die Hunderten kriminellen Migranten von Köln fasst, sondern ob womöglich ein großer Teil aller Migranten so disponiert ist, dass sie bei nächster Gelegenheit einen ähnlichen Mob wie in Köln formen.

Es geht nicht um einen Generalverdacht, dass die (deutsche) Bevölkerung zu dumm ist, nicht zu generalisieren. Es ist eine Frage der Psychologie. Menschen machen sich unbewusst einen Reim auf die Welt, indem sie Muster in ihr suchen. Wir konstruieren aus bestimmten Eigenschaften eines Einzelnen Zuschreibungen an eine ganze Gruppe. Wenn wir jeden Tag von Straftaten lesen, die Flüchtlinge begangen haben, prägt das unser Bild von Flüchtlingen.

Wie viele Meldungen, in denen von Straftaten die Rede ist, an denen Flüchtlinge beteiligt waren, wären zu erwarten, wenn Flüchtlinge genau so oft kriminell wären wie gut integrierte deutsche Einheimische? Der Leser hat keine Chance, das zu beurteilen.

„Weder Politik noch Medien dürfen im Umgang mit Straftaten, an denen Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt waren, anders verfahren als bei Straftaten von Deutschen“, sagt Innenminister de Maizière. Das klingt nach einer Forderung, der niemand ernsthaft widersprechen wollte, aber so einfach ist es nicht. Lassen wir einmal die Politik in dem Satz beiseite: Medien, die die Herkunft von Verdächtigen nennen, wenn sie nicht aus Deutschland kommen, verfahren anders als bei Deutschen – denn bei denen wird ihr Deutschsein ja gerade nicht genannt. Nationalität und Herkunft werden dann unsichtbar und dadurch irrelevant.

Und selbst wenn das Deutschsein eines Täters ausdrücklich genannt würde, hätte das nicht dieselbe, Stereotypen weckende und verstärkende Wirkung wie bei Minderheiten.

Ein Mosaik aus Ausländer-Straftaten

Der fremdenfeindliche Bestseller-Autor Udo Ulfkotte sammelt auf seiner Facebook-Seite, wie früher schon an anderer Stelle im Netz, jede Menge Berichte über Delikte, Straftaten, Gewalttaten, an denen Ausländer oder Asylbewerber beteiligt sein sollen. Auf diese Weise entsteht ein großflächiges Mosaik von einem Land, in dem Kriminalität etwas ist, das Ausländer machen, und Ausländer Leute sind, die zu Kriminalität neigen. Jeder einzelne Mosaikstein einer von einem Flüchtling begangenen Tat trägt zu diesem Mosaik bei, aber genau genommen trägt jeder Mosaikstein auch schon die Wahrheit über die Gefährlichkeit von Ausländern in sich. Man kann das daran erkennen, wie die Links zu solchen Berichten von einzelnen Straftaten geteilt und kommentiert werden. Jeder Fall ein pars pro toto.

Keine Frage: Es ist ein Problem, wenn ein erheblicher Teil des Publikums das Gefühl hat, dass ihnen die Medien nicht die ganze Wahrheit sagen. Und noch größer ist die Gefahr, wenn sie vermuten, dass Journalisten das tun, um den Mächtigen zu dienen.

Ein zentraler Moment in der Erzählung von Leuten wie Ulfkotte ist der Herbst 2008, als sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück vor die Kameras stellten, um den Menschen zu sagen, dass ihre Spareinlagen sicher seien. Wenige Tage später luden die beiden die Chefs der wichtigsten Zeitungen ins Kanzleramt und baten sie, doch bitte möglichst zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren. Und die Medien, so beschrieb es Jakob Augstein, hielten sich daran.

In diesem Moment steckt der ganze verheerende Eindruck: Die Presse stecke mit den Mächtigen unter einer Decke. Sie verschweige den Menschen „die Wahrheit“, um das politische System nicht zu gefährden.

Ein solches Selbstverständnis von Journalisten wäre fraglos gefährlich. Es ist nicht die Aufgabe von Journalismus, den Regierenden den Job leichter zu machen. Aber in dem Beispiel steckt auch eine andere, nicht so eindeutig zu beantwortende Frage: Sollen Journalisten sich bei ihrer Arbeit von den (möglichen) Folgen ihrer Berichterstattung beeinflussen lassen? Dürfen / sollen / müssen sie etwa beschreiben, wie groß etwa die Gefahr eines Finanzcrashs sein könnte, selbst wenn sie genau dadurch eine Panik auslösen, so dass er eintritt?

Das klassische Selbstverständnis von Journalisten besagt, dass sie sich über die Wirkung ihrer Arbeit keine Gedanken machen sollen. Sie sollen „sagen, was ist“, ganz unabhängig von eventuellen Folgen. Nur an manchen neuralgischen Punkten im Ethikkodex wird diese Regel durchbrochen. Wenn es darum geht, nicht in einer Weise über Suizide zu berichten, die weitere Suizide auslösen kann. Und wenn es darum geht, die Herkunft von Straftätern dann nicht zu nennen, wenn sie eigentlich keine Rolle spielt, weil sonst Vorurteile geschürt werden.

„Falsch verstandene ‚Political Correctness'“

Es geht nicht darum, Kriminalität von Ausländern, von Flüchtlingen oder Migranten zu verschweigen, Probleme bei der Integration kleinzureden. Ein genauer Blick darauf, wer straffällig wird, ist Voraussetzung dafür, die Ursachen von Kriminalität zu bekämpfen.

Dieser genaue Blick entsteht aber nicht dadurch, dass nun bei jeder Straftat, an der ein Migrant beteiligt gewesen sein soll, diese Tatsache genannt wird. Wer meint, dass nur das die Wahrheit ist, behauptet, dass sich Kriminalität nur durch die Herkunft von Menschen erklären lässt.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger hat am Montag vor dem Innenausschuss des Landtages gesagt, es dürfe keine Tabus bei der Aufklärung der Vorfälle von Köln geben. „Falsch verstandene ‚Political Correctness‘ ist hier fehl am Platz.“ Nun ist falsch verstandene Political Correctness immer fehl am Platz, das liegt in der Natur der Sache, aber richtig verstandene Political Correctness wäre gerade in dieser aufgeheizten Situation sehr wertvoll: Kein Vertuschen, kein Verschweigen, aber ein sehr genaues Betrachten, wie wir berichten und welche Folgen das hat.

Dass Journalisten kein Monopol mehr aufs Informieren haben, ändert viel: Die Nachrichtenagentur dpa erklärt ihren redaktionellen Hinweis auf die – eigentlich irrelevante – Herkunft der Verdächtigen in Baden-Württemberg auch damit, dass die Polizei sie nannte und sie in den Sozialen Medien heftig diskutiert wurde. Womöglich ist es in dieser Situation für Journalisten in ihren Berichten kaum möglich, dieses Detail wegzulassen. Ob es der Sache dienlich ist, es jedesmal mit dem Zusatz zu erwähnen, es sei irrelevant, steht aber auch dahin.

Wer aber darauf besteht, bei jeder Tat einen möglichen Migrationshintergrund des Täters zu nennen, will nicht die Wahrheit wissen und verbreiten. Er will die komplexe Realität auf eine einfache „Wahrheit“ reduzieren.

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

 
Medien besser kritisieren.

59 Kommentare

  1. Einen gedanken würde ich noch hinzufügen wollen, falls er in den anderen 54+ noch nicht aufgegriffen wurde: Wenn wir in Zeitungen und Nachrichten immer wieder von kriminellen Ausländern schreiben und sprechen, werden wir irgendwann uns schwer tun, Ausländer sprachlich nicht automatisch als kriminell wahrzunehmen. Die negative Konnotation bleibt an dem Wort hängen und zwar so fest, dass sie auch ohne die Wendung oder den Kontext noch bleibt. Kurz gesagt, wenn wir heute genug von kriminellen Ausländern reden und schreiben, wird „kriminell“ irgendwann ein Teil der Bedeutung von „Ausländer“ und muss dann auch nicht mehr dazugesagt werden.

  2. Exzellenter Text. Bin erst heute auf diese Seite aufmerksam gemacht worden. Freue mich auf weitere gute Analysen.

  3. Herkunft und Werdegang eines Täters sind regelmäßig von Relevanz, wenn man die Hintergründe einer Tat beleuchten will. Und auch wenn sich auf dem ersten Blick nicht sofort der Zusammenhang zwischen z.B. nordafrikansicher Herkunft und Taschendiebstahl erschließt, heißt das nicht, dass es keinen gibt. Der Pressekodex hat aber letzlich zum Ergebnis, dass nicht weiter recherchiert wird.
    Die Angst, der Leser könnte falsche Schlüsse ziehen, kann nur Ansporn sein, mehr Fakten zu recherchieren, und nicht, Fakten zu verschweigen. Mehr dazu hab ich in „Kloppt den Pressekodex in die Tonne!“ geschrieben.

  4. „Ein genauer Blick darauf, wer straffällig wird, ist Voraussetzung dafür, die Ursachen von Kriminalität zu bekämpfen.“
    Das würde ich anders formulieren, nämlich:
    „Ein genauer Blick, _warum_ jemand straffällig wird, ist Voraussetzung dafür, die Ursachen von Kriminalität zu bekämpfen.“
    Für diejenigen, die eine Herkunftsnennung vehement fordern, ist das „Warum“ in der Regel dasselbe wie das „Wer“. Und genau darin liegt das Problem. Die ständige Nennung der Herkunft lässt nämlich das „Wer“ mit dem „Warum“ identisch werden und es wird mit jedem Mal schwieriger, die beiden wieder auseinanderzuhalten. Und das obwohl wir bestens wissen, dass niemand zum Straftäter geboren ist.
    Die Herkunft ist ein wichtiger Teil des „Wer“, aber dadurch wird es nur in den allerseltensten Fällen zu einem wichtigen Teil des „Warum“.

  5. [leider anonym – die mail-Adresse ist aber ‚echt‘]

    ABSOLUTE ZUSTIMMUNG zum Artikel und dessen Intention/Appel. Sehr schön: „Nun ist falsch verstandene Political Correctness immer fehl am Platz, das liegt in der Natur der Sache, aber richtig verstandene Political Correctness wäre gerade in dieser aufgeheizten Situation sehr wertvoll.“

    ABER, ebenfalls sehr richtig: „Wer umgekehrt bei solchen Vorfällen von vornherein ausblendet, woher die Täter kamen, nimmt sich auch die Chance, Ursachen zu finden, die tatsächlich mit der Kultur, der Religion, dem Frauenbild, der Migrationserfahrung der beteiligten Gruppen zu tun haben.“

    EIN PARADEBEISPIEL für die gewollte Ausblendung von Tatsachen lief am Sonntagabend in der ARD: „das ist immer das Gleiche: Es ist sexuelle Gewalt, die ausgeführt wird von Männern an Frauen.“

    Für die Ausbreitung dieser These bekam die ‚umstrittene‘ Journalisten Mely Kiyak 4 Minuten Sendezeit, die 1 minütige Anmoderation von Max Moor und der Text im Beitrag: Alles eine Richtung = mit Kultur/Islam/wasauchimmer hat Silvester in Köln GAR NICHTS zu tun.

    Das ist WASSER AUF DIE MÜHLEN der Verschwörungs- und Überfremdungs-Angst-und-Hass-Hasen, die vom Schweigekartell fabulieren, und sich gerade so richtig bestätigt sehen. Mist. Schlimm. Ganz schlimm.

    Steht nicht auch in irgend einem GESETZ, dass öffentlich-rechtliche Sender Beitrag und Kommentar klar voneinander differenzieren müssen?

    Zur Selbstvergewisserung/Überprüfung/Kritik:
    http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ttt-10012016-sexuelle-gewalt-100.html

  6. Zum Thema „einfache Wahrheiten“, Kurt Gritsch in diesem Interview bei heise:
    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47062/1.html

    „Es besteht offensichtlich bei vielen Menschen das Bedürfnis nach einer geschlossenen Erzählung, die alles erklären soll. Und wenn die Erzählung der Leitmedien nicht überzeugt, weil sie unvollständig, widersprüchlich oder offenkundig interessengeleitet ist, greifen viele zu einer Art Gegenerzählung. Interessant ist, dass diese dann meist völlig unkritisch für wahr gehalten wird, unabhängig davon, wie plausibel oder belegbar oder ebenfalls interessengeleitet sie ist.
    Hier verwechseln viele echtes kritisches Hinterfragen (nach Interessen, Absichten etc.) mit reflexartiger Ablehnung der einen Position, verknüpft mit automatisierter Übernahme der Gegenposition. Ich denke, die Sehnsucht nach einer Erzählung, die uns die Welt erklärt, ist sehr menschlich. Wenn man ihr aber zu sehr nachgibt und auf das mühsame empirische Überprüfen von Behauptungen verzichtet, dann ist man auf Glauben angewiesen. Und das ist in gewissem Sinne das Gegenteil von Wissenschaft. Wissenschaft muss empirisch belegen, muss sich auf Fakten berufen. Sie wirkt aufklärerisch. Verschwörungstheorien wollen uns aber eine Weltanschauung verkaufen. Sie wirken anti-aufklärerisch. Sie haben durchaus auch einen sektiererischen Aspekt. Kritisches Denken bedeutet eben gerade nicht, das eine Erklärungsangebot (z.B. der Leitmedien) abzulehnen und es durch ein anderes, häufig weit absurderes, zu ersetzen. Kritik im Sinne der Aufklärung ist immer der Vernunft verpflichtet. Und der Toleranz. Das sollten wir nicht vergessen. Jeder Erklärungsversuch, der anstelle von Verstehen Emotionen schürt, und womöglich noch negative wie Wut oder Hass, sollte abgelehnt werden.“

    Ich weiß leider nicht, wer Kurt Gritsch ist, aber ich bin seiner Meinung.

  7. Schönen guten Tag,

    erstmal wünsche ich den Gründern einen guten Start.

    Nun mein Kommentar:
    Auf mich wirkt der Artikel befremdlich. Es wirkt so, als wenn Sie sagen wollten, die Zensur, also die nicht Benennung einer Tatsache, sei besser, als einen evtl. fremdenfeindlichen Meinungsschub zu verantworten. In meinen Augen hat jede Zensur diktatorische Züge. Sie werfen der Bevölkerung indirekt vor, dass diese Zeitungsmeldungen statistisch falsch interpretiert. Sollte es dann nicht im Interesse einer freien Berichterstattung liegen, eine belegte Statistik zu veröffentlichen, die den Leser mit der Wahrheit konfrontiert.

    Als kritischer Betrachter der heutigen Berichterstattung wirkt es auf mich, als sei diese Verschleierungstaktik omnipräsent.

    Dem aufgeklärten, mündigen Bürger steht es zu, sich eine fremdenfeindliche Meinung zu bilden, ebenso wie es der Gegenseite zusteht, diese Fremdenfeindlichkeit zu kritisieren.
    Die Meinungsfreiheit muss allumfassend und unangreifbar sein.

    Sie sollten sich darin versuchen die Meinungsbildung durch Wiedergabe belegter Statistiken zu fördern, statt anzustreben, dass Berichterstattung zensiert wird. Unkommentierte Statistken zu veröffentlichen wäre eine Berichterstattung, die der Wahrheit und Freiheit dient.

  8. Der Grundthese von Stefan Niggemeier, dass es nun auch problematisch ist, wenn in vielen Einzelfällen die ausländische Herkunft der mutmaßlichen Täter genannt wird, stimme ich zu. Aber ich bin irgendwie nicht recht überzeugt davon, dass er es falsch fand, dass im Falle von Köln eben dieser Hinweis nicht erfolgte.

    Er schreibt nämlich: „Rod Liddle kritisierte die BBC dafür, dass sie in ihren Fernsehnachrichten nicht erwähnt hätte, dass die Diebe und Gewalttäter von Köln wie Araber oder Nordafrikaner ausgesehen haben soll. „Was um alles in der Welt ist da los“, habe sich der Zuschauer fragen müssen. „Haben die deutschen Männer den Verstand verloren? Sind sie verrückt geworden?“ Aber nein: Denn es waren ja gar keine deutschen Männer. „Es waren alles nordafrikanische oder arabische Einwanderer.“ Arabische Männer müssen nicht erst irgendeinen Verstand verlieren, um in dieser Form kriminell und gewalttätig zu werden, geht die Logik. Die sind so.“

    Das finde ich nicht korrekt. Tatsächlich ist es nicht vorstellbar, dass eine Horde („bio“-)deutscher Männer in einer solchen Art und Weise massenhaft sexuell übergriffig würde – denn es würde immer auch viele Männer geben, die die Täter stoppen würden. In Deutschland sind sexuelle Übergriffe auf Frauen derart stark negativ konnotiert, dass es nicht passieren könnte. Daher ist es tatsächlich grob falsch, in einer Berichterstattung über die Vorgänge von Köln nicht zu erwähnen, dass es sich um Migranten handelt, weil sonst der Eindruck erweckt würde, hier hätten „bio-deutsche“ Männer massenhaft so gehandelt. Man muss andererseits konstatieren, dass in anderen Gesellschaften sexuelle Übergriffe auf Frauen völlig alltäglich sind. Das ist ein Fakt, den Stefan Niggemeier offenbar ausblendet. In manchen anderen Ländern sind sexuelle Übergriffe auf Frauen schlicht alltäglich, lieber Stefan. Und deshalb ist das hier falsch: „Arabische Männer müssen nicht erst irgendeinen Verstand verlieren, um in dieser Form kriminell und gewalttätig zu werden, geht die Logik. Die sind so.“ Ja, die sind tatsächlich so, nämlich: Sie kommen teilweise aus Gesellschaften, in denen es nicht so verpönt ist wie bei uns, Frauen sexuell zu belästigen. Und das ist ein erheblicher Unterschied.

  9. Danke an Max, der ein zu diesem Artikel passendes und zudem spannendes Interview gepostet hat!

  10. @stanz (8): da diese Geschehnisse in Deutschland stattfanden, stellt sich die Frage, wieso Deutsche sie nicht gestoppt haben, was ihre (gewagte) These impliziert hätte.

  11. „Toller Einstand“ – dieses Sozialarbeiter-Geschwafel aus dem letzten Jahrhundert braucht kein Mensch (und wird es glücklicherweise auch nicht finanzieren). Sie wollen Medienkritik üben und plädieren stattdessen für mehr Medien(selbst)zensur. Anstatt Roß und Reiter zu nennen udn wahrheitsgemäß zu berichten soll weiter abstrakt schwadroniert werden – um unsere neuen Mitbürger (darunter bestens ausgebildete „Fachleute“ für ambulante Gynäkologie, angewandte Wehr- und Waffenkunde, Kriminalistik, usw.) nicht zu diffamieren. Denn die Verdächtigung eines unschuldigen Ausländers wäre ja wirklich das Schlimmste, was in Deutschland passieren könnte! Dann doch lieber der Generalverdacht für ALLE Männer. Ergo: die Übergriffe von Köln, die (Massen)Vergewaltigungen der letzten Wochen usw. sind keine Frage der Kultur, sondern nur des männlichen Geschlechts – und damit vor allem ein Problem deutscher Männern, denn die bilden ja hierzulande (noch) die Mehrheit. Die müssen an sich arbeiten und sich darüber hinaus auch noch bei den Migranten entschuldigen für die misslungenen Integrationsbemühungen der letzten Jahre…
    Als Nicht-Deutscher stellen sich mir bei soviel Selbstverleugnung und „Gutdeutschentum“ tatsächlich die Nackenhaare auf und es stellt sich nur noch eine Frage: Lachen oder Weinen?!

  12. Nicht nur beim kompletten Verschwinden der sog. Ausländerkriminalität aus der Berichterstattung spielte dieses Unterdrücken von relevanten Fakten wie Herkunft des Täters die Hauptrolle, sondern auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie z.B. dem Zusammenhang zwischen PISA-Abschneiden und dem jeweiligen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Auch hier haben die Bildungsredakteure es gewußt und verschwiegen, ebenso wie die Polizei- und Gerichtsreporter im anderen Fall. Lügen durch Verschweigen.

  13. Herrlicher Text – daß Fragen offenbleiben, ist eine seiner vielen Qualitäten.
    Mögen die Übermedien überleben!

  14. @8. Stanz 13. Januar 2016 um 16:48
    >>Tatsächlich ist es nicht vorstellbar, dass eine Horde („bio“-)deutscher Männer in einer solchen Art und Weise massenhaft sexuell übergriffig würde<>Man muss andererseits konstatieren, dass in anderen Gesellschaften sexuelle Übergriffe auf Frauen völlig alltäglich sind.<>Ja, die sind tatsächlich so, nämlich: Sie kommen teilweise aus Gesellschaften, in denen es nicht so verpönt ist wie bei uns, Frauen sexuell zu belästigen.<<
    Frauen sexuell zu belästigen ist überall auf der Welt verpönt, offiziell. In den "Gesellschaften", die Sie meinen nicht weniger als hier.
    Trotzdem geschieht es überall, hier und dort in den "Gesellschaften".
    Gegen Frauen, schwächere Männer, Mädchen, Jungen, Untergebene allg., ob sexuell, oder "nur" Körperverletzung. Aktiv oder verbal. Mal öffentlich sichtbar, mal im Verborgenen. Die verborgenen Aktionen kommen dann halt erst 30 Jahre später ans Licht, wenn die Opfer in der Verarbeitung ihres Traumas soweit sind.

    … behaupte ich jetzt mal, ohne statistischen Beleg oder ominösen Internet-Link und unter Verweis auf die "Dunkelziffer" und eigene Beobachtung.

  15. „die Hunderten kriminellen Migranten von Köln “

    Mein letzter Stand von etwa Montag oder Sonntag ist, dass es 32 Verdächtige gibt und 500 oder 530 Anzeigen, u.a. wegen sexueller Delikte (ein Viertel bis drei Viertel davon, je nach Tag und Redaktion).
    D.h. wenn standen auf dem Bahnhofsvorplatz u.a. hunderte Migranten oder Asylbewerber herum, am Anfang waren es die ominösen 1000 Täter, aber wirklich straffällig geworden, sind anscheinend nur zwei, drei Dutzend. Wie kommen dann diese 500 Anzeigen zustande? In welchem Zeitraum und an welchen Orten in Köln?
    Was erstaunlich ist, dass es noch nirgendwo, nicht einmal bei der Bild-Zeitung (Nomen est omen) ein Bild dieser Straftaten bzw. Übergriffe gibt. Die Frage ist ob das Zeigen der Videos der Überwachungskameras die Menschen beruhigen oder noch einmal aufwühlen würde, wobei natürlich höchstens harmlose Übergriffe, mit Verpixelung der Gesichter, gezeigt werden sollten.

    @Arne Kuster
    „Herkunft und Werdegang eines Täters sind regelmäßig von Relevanz, wenn man die Hintergründe einer Tat beleuchten will. “

    Natürlich ist die Herkunft eines Täters für die Polizei relevant. Aber wozu soll dies dem normalen Bürger dienen? Wenn die letzten zehn Raubüberfälle von blonden Männern begangen wurden, sollen Polizei und Medien auf die Gefährlichkeit blonder Männer hinweisen, damit die Bevölkerung in Zukunft auf der Straße einen großen Bogen um blonde Männer machen kann?

    Was nützt es dem Bürger in seinem Alltag, wenn er weiß ob ein Täter, z.B. ein Mörder, aus einem Flüchtlingsheim oder aus einem Neubaugebiet stammt? Falls letzteres zutrifft, werden Menschen aus Neubaugebieten dann in Zukunft von der Allgemeinheit gemieden?

  16. @Harry
    Sollten wir dann nicht in Zukunft bei jeder Straftat den Herkunftsort des Täters, also Baden-Baden, Oldenburg, Bayreuth oder Weserlohe, nennen, damit sich der normale Bürger vor Menschen aus diesen Orten schützen kann?

    @Stanz
    „Das finde ich nicht korrekt. Tatsächlich ist es nicht vorstellbar, dass eine Horde („bio“-)deutscher Männer in einer solchen Art und Weise massenhaft sexuell übergriffig würde – denn es würde immer auch viele Männer geben, die die Täter stoppen würden.“

    1. Ist die Massenhaftigkeit, Dank „Zurückhaltung“ der Polizei in Sachen Aufklärung, bis heute nicht bewiesen (s.o.).
    2. Gibt es auf Oktoberfesten jede Menge deutscher Männer, die aber wohl selten einschreiten, wenn eine Frau sich Zudringlichkeiten erwehren muss, wenn nicht gerade ihr Freund anwesend ist.
    3. Habe ich bis heute nichts von Hilferufen der Opfer gehört. Nur gelesen, dass Frauen schluchzend und weinend sich zu Polizisten und Türstehern geflüchtet haben.

    Hier noch ein Artikel einer Journalistin(?) eines Lokalmagazins aus Freiburg über das Verhalten deutscher („bio“-)Männer:

    Meine Meinung: Euch Rassisten geht es nicht um die Kölner Frauen
    06.01.16, 15:12
    In der Silvesternacht wurden am Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt. Weil die Tatverdächtigen „nordafrikanisch“ oder „arabisch“ aussehen sollen, geht die Debatte nun in die falsche Richtung, findet fudder-Autorin Jule Markwald:

    Laut der Weltgesundheitsorganisation wird jede dritte Frau in ihrem Leben einmal Opfer von sexueller Gewalt. Wir schießen Raketen auf den Mars, kriegen es aber scheinbar nicht hin, unseren Jungs beizubringen, dass Vergewaltigung und Schläge große Scheiße sind!
    Mir ist bislang nichts passiert. Abgesehen von fremden Händen, die auf einer dunklen Tanzfläche plötzlich in meinem Schritt landeten und einem alten Sack, der sich in der U-Bahn einen auf mich gerubbelt hat.
    Ich zähle zu den Frauen, die sich sehr, sehr glücklich schätzen können. Ich habe viele Freundinnen, die es nicht so gut erwischt haben. Die vergewaltigt und misshandelt wurden. Die nachts auf dem Heimweg plötzlich um ihr Leben rennen mussten.
    http://fudder.de/artikel/2016/01/06/meine-meinung-euch-rassisten-geht-es-nicht-um-die-koelner-frauen/

  17. Diese Diskussion über die Nennung bzw. Nichtnennung der Täterhindergründe ist ein direkter Faustschlag in die Gesichter der Opfer dieser massiven Übergriffe. Man kann es leugnen, schönreden oder auch übersehen, aber es gibt halt Kulturen in denen Gewalt gegenüber Frauen ganz normal ist. Dieses ändert sich in diesen Kulturkreisen nicht von heute auf morgen, nur weil es von den Medien oder teilen der Politik herbeigeredet wird. Wer täglich mit Menschen aus diesen Kulturkreisen zutun hat erfährt viel interessantes und nettes aber auch einiges, dass aufzeigt, dass die gewünschte Integration ein langer schwieriger Weg werden wird. Vom hohen „Presse Ross“ lässt sich ein solches Thema leicht verharmlosen oder realivitieren. Den Betroffenen hilft es aber nicht wirklich weiter. Vielleicht sollte man die Rosarote Brille mal abnehmen und begreifen dass auch das sein kann, was man selber nicht möchte. Für Übermedien wünsche ich viel Erfolg und hoffe es wird nicht ein meinungsbestimmendes Portal wie so viele andere. Daumendrück

  18. @JPTeitinger „Die ständige Nennung der Herkunft lässt nämlich das „Wer“ mit dem „Warum“ identisch werden und es wird mit jedem Mal schwieriger, die beiden wieder auseinanderzuhalten.“ –
    Hälst du die Leser ernsthaft für so dumm, dass sie wer und warum nicht auseinanderhalten können? Nein, das ist ein dummes Argument.
    „Natürlich ist die Herkunft eines Täters für die Polizei relevant. Aber wozu soll dies dem normalen Bürger dienen? Wenn die letzten zehn Raubüberfälle von blonden Männern begangen wurden, sollen Polizei und Medien auf die Gefährlichkeit blonder Männer hinweisen, damit die Bevölkerung in Zukunft auf der Straße einen großen Bogen um blonde Männer machen kann?“
    – Also wenn es tatsächlich in einer Stadt so eine Auffälligkeit gäbe, sollte man darauf hinweisen. Viele Frauen haben aus den Kölner Vorfällen den Schluss gezogen, dass sie um Gruppen arabisch aussehender Männer nun einen Bogen machen. Fremdenfeindlich? Rassistisch? Kann man so sehen, aber es wird auch nicht zum Schaden der Frauen sein.
    Wenn man die Richtlinie aus dem Pressekodex streicht, bedeutet das noch lange keinen Zwang, nun die Ethnie des Täters immer zu nennen. Es bleibt immer noch die Entscheidung des Reportes und der Redaktion, ob sie die für wichtig hält. Aber noch einmal: Bloß weil man den Zusammenhang zwischen Herkunft und Tat nicht kennt, heißt das nicht, dass es keinen Zusammenhang gibt.

  19. Hat das bisherige Konzept, sich (weitgehend) an den Pressekodex zu halten, überhaupt funktioniert?
    Ich glaube nicht, denn viele lesen Berichte über Straftaten und ergänzen die Erzählung mittels Erfahrung und/oder Vorurteil und „wissen“ so ohnehin, welcher Herkunft die Täter wohl sind. Es findet so eine Generalisierung statt, die gerade vermieden werden wollte.

    Gewisse Daten werden bei Straftaten indes meist genannt: Geschlecht und Alter der Täter. Straftäter bei Gewaltdelikten sind nun überwieg. jüngere Männer. Die Angabe bestätigt das nur ist aber konkret möglicherweise irrelevant. Genannt wird sie doch.

    Kurz nach Begehung einer Straftat und vor weiteren Ermittlungen ist aber kaum zu sagen, was relevant sein kann oder nicht. Die Fakten sind gering, das Wissen um die Herkunft der Täter sofern gefasst, ist aber meist darunter. Es erscheint mir schwierig, ausgerechnet etwas so Entscheidendes im Leben eines Täters wie Migrationserfahrung primär als irrelevant für die Tat einzuschätzen. Von dem Wenigen, was dem Leser mitgeteilt werden könnte, soll nun auch noch gestrichen werden. Wegen der befürchteten „Folgen“ beim Leser.

    Aber wäre denn nicht da die Aufgabe der Presse, da weiter zu berichten und so dem Eindruck des Lesers, dass Straftaten vor allem von bestimmten Herkunftsgruppen begangen werden entweder zu entkräften oder eben zu bestätigen und nach Ursachen dafür zu suchen? Wenn man es dabei beließe, nur die Herkunft anzugeben, wäre es eine Reduktion, die Tür und Tor vor Spekulation und Verallgemeinerung offen lässt.
    Ist das Problem nicht auch, dass es tatsächlich auffällige Häufungen gibt, die schon deshalb relevant sind, man sich diesem Problem aber nicht stellen will?

  20. Zunächst wünsche ich den Herren Niggemeier/Rosenbach einen großen Erfolg mit der Seite, auch wirtschaftlich.

    Dieser Kommentar scheint mir aber kein gutes Beispiel dafür, wie Medien besser kritisiert werden. Eher ein Beispiel schlechter Kritik, bei der eigene Medienressentiments und Vorlieben, die Welt sehen und erklären zu wollen, im Mantel der Medienkritik vorgebracht werden.

    Sicher kann und sollte man darüber streiten, ob, wann und falls ja, auch wie die Nationalität, die in dem Zitat aus dem Pressekodex übrigens fehlt, erwähnt werden sollte. Darüber kann man unterschiedlicher Auffassung sein, der Diskussion um Köln will ich gar nichts hinzufügen.

    Zu den beiden eingangs als Beispiel genannten Fällen aber: Den die Nationalität nennenden Medien hier sogleich einen Verstoß gegen den Pressekodex vorzuhalten, ist genauso pauschal, wie die doch, Entschuldigung, einigermaßen küchenpsychologische Behauptung, dass Medien in breitem Umfang tendenziöse Rollenbilder vermitteln würden.

    Nur zum vermeintlich eindeutigen ersten Fall: Es handelt sich um eine Nachricht eines dpa-Landesdienstes, in erster Linie gerichtet an und wahrgenommen von der Regionalpresse, eben zum Beispiel der Mitteldeutschen Zeitung

    Wenn man bei dieser in der Suchmaske

    http://www.mz-web.de/page/search/mz-web/suche/20651668,20651668,view,asSearch.html

    mal für Typ „Artikel“ und den Zeitraum vom 01. Januar 2016 bis 13. Januar 2016 den Suchbegriff „Messer“ eingibt, erhält man 53 Treffer.

    Darin geht es – Lokalberichterstattung – um mal ausdrücklich benannte, mal offensichtlich deutsche messerstechende Rentner und streitende Radfahrer, Bistroraubüberfälle, wegen Familiengewalt verurteilte Krefelderinnen, bedrohte Afrikaner, mit den Worten „schwule Kommunistensau“ attackierte Linken-Politiker, von Deutschen mit Messern bedrohte Syrer und so weiter und so fort. Das ganz normale Alltagsbild, jeweils zurückhaltend dokumentiert. Man kann ohne Datumseinschränkung übrigens auch „Familienstreit“ eingeben, kein anderes Bild. Lauter rumstechende deutsche Familien im Zwist.

    Dass aber spielt für den Medienkritiker dann keine Rolle, er erwägt lieber ganz allgemein an einem Beispiel, wie durch Medien „die große Masse der unbescholtenen Flüchtlinge und Migranten stigmatisiert“ wird, wie angeblich die Bürger durch „bei jeder Straftat einen möglichen Migrationshintergrund“ nennende Medien besorgt würden …

    Eigentlich hebt sich diese Medienkritik selbst auf. Diese Medienkritik vermittelt durch Verrührung von dpa, ZDF, SWR, Mitteldeutsche Zeitung, de Maiziere mit dann auch noch BILD und Ulfkotte (!) Stereotype über Medien und sie blendet deren Bemühungen und Leistungen um eine ausgewogene Berichterstattung in einem eigenen, auch etwas paternalistischen Interesse aus.

    Lesetip:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/sexmob-koeln-kriminalitaet-strafrecht-fischer-im-recht/komplettansicht

  21. “ Im Falle von migrantischen Milieus kommt hinzu, dass bei einer Verurteilung beispielsweise des Ehegatten oder Vaters jenem die Abschiebung droht. Es gibt hier also schon eine existente Verschärfung der Strafe, welche nicht wenige von einer Anzeige abhält. Keiner Frau sollte – gerade in einer solchen Situation – die Entscheidung treffen müssen, ob die Abschiebung ihres Vergewaltigers in eine Krisenregion die geeignete Strafe darstellt.“

    und noch andere wichtige Punkte http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/47/47066/1.html

  22. @ Christoph – also ich war gerade ca. 500 km entfernt.
    Warum die behelmten, uniformierten Deutschen vor Ort nicht eingegriffen haben? Es waren vermutlich zu wenige.
    Warum waren es zu wenige?
    Die weiteren Überlegungen können Sie selbst anstellen oder es bleiben lassen.

  23. Der Presskodex ist doch ganz eindeutig: “In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, WENN für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.“

    Das kann man im Kölner Fall bejahen. In anderen Fällen nicht. Die Argumentation von SN ist doch völlig logisch.

    Ist Beruf und Religion eines Sexualstraftäters relevant? Meistens nein, manchmal ja. Dass die katholische Kirche ein systemisches Problem mit ihren Priestern hat(te), ließ sich nur so erkennen.

  24. Statt Nationalitäten eventuell Regionalitäten verwenden.

    „Ein in Lüdenscheid, Märkischer Kreis, Sauerland, wohnhafter 21 jähriger Mann aus Aflou, Provinz Laghouat, ist gestern wegen des Verdachts des Diebstahls in einem Kiosk in Witten, Ennepe-Ruhr Kreis, vorläufig verhaftet worden. Wie der Betreiber Kamil E., aus Side, Antalya, wohnhaft in Remscheid, Bergisches Land, der Polzei mitteilte, kam der Mann gegen 14 Uhr in das Geschäft und versuchte zwei Mineralwasser, Evian, Évian-les-Bains, Provinz Haute Savoien, Region Rhone-Alpes, zu entwenden. Nur durch das beherzte Eingreifen des zufällig anwesenden arbeitslosen Bauarbeiters und langjährigen Stammkunden Oleg Y., Donezk, Donbas, wohnhaft in Witten, Ennepe-Ruhr, konnte der Dieb bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden, wie Polzeisprecherin Jessika Oberlauter, Langenhagen, Kreis Altwarnbüchen, zu Protokoll gab.“

    Ich verstehe die Intention, allerdings solltet ihr bitte sehr darauf achten, fundierte Medienkritik (Quellenwahl, Quellenangaben, Wort- und Tonverfälschungen, sprachlicher Missbrauch etc.) als eine schon objektive journalistische Tätigkeit zu verstehen.
    Der richtige Umgang mit oben benannter Problematik und die Auslegung eines politischen Standards wie dem Pressekodex fällt meines Erachtens aber nicht darunter, sondern kann nur meinend kommentiert werden.

    Bitte macht Kommentare als solche ersichtlich.

    Es ist eben was anderes, z.B. der Tagesschau ein von ihr verwendetes angebliches Putin-Zitat als eventuell falsch übersetzt oder aus dem Kontext gerissen oder als gar nicht existent nachzuweisen, als die Nennung von Namen in Polizeiberichten ethisch falsch zu FINDEN.

    Das eine ist recherchiertes Wissen, das andere ist Meinung.

  25. Ich finde mindestens so interessant die Frage, warum die überregionalen Medien erst sehr spät berichteten – Kölner Stadtanzeiger und Express (jaja :-) ) waren früher dran. Das hat der ganzen Sache bei Twitter und Facebook sehr viel Auftrieb gegeben. Die Kritik ist halt, daß die Menschen das Gefühl hatten, hier sollte – wie in Schweden geschehen – aus Gründen der Pol. Corr. etwas versteckt werden. So etwas kann dann zu Stimmungen führen, wo manche dann für Lügen á la „Flüchtlinge essen Kind“ empfänglich sind.

  26. Zu fragen wäre auch: Inwiefern wirkt sich die ständige Nennung von Migrationshintergründen auf die Themenauswahl im Journalismus aus? Wenn ein Journalist noch Platz für eine Nachricht hat: Wird er über einen deutschen Vergewaltiger schreiben? Oder doch die Nachricht bringen, dass ein Syrer einen schweren Einbruch begangen hat?

  27. @Jochen Kruse:

    Gutes Beispiel, weil es deutlich macht, dass es selbstverständlich nicht um die Tat, sondern ihre Einordnung geht. Priester missbrauchen ja nicht, weil sie solche und katholisch sind, manche fanden – denken viele – nur einen Ort vor, im dem dies vergleichsweise risikolos tun konnten, weil sie aus Eigeninteressen der Organisation gedeckt wurden. Der Vorgang, für dessen Verständnis die Angaben notwendig sind, ist also nicht die Tat als solche, sondern ihr gesellschaftliches Umfeld.

    Und wenn man das berücksichtigt, bin ich mir durchaus nicht so sicher, ob derzeit kein begründbarer (!) Sachbezug besteht, ob das die Nennung „eindeutig“ und „logisch“ ein Verstoß gegen den Kodex ist. Dazu sollte man sich etwaigen Begründungsansätzen erstmal öffnen, sich mit ihnen auseinandersetzen und nicht Verstöße postulieren und ein insgesamt falsches Bild zeichnen.

    By the way: Die Zugehörigkeit zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten ist übrigens ganz häufig und richtigerweise zu Gunsten der Täter und Verdächtigen relevant, im Rahmen der Strafzumessung.

    Der Pressekodex soll vor Diskrimierung schützen, von der in der kleinen Meldung der Mitteldeutschen Zeitung weit und breit nichts zu sehen ist. Und: Hat es einen Grund, dass der Kodex die Nationalität als Diskrimierungsgrund angibt, aber nicht als Angabe bei der Berichterstattung aufführt? Alles so eindeutig und logisch?

  28. Alles Gute zum Start! Ich finde den Artikel etwas wirr strukturiert und fand es schwer dem roten Faden zu folgen, aber das ist vielleicht nur meine Einschätzung.

    Die Frage, die sich mir stellt: Inwiefern spielt die vorherrschende Meinung einer Leserin oder eines Lesers eine Rolle – wenn ich sowieso ein differenziertes und offenes Meinungsbild habe, wird mich die Nennung „Migrationshintergrund“ doch wohl eher nicht stark negativ beeinflussen, sodass ich meine Werte wie Toleranz und Offenheit sofort über Bord werfe? Das läuft ja dann eher nach dem Muster „Scheiße, wie kann man Integrationsmaßnahmen besser angehen?; Spielt Perspektivlosigkeit eine Rolle?; Spielen interkulturelle Unterschiede vielleicht eine Rolle, die es angehen gilt?; Wie bekommt man kriminelle Banden rechtstaatlich in den Griff?“
    Und wenn ich eh schon starke rassistische Gedankenmuster verfolge, dann hilft ja auch das Weglassen nichts, weil ich den „Leitmedien“/“der Lügenpresse“ sowieso nicht vertraue und mir die Nationalität aus „alternativen“ „Quellen“ besorge?

    Gefährdet sind doch vor allem die Leser*innen, die eher ungefestigte Meinungsbilder haben (falls es so etwas gibt?) bzw. vielleicht auch generell wenig oder keine interkulturellen Erfahrungen/Kompetenzen haben sowie zudem zwei Dinge nicht beachten bzw. keine Kompetenz dafür haben:

    a) Das Wissen, dass kausale Zusammenhänge als sehr sehr kritisch zu betrachten sind und Straftaten (wie im Artikel) aufgezeigt viele verschiedene Beeinflussungsfaktoren und Hintergründe haben können (Die Kriminalpsychologie könnte hier bestimmt mehr zu sagen?).

    b) Das Wissen, dass eben diese vermeintliche Kausalität von Nationalität Straftat eine hohe Gefahr der bewussten und unbewussten Generalisierung in sich birgt, die dann zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (so wird das ja z.B. in Bielefeld untersucht), Hass, struktureller Diskriminierung und körperliche Gewalt / Mordanschlägen ausufern kann, wenn man eben jedem Menschen schwere Gewalt antut, der dieser vermeintlichen Gruppe zugehörig ist.

    Als Medienpädagoge stell ich mir da die Frage, ob dieses Wissen oder dieser Teil der Medienkompetenz nicht schon viel eher vermittelt werden muss/sollte/könnte und unabhängig von der konkreten Berichterstattung gemacht werden kann. Beispielsweise durch große (allgemeine) Disclaimer im Artikel („Vorsicht – Generalisierung kann irrationalen Hass erzeugen“, „Die Gefahr der Diskriminierung“, etc.)?
    Ähnliche Beispiele kennt man ja von Amokläufen an Schulen und der „Gewaltspiel“-Debatte. Ich fand das Gegenargument immer ganz treffend, dass alle Attentäter auch in einem Bett geschlafen haben und man Betten auf jeden Fall auch sofort verbieten sollte.

    Mich beschleicht so ein bisschen das Gefühl, dass man hier nachträglich versucht das vermeintlichen Kompetenzdefizit von Leser*innen auszugleichen und die Gesellschaft vor Schaden zu bewahren.
    Eventuell überschätzen Journalist*innen auch die Wirkung von Presse-Artikeln im Zeitalter von Social Media Kommentaren?
    Während die Journalist*innen über Nennungen diskutieren, wird ja alles an Hass-Kommentaren gerade ungefiltert in die Social Media Kanäle gepustet – und dort sieht es eher nach einem Graben- und Stellunsgkrieg aus, als das jetzt massenhaft Personen täglich ihre Meinung ändern und somit die Seite wechseln auf Grundlage von neuen Artikeln. (Meine These)

    Die spannenden Fragen sind ja dann für mich:
    1. Wie viele „gefährdete“ Leser*innen gibt es tatsächlich?
    2. Wie kann man diese Kompetenz(en?) der Medienrezeption möglichst gesellschaftsübergreifend vermitteln?
    3. Welche Wirkung auf gesellschaftliche Meinungsbildungsprozesse hat die journalistische Berichterstattung noch im Jahre 2016?
    4. Was kann der*die Journalist*in tun, um gegen Diskriminierung einzutreten und trotzdem nicht die Leser*innen zu bevormunden?
    5. Und wäre es nicht mal an der Zeit für konstruktive und innovative neue Fragen und nicht den hundertsten Artikel von Journalist*innen ohne Migrationshintergrund mit dem Titel „Wie Integration wirklich wirklich wirklich gelingen kann“ – siehe auch https://krautreporter.de/989–yallah-deutschland

    Oder vergesse ich etwas?
    Gibt es da schon Untersuchungen und Thesen?
    Hat die Gesellschaft und der Staat echt nichts seit den Ereignissen nach der Wende gelernt?

  29. Zi-lu sprach zu Konfuzius: “Wenn Euch der Herrscher des Staates Wei die Regierung anvertraute – was würdet Ihr zuerst tun?” Der Meister antwortete: “Unbedingt die Worte richtigstellen.” Darauf Zi-lu: “Damit würdet Ihr beginnen? Das ist doch abwegig. Warum eine solche Richtigstellung der Worte?” Der Meister entgegnete: “Wie ungebildet du doch bist, Zi-lu! Der Edle ist vorsichtig und zurückhaltend, wenn es um Dinge geht, die er nicht kennt. Stimmen die Worte und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus. Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Misserfolg. Gibt es Unordnung und Misserfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafen mehr. Gibt es keine gerechten Strafen mehr, so weiß das Volk nicht, was es tun und was es lassen soll. Darum muss der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handeln können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um.”
    Konfuzius (551-479 v.Chr.), chin. Philosoph, bestimmend für die Gesellschafts- u. Sozialordnung Chinas

  30. Es ist viel geschrieben aber auch irgendwie nicht wirklich viel gesagt worden in diesen Artikel.
    Die eigentliche Frage für mich kommt gar nicht auf den Tisch: ‚Warum erleben wir in der Presse und ganz besonders bei den öffentlichen Medien so eine ausgeprägte „Mitteilungskonformität“ .‘
    Jeder Journalist schreibt das gleiche. Ganz besonders ist das bei der Tagesschau deutlich, wenn zu einem Thema drei bis vier Artikel erscheinen die alle mehr oder minder das gleiche berichten. Ob dahinter ein „Presse-Kodex“ steckt oder Vorgaben aus einer zentrale Stelle ist für dem Außenstehenden nicht erkennbar. Erkennbar ist aber, dass es an der Vielfalt und der wirklich unterschiedlichen Darstellung fehlt. Da würde doch ein Artikel völlig ausreichen. Besser wäre da eine breitere Berichterstattung, auch über andere Themen, die vielleicht nicht das Tages-Hauptthema sind.

    Aber sicher ist jeder Journalist auch auflagenorientiert und jede Redaktion nur an der best-zu-verkaufenden Story interessiert. Dieser Einfluss an Inhalt, Darstellung von Fakten und Schreibform sollte nicht unterschätzt werden. Ein Journalist der offen, objektiv und im Besonderen auch investigativ arbeitet wird heute sicherlich einen Zweitjob benötigen der ihn ernährt, oder einen der wenigen hoch begehrten Stellen bei den noch verbliebenen Medien wie z.B. Süddeutsche Zeitung sein eigen nennen.

    Was das Thema Herkunft angeht kann nur die Wahrheit weiterhelfen. Durch das Verschweigen kam es doch erst zu dieser Überbewertung. Wenn prinzipiell über die Herkunft berichtet wird, hätte sie nur einen „normalen“ Stellenwert für uns. Das Wort “Migrationshintergrund“ sollte meiner Meinung eher vermieden werden. Da wird die Vergangenheit den Menschen angelastet. Wir wollen nicht vergessen das auch viele Deutsche einen Migrationshintergrund haben. Da treffen sich heute noch die Sudetendeutschen und fordern ihre „Heimat“ zurück. Da könnte auch die Frage gestellt werden ob eine Integration eigener Volkgruppen uns gelungen ist.

    Ich würde von „ÜberMedien“ erwarten eine konstruktive Kritik an den Kollegen zu präsentieren. Dies kann ich hier noch nicht richtig erkennen, aber zumindest ist schon ein Ansatz sichtbar, der müsste nur noch ausgebaut werden, dann könnte ich auch in Betracht ziehen die Seite monetär zu unterstützen.
    Ich wünsche mir für mein Land, und hier lasse ich die Frage ganz bewusst offen, woher ich komme und ob ich einen „Migrationshintergrund“ habe oder auch nicht, einen aufgeklärteren, unabhängigeren, investigativeren Journalismus.
    Wenn dies auch das Ziel von ÜberMedien ist würde ich mich freuen.

    Favell

    Agent61

  31. Nach einem guten ersten Absatz stellt sich dem Leser doch die Frageob dann nicht einen andere Person weitergeschrieben hat; oder der Inhalt dieses Absatzes sofort wieder vergessen wurde?

    Bis zur Zusammenfassung werden nun eher unstrukturiert Aspekte abgearbeitet was nach Qualität und Gehalt dann leider doch nur wieder auf „betreutes Denken“ hinausläuft.

    Die Conclusio wird dann abschließend mit einem ebenso abstrakten wie absurden Wahrheitsbegriff versiegelt; der Leser bleibt damit etwas wenig ersnt genommen zurück.
    Gewiss behauptet es sich leicht das eine faktengebundene Sachverhaltsdarstellung der Erwähnung einer ethnischen Zugehörigkeit oder weltanschaulichen Bindung nicht bedarf, aber wo ist hier der Beleg. Ein solcher Nachweis ist im Artikel nicht geführt worden und Andeutungen sowie Vermutungen sind ein schlechter Ersatz für Belege.
    Auch aus krininologischer Sicht ist die Agrumentation mehr als absurd, wenn nicht befremdlich; es drängt sich aufgrund der erhobenen Forderungen durchaus auf das hier einer „ergebnisorientierten Messwerterfassung“ das Wort geredet wird. Zudem ist es eigentlich geboten schon die Problematik der Gruppenbezeichnungen nach deren Rechtsstellung entsprechend sauber zu unterscheiden. „Asylanten“, „Migranten“ und Personen unter sonstigem Konventionsschutz sind genausowenig gleich wie ein Tatverdächtiger noch lange kein Täter ist.

    Was auch Kommentar #31 sehr anschaulich darlegt.

    Das krampfhafte Festhalten an unzweckmäßigen Vorgaben wie dem „Pressekodex“ ist nur noch unverständlich, besser ist eine Leserschaft kaum auf ein Lesen zwischen den Zeilen mit allen daraus erwachsenden Folgespekulationen zu dressieren.

  32. Seit „Köln“ (und davor) sind in etlichen Städten „ausländisch aussehende“ Männer von Gruppen umzingelt, verprügelt, entwürdigt, krankenhausreif geschlagen worden. Sollten jedesmal Staatsangehörigkeit, Herkunft der Täter zur Entschlüsselung der Herkunftskultur als Ursache des kriminellen Handelns miterwähnt werden?
    Ich kenne Marokko aus vielen Reisen und frage mich angesichts massiver Klischees, die kursieren, wie viele der Journalisten und Politiker wohl in diesen „nordafrikanischen“, „arabischen“ Ländern waren und recherchiert habe.

  33. @ # 34. , ja genau um solche Pauschalbehauptungen be- oder widerlegen zu können.

    Mit unquantifizierten Behauptungen wird nämlich gern relativiert, für eine kriminologische Analyse ist es auch unbrauchbar.

    Hier helfen leider nur harte Zahlen sowie der Deliktkontext um alle den Trittbrettfahrer und Instrumentalisierern endlich das pseudoargumentative Wasser abzugraben und einfach klar darzulegen wie sich die Situation darstellt.

  34. zu 29.
    „Die Zugehörigkeit zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten ist übrigens ganz häufig und richtigerweise zu Gunsten der Täter und Verdächtigen relevant, im Rahmen der Strafzumessung.“
    Wie kann eine Gesellschaft als Gemeinschaft entstehen und sich fortentwickeln, wenn ein „Persilschein“ aufgrund der Herkunft ausgestellt wird ?
    Es heißt doch:
    Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich !
    Eine Unterstützung solchen „Persilscheins“ bringt die Förderung auch gewalttätiger Auseinandersetzungen mit sich !

  35. Ich habe nur den Artikel gelesen, der durchaus Sinn ergibt, aus seiner Perspektive.

    Ich halte es dennoch für richtig, dass derzeit recht häufig auch die Nationalität und der Status von Verbrechern genannt wird. Weil dies die Defizite der dt. Rechtsordnung oder der Umsetzung des Rechts durch die zuständigen Stellen offenbart. Man hat in den letzten Jahren immer wieder traurige Artikel über Leute gelesen, die sich nichts zuschulden ließen und das Land verlassen mussten.

    Und die Möglichkeit, Leute schnell auszuweisen, die hier in kürzester Zeit nach der Einreise erhebliche Straftaten begehen oder auch länger hier sind und Jahr für Jahr Verurteilungen ansammeln, dazu Sozialleistungen kassieren, besteht nicht? Das widerspricht eben dem Gerechtigkeitsdenken der meisten Menschen und wer am lautesten ein härteres Durchgreifen fordert, sind die ehrlichen Ausländer, die schon lange hier leben. Die werden nicht nur beklaut, sondern von Dummköpfen dann auch noch zu den Tätern in die gleiche Schublade gesteckt.

    Wichtig ist die Nationalität also für die Frage, ob das Ausländerrecht ausreicht und ausreichend umgesetzt wird. Nur dafür.

    Die Antwort scheint „nein“ zu lauten, weshalb einige Änderungen geplant sind, die ich begrüße.

  36. Das Problem beginnt doch schon damit, welche Vorfälle überhaupt berichtet werden.
    Nun werden jeden Tag die (im Durchschnitt/Tag) 6 Vergewaltigungen durch Ausländer in jeder Nachrichtensendung aufgezählt, die 14 Vergewaltigungen durch Deutsche finden nirgends Erwähnung (sofern sie nicht aus irgendwelchen Gründen „sensationell“ sind).

  37. @Stefan Niggemeier (37)
    sicher erhoffen wir auch hier das gleiche,
    zumindest gehe ich (nach dieser Antwort) nun davon aus, dass (auch) ich nicht einer Sippenhaft unterliege.

  38. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die weiße Hautfarbe von Menschen zu thematisieren; und zwar nicht nur bei Verbrechen, sondern auch bei sonstigem Bockmist, den sie verzapft haben. Du glaubst gar nicht, wie wichtig es weißen Mitmenschen auf einmal war, nicht mehr andauernd die Hautfarbe zu thematisieren. ;-)

  39. Wäre es nicht am einfachsten, in die Kriminalstatistik zu schauen?
    Wieviele Männer wurden in einem Jahr wegen Vergewaltigung verurteilt.
    Wie hoch ist der Anteil der verurteilten Vergewaltiger nichtdeutscher Herkunft im Vergleich zum Anteil nichtdeutscher Männer an der Gesamtbevölkerung. Sollte es da einen relevanten Unterschied geben, sollten die Gründe erforscht werden. Nur über ausgewählte Vorkommnisse zu berichten ist zu unpräziese und erlaubt keine Rückschlüsse auf die Gesamtsituation.

  40. @Stanz: Noch freundlich ausgedrückt: Sie schreiben Bullshit!
    Ich kann das durchaus nachvollziehen, schliesslich sind Sie ja ein Mann, und sind als solcher – statistisch zumindest – wesentlich seltener sexuellen Übergriffen ausgestzt.
    Ich gehöre nun mal dem anderen Geschlecht an und habe deshalb weniger Glück gehabt – im Gegenteil viel erlebt – und das schon als Kind. Das geht von Grapschereien (z.B. auf von ausschliesslich Bio-Deutschen besuchten Volksfesten wie Bier-/Weinfesten, Fasching o.ä.) über sexuelle Nötigung bis zur Gruppenvergewaltigung.
    Die Täter waren vermutlich ausschliesslich alle Christen, Mittel-Europäer, meist Deutsche. Das liegt wohl daran, das sich als „Bio“-Deutsche mein Lebensmittelpunkt in Deutschland befindet. Ein Vorfall mit Nicht-Deutschen ereignete sich im benachbarten Ausland, ich sag jetzt nicht welchem, das tut auch nichts zur Sache.
    Auf der anderen Seite habe ich mich nirgends so sicher gefühlt, als ich zwei Monate alleine( !) durch ein muslimisches Land reiste.

    Es sind keine angenehmen Geschichten, mit denen man offensiv umgeht, das erzählt man allenfalls Vertrauten – lieber Freundinnen als Freunden.
    So gesehen habe ich Verständnis dafür, dass Sie auf einem Bio-Auge blind sind, bitte Sie aber zu berücksichtigen, dass viel mehr Frauen als statistisch erfasst sexueller Gewalt ausgesetzt sind, alleine bei mir und meinen zwei Schwestern liegt die Quote bei 100%.

  41. Meine Zahlen bezogen sich auf die Statistik in https://de.wikipedia.org/wiki/Ausl%C3%A4nderkriminalit%C3%A4t. In 2006 bei knapp ca. 7000 Vergewaltigungen ca.30% Ausländer als Tatverdächte .
    Dazu zwei Anmerkungen:
    1) Ein großer Teil der Berichterstattung bzw. der Kommentare erweckt den Eindruck, als sei Vergewaltigung eine in Deutschland ausgestorbene Krankheit, die die Flüchtlinge nun (wieder) eingeschleppt haben. Aber wir haben auch ohne Flüchtlinge/Ausländer ein Problem mit Vergewaltigungen.
    2) 30% Tatverdächte Ausländer ist natürlich deutlich höher als der Ausländeranteil an der Bevölkerung. Erklärungen:
    „Anfällig für Missbrauch sind Ausländer-Statistiken. So liegt der Anteil der Ausländer an den Kriminellen stets höher als bei Inländern. Beweist dies einen kriminellen Charakter der Nicht-Deutschen? Kaum, so Bosbach. Migranten sind im Schnitt jünger als Deutsche – und Kriminalität ist stets ausgeprägter bei jungen Menschen. Auch ist der Anteil der Männer bei Ausländern höher – wie bei allen Kriminellen. Zudem leben Migranten häufiger in Großstädten und sind eher arm – beides Merkmale, die bei Straftätern öfter auftreten als im Schnitt.“
    (http://www.fr-online.de/wirtschaft/statistiken-mit-zahl-und-tuecke,1472780,6604428.html)

  42. Um es auf den Punkt zu bringen:
    Aufgrund meiner eigenen persönlichen Erfahrungen und derer von Freundinnen und Familienmitgliedern könnte ich auf ALLE Männer hassen – nach der Art so vieler nicht über den Tellerand schauender Menschen, das ist aber irgendwie lebensfremd (oh, welche Doppeldeutigkeit :D).
    Man sollte nicht von einigen – ich sage nicht wenigen – auf alle schliessen, trotzdem liegen die Ursachen der Probleme zT. in den Gesellschaften, wobei ich mir mangels expliziter Kenntnisse kein Urteil über die jeweiligen Systeme bezüglich Gewaltbereitschaft bilden kann, aber auch in der Entwicklung der Menschheit insgesamt.
    Sehr interessant wäre hierzu die Lektüre des Buches „Männliche Gewalt. Ihre Wurzeln und ihre Auswirkungen“ von Vera van Aaken.
    Hierzu ein Artikel vom Deutschlandfunk:
    http://www.deutschlandfunk.de/vera-van-aaken-maennliche-gewalt-ihre-wurzeln-und-ihre.730.de.html?dram:article_id=101549
    Upps, das war jetzt vielleicht zu viel?

  43. Jede Zurückführung auf sozialen Status, Hautfarbe oder Nationalität ist letztlich sinnlos, weil man keine pauschalen Lösungen finden wird. Wenn es keine Armut gibt, keine Ausländer mehr (egal, ob man Nationen abgeschafft hätte (links) oder alle Ausländer rauswirft (rechts)) – in Endeffekt wird man die Zahl der Taten dadurch nicht wesentlich ändern. Entscheidend ist ja die individuelle Verantwortung des einzelnen Täters, der vielleicht einige Eigenschaften hat (arm, Muslim), vielleicht aber auch nicht.

    Für die Gesellschaft ist nur wichtig, ob man für Täter die richtigen Mittel hat, sie an weiteren Taten zu hindern. Das sind Therapien, Strafen, Ausweisungen. Letztere gibt es nur für Ausländer – ist ja logisch.

    In diesem Punkt ist es also interessant, woher ein Täter kommt und ob man ihn ev. los werden kann.

  44. Wer A verschweigt, muss auch B verschweigen.

    Ich als Mann zwischen unter 30 will meine Minderheit nicht weiter mit Gewalt assoziiert wissen.
    Also: Bei der nächsten Messerstecherei nicht nur die Herkunft der Täter*innen verschweigen, sondern auch das Geschlecht und das Alter weglassen.

    Hier zeigt sich die ganze Absurdität des §12.1: Diese fehlenden Informationen werden vom Leser ausgefüllt. Niemand wird nach einem „Ehrenmord“ – wie der, für den zwei, drei libanesisch-stämmige Männer verurteilt wurden – von einer 1,55m großen, transsexuellen, vietnamesischen, behinderten Großmutter als Täterin ausgehen.

    §12.1 ist nicht nur „Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker“, also eine falsch verstandene Bestätigung für Rechte, sondern sowas IST ein reales Schweigekartell.

  45. @Stephan Becker

    Für mich spricht nichts dagegen Täter für statistische Betrachtungen zu kategorisieren. Anders kann man nicht ergründen, unter welchen Umständen es zu Straftaten kommt. Die Polizei wir intern diese Vorgehensweise definitiv wählen.

    Bürger haben für mich das Recht, statistische Erhebungen zur Verfügung gestellt zu bekommen.

    Und nochmal: Alles andere entspricht einer Zensur.

  46. @Christine
    “ … Die Täter waren vermutlich ausschliesslich … “
    solche Aussage trägt wirklich nicht zur Ihrer Glaubwürdigkeit bei !

  47. @Klaus
    Ich kann’s nunmal nicht sicher sagen, da ich sie nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit gefragt habe – da verlangen Sie ein bisschen viel von mir. Was ich sagen kann, dass diese Vorkommnisse in dem (ziemlich katholischen Gegenden auf dem Lande geschehen sind und sschliesse des halb darauf, dass die Täter wahrscheinlich katholisch waren. Bei zweien, zwei Brüder weiß ich es sogar ganz bestimmt, weil ich sie leider in meiner Nachbarschaft wohnten.
    Ob Sie mir glauben oder nicht: Das ist nicht so schlimm, kann ich verkraften.

  48. Nochmal @Klaus:
    Im Übrigen befinden wir uns hier nicht in einem Gerichtsverfahren und ich muss Ihnen nichts beweisen…

  49. @Christine
    nicht nur bei diesem sensiblen Thema kommt es auf glaubhafte und nachvollziehbare Informationen an

  50. Und Sie machen Ihrem Geschlecht keine Ehre, wenn Sie mich ins Unglaubwürdige ziehen.
    Neu ist das glaub‘ ich nicht, aber ekelhaft!

  51. Ich verzeihe Ihnen.
    Aber bitte denken Sie in Zukunft lieber zweimal darüber nach, bevor Sie Menschen, die sich dazu durchringen, offen über ihre Traumata zu berichten, der Lüge bezichtigen.
    Ich habe ein halbes Leben an diesen Erlebnissen gelitten, bevor ich sie verarbeiten konnte.
    Und Sie wischen das alles mit einem Satz weg?

    Genau solche Anschuldigungen tragen nicht gerade zu einer Besserung der Situation der Frauen bei.

  52. Ich würde differenzieren. Die Tendenz, Nationalitäten und Kriminaldelikte zu koppeln, ist einer zunehmenden Ausländerfeindlichkeit geschuldet und einem immer „normaler“ werdenden Boulevardinteresse der Leser. In der mittlerweile reichlich aufgeheizten Stimmung trägt es bei fast jedem dazu bei, dumpfe teils unterbewusste Bauchgefühle zu aktivieren. In Freiburg hatte sich die Presse auf die UMF (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) eingeschossen, die a u c h auf einem Platz verkehrten, wo vermehrt klauen und dealen stattfand. Die Stimmung gegen die UMF wuchs gewaltig. Die Stimmung kippt immer mehr in „berechtigte Forderungen gegen die Lügenpresse“ und alle ausländischen Täter werden mit Befriedigung eingesogen. Das kann es nicht sein. Selbst wenn keiner in Sicht ist, wird – wie in Lahr zu der 13jährigen Lisa – ein gespenstisches Szenario aufgebaut, was in den Kommentaren der lokalen Presse zu den ungeheuerlichsten Vermutungen führt. Die Volksseele will kochen und das muss zurückgeführt werden. Ali Schwarzers Vorschlag, sich konsequent auf deutsche Täter oder weiße Haut zu beziehen, ist eine Möglichkeit. Man muss die Wahrnehmung wieder schärfen.
    Da, wo es über einen Einzelfall hinausgeht wie z.B. bei Gewalt im Namen der Ehre oder Bandenkriminalität wird es schon länger benannt und das finde ich auch ok.

  53. Eine Parodie mit der Folgerung, man berichte am besten NICHTS und wohin das führen kann:

    Reporter zum Polizeisprecher:
    „Was passierte heute Nacht in einer Nebenstraße der Schlossallee?“
    „Nichts besonderes.“
    „Uns ist aber zu Ohren gekommen, dass …“
    „Ach sie meinen die Messerstecherei?“
    „Ja, wie viele Personen waren beteiligt?“
    „ca. 35“
    „Was war der Anlass?“
    „Wir ermitteln.“
    „In welche Richtung?“
    „In alle Richtungen.“
    „Gab es Verletzte oder gar Tote“.
    „Es gab Verletzte, diese traurige Erfahrung machen wir bedauerlicherweise bei Einsatz von Messern immer wieder.“
    „Wie viele Verletzte gab es, auch schwer Verletzte?“
    „Mehrere, die genaue Art und Anzahl ist noch nicht ermittelt.“
    „Was war der Anlass?“
    „Wir ermitteln in alle Richtungen.“
    „Wer waren die Beteiligten?“
    „Wie schon gesagt, ca. 35 Individuen.“
    „Was kann man zu den Tätern näheres sagen? Gab es ein gemeinsames Merkmal?“
    „Ja, die Altersgruppe.“
    „Welche?“
    „Das tut nichts zur Sache. Wir möchten unzulässiger Altersdiskriminierung keinen Vorschub leisten.“
    „Was ist Ihnen noch über die Täter bekannt?“
    „Sie waren alle vom gleichen Geschlecht.“
    „Männer oder Frauen?“
    „Das tut nichts zur Sache, Sie wissen schon …“
    „Gibt es weitere Tatsachen, die Ihnen zu den Tätern bekannt sind?“
    „Ja.“
    „Welche?“
    „Es gab noch ein weiteres übereinstimmendes Merkmal?“
    „Welches?“
    „Das tut nun überhaupt nichts zur Sache. Wir möchten damit nur verdeutlichen, dass wir über die Täter schon sehr viel wissen. Auf die Ermittlungsarbeit unserer Sicherheitsbehörden ist Verlass. Wir möchten weitere Einzelheiten bis zum Ende der Ermittlungen aus verständlichen Gründen vor allem zum Schutz der verletzten Opfer nicht mitteilen.“

    Der in der Lokalpresse erschienene Bericht lautet:

    „In der Webergasse, einer Seitenstraße der Schlossalle, fand zwischen einer mittleren Anzahl von Personen in der Nacht des 21. zum 22. Januar gegen 01:00 Uhr eine mittelgroße Rangelei statt, bei der es vereinzelt zum Einsatz von kleinen Stichwaffen kam. Es gab einige Verletzte. Über Einzelheiten und Schwere der Verletzungen ist noch nichts näheres bekannt.
    Auch über die Beteiligten gibt es noch keine weiteren näheren Hinweise. Es handelte sich nach polizeilichen Angaben um ca. 35 Individuen.
    Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.“

    Eine linksliberale überregionale Tageszeitung hatte zufällig ebenfalls einen Reporter vor Ort. Sie schrieb ungefähr das gleiche. Ergänzte aber eine wichtige gesellschaftspolitisch wertvolle Information, um die Leser über die Gefährlichkeit des sich immer weiter ausbreitenden Rechtsextremismus aufzuklären.

    „… Unter dem Vorbehalt weiterer Ermittlungen scheinen die Angaben der Polizei, die im Interesse des nicht zu gefährdenden Ermittlungserfolgs nicht auf nähere Tätergruppeneigenschaften eingehen wollte, dem Eindruck unseres Reporters vor Ort nach auf eine Horde älterer naturblonder blauäugiger deutscher Bräute hinzuweisen. Solche wurden im Ort schon mehrfach auf den Soziussitzen der Senioren-Rockerbande „Mit 66 Jahren …“ gesichtet, wobei sie mit rechtsextremen Parolen und Krawallen gerichtet gegen Migranten und Flüchtlinge auffällig geworden waren und sich seither unter Beobachtung des Verfassungsschutzes befinden.

    Gleichwohl sagte der Sprecher der Polizeibehörde vor Ort, welche schon mehrfach bei einigen Vorfällen in der Vergangenheit sich als auf dem rechten Auge blind erwies, sie ermittle in alle Richtungen.“

  54. Für andere, die diesen Kommentarstrang jetzt erst finden:

    @Stanz
    „Tatsächlich ist es nicht vorstellbar, dass eine Horde („bio“-)deutscher Männer in einer solchen Art und Weise massenhaft sexuell übergriffig würde – denn es würde immer auch viele Männer geben, die die Täter stoppen würden.“

    Nur eine Antwort darauf: „Bumsbomber“
    Aber das waren ja nur südostasiatische Prostituierte, und nicht „unsere toitschen Mädel“.

    Christine und Klaus‘ Reaktion auf ihren Beitrag zeigen übrigens auch ein typisches Bild: wenn die Täter von Köln „vermutlich Araber“ sind, dann reicht das aus. Wenn die Täter „vermutlich Deutsche“ sind, dann wird gleich die ganze Narrative angezweifelt.

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