Als Frau schlechter bezahlt? Gericht weist Klage von ZDF-Reporterin ab

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass das ZDF seine Mitarbeiterinnen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen – urteilt zumindest das Berliner Arbeitsgericht. Am heutigen Mittwoch hat es die Klage einer ZDF-Reporterin abgewiesen, die überzeugt ist, aufgrund ihres Geschlechts weniger zu verdienen. Die Klägerin habe „keine Tatsachen vorgetragen, die auf eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung bei der Vergütung von Männern und Frauen hindeuten würden“, heißt es in der Pressemitteilung des Arbeitsgerichtes. „Die von ihr benannten Mitarbeiter seien nicht vergleichbar, weil sie anders als die Klägerin beschäftigt würden; weitere Anhaltspunkte für die behauptete Ungleichbehandlung seien nicht gegeben.“

Wie jetzt – anders beschäftigt? Wer in den vergangenen Wochen in der „Berliner Zeitung“, der „Süddeutschen Zeitung“ oder bei „Edition F“ über den Fall las, für den ist das eine neue Information. In der festen Überzeugung, dass der Vorwurf gegen das ZDF schon bewiesen sei, machten sie sich nicht die Mühe, auf Feinheiten des Verfahrens hinzuweisen. Die Klagende hat den Sonderstatus einer festen Freien, während Kollegen, mit denen sie sich vergleicht, angestellt sind? Die anderen sind älter, haben mehr Berufserfahrung, sind schon länger beim ZDF dabei? Das war alles egal. Hängen blieb, dass das ZDF Frauen diskriminiere. Zumindest in erster Instanz wurde das nun aber verneint.

Endgültig entschieden ist die Sache damit jedoch nicht. Die Klägerin wird beim Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg Berufung einlegen. In einer Pressemitteilung nennt ihr Anwalt Hans-Georg Kluge das Urteil „in schwerwiegender, ja willkürlicher Weise rechtsfehlerhaft“. Er bemängelt, dass das Gericht keine umfangreiche Beweisaufnahme durchgeführt habe. 500 Seiten Klageschrift hatte er zum ersten Prozesstermin im Dezember vorbereitet, in der aus seiner Sicht viele Beispiele eine Diskriminierung belegen. Die sieht er nun nicht ausreichend berücksichtigt. Mit seinem Kommentar „Der Baum ist tot“ habe sich der Richter vielmehr über den Umfang lustig gemacht.

Infolge dessen, so der Anwalt, sei sogar überlegt worden, einen Befangenheitsantrag gegen den Richter zu stellen. Da somit das Verfahren jedoch verzögert worden wäre, habe man darauf verzichtet. Nun rechnet Kluge damit, dass der Fall noch im Laufe der kommenden sechs Monate erneut verhandelt wird, sagt er auf Anfrage von Übermedien. Auch eine außergerichtliche Einigung mit dem ZDF sei aber weiterhin möglich. Die Verhandlung im Dezember hatte mit einem Angebot das Senders geendet, den Vertrag gegen eine Abfindung aufzulösen.

Der Richter bediente sich bei der Verhandlung im Dezember tatsächlich eines eher flapsigen Tonfalls. „Ich muss jetzt aufpassen, dass ich zur Sendung nicht allzu viel sage. Aber Geschmack ist ja verschieden“, kommentierte er etwa das Magazin, für das die Klägerin arbeitet.

Hätte er deshalb kein Urteil sprechen dürfen? Für Christine Dankbar steht das anscheinend fest. Die stellvertretende Lokalchefin der „Berliner Zeitung“ hatte schon mit ihrem ersten Bericht über die Verhandlung das ZDF der Diskriminierung für schuldig befunden und damit den Tenor der nachfolgenden Berichterstattung gesetzt. Nun urteilte sie gestern Abend und damit noch vor Verkündung der Gerichtsentscheidung eigenmächtig: „Allerdings behielt sich der Rechtsanwalt vor, die Prozessrechtsverstöße vor dem Landesarbeitsgericht als Berufungsgründe zur Sprache zu bringen.“ Als seien Verstöße durch den Richter als solche erwiesen, nur weil der Anwalt der Klägerin sie für solche hält.

Auch sonst ist Dankbar sehr klar in ihrem Urteil, wenn sie im Indikativ formuliert, die Reporterin habe geklagt, „weil sie weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.“ Zum Vorwurf einer ungleichen Bezahlung schreibt sie: „Am unstrittigsten scheint dabei der Sachverhalt an sich zu sein.“

Ähnlich wie sie behandeln verschiedene Lobby-Organisationen die behauptete (aber vom Gericht bestrittene) Diskriminierung als Tatsache. Rebecca Beerheide, Vorsitzende des Journalistinnenbundes, nennt die unterschiedliche Entlohnung der Klägerin und ihrer männlichen Kollegen „unerklärlich“. Die Organisation „Pro Quote Regie“ sagt, die Klägerin habe trotz abgewiesener Klage „ein Zeichen für die Gleichstellung gesetzt“. Uta Zech, Präsidentin der Organisation Business and Professional Women (BPW), ruft „Hut ab“ vor dem Mut der Klägerin.

Dass deren Vorwurf gegen das ZDF zumindest vorläufig nicht bestätigt wurde, scheint ihnen ein vernachlässigenswertes Detail zu sein.

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24 Kommentare

  1. Es ist wünschenswert, dass in dieser Sache Klarheit geschaffen wird.
    Im SZ-Artikel vom 1. Februar, in dem vom Urteil verkündet wird, wird jedenfalls auch der vom Gericht festgestellte Statusunterschied zwischen der Klägerin und einem zum Vergleich herangezogenen Kollegen festgestellt. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass nach EU-Recht bei einer „Entscheidung über Gleichbehandlung bei Gehaltsfragen die reinen Tätigkeit verglichen werden“ müssten. Dies ist hier offenbar nicht erfolgt. Die unterschiedliche Bezahlung wurde mit dem unterschiedlichen Status gerechtfertigt.

    Darüber hinaus ist es natürlich selbstverständlich, dass eine unterstellte Ungleichbehandlung nachgewiesen werden muss. Das voreilige Abverurteilen noch vor dem Urteilsspruch sowie die fragwürdige Ausdrucksweise des Richters erübrigen sich von selbst.

  2. Zum vorletzten Absatz der Vollständigkeit halber: Ein Zivilgericht bestreitet nicht, es stellt fest. Bestreiten kann eine Partei den Tatsachenvortrag der anderen Partei – woraufhin das Gericht Beweis darüber erhebt und nach einer Würdigung der erhobenen Beweise entweder die Tatsache für bewiesen oder unbewiesen erachtet und daraufhin den Sachverhalt feststellt.
    Das Wort bedeutet im juristischen Sprachgebrauch also tatsächlich, einen Sachverhalt zu be-streiten, d. h. den Streit darüber zu führen, ob er vorliegt oder nicht.
    Ist aber vielleicht Kleinkrämerei…

  3. …nichts gegen Mädels, aber warum sind Bildblog und das hier von Männern initiiert.
    Soviele Fragen…

  4. @TH #7

    Das ist natürlich umfangreich, aber gleichzeitig nur die Aussage des Anwalts, der – völlig unerwartet – zu dem Ergebnis kommt, dass der Richter alles falsch gemacht hat und nur des Anwalts Sichtweise richtig ist. Wenn das so eine glasklare Sache ist, sollte er doch den Befangenheitsantrag stellen.

    Ansonsten fühlt sich das Ganze sehr nach #TeamGinaLisa an …

  5. Was jetzt interessant wäre zu wissen, warum es „feste Freie“ gibt im Unterschied zu „festen Festen“ und „freien Freien“?
    Ist das nur ein Mittel des Senders, meinetwegen Leute bezahlen zu dürfen wie Freie, die aber weisungsgebunden sind wie Feste? Also einfach ein Mittel, Tarifverträge zu umgehen?
    Oder hat das Modell einen Vorteil für die festen Freien, den sie bei anderen Modellen nicht hätten (Und das irgendwie den Gehaltsunterschied kompensiert)?

    Das verschiebt die Diskriminierungsfrage evt. auch nur nach hinten, weil es ja sein kann, dass die einkommensstärkeren Arbeitsverhältnisse bevorzugt Männern angeboten werden, aber erstmal ist das einfach vom persönlichen Geschick bei Gehaltsverhandlungen abhängig, weniger vom Geschlecht. (Ja, manche werden jetzt sagen, dass Frauen da durch Erziehung und Vorurteile benachteiligt sind, aber DAS ist jetzt nicht genau die Frage, die das Gericht entscheidet.)

  6. Ich muss mal dumm fragen… Wenn die Tätigkeit und nicht der Status Ausschlag gebend ist, dann dürften Teilzeitkräfte doch auch keinen anderen Stundenlohn bekommen wie Vollzeitler.

    Diese hätten aber netto mehr von ihren 20h Arbeit wie ihre Vollzeit arbeitenden Kollegen. Wo ist das denn fair? Der Brutto Stundenlohn muss doch allein schon deshalb höher sein um die Steuerprogression auszugleichen.

    Wenn man andersrum vom Netto ausgeht, müssten die mit Steuerklasse 4 höhere Stundenlöhne als die mit Steuerklasse 3 bekommen um auf das gleiche Netto zu kommen.

    Hab ich irgendwas in der Diskussion verpasst, oder werden solche unangenehmen Realitäten wie die Steuer und der Unterschied zwischen Brutto und Netto einfach ausgeklammert?

    Noch so ein Beispiel. mein Gehalt taucht in der Statistik garantiert nicht mit meinen 200h sondern mit den statistischen 168h/Monat auf. Das heißt sämtliche Branchen wo Festgehälter gezahlt werden und nicht die Bezahlung je Stunde aufgeschlüsselt wird (Überstundenzulagen, Nachtarbeit) entwerten diese Durchschnittswerte.

    Das sind im übrigen die Informationen die dem stat. Bundesamt fehlen. Tatsächliche Arbeitszeit, detaillierte Daten zu Stundenlöhnen, u. Leistungsbezogenen Zulagen.

  7. @Mycroft – #9

    Zitat: „Was jetzt interessant wäre zu wissen, warum es „feste Freie“ gibt im Unterschied zu „festen Festen“ und „freien Freien“?
    Ist das nur ein Mittel des Senders, meinetwegen Leute bezahlen zu dürfen wie Freie, die aber weisungsgebunden sind wie Feste? Also einfach ein Mittel, Tarifverträge zu umgehen?
    Oder hat das Modell einen Vorteil für die festen Freien, den sie bei anderen Modellen nicht hätten (Und das irgendwie den Gehaltsunterschied kompensiert)?“

    Also ich habe diesbezüglich keinen richtigen Einblick in die Medienwelt, behaupte aber mal aufgrund dessen, was ich so gelesen habe, dass das Prinzip der festen Freien zumindest im Ursprung mal dazu diente, Tarife oder Honorare zu drücken und sicherlich auch, um Sozialversicherungsbeiträge einzusparen. Denn ein fester Freier ist ein selbständiger Autor – in anderen Branchen bezeichnet man das auch als Subunternehmer, der regelmäßig für einen Hauptauftraggeber arbeitet. Um zu beurteilen, ob das im Großen und Ganzen gut für die betreffenden Journalisten ist, vermag ich nicht zu beurteilen, im Baubereich, bei Paket- uns Lieferdiensten und anderen Bereichen bedeutet dies nicht selten prekäre Löhne für harte Arbeit. Ich denke, dass zumindest junge, noch nicht etablierte Journalisten nicht zu den Gewinnern dieses Systems gehören.

    Es gab schon vor Jahrzehnten eine Umstrukturierung in zumindest einigen Redaktionen, einerseits bezüglich der Trennung von Print und Online (letztere oft schlechter bezahlt) und der Ausgliederungen ganzer Produktionsketten, die von Druckereien bis hin zu ganzen Lokalredaktionen reichen, die dann als Art feste freie Redaktionen arbeiten und in denen dann junge „Ich-mache-irgendwas-mit-Medien“-Leute für wenig(er) Kohle (hoffentlich dennoch guten) Journalismus machen.
    Ich vermute, dass es im TV-Bereich ähnlich ist, weil dort auch diverse Produktionen ausgelagert werden.

    Leider liest man dazu nur wenig in den Medien. Im Spiegel gab es vor Jahren mal was zu besagter Auslagerung von Lokalredaktionen einer recht großen deutschen Regionalzeitung. Im Fachmagazin „Journalist“ (also mehr oder weniger nur für Szenekenner, sprich Journalisten) wurde berichtet, dass im Zuge von Streiks ein Personalrat in bester LIDL-Manier aus dem Verlag geklagt wurde. Auch zu den Streiks und den Widerstand der in die Selbständigkeit gedrängten Redaktionen findet sich zumindest in den Online-Medien nur sehr wenig. Ob Journalisten diese Entwicklungen einfach nur in der Vielzahl mittragen und es ihnen deshalb thematisch nicht relevant erscheint oder Verlage beim Honorarpoker mit solchen Themen nur ungern die Hosen runterlassen möchten, kann ich nicht beurteilen.

    Aber ganz subtil merke ich nebenbei mal an, dass ich mir (auch) genau solche Themen von „Übermedien“ erhofft hatte und mir für einen besseren Blick hinter die Kulissen auch glatt noch die paar Euro fürs Abo aus meinen ewig löchrigen Hosentaschen schütteln würde.

  8. @Schreibkraft, #11:
    Danke für die ausführliche Antwort.
    Ich denke, zum Thema ungleiche Bezahlung von Medienleuten kommt hier was, sobald es in anderen Medien unsauber dargestellt wird.

    Ich stehe der oft stark verzerrten Gender-Pay-Gap-Darstellung (Männer bekämen ein Viertel bis ein Drittel mehr Geld als Frauen für gleiche Arbeit, weil sie Männer sind) kritisch gegenüber, aber ich glaube nicht, dass es finanzielle Diskriminierung von Frauen in D. grundsätzlich nicht gibt.
    Und da stellt sich die Frage, wie die Betroffenen das nachweisen könnten. Hier wäre es wohl entscheidend gewesen, was männliche feste Freie bei gleicher Arbeit so bekämen, und das bekäme man ganz schlecht raus, weil es keinen Tarifvertrag gibt, individuelle Verträge nicht veröffentlicht werden dürfen und außerdem die Definition von „gleicher Arbeit“ „gleich viele Überstunden, Wochenendarbeit, Spesen, und – ganz schwierig – Qualität“ beinhalten müsste.

  9. @Mycroft – #12

    „Ich denke, zum Thema ungleiche Bezahlung von Medienleuten kommt hier was, sobald es in anderen Medien unsauber dargestellt wird.“

    Ich halte die Arbeit von „Übermedien“ (und den niggemeier’schen Vorläufern) für wichtig und informativ.
    Aber mit Blick auf die Lügenpresse-Vorwürfe der Neuen Rechten, die Qualitätsmängel der etablierten Medien dankbar in ihre allumfassende Verschwörungstheorie von der gesteuerten Systempresse einbindet, wäre es wichtig, dem ein objektives Bild von jenen Strukturen entgegenzusetzen, denen diese Qualitätsmängel geschuldet sind. Der Wertverlust journalistischer Arbeit könnte ein nicht unbedeutender Teil dieses Problems sein.
    Zudem berichtet „Übermedien“ ja nicht nur über Falschdarstellungen in den Medien, sondern wie im Falle der VG Wort auch über journalistische Verteilungskämpfe. Nur sind das Blicke hinter die Kulissen einer Verwertungsgesellschaft und nicht hinter jene der Verlage, die Auftrags- oder Arbeitgeber sind und die durch das Prinzip der vielfach eingesetzten Freien unbequeme Geister ganz einfach loswerden oder unter Druck setzen können – ich denke, nicht umsonst wurde in Sachen VG Wort die Möglichkeit geschaffen, dass Autoren ihre Ansprüche anonym an Verlage abtreten können.
    Auf mich, als ehemaliger Gewerkschaftler, wirkt das wie die Verlagerung eines Arbeitskampfes auf einen für die Autoren halbwegs ungefährlichen Nebenkriegsschauplatz und sollte der Grund dafür sein, dass Journalisten bei öffentlicher Kritik um Aufträge bangen müssen und/oder Verlage durch ihr Berichterstattungsmonopol solche Themen gezielt unter den Tisch fallen lassen, wäre es auch in diesem Fall wichtig, dass irgendwer darüber berichtet und die Kompetenz dazu haben nur die Journalisten selbst.

    Und wenn ich schon dabei bin…:

    „Ich stehe der oft stark verzerrten Gender-Pay-Gap-Darstellung (Männer bekämen ein Viertel bis ein Drittel mehr Geld als Frauen für gleiche Arbeit, weil sie Männer sind) kritisch gegenüber, aber ich glaube nicht, dass es finanzielle Diskriminierung von Frauen in D. grundsätzlich nicht gibt.“

    Zu den größten Problemen zählt vermutlich, dass die Genderforschung ein noch recht neuer Forschungszweig ist und Ergebnisse daraus lediglich eine Nische in Medien eingeräumt bekommen, in der FeministInnen diese gelegentlich auf nicht unbedingt allgemeinverträgliche Weise darlegen oder interpretieren.

    Einen Aspekt der Gender-Pay-Gap-Debatte habe ich erst durch Vertreter der Neuen Rechten erfahren: Dass Frauen bezüglich der Gehaltsverhandlungen tendenziell zurückhaltender sind als Männer. Keine Ahnung, ob das stimmt oder nachweisbar ist. Aber auch Journalisten greifen diesen Aspekt auf:
    http://www.spiegel.de/karriere/gehaltsklage-gegen-zdf-wenn-es-doch-so-einfach-waer-kommentar-a-1132695.html

    Aus meiner Sicht und völlig unabhängig vom Geschlecht, würde aber auch dies eine Ungleichbezahlung nicht rechtfertigen. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich schon so alt bin, dass ich meine, dass Gleichbehandlung auch für jene durchgesetzt werden muss, die (aus welchen Gründen auch immer), diese nicht selbst für sich erstreiten können.

    Ich würde ja sagen, dass Journalisten oder mittlerweile auch viele andere Berufsgruppen aus dem akademischen Bereich, diesbezüglich was von den Arbeitern lernen können, die sich gewerkschaftlich organisieren und für gemeinsame verbindliche Lohnstrukturen kämpfen und streiken. Denn da können mitunter ganz unerwartete und spannende Koalitionen entstehen, die der gesellschaftlich ja doch erschreckend breiten neu-rechten Bewegung etwas Verbindendes und Verbindliches entgegensetzen könnten:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Britischer_Bergarbeiterstreik_1984/1985

    Aber in Zeiten, in denen selbst Gewerkschaften und linke Parteien Arbeitnehmer zu Bedingungen beschäftigen, die sie nach außen als unsozial verteufeln, ist dieser Gedanke nicht mehr, als verträumte Nostalgie…

  10. @schreibkraft
    „Einen Aspekt der Gender-Pay-Gap-Debatte habe ich erst durch Vertreter der Neuen Rechten erfahren: Dass Frauen bezüglich der Gehaltsverhandlungen tendenziell zurückhaltender sind als Männer. Keine Ahnung, ob das stimmt oder nachweisbar ist. Aber auch Journalisten greifen diesen Aspekt auf:
    http://www.spiegel.de/karriere/gehaltsklage-gegen-zdf-wenn-es-doch-so-einfach-waer-kommentar-a-1132695.html

    Aus meiner Sicht und völlig unabhängig vom Geschlecht, würde aber auch dies eine Ungleichbezahlung nicht rechtfertigen. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich schon so alt bin, dass ich meine, dass Gleichbehandlung auch für jene durchgesetzt werden muss, die (aus welchen Gründen auch immer), diese nicht selbst für sich erstreiten können.“

    Das heisst aber gleichzeitig dass Männer wieder Risiken eingehen und die höheren Gehälter erstreiten sollen. Während sich die Frauen zurück lehnen und den Rahm abschöpfen. Mal ganz davon abgesehen dass so die individuellen Leistungen weder gewürdigt noch anerkannt werden.

    Alter feministischer Wein in neuen Schläuchen.

  11. @Michael – #14

    „Das heisst aber gleichzeitig dass Männer wieder Risiken eingehen und die höheren Gehälter erstreiten sollen.“

    Keine Ahnung wo sie leben, bzw. arbeiten, aber auch wenn es schon ein bisschen länger her ist, habe ich doch schon ein paar Mal in meinem Leben gestreikt und befand mich dabei zu keinem Zeitpunkt nur unter Geschlechtsgenossen.

    „Während sich die Frauen zurück lehnen und den Rahm abschöpfen.“

    Hmm…, sie versuchen mir gerade schon zu erklären, dass Frauen ihre heutige Stellung im Sitzen, also untätig (aber immerhin nicht liegend, denn das wäre sexistisch) und nur durch die Lei(s)tung der Männer erreicht haben, oder irre ich mich da?
    Ich hege ja die Befürchtung, dass die Diskussion mit Ihnen fruchtlos endet, weil Ihnen das Konzept der Solidarität unbekannt ist und in Ihrer Gedankenwelt sich offensichtlich jeder nur dann für oder gegen etwas einsetzt, wenn er sich selbst davon betroffen sieht.
    Aber ich versuche es dennoch:
    Ich glaube, dass eine demokratische Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn die Interessen aller so gut es eben möglich ist, in die Gestaltung der Gesellschaft einbezogen werden. Alles andere mündet in Spaltung und einer Spirale, die demokratische Grundrechte, bzw. Menschenrechte nach und nach oder mit einem Knall einschränkt – ich denke, Deutschland oder vielleicht gar die westliche Welt befindet sich derzeit in einer solchen Spirale.

    „Mal ganz davon abgesehen dass so die individuellen Leistungen weder gewürdigt noch anerkannt werden.“

    Mal ganz davon abgesehen, dass gruppen- oder geschlechtsspezifische Schlechterstellung selten etwas mit der Leistung der Einzelnen zu tun hat, bedeuten z.B. verbindliche Tarifverträge keinen Einheitslohn und soziale Marktwirtschaft keinen Sozialismus, auch wenn Sie das dort, wo Sie vermutlich Ihre Informationen beziehen, bestimmt schon mal gelesen haben. Oder haben Sie schon mal irgendwo irgendwas von deutschen Unternehmen gehört, in denen z.B. die Angestellten in unteren und mittleren Führungsebenen das gleiche wie die Fließbandarbeiter verdienen? Ja, es gibt oder gab zumindest mal Unternehmen, bei denen transparent und für alle gültig, Zulagen nach Betriebszugehörigkeitsdauer festgelegt wurden und jetzt halten Sie sich fest, denn es wird Sie zutiefst erschüttern: Sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus kennt man etwas, das man Leistungsprämien nennt, die den Vorteil haben, dass man konkrete Leistung individuell belohnen kann und nicht darauf vertrauen muss, dass sich einzelne Leute auf vergangene Leistungen oder gar ihrem Gemächt…, äh Geschlecht ausruhen.

    „Alter feministischer Wein in neuen Schläuchen.“

    Erklären Sie das mal bitte den FeministInnen, die mich wegen des von mir vertretenen Gleichheitsprinzips schon als Chauvinist bezeichnet haben.

  12. Ich bin selbstständig (Bauingenieur); mit sehr guten (regelmäßigen) Kunden habe ich Rahmentarife, mit dem Rest rechne ich nach Stunden/Aufwand ab oder mache ein Pauschalangebot, dass sich auch nach dem Wert der Baumaßnahme richtet, worauf ich dann entweder den Auftrag kriege oder nicht.
    Es gibt eine Honorarordnung, aber wenn ich 1:1 das Geld haben wollte, was ich danach haben könnte, würde man sehr allgemein darüber lachen und sich wen anders suchen.

    Dafür mache ich die Arbeit, die ich will, und bin nicht weisungsgebunden, was für bestimmte Bereiche tatsächlich wichtig ist.
    Jetzt aber die Preisfrage: warum sollte ich wollen, dass jemand anderes von meinem Verhandlungs“geschick“ profitiert? Oder warum sollte jemand anderes meinen Preis übernehmen wollen? Wenn ich einem Stammkunden einen bestimmten Rabatt gewähre, will ich doch, dass der zu niemand anderen geht, und die anderen wollen bei einem möglicherweise einmaligen Kunden keine Superkampfpreise abgeben. Wenn ich ein ziemlich gutes Honorar vereinbart habe, will ich auch nicht, dass ein anderer das kriegt. Und wenn ich den Auftrag nicht bekomme, war ich zu teuer. Zur Preisgestaltung gehören übrigens auch Sachen wie Wiederholungsfaktor, Fahrzeit und andere Dinge, die wenig verhandelbar sind. Wenn ich einen Auftrag nicht kriege, weil ich mit zwei Stunden Fahrzeit kalkulieren muss und mein Mitbewerber mit einer, dann ist das so. Ich schätze mich bei Honorarverhandlungen übrigens eher zurückhaltend ein.

  13. @Mycroft – #16

    „Ich bin selbstständig (Bauingenieur); mit sehr guten (regelmäßigen) Kunden […] Jetzt aber die Preisfrage: warum sollte ich wollen, dass jemand anderes von meinem Verhandlungs“geschick“ profitiert?“

    Puh…, ich führe solche Diskussionen gern, aber ich fürchte, da bewegen wir uns dann stramm auf OT zu.

    In diesem Sinne sei gesagt, dass es im konkreten Fall des Journalismus so ist, dass Festeinstellungen höchstwahrscheinlich zugunsten freier Mitarbeiter zurückgefahren werden und einige offensichtlich auch in die freie Mitarbeit gedrängt wurden.
    Es gibt eine Reihe von Indizien, dass diese Entwicklung Qualitätsmängel begünstigt oder gar erzeugt – sie zu hinterfragen liegt also im öffentlichen Interesse.

    „Oder warum sollte jemand anderes meinen Preis übernehmen wollen?“

    Schöne Frage, die ich mit einer Gegenfrage beantworten möchte: Warum sollte ein Hartz IV-Empfänger (Wohnungsmarkt) oder ein Niedriglohnarbeiter (Arbeitsplatz) Solidarität für Flüchtlinge aufbringen, anstatt sie als Konkurrenz zu betrachten und AfD zu wählen? Warum sollten Unternehmer, die vom Binnenmarkt abhängig sind, der von der Reallohnentwicklung anders als die Exportwirtschaft nicht profitiert, nicht für Trumps Protektionismus jubeln?
    Sofern Sie sich nicht gänzlich sicher sind, dass Sie zu den Gewinnern jener Systeme gehören, die entsolidarisierte und gespaltene Gesellschaften so hervorbringen können, werden Sie merken, dass die Antwort auf ihre Frage lautet: Weil man sich zur Sicherung des eigenen Überlebens in aller Regel irgendwie mit seinen Mitmenschen auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss.

    Wobei mir bewusst ist, dass meine aus meiner Lebenswirklichkeit resultierende Grundhaltung nicht auf Ihre Lebenswirklichkeit übertragbar ist und umgekehrt ginge das wohl auch nicht lange gut.
    Aber so ein bisschen kant’scher kategorischer Imperativ täte dieser neoliberalen Gesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist, ja schon nicht schlecht.

  14. Ja klasse, sie argumentieren dass die besseren Gehaltsabschlüsse die sich Männer individuell für sich verhandeln auf alle Arbeitnehmer umgerechnet werden sollen und ich behaupte angeblich, dass die Frauen die ganze Zeit nur auf ihren Hintern sitzen und warten, aber HALLO!!!

    Solidarität ist ein tolles Prinzip, dafür gibt es z.B. die Tarifverträge. Das war ja auch hier das Problem, die Zeitarbeiter und Festangestellten werden unterschiedlich entlohnt und haben unterschiedliche Tarifverträge. Wenn es auf eine Angleichung dieses Problems rauslaufen würde, ginge ich D’Accord. In der Wirtschaft, außerhalb von Arbeitgebern wie z.B. dem gebührenfinanzierten ZDF (im Endeffekt Ö.D.) betrifft das Problem zum größten Tei MÄNNER!

    In diesem Fall hat sich aber die Subgruppe der weiblichen festen Freien als Opfer hingestellt (man könnte meinen die Nummer wäre geplant gewesen, so wie der Blätterwald da geraschelt hat) und damit von ihren männlichen Kollegen entsolidarisiert die genauso unter den prekären Verhältnissen.
    Zeitarbeiter werden schlechter entlohnt für die gleiche Arbeit (das ist z.B. vergleichbar) wie festangestellte, können sich nicht dagegen wehren und das ist ungerechter Bullshit. Ist das so schwer?

    Ich bin auf ihr Beispiel eingegangen dass Männer härter und riskanter verhandeln (hier kann Mann schließlich auch scheitern und im Betrieb nachhaltig anecken).
    Männer neigen auch eher dazu ihr Gehalt vom persönlichen Erfolg abhängig zu machen (Boni statt Festgehalt http://www.taz.de/!457997/) und Männer leisten den Großteil der Überstunden. https://allesevolution.wordpress.com/2016/09/10/ueberstunden/
    Das sind leider Schätzwerte. Ich hätte gern mal eine ähnlich gute Datenbasis für Leistungszulagen und Überstunden für die Gehaltsstatistik. Ich weiß nicht ob dann überhaupt noch ein Unterschied rauskommt oder nicht die Frauen sogar besser verdienen, darauf lassen zum. Zahlen aus den USA schließen. Immerhin ist die jetztige Frauengeneration < 40 besser ausgebildet als die Männer im gleichen Alter. Selbst deStatis sagt dass die 8% die Obergrenze sind und diese bei besserer Datenbasis noch weiter sinken wird.
    Und ja wenn dann argumentiert wird, dass dann am Ende doch alle wieder gleich verdienen sollen, dann frage ich mich welches Solidaritätsprinzip dahinter wieder stecken soll.

    Aber es wird ja auch nicht beachtet. Sie haben selbst geschrieben dass die "neuen Rechten" sie auf die Sache mit dem Verhandlungen gebracht haben. Das sind aber seit Jahrzehnten verfügbare Daten von stinknormalen, neutralen Forschern.

    Was die Solidarität angeht, wo bleibt eigentlich die solidarische Warnung der Journalisten an die jetzt jungen in Schule oder beim Studienbeginn sich vielleicht doch nicht für die Branche zu entscheiden wenn es da so schlimm ist? Täte den ANs und damit der Branche vielleicht gut wenn mal ein paar Jahrgänge Praktikanten fehlen.

    "Sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus kennt man etwas, das man Leistungsprämien nennt, die den Vorteil haben, dass man konkrete Leistung individuell belohnen kann und nicht darauf vertrauen muss, dass sich einzelne Leute auf vergangene Leistungen oder gar ihrem Gemächt…, äh Geschlecht ausruhen. "
    Richtig, das gilt auch heute noch. Nur gibt es Sektoren wo nicht nach Leistungsprinzip sondern nach anderne Kritierien bezahlt wird… der ZDF scheint so was zu sein.
    Glauben Sie eigentlich auch, dass Männer nur deswegen mehr verdienen, weil sie Männer sind?

    Ich verfolge die GPG-Diskussion jetzt seit 10 Jahren bewusst und im Endeffekt wird hier nur Ruhe einkehren (das Problem gelöst sein) wenn eins der folgenden eintritt.
    1. Männer und Frauen gleichen sich im Verhalten an. D. h. Männer arbeiten weniger, wählen die Karriere entsprechend der Neigung und nicht primär um Geld zu verdienen, machen vielleicht häufiger den Hausmann und schicken ihre Frau zum Brötchen verdienen. Das ergänzt sich damit dass Frauen im Verhalten männlicher, härter und fordender werden. Ich denke dass sich dann die 5 Jahre Unterschied in der Lebenserwartung ebensfalls noch weiter angleichen werden.
    2. Bundesweit werden einheitliche Gehälter vorgeschrieben.
    3. Journalisten, Feministinnen und Politiker erkennen endlich an dass eine Kennzahl wie 8% oder 22% eben nur eine Zahl ist die sich aus zig Faktoren bildet zu denen auch Entscheidungen gehören, die mal frei und mal von den Umständen bestimmt werden, denen einzelen Individuen unterworfen sind.

    Da wir hier im Kapitalismus leben (soziale Marktwirtschaft, der ist gut!) tippe ich auf ersteres. Da genannte Gruppen sich Karrieren auf den 22% aufbauen halte ich drittens für unwahrscheinlich. Für zweitens bräuchte man wohl was anders als Mutti und ihren Verein zur Förderung der dt. KonzernerbInnen.

    Vielleicht auch ein kleinse Detail noch zu den statistischen Werten:
    Die Entscheidungen die die Männer für sich bei der Karriere treffen und die Riskanter dafür aber lukrativer sind, werden nicht von ein paar wenigen 100 Arbeitnehmern getroffen sondern von 100.000en der ca. 10 Millionen Arbeitnehmer. Die wirken sich natürlich auf auf das Endergebnis aus (die 8%).
    Genauso wie die mehreren Jahre Babypause je Frau mit hauptverantwortlich für die ursprünglichen 22% sind.

  15. Solange dem Hartz-IV-Empfänger sein Hartz-IV nicht gekürzt wird, oder er seine Wohnung zugunsten von Flüchtlingen verlassen muss, kann es ihm egal sein. Ob es ihm wirklich egal ist, oder ob er AfD wählt, oder ob er sich doch mit Flüchtlingen solidarisiert, hängt von allen möglichen Faktoren ab.
    Sinngemäß gilt dasselbe für Trump; wenn der irgendetwas macht, was mir indirekt zugute kommt, ist nicht alles, was er macht, gut für mich.

    Es ist tatsächlich für _meine Kunden_ gut, dass ich unabhängig bin.
    Soll ich mit konkurrierenden Büros Preisabsprachen treffen und das dann Solidarität nennen? Ich lebe nach Prinzipien, von denen ich mir wünschen kann, dass auch meine Konkurrenz das tut; ergo gem. Kants kategorischen Imperativ.

    Medienbeispiel, um die Kurve OnT zu kriegen: Wenn Übermedien von festangestellten ÖR-Mitarbeitern betrieben würde, müsste man auch als jemand, der „Lügenpresse“ für ein reines Schimpfwort hält, das doch etwas suspekt finden. Selbst, wenn hier mal ab und zu ein ZDF-kritisches Feigenblatt auftaucht, oder? Diese Unabhängigkeit und daraus resultierende Glaubwürdigkeit, bzw., dieser Vertrauensvorschuss, den ich als Leser vorstrecke, ist nur möglich, weil die Hausherren selbstständig sind. (Und auch nicht ab und zu einen diskreten Koffer mit Mainzelmännchen-Aufdruck voller Geld zufällig vor ihrer Bürotür finden…)

    Trotzdem kann es sein, dass „Feste Freie“ abgezockt werden. Und weibliche „Feste Freie“ mehr als männliche.

  16. Zum Thema Solidarität muss ich mich aber noch detailiert auslassen! Ich beschreibe mal wie ich die Aktion der ZDF-Reporterin, ihres Anwalts und der organisierten Empörung durch die Kolleginnen aus Solidaritätsgesichtspunkten sehe:

    (1) Es ist unsolidarisch wenn die weiblichen Festen Freien daraus ein Frauenproblem machen, wenn doch alle Festen Freien (ich will jedes mal feste Freier schreiben) des ZDF gegenüber ihren angestellten Kollegen schlechter entlohnt werden.
    Freie sind aber nicht angestellt, sie sind Selbstständige! Im Endeffekt sind das IchAG-Zeitarbeiter. Worst of both worlds.
    Es trifft ein Überangebot von Dienstleistern auf eine überschaubare Anzahl von Kunden. Natürlich können die dann Dienstleistungspreise diktieren, denn es wird immer jemanden geben der froh ist Arbeit zu haben! Dafür gibt es aber in jeder Branche Beispiele, Pflegedienstleister und Webentwickler fallen mir da spotan ein. Wenn sich die Journalisten als besonders betroffen darstehen ist dass zusätzlich noch unsolidarisch all den anderen Berufsgruppen gegenüber!

    (2) Es ist unsolidarisch gegenüber den männlichen festangestellte Kollegen, diese als überbezahlt darzustellen. (Eine der Deutungsmöglichkeiten des Subtext hinter dem Gender-PayGap!)
    Das ist auch meine Meinung zum GPG im allgemeinen und im besonderen wie dt. Journalistinnen damit umgehen, vollkommen befreit davon was statistische Kennzahlen bedeuten und wie sie erhoben werden. Das auch ständig ignoriert wird, das selbst das Bundesamt für Statistik sagt dass die restlichen 8% sich wohl auch erklären lassen, aber schlicht die Datenbasis fehlt, ist noch so ein Thema. Als Statistiker seine Arbeitsergebnis von Journalisten verhackstückt zu sehen ist wohl ein bisschen wie das handaufgezogene Lämmchen dann am Ende beim Metzger. *

    (3) Es ist unsolidarisch gegenüber den Konsumenten, die seit Monaten bei dem Thema für dumm verkauft wurden. Ich hab mich allerdings von Anfang an gefragt, wie dass ausgerechnet bei Tarifverträgen bei einem Arbeitsgeber in öffentlicher Hand wie dem ZDF sein kann.

    (4) Das einzig Solidarische, dass ich an dieser Aktion sehe, ist dass vielleicht ein paar jungen Schülern und Studenten so bewusst wird, dass jahrelange Praktika im Medienbereich wahrscheinlich zu nix führen. Wenn sich diese dadurch eine andere Branche zuwenden ist viel gewonnen! Ich fände es toll wenn die Damen ihre 1er Abiture mal in die MINT Fächer tragen würden, anstatt sie mit IMM (Irgendwas-mit-Medien) zu verschwenden um später Meldungen von Presseagenturen aufzuhübschen oder erstmal 5 Jahre in Praktikas zu versauen.

    Ein Aspekt der mir die ganze Zeit im Hirn rumspukt… wieviel von ihrer Zeit bringen diese festen Freien eigentlich für den ZDF auf. Reden wir hier schon wieder von Scheinselbstständigkeit? Das wiederrum wär mal ein Grund gewesen dem ZDF genauer auf die Finger zu sehen wegen Betrug am Solidarsystem!

    *Zitat Bundesamt für Statistik:
    „Durch die genannten Ursachen können rund zwei Drittel des Unterschieds in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten erklärt werden. Das verbleibende Drittel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2010 pro Stunde 7 % weniger als Männer.

    Hier muss berücksichtigt werden, dass der ermittelte Wert eine Obergrenze ist. Er wäre geringer ausgefallen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten, wie vor allem Angaben zu Erwerbsunterbrechungen.“
    https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/03/PD16_097_621.html
    Also selbst ohne die Babypausen, kommt man schon auf 7% runter. Das waren mal 4 Jahre. Das übergehen Reporter ganz gerne.

  17. @Mycroft – #19

    „Solange dem Hartz-IV-Empfänger sein Hartz-IV nicht gekürzt wird, oder er seine Wohnung zugunsten von Flüchtlingen verlassen muss, kann es ihm egal sein.“

    Warum „für Flüchtlinge verlassen“? Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Hartz-IV-Empfänger sich eine neue Wohnung suchen müssen: Gentrifizierung, Krankheit, Trennung, Kind zieht aus (Wohnfläche zu groß + Miete über Höchstsatz), Räumungsklage, marode Bausubstanz uvm. Übrigens, man mag es kaum glauben, haben Arbeitslose – wie jeder andere Bürger auch – das Grundrecht ihren Wohnort frei zu wählen.
    Wer zusätzlich zur Arbeitslosigkeit SCHUFA-Einträge hat, bekommt zudem grundsätzlich Probleme, überhaupt eine Wohnung zu finden.
    Allein in Berlin leben 11000 bis 17000 Obdachlose in sogenannten Übergangswohnheimen (offizielle Statistiken gibt es nicht), auch, weil man mit einer solchen Meldeadresse einen weiteren Minuspunkt bei Vermietern hat. Soweit ich weiß, ziehen (ohne Flüchtlinge) jährlich rund 40000 Menschen nach Berlin und Sie wollen mir ernsthaft erzählen, dass Unterschicht und Flüchtlinge auf dem Wohnungsmarkt nicht in Konkurrenz zueinander stehen?

    Was Hartz IV angeht, so sind die Jobcenter auch jetzt schon in großen Städten oftmals überlastet, was dazu führt, dass Anträge mehrere Monate nicht bearbeitet werden.
    Bei den Jobcentern gibt es ein begrenztes Budget für mal mehr mal weniger sinnvolle Fortbildungen und – man glaubt es kaum – mitunter auch Jobs für Geringqualifizierte.
    Wenn ich mich recht entsinne, lauten offizielle Schätzungen, dass 1/3 der Flüchtlinge mittelfristig einen (im Durchschnitt wohl keinen hochqualifizierten) Job finden wird – Personal von Eingliederungsprojekten ist da teils zurückhaltender.
    Und hat Ihnen die Kanzlerin der schwarzen Null denn bislang schon verraten, wie die höheren Kosten für die sozialen Sicherungssysteme finanziert werden?

    „Ob es ihm wirklich egal ist, oder ob er AfD wählt, oder ob er sich doch mit Flüchtlingen solidarisiert, hängt von allen möglichen Faktoren ab.“

    Schön, dass Sie meinen, für IHN sprechen zu können.
    So weit würde ich jetzt nicht gehen, dass ich für die Unterschicht sprechen wollen würde, aber als jemand der darin aufgewachsen ist und den Großteil seines Lebens darin verbracht hat, vertraue ich bei meiner Einschätzung lieber den Stimmen aus meinem sozialen Umfeld. Ihre Anmerkung zur Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt und Hartz IV ermuntert mich nicht zu der Annahme, dass Sie viele Unterschichtler kennen, die Ihnen einen offenen Einblick in ihre Lebens- und Gedankenwelt offenbaren.

    Darf ich fragen, was Sie glauben, welche Wirkung Ihre Sicht- und Darlegungsweise auf jene Menschen hat, die man dieser Tage als Modernisierungsverlierer bezeichnet und die man in Politik und Medien als wichtige Wählergruppe der AfD betrachtet?

    „Wenn Übermedien von festangestellten ÖR-Mitarbeitern betrieben würde, müsste man auch als jemand, der „Lügenpresse“ für ein reines Schimpfwort hält, das doch etwas suspekt finden. Wenn Übermedien von festangestellten ÖR-Mitarbeitern betrieben würde, müsste man auch als jemand, der „Lügenpresse“ für ein reines Schimpfwort hält, das doch etwas suspekt finden. Selbst, wenn hier mal ab und zu ein ZDF-kritisches Feigenblatt auftaucht, oder?“

    Trollen Sie mich gerade?
    1) Weil feste Freie Übermedien machen, sollen Festangestellte Freie werden, damit es mehr Übermedien gibt? Nicht ihr Ernst, oder?
    2) Sofern ein eigenes Projekt oder eine zusätzliche Tätigkeit durch einen festen Arbeitsvertrag oder Interessenkonflikt nicht möglich ist, muss der Arbeitnehmer sich entscheiden. Normal, oder?
    3) Ob feste Freie glaubwürdiger sind dürfte dem individuellen Urteil der Leser obliegen. Mir persönlich reicht die Transparenz durch Offenlegung.

    Aber darum ging es nicht. Im Artikel geht es um Ungleichbezahlung. Ob zwischen Männern und Frauen, wurde nicht geklärt, aber wohl zwischen Festen und Freien.
    Ich verwies auf mögliche Schieflagen in den Tarifverträgen (die einige Bereiche/Verlage nicht abdecken), Qualität, Informationsunterdrückung, Kündigen eines Betriebsrats und noch einiges mehr.

    Sie sind selbständiger Bauingenieur, bei dem alles gut läuft und der die freien Übermedien toll findet, weshalb man den Gesamtkomplex bitte nicht hinterfragen soll.

    Mag ich mit all dem noch so auf dem Irrweg sein, Ihren um ihre eigenen Vorteile kreisenden Argumentationen werde ich nie folgen können.

  18. @Michael – #18

    Ich hatte zum Zeitpunkt Ihres Einstiegs mit Mycroft im Kontext zum Artikel diskutiert, als Sie einstiegen. Laut Artikel (und Spiegel, s. Link) klagte eine Frau gegen Ungleichbehandlung gegenüber Männern, es liegt jedoch nahe, dass diese auch aus Unterschieden zwischen festen und freien Mitarbeitern hervorgegangen sein könnte.
    Es gibt im Medienbereich, wenn ich das richtig verstehe, zwei unterschiedliche Tarifverträge, die von unterschiedlichen Interessensvertretungen für diese beiden Gruppen verhandelt wurden – dazu kommen Verlage und Bereiche und eben die festen Freien, die keiner Tarifbindung unterliegen.
    In diesem Zuge schwärmte ich auch nostalgisch von Solidarität und einem gemeinsamen Eintreten ALLER Journalisten für einen besseren, gemeinsam erkämpften Vertrag.

    Mit Blick auf die reale Situation (freie feste Autorin vs. Festangestellte) als auch auf meinen nostalgischen, gemeinsamen Arbeitskampf, erschien mir folgende Passage aus Ihrem Sprung in die Diskussion chauvinistisch:
    „Das heisst aber gleichzeitig dass Männer wieder Risiken eingehen und die höheren Gehälter erstreiten sollen. Während sich die Frauen zurück lehnen und den Rahm abschöpfen.“

    Las sich in „meinem“ Kontext wie das Gebelle von Leuten, die in einer Mischung aus Zurück-an-den-Herd-Nostalgie und Anti-Feminismus im Internet gegen Gleichstellung der Frau wettern, aber war nur eine absurde Kommunikationsstörung, die das Zeug zum einem Loriot-Sketch hätte.

    Entschuldigung dafür! Ich habe in den letzten Jahren sowohl im Netz als auch im realen Leben schon zu oft mit solchen Leuten zu tun gehabt und habe zum Sparen von Zeit und Schonen der Nerven mit Zynismus ein vorzeitiges Ende herbeiführen wollen.

  19. @Schreibkraft, #21:
    Ich meinte da schon den (soweit ich weiß bis dato hypothetischen Fall), dass Hartz-IV-Bezieher eine Wohnung räumen müssen, um Flüchtlingen Unterkunft zu bieten. Weiterhin habe ich das bis dahin schon so verstanden, dass Hartz-IV-Empfänger den Wohnort frei wählen dürfen, Asylsuchende aber nicht.
    Es gibt sicher Gründe, warum jemand Flüchtlinge als Konkurrenz sieht, aber es ist kein Automatismus, dass Hartz-IV-Bezieher immer gegen Flüchtlinge sind. Ich nehme aber nicht in Anspruch, für irgendwen anders zu sprechen, als mich selbst. Wenn Ihrer Erfahrung nach, oder noch besser, repräsentativen Umfragen nach das so ist, ok.

    Weiterhin habe ich nicht gesagt, dass es immer das bessere ist, selbstständig zu sein, sondern nur, dass es nachvollziehbare Gründe gibt, kein Angestelltenverhältnis anzustreben. Klar _muss_ sich der Arbeitnehmer entscheiden, wenn der Arbeitgeber sagt: „Ich verbiete Ihnen, Übermedien als Nebentätigkeit zu betreiben.“ Die Wahl steht zwischen: „Übermedien + Selbstständigkeit“, „Angestelltenverhältnis + kein Übermedien“ oder „Arbeitgeberwechsel + vllt. Übermedien“.
    Dass Ihnen die Offenlegung: „Wir sind festangestellte ZDF-Mitarbeiter.“ bei jedem Bericht reichte, der sich mit dem ZDF und/oder dessen Konkurrenz befasst, ist ja schön.

    Der Grund, warum ich darauf herumreite ist der, dass es möglich ist, dass die Klägerin keine Feste Feste wurde, weil sie das so _wollte_. Im Unterschied dazu, dass sie das schon wollte, aber nicht genommen wurde, oder dazu, dass das ZDF dergleichen so sehr erschwert, dass sie es gar nicht versuchte. In den letzteren beiden Fällen kann das sexistische Gründe haben.

    Zur Ihrer Frage: Ich weiß nicht, welche Wirkung meine Sicht- und Darlegungsweise auf „Modernisierungsverlierer“ haben mag. Vermutlich solche Reaktionen wie: „Mycroft, Du Depp, halt die Klappe!“ oder so.

  20. @ Mycroft – #23

    Da ich gerade schwer beschäftigt bin (kein Witz: bislang erfolglose Wohnungssuche als HARTZ IV-Empfänger und Zuverdienst als Autor erwirtschaften), noch schnell eine letzte Antwort von mir zu diesem Thema.

    „Weiterhin habe ich das bis dahin schon so verstanden, dass Hartz-IV-Empfänger den Wohnort frei wählen dürfen, Asylsuchende aber nicht.“

    Ich will da nicht noch viel länger darauf herumreiten, aber Flüchtlinge werden auch jetzt schon in den Regionen auf Wohnungen verteilt und früher oder später, wenn die Integration erfolgt, wird auch die Aufenthaltspflicht fallen. Beides ist gut und richtig, denn in Heimen zu wohnen, aus denen man aus eigener Kraft nicht rauskommt, ist schlichtweg scheiße und niemandem zu wünschen. Aber es schafft Konkurrenz und es wäre wichtig, diese im Sinne unserer Gesellschaft und der Demokratie diese spaltende Situation so gut und schnell es geht, zu mindern, bzw. zu beseitigen. Das war letztlich mein Anliegen bei der Diskussion zu diesem Thema.

    „Weiterhin habe ich nicht gesagt, dass es immer das bessere ist, selbstständig zu sein, sondern nur, dass es nachvollziehbare Gründe gibt, kein Angestelltenverhältnis anzustreben.“

    Stimmt, meine Reaktion darauf war vielleicht auch deshalb so wortreich, weil ich nie in Abrede gestellt habe, dass es nicht auch Journalisten gibt, die gern, aus Überzeugung und/oder zum eigenen Vorteil freie oder feste Freie sind.
    Mir ging es um den Aspekt des Arbeitsrechts und um die Gründe und Folgen einer Umstrukturierung der Arbeitsverhältnisse.

    Zwei aus unterschiedlichen Perspektiven erfolgte Betrachtung eines Themas. Eigentlich ja eine durchaus interessante und im besten Fall für beide Seiten lehrreiche Sache – weshalb ich solche Diskussionen auch gern führe.

    „Dass Ihnen die Offenlegung: „Wir sind festangestellte ZDF-Mitarbeiter.“ bei jedem Bericht reichte, der sich mit dem ZDF und/oder dessen Konkurrenz befasst, ist ja schön.“

    Na ja, vielleicht werde ich mit der Zeit genügsam, weil selbst Offenlegungen (wie hier bei Übermedien) eher Ausnahme als Regel sind.

    Zur Ihrer Frage: Ich weiß nicht, welche Wirkung meine Sicht- und Darlegungsweise auf „Modernisierungsverlierer“ haben mag. Vermutlich solche Reaktionen wie: „Mycroft, Du Depp, halt die Klappe!“ oder so.

    Nun ja, die Wirkung Ihrer Sicht- und Darlegungsweise war vermutlich ein nicht unwesentlicher Grund dafür, dass man meine stellenweise sicherlich mit spitzer Feder geführte Diskussion tatsächlich im weitesten Sinne als „Mycroft, Du Depp, halt die Klappe!“ deuten könnte. Ich schließe nicht aus, ihren Diskussion durch meine Zuspitzungen in ähnlicher Weise beeinflusst zu haben.

    Wenn wir uns darauf einigen können, dass wir durch Polarisieren der unterschiedlichen Standpunkte ein klar erkennbares Diskussionsfeld abgesteckt haben, auf dem wir bei künftigen Diskussionen gemeinsam schauen können, wo denn ungefähr für alle Beteiligten der soziale Frieden zu finden ist, war unser rhetorischer Grabenkampf alles andere als sinnlos.

    In diesem Sinne: Gern bald mal wieder.

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