Die Brüllspirale

Die schlimmen Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderen Städten haben etwas Gutes: Endlich darf man in Deutschland über die Probleme mit Ausländern berichten, über ihre Kriminalität und ihre Gewalt. Das war ja seit vielen Jahren, ach was: Jahrzehnten ein Tabu in deutschen Medien.

So ist es derzeit an vielen Stellen zu hören, erstaunlicherweise gerade auch von Vertretern eben jener Medien. Der scheidende „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz etwa fragte am vergangenen Wochenende in seinem Newsletter rhetorisch:

War es nicht mindestens ein Jahrzehnt lang gepflegter gesellschaftlicher Konsens, über Gewalt durch Ausländer weder zu reden noch angemessen zu berichten?

Nun, vielleicht beantwortet diese Presseschau vom Jahreswechsel 2007/2008 seine Frage:

auslaender

Ob diese Berichterstattung „angemessen“ war, darüber kann man sicher streiten. Nach einem Redeverbot sieht das allerdings eher nicht aus.

Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wirft Politik, Polizei und Medien jetzt vor, ein „Schweigekartell“ gebildet zu haben, was den „Migrationshintergrund von Tätern“ angeht. Sein Nachfolger Thomas de Maizière warnt vor einer „Schweigespirale“. Berthold Kohler, der Politik-Herausgeber der FAZ, schreibt in einem Leitartikel am 9. Januar dieses Jahres davon, dass diese „Schweigespirale“ „politisch gewollt“ gewesen sei, „und zwar schon seit Jahrzehnten“.

Trotzdem diskutierte Anfang 2008 das ganze Land über „kriminelle Ausländer“, ausgelöst durch mehrere gewaltsame Attacken in öffentlichen Verkehrsmitteln, benutzt durch den damals wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, befeuert durch die „Bild“-Zeitung.

Und obwohl „Bild“, natürlich, in Kategorien wie Lautstärke, Einseitigkeit und Penetranz Maßstäbe setzte, nahm die Diskussion auch in anderen Medien breiten Raum ein. Wie etwa im „Spiegel“, der ihr einen Titel widmete:

Spiegel 2/2008

„Spiegel“ 2/2008

Darin befasste sich das Nachrichtenmagazin ausdrücklich auch mit der Tatsache, dass es die beiden Männer, die einen Pensionär in München zusammengeschlagen und getreten hatten, Ausländer waren. Es erkundete viele Faktoren, die zur Gewalt junger Männer führen, und blendete auch diesen nicht aus:

In Berlin betrug 2006 der Anteil von Migrantenkindern bei der Jugendgruppengewalt 44,7 Prozent, eine Auswertung von 138 Intensivtätern zwischen Mai und September 2004 ergab dort einen Anteil von fast 80 Prozent. Baden-Württemberg meldete einen Anteil von 45,9 Prozent Migrantenkindern an den Intensivtätern – zuzüglich 17 Prozent Aussiedlern unter den deutschen Tatverdächtigen. Bremen gibt den Anteil der Intensivtäter mit Migrationshintergrund mit 56 Prozent an, Städte wie Nürnberg meldeten 60 Prozent.

Die Erkenntnisse über den wachsenden Anteil der Migrantensprösslinge an der Gewaltszene haben bei den Innenministern Unruhe ausgelöst. Wenn nicht schnell Rezepte gefunden werden, die Infektion der Zuwanderer und ihrer Familien mit der Gewaltseuche zu stoppen, droht eine Explosion. Eine neue Youth Bulge und den Ansturm zorniger junger Männer auf die größte Industrienation Europas prophezeien die Experten den Innenchefs der Länder: Ab 2010 sei für viele Großstädte ein Anteil von unter 40-jährigen Zuwanderern an der Wohnbevölkerung von rund 50 Prozent zu erwarten.

Auch der „Stern“ fragte damals in einem großen Bericht, warum so viele junge Gewalttäter ausländische Wurzeln hätten:

Türkische Jugendliche, sagt der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer, haben oft eine Machismo-geprägte Erziehung. Kommt ihnen jemand quer, nehmen sie die Pose des Kämpfers ein. (…)

Gerade hat Pfeiffer im Münchner Stadtrat die Ergebnisse einer Langzeitstudie vorgestellt. In mehreren Städten waren über Jahre hinweg Tausende von Jugendlichen befragt worden. Das Ergebnis: „Die Schere im Gewaltverhalten zwischen Deutschen und Nichtdeutschen wächst.“ Besonders deutlich ist der Unterschied bei Mehrfachtätern. Ihr Anteil unter den nichtdeutschen Jugendlichen ist doppelt so hoch wie unter den deutschen. Als Mehrfachtäter gilt, wer mindestens fünfmal in einem Jahr gewalttätig geworden ist. Und in München ist laut Pfeiffer jeder fünfte männliche türkische Jugendliche ein Mehrfachtäter.

Zweieinhalb Jahre später, im Herbst 2010, führte das Land, in dem man angeblich nicht offen über die Probleme mit Ausländern diskutieren kann, eine heftige, raumgreifende Debatte über die Thesen, mit denen Thilo Sarrazin die Probleme mit Ausländern erklärte. Der „Spiegel“ veröffentlichte einen Vorabdruck aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“.

Die Arbeit der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich im Sommer 2010 das Leben nahm, war immer wieder Thema in den Medien. Sie hatte das „Neuköllner Modell“ mitinitiiert, das jugendliche Straftäter schneller verfolgen wollte. Dass es dabei oft um Migranten ging, war immer Thema. Heisig sprach unter anderem auf Elternabenden gezielt türkische und arabische Mütter und Väter an.

Gab es ein Tabu, die Herkunft von Tätern und Tätergruppen zu nennen? Als die FAZ im September 2014 über die sogenannten „Antänzer“ berichtete, die Menschen in großem Stil bestehlen, stand in dem Artikel auch der Satz:

Überwiegend Nordafrikaner verübten die „Antanz“-Delikte, heißt es in Polizeipräsidien. Manche seien noch nicht lange in Deutschland, doch das „Antanz“-Wissen werde schnell weitergegeben.

In der „Leipziger Volkszeitung“ hieß es zum selben Thema ein paar Monate zuvor:

Nach Aussagen der Betroffenen agieren die Diebe einzeln oder zu zweit. Übereinstimmend werden sie als Männer südländischen Typs beschrieben, berichtet die Polizei.

Auch die Kriminalität arabischer Großfamilien soll ein Tabu gewesen sein. „War es nicht üblich“, fragt „Focus“-Mann Ulrich Reitz, „die Herrschaft arabischer Clans über ganze Stadtteile, verharmlosend ‚Parallelgesellschaft‘ genannt, einfach hinzunehmen?“

Zumindest die Medien haben diese „Herrschaft“ weder akzeptiert noch totgeschwiegen. Die Berliner „B.Z.“ arbeitet sich intensiv (und gelegentlich verlustreich) an der Familie der Abou-Chakers ab. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete jahrelang über die Machenschaften der Osmani-Familie in der Stadt („Über den Aufstieg und Fall der Osmani-Brüder, die einst arm vom Balkan nach Hamburg kamen“).

Die Berliner Abonnementzeitungen berichten regelmäßig über die Aktivitäten krimineller arabischer Clans – und nennen sie auch so. „Ein Dutzend arabischer Großbanden betreibt seine Machenschaften in Berlin“, titelt die „Berliner Morgenpost“. „Eine neue Studie fördert Beunruhigendes zutage zu den Aktivitäten krimineller arabischer Clans“, meldet der „Tagesspiegel“. Der „Berliner Kurier“ brachte 2013 eine ganze Serie über die „Verbrecher-Clans von Berlin“ und die „Schattenwelt der Araber-Clans“.

Der „Stern“ brachte 2011 ein großes Stück über die Miri-Familie unter der Überschrift:

Die Bremer Stadt-Mafia

Wie ein Clan aus dem Nahen Osten Polizei und Justiz narrt. Ein Lehrstück über Bandenkriminalität und verfehlte Ausländerpolitik

Der „Spiegel“ klagte im selben Jahr unter dem Titel „Allahs Richter“, dass islamische Friedensrichter den Rechtsstaat unterliefen: „Ihre Gerichtssäle sind Moscheen, und ihr Gesetz ist die Scharia.“ Die „Zeit“ berichtete in einer Reportage 2013 über „Das Gesetz der Clans“ – Untertitel: „Kriminelle Großfamilien aus dem Libanon regeln in Deutschland Konflikte auf ihre eigene Art. Wie kann der Rechtsstaat reagieren?“

Es ist merkwürdig, all diese Beispiele einzeln aus den Archiven zu kramen, wenn eigentlich schon die Erinnerung an die großen Debatten (Rütli-Schule! Thilo Sarrazin! Roland Koch! Ende der 90er Jahre schon der „Fall Mehmet“!) genügen müsste, um die Behauptung, die Medien hätten jahre- oder jahrzehntelang Kriminalität von Ausländern verschwiegen, als Mär abzutun.

Und doch befeuern gerade Medien selbst diesen Eindruck, wie Georg Anastasiadis, der stellvertretende Chefredakteur des „Münchner Merkur“, der in einem Kommentar behauptete, „Köln“ habe „alles geändert“. Erst seit dem Bekanntwerden der Übergriffe in der Silvesternacht, schrieb er, täten Journalisten

wieder, wozu sie da sind: Sie schauen hin, greifen Ängste der Bürger auf und berichten über Gewaltausbrüche auch dann, wenn die Täter nicht als rechter Mob daherkommen, sondern sich unter Schutzsuchenden in Flüchtlingsheimen verbergen.

Und vorher nicht? Die Nachrichtenagentur dpa veröffentlichte zum Beispiel am 30. November 2015, einen Monat vor „Köln“, eine Meldung mit dem Titel: „Schlägereien unter Flüchtlingen: Wie beugen die Bundesländer vor?“

Berlin, Sachsen-Anhalt, Hessen, Schleswig-Holstein – vier Länder, fünf Flüchtlingsunterkünfte, in denen es über das Wochenende zu Schlägereien gekommen ist. Wie kann die Gewalt vermieden werden?

Berlin (dpa) – Gewaltsame Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften sorgen seit Monaten für politische Diskussionen. So löste die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Ende September eine Debatte über eine getrennte Unterbringung von Flüchtlingen nach Herkunft und Glauben aus. Auch eine gesonderte Unterbringung von Frauen wurde ins Gespräch gebracht. All dies blieb unter Hinweis auf die angestrebte Integration der Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht unwidersprochen. Welche größeren Vorfälle gab es, und was unternehmen die betroffenen Bundesländer zur Prävention? Die Deutsche Presse-Agentur hat nachgefragt.

Eine „Debatte“? „Politische Diskussionen“? Dabei herrschten doch damals, wie der Mann vom „Münchner Merkur“ sagt, „Denkverbote“, die erst jetzt abgestreift würden!

Natürlich hat die Silvesternacht in Köln die Art verändert, wie über Flüchtlinge und Migranten berichtet und geredet wird. Zum Beispiel wird seitdem, befeuert durch konservative Publizisten, nicht mehr gefragt, ob die Herkunft von Straftätern oder Verdächtigen genannt werden darf – sondern ob sie genannt werden muss.

In einer Mischung aus politischem Kalkül, populistischem Druck und journalistischer Selbstkritik entsteht gerade der Eindruck, dass über Gewalt von Ausländern in Deutschland bis zur Silvesternacht nicht geredet werden durfte und nicht berichtet wurde. Dieser Eindruck ist – bei allen Fehlern, die passiert sein mögen – falsch.

Richtig ist, dass die Probleme von und mit Migranten immer wieder Thema waren. Dass es trotz des Pressekodex, der davor warnt, dass die Erwähnung der Herkunft eines Verdächtigen oder eines Täters Vorurteilen über Minderheiten schüren könnte, breite Diskussionen über Kriminalität in bestimmten Gruppen von Zuwanderern gab.

Entscheidungen der Politik, die als Versuch wahrgenommen wurden, eine offene Diskussion zu verhindern, wurden öffentlich kritisch diskutiert, so etwa auch der Beschluss des Berliner Senats, eine Studie über „Kriminelle Angehörige arabischstämmiger Clans“ nicht zu veröffentlichen. All das ist Thema, nicht erst seit Silvester.

Wer die vielfache, vielfältige, oft lärmende Berichterstattung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte über Kriminalität von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund nachträglich zum „Schweigen“ umdefiniert, der will in einer ganz anderen Lautstärke über dieses Thema reden. Er will brüllen und nichts anderes als Gebrüll akzeptieren.

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24 Kommentare

  1. Keine Kommentare. Wirklich sehr erfrischend! Ich würde einen weiteren Aboeuro drauflegen, wenn das auch weiterhin so bleiben würde.

  2. @1: Richtig, nicht, dass sich noch jemand zu Wort meldet, der nicht zuvor „Kritik“ studiert hat.

    Ich versuche es dennoch einmal. Auf dieser Seite erschien vor wenigen Tagen ein anderer Artikel, in dem es darum ging, warum sich Angela Merkel mit ihrer Deutung (jedenfalls wird sie ihr zugeschrieben) am Ende auch in den Medien immer durchsetzt.
    Er berührte ein Thema, über das ich seit einer Weile immer wieder einmal nachdenke, auch wenn ich es – man möge es mir verzeihen – nicht so ausgearbeitet habe, dass es den hohen Anforderungen, die mancher an Kritik an journalistischer Arbeit stellt, genügen würde.

    Abstrakt formuliert – und auf dem Niveau möchte ich jedenfalls in diesem Kommentar auch bleiben – ist mein Eindruck seit geraumer Zeit, dass viele Journalisten/Medien lediglich bestimmte, vor allem politische Perspektiven reproduzieren, anstatt die Möglichkeit zu nutzen, etwa eine andauernde Debatte durch inkongruente, vor allem überraschende Perspektiven zu brechen (s. den oben erwähnten Artikel auf dieser Seite). Bei mir hat dies oft den Eindruck zur Folge, dass ich einen Artikel oder Fernsehbeitrag nicht hätte lesen/ansehen müssen, weil das vermeintlich Neue lediglich als Reproduktion von Bekanntem erscheint. Bewährte Stilmittel scheinen oftmals Vorrang zu haben vor der inhaltlichen Arbeit. Dem Bericht fehlt noch ein O-Ton? Also muss schnell noch irgendwer irgend etwas sagen, damit die Form gewahrt ist.

    Was hat das mit den Berichten über Kriminalität von Ausländern zu tun? Auch in dieser Hinsicht meine ich, einen Gleichlauf von politischem Alarmismus bzw. Abwiegeln und journalistischer Begleitung durch verschiedene Medien häufig beobachten zu können. Die Kriterien der Einordnung scheinen mir vielfach identisch zu sein. Über Gewalt von Ausländern wurde also berichtet. Das lässt sich kaum bezweifeln. Aber der Modus der Berichterstattung führt mE dazu, dass im Rückblick die Sicht auf die Politik, die sich öffentlich gerade eingerichtet hat in best. Weltbildern, in denen Ausländer tendenziell mit Argwohn zu betrachten oder mit offenen Armen zu empfangen sind und die eine nüchterne Thematisierung kaum kennt, die vielfach mit Tabuisierungen arbeitet oder gerade mit dem inszenierten Tabubruch, auf das Bild von den Medien abfärbt.

  3. „Die schlimmen Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderen Städten haben etwas Gutes.“ Klar, erzählt das mal den betroffenen Frauen.
    Meine Güte, und das hier soll kritischer Journalismus sein? Mir sträuben sich ja die Nackenhaare.

  4. Plötzlich sollen die BILD (und ggf. andere Revolverblätter) für offenen, freien und nicht gelenkten Journalismus herhalten? Schwach, ganz schwach!

  5. @Robert Wallmacher: Nein, sollen sie nicht. Die „Revolverblätter“, um die es im Artikel geht, sind u.a. „Spiegel“, „Stern“, „FAZ“, „Tagesspiegel“…

  6. Wenn ich ganz kurz abschweifen darf (einen allgemeinen Kommentar-Thread hab ich nicht gefunden): Was mich ein bisschen piekt, ist, dass bei jedem Artikel, den ich hier anklicke, dieses Banner erscheint: „Als Abonnent lesen Sie diesen Artikel gratis.“ Ähm, nö, als Abonnent zahle ich dafür, dass ich diesen Artikel lesen darf. Gerne, kein Problem, aber halt nicht „gratis“.

  7. Der Spiegel ist ja ein schönes Beispiel. Was der hin und wieder schon (ganz pauschal und ohne allfällige Differenzierung) über Migranten und ihre Kriminalität berichtet hat, würde dem einen oder anderen PEGIDA-Fan heute ruckzuck (Ankläger,Richter und Henker in einer einzigen Hand) eine Facebook-Löschung einbringen.
    Mit der Frage, warum derselbe Spiegel zu einem anderen Zeitpunkt dann wieder „hell“ ist und über „dunkel“ urteilen darf, würde man sich evtl. langsam des Pudels Kern nähern: Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit, nicht um Recht und nicht um Mäßigung. Es geht um die mediale Deutungshoheit und damit um Macht. Es kommt also immer darauf an, WER etwas sagt. Wenn es der Spiegel sagt, ist es Informations- und Pressefreiheit:
    http://www.hintermbusch.de/hetzer.html
    Wenn es Hinz und Kunz sagen, ist es ganz schnell Hetze und gelöscht.

  8. Herr Müller, ich glaube Sie sollten vielleicht wieder in die Kommentarspalten auf Facebook schauen. Dann würde Ihnen auffallen, dass das Feld den „Zuwanderungskritikern“ schon komplett überlassen wurde. Gelöscht werden -zurecht- die härtesten Fälle. Einen „Dialog“ gibt es unter den einschlägigen Artikeln schon lange nicht mehr.

  9. @John Lenin
    Dem kann ganz einfach abgeholfen werden. Schließen Sie ein Abo ab und der Hinweis verschwindet sofort!

  10. Nun, ich denke mir, wenn Beleidigungen (=Hetze) und Propagandadelikte (idR Schmierereien) als „Anschläge“ bezeichnet werden, um absurde Statistiken zu kreieren, sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen aber als unisono als „Übergriffe“ benannt werden, dann komme ich zu einer Meinung.

    Wenn zudem noch innerislamische Attacken auf Moscheen von etlichen Journalisten mit leichter Hand vage in einen islamfeindlichen Kontext gestellt werden, frage ich mich, was man erreichen will.

  11. „Wenn zudem noch innerislamische Attacken auf Moscheen von etlichen Journalisten mit leichter Hand vage in einen islamfeindlichen Kontext gestellt werden, frage ich mich, was man erreichen will.“

    Können Sie das bitte weiter ausführen?

  12. Seit Jahrzenten? Nein, sicher nicht, wie der Artikel deutlich macht. Aber in der aktuellen Flüchtlingskrise?

    Schwedens Polizei zu Flüchtlingskriminalität: Code 291 – „Nichts soll nach außen dringen!“
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/schweden-polizei-verheimlicht-informationen-zu-fluechtlingskriminalitaet-a-1073127.html

    Musikfestivals in Stockholm: Schwedens Polizei vertuschte sexuelle Übergriffe.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/schweden-polizei-vertuschte-sexuelle-uebergriffe-a-1071528.html

    Rotherham: Angst vor Rassismusvorwürfen ermöglichte Missbrauch
    derstandard.at/2000005209430/Rotherham-Angst-vor-Rassismusvorwuerfen-ermoeglichte-Missbrauch

    Okay, was in anderen europäischen Ländern gilt, muss hier nicht unbedingt gelten, auch wenn Schweden unserer pro-Flüchtlingspolitik sehr nahe kommt.

    Straftaten von Flüchtlingen in Thüringen: Die Polizei soll schweigen
    http://www.taz.de/!5240804/

    Schwere Vorwürfe erhebt auch der Regionalchef der Kieler Nachrichten, Michael Kluth. […], sei die Redaktion am Donnerstagnachmittag von der Landespolizei aufgefordert worden, auf eine Berichterstattung über die „Lagebilder Flüchtlingsthematik“ zu verzichten. Das Blatt würde mit dem heiklen Text „zündeln“.
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article147987206/Verheimlicht-die-Polizei-brisante-Straftaten.html

    Oder hat man in den großen deutschen Zeitungen schon mal so eine Meldung gehört?
    „Refugee crisis: Migrants enter Hungary after overrunning police who fired tear gas on Serbian border […] Police say the crowd on the Serbian side became aggressive and threw stones, bottles and sticks after the country sealed its southern border.“
    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/hungary/11869111/Hungary-police-fire-tear-gas-water-cannon-at-refugees-on-Serbia-border-live.html

    Deutschen Journalisten muss man aber eigentlich gar nicht sagen, wie sie zu berichten haben – das machen sie ganz von allein:
    „Parteipräferenz von Politikjournalisten in Deutschland“-statista
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/

    Dies vergleiche man mit der aktuellen Sonntagsumfrage:
    http://www.wahlrecht.de/umfragen/

    Ich würde sagen: Zu regierungsnahe Medien, zu grün-rote Journalisten und eine Polizei mit Maulkorb führten zu einer sehr tendenziellen Berichterstattung, die vor Köln gern und viel unter den Tisch fallen ließ, was Flüchtlinge angeht – die Kriminalität ist nur ein Teil davon.

  13. Vorzüglich dieser Beitrag. Vielen Dank.
    Leider ist das Thema noch komplexer: Systematische Analysen der Medien in den vergangenen zehn/fünfzehn Jahren zeigten, dass über Ausländer in Deutschland (im Durchschnitt und im Verhältnis) relativ wenig berichtet wurde und wenn, dann vor allem negativ, meist verbunden mit Kriminalität. BILD war da führend, manche Regionalzeitung im Osten nicht besser. Diese „subkutane“ Darstellung hat die Wahrnehmung von Ausländern ohne Zweifel jahrelang negativ geprägt und möglicherweise auch den Eindruck vermittelt, da braue sich – generell – etwas zusammen, aber man traue sich nicht darüber zu sprechen. Dabei ist es ja keine Frage, dass darüber gesprochen und geschrieben werden muss … nur eben jenseits von Hysterie. (Anmerkung: Verrückt ist schon, dass die Ostdeutschen in den Medien nach diesen Medienanalysen kaum besser wegkommen als Ausländer in Deutschland.)

  14. „Können Sie das bitte weiter ausführen?“
    Das kann ich gerne tuen. Bsp.:
    http://www.derwesten.de/politik/mehr-gewalt-gegen-juden-und-moslems-aimp-id10416971.html
    Von welcher „Gewalt“ oder „Gefährdung durch Rechtsextremisten“ geredet wird, bleibt unklar, über konkrete Fälle wurde auch zuvor nicht berichtet. Der Artikel erschien im übrigen wenige Tage nach der Aufklärung eines Mordes an einem Israel in Berlin … durch einen albanischen Asylbewerber.
    Die genannten Brandanschläge auf Moscheen, die „Alarmbereitschaft“ hervorriefen ?
    In einem Fall handelte es sich um einen Obdachlosen, der einen Diebstahl in einem Rohbau begangen hatte, die anderen Täter waren … Kurden.
    Die unzähligen Fälle, wo „Attacken“ selbst inszeniert oder Teil innerislamischer Konflikte waren, diese „Aufklärung“ aber nach einem „der Staatschutz ermittelt“ nicht mehr berichtet wurde, kann ich gar nicht zählen.

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-08/angriffe-moscheen-deutschland
    Wenn man aufmerksam liest, erkennt man, daß nirgendwo behauptet wird, daß diese 23 „Angriffe“ (was immer das sein mag) irgendetwas mit „Islamfeindlichkeit“ zu tun hatten. Man suggeriert es bloß.
    Wenn meine privaten Informationen richtig sind, dürften mind. 80% dieser „politisch motivierten Angriffe“ (s.o.) innerislamische Konflikte zwischen Arabern, Türken und Kurden sein.

  15. Wie, Ossis kommen nicht besser weg als Ausländer? Sind sie das denn? Und wenn ja, in welcher Beziehung?

  16. Unterdessen darf man auch darauf hinweisen, dass (auch vor Köln) Lokalzeitungen oft genug die ausländischen Wurzeln diverser Krimineller erwähnten und sei es nur, weil im Rahmen von Polizeiberichten entsprechende Erwähnung für Hinweise aus der Bevölkerung enthalten waren.
    Einschlägige Seiten, die (auch vor Köln) bereits stark besorgt um deutsche Werte und Sicherheit waren, haben doch solche lokalen Artikel schon immer gern gesammelt und verlinkt. Während sie jetzt womöglich ebenso begeistert das „Schweigekartell“ anprangern….
    BTW: Die Fotomontage liefert schon ein falsches Bild vom eigentlichen Artikel, siehe Kommentar Nr. 6 und 7.

  17. Ich möchte hier eine Sache erwähnen, die mich, nachdem ich eben wieder eine Diskussion zum Thema hatte, nochmal mehr umtreibt.

    Und zwar die ( vielleicht bin ich doof, ist son Gefühl) Ähnlichkeit mit Fukushima.

    Ich hab mich grad eben sagen hören:

    Ich fand die Verlängerung der AKW Laufzeiten nicht so dufte. Aber nachvollziehbar.
    Und ich fand den Spontanausstieg lächerlich.

    Ich fand die Teddybärverschenkerei büschen sehr nett, Mutti und ihr großes Herz blablabla. Aber nachvollziehbar.

    Den Kölnalarmismus find ich lächerlich.

    (Hierzu gern im Cicero was über Narzissmus, ich stimme dem Artikel nicht völlig zu)

    Vielleicht ist es einfach so, dass uns nun die Globalisierung einfach sehr sehr nah kommt.

    Was in diesem Jahr folgen wird, prognostiziert Oblomow, ist ein sehr sehr schmutziges Geschäft an den wo auch immer dann verlaufenden Außengrenzen einer irgendwie gearteten Rest-EU.

    Es wird vielleicht, hoffentlich, der Blick auf diese Zustände sein, der uns den Preis unseres Lebens hier erfahrbar werden lässt.

  18. Vorzüglich, Herr UNBEKANNTER_NUTZER!
    (nein, nicht unbedingt Ihr Beitrag, Herr Niggemeier)

    Von meiner Seite kann ich nur eine persönliche Anekdote beisteuern, von einem meiner seltenen Einblicke in das Geschehen: ein Familienmitglied war bis zu seiner Pensionierung Polizeisprecher in der Großstadt U (nicht unbedingt KFZ-Kennzeichen).
    Bei einem längeren Besuch an seinem Arbeitsplatz sagte er, er habe strikte Vorgaben, politisch korrekt zu sein, und wenn immer möglich ethnische und religiöse Aspekte aus den Berichten zu entfernen. Er dürfe auch nicht mehr von ‚Roma und Sinti‘ sprechen, dass sei genauso unkorrekt wie die vorherige Beschreibungsversion.
    Und dann zeigte er die Akten mit den Eigentumsdelikten und bat uns, ‚doch einfach mal die Namen anzusehen‘. Wir waren entsetzt, denn das war mehr als eindeutig.

    Vielleicht kann ich noch verstehen, dass man im Sinne einer ‚Ruhe ist die erste Bürgerpflicht‘ nicht jedes Mal schreiben sollte, woher die Täter kommen. Aber welche Lüge, ja Lüge, wenn dann z.B. das BKA zum Jahresende feststellt, dass sich keine Zuwanderergruppe durch besondere kriminelle Aktivitäten auszeichne. Denn dann müssten diese Leute ja woanders ganz besonders wenig auffällig sein.
    Wenn geschätzte 70+% der Namen von Tätern in jenen Akten mit Eigentumsdelikten aus einer bestimmten Region kommen, wie soll ich dann noch irgendeine Aussage glauben, z.B. in den Medien, dass dem eben genauso nicht sei?

    Es war erst gestern, dass der Innenminister bestätigt hat, jetzt liefe alles prima an den Grenzen, fast alle würden kontrolliert. Diese Meldung gab es fast überall, in Printmedien und in den Öffentlich-Rechtlichen. Die Zusatzmeldung von der Aussage des Vorsitzenden der GdP, das sei eben genau nicht so, und die Lage so chaotisch wie immer, wurde – falls überhaupt übernommen – sehr schnell wieder entfernt.
    Auch da stellt sich die Frage ‚wieso?‘. Offenbar ist der Innenminister sehr viel bedeutender – und damit wahrheitsgetreuer und kompetenter? – als der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei.

  19. @Uwe Dippel

    Können Sie bitte mal einen Link zu der Verlautbarung des BKA vom Jahresende posten, aus der hervorgeht, „dass sich keine Zuwanderergruppe durch besondere kriminelle Aktivitäten auszeichne“? An sich ging aus der „Lageübersicht zur Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ vom November 2015 zwar hervor, dass die Flüchtlingskrise bis dahin keine über das Mass des Bevölkerungszuwachses hinausgehende Zunahme der Kriminalität zur Folge hatte. Dass hingegen innerhalb der Zuwandererkriminalität bestimmte Nationalitäten dominieren wird im Bericht explizit hervorgehoben (genannt werden insb. Serben, Kosovaren und Mazedonier), während andere Gruppen signifikant unterrepräsentiert sind. Wo ist also die Lüge?

    Dass darüber hinaus ihr „Familienmitglied“ seinen Angehörigen Ermittlungsakten zum Lesen vorlegt ist natürlich auch nicht so ganz ohne…

  20. Gut, den zweiten Teil hätte ich dann übersehen, und mich am ersten Teil festgehalten. Ziehe ich dann natürlich zurück, ohne das weiter nachgeforscht zu haben.

    Also wäre, was in den Akten zu sehen war, nach Ihrer Aussage auch offiziell bekundet worden. Also tatsächlich keine Lüge.

    Inzwischen ist allerdings auch von anderen Seiten bestätigt worden, dass die Herkunft von Tätern nicht zu den bevorzugt zu veröffentlichenden Berichtsbestandteilen gehören, um es mal so auszudrücken.
    Das ist schon ein Punkt, der festzuhalten wäre. Nicht dass es immer Informationswert hätte, aber es könnte einen haben, und zumindest sollte es nicht vorgeschrieben werden.

  21. @ 14, UNBEKANNTER_NUTZER:

    Niggemeier ging es um die Frage, ob die deutschen MEDIEN tatsächlich lange Zeit die Frage der Ausländerkriminalität als Tabuthema behandelt haben, so wie manche das behaupten. Dies geht aus seinem Artikel klar hervor. So schreibt er etwa gleich zu Anfang (ironisch):

    „Die schlimmen Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderen Städten haben etwas Gutes: Endlich darf man in Deutschland über die Probleme mit Ausländern berichten, über ihre Kriminalität und ihre Gewalt. Das war ja seit vielen Jahren, ach was: Jahrzehnten ein Tabu in deutschen Medien.“

    Und diesbezüglich hat Niggemeier überzeugend dargelegt, dass solche Vorwürfe unsinnig sind. Das Verhalten der Politik hat er hingegen nicht weiter thematisiert, es sei denn in dem Zusammenhang, dass die Bestrebungen des Berliner Senates, eine bestimmte Studie unter Verschluss zu halten, von Medien kritisiert wurden.

    Ihre Kritik – wie berechtigt sie immer auch sein mag – tangiert den Artikel von Stefan Niggemeier daher nicht. Denn fast alle Beispiele, die Sie anführen, beziehen sich auf das Schweigen von Behörden, oder im Einzelfall auf deren Aufforderungen an die Medien, zu schweigen – und zumeist betreffen diese Fälle zudem das Ausland. (Daraus, dass Schweden und Deutschland eine ähnliche Flüchtlingspolitik betreiben, folgt im Übrigen nicht, dass sie auch eine ähnliche Informationspolitik betreiben würden – auch wenn es faktisch natürlich sein kann, dass sie es tatsächlich so halten.)

    Das einzige von Ihnen genannte Beispiel, bei dem es überhaupt um die deutschen Medien geht, betrifft die gewaltsamen Zwischenfälle an der ungarisch-serbischen Grenze. Sie zitieren den „Telegraph“, um dann (rhetorisch) zu fragen: „Oder hat man in den großen deutschen Zeitungen schon mal so eine Meldung gehört?“

    Bereits nach ganz kurzer Recherche habe ich allerdings durchaus ähnliche Berichte gleichen Datums in großen deutschen Medien gefunden, darunter einen in der Welt, der Zeit und der Tagesschau (zumindest auf ihrem Blog sagt sie etwas dazu; ob auch im TV habe ich nicht nachgeprüft). Das sind nicht gerade Nischenmedien.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article146485153/Ungarn-setzt-Traenengas-und-Wasserwerfer-gegen-Fluechtlinge-ein.html
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-09/fluechtlingskrise-deutschland-oesterreich-ungarn-grenze-live
    https://www.tagesschau.de/newsticker/ungarn-fluechtlinge-163.html

    Selbst wenn Sie jedoch einzelne Beispiele dafür finden würden/werden, dass deutsche Medien kritikwürdigerweise mitunter Gewalttaten von Ausländer oder Asylanten verschweigen (obwohl es auch im Sinne des Pressekodex angemessen wäre, sie zu berichten), würde dies nichts daran ändern, dass es falsch ist, wenn etwa insinuiertt wird, dass es „mindestens ein Jahrzehnt lang gepflegter gesellschaftlicher Konsens [war], über Gewalt durch Ausländer weder zu reden noch angemessen zu berichten“ (U. Reitz), und dass Niggemeier recht hat, wenn er dies und ähnliche Statements als Unsinn entlarvt.

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