Aus dem Youtube-Sandkasten

Ich soll hier über Youtube schreiben. Und über so Internetdinge. Aber vor allem über Youtube.

Dieses Youtube und seine „Stars“. Wie Bibi. Über die Stephan Dörner, Wirtschaftsredakteur der „Welt“, Anfang Dezember 2015 schrieb, sie sei Deutschlands bekannteste Youtuberin. Und er schrieb auch: „Wenn Sie noch nie von ihr gehört haben, liegt das daran, dass Sie wahrscheinlich über 20 sind.“

Ich werde dieses Jahr 33. Erik Range, der als Gronkh Deutschlands größten YouTube-Kanal betreibt, wird im April 39 Jahre. Und Kathrin Fricke aka coldmirror, die in der Youtube-Szene selbst für viele andere Youtuber als der wahre Star der deutschen Webvideobranche gilt, 32 Jahre. Das erste Video veröffentlichte Coldmirror am 3. Oktober 2006. (Knapp drei Jahre vor dem ersten Video des Youtube-Comedy-Trios-Y-Titty, deren Kanal lang als Urgestein der Szene galt und nun eingestellt wurde.) Schon damals war sie also über 20. Und sie war 24, als ihre Zusammenarbeit mit den Öffentlich-Rechtlichen begann. Nur dass das damals kein Grund war, für Medien wie „Spiegel Online“ oder die „Welt“ zu berichten, sie bewege sich „weiter auf den medialen Mainstream zu“ – oder „YOUTUBE-STAR bekommt eigene TV-Show“ – wie das jüngst geschah, als bekannt wurde, dass Florian Mundt (LeFloid) mit dem SWR zusammenarbeitet.

Während die ersten Youtuberinnen schon lange ihren Alltag als Mütter dokumentieren oder wir sie bei ihrer Schwangerschaft begleiten können, werden sie selbst noch immer wie Kinder behandelt. Kleine nervige Kinder, die immer noch mehr Plastikspielzeug wollen. Und alles für noch mehr Taschengeld tun. Zum Teil stimmt das auch. Wer selbst in der Szene unterwegs ist, weiß, dass hinter den Kulissen der Sandkastenkrieg auf Whatsapp tobt. Und oft jene, die sich auf das Zerstören anderer Sandburgen spezialisiert haben, dies mit pinken Schäufelchen tun, die ihnen als Produktplatzierung zugeschickt wurden.

Aber es soll hier heute nicht um Sandburgschlachten innerhalb der Szene gehen.

Vielmehr sitze ich im Sand. Esse gemütlich mein Eis. Und wundere mich. Nicht nur über die Kinder, die gegenseitig ihre Burgen zertrampeln. Sondern auch über ihre Eltern. Die, die seit Jahren ihren Platz auf dem Mediensandstrand mit Handtüchern reservierten. Und während die Handtuchurlauber über die lauten Kinder die Nase rümpfen und die Burgenbauer den Eltern Spießigkeit vorwerfen, frage ich mich, ob ich mich mit meiner Sandburgenmetapher nicht genau in das Klischee verrannt habe, gegen das ich hier anschreiben möchte.

Als ob alle Youtuber Sandburgenkinder sind! Als ob alle Fernsehmenschen Handtuchspießer sind. Aber auch: Als ob alle Youtuber nur ins Fernsehen wollen (liebe Fernsehlandmenschen).

Und: Als ob Fernsehen tot – oder eine Zusammenarbeit mit dem TV etwas ist, für das man sich früher geschämt hätte (liebe Youtube-Gemeinde!).

Ich werde versuchen, alle ernst zu nehmen. Die, die noch immer Youtube-Katzen-Content-Witze machen und mich als „junges Mädchen“ begrüßen, weil ich ja einen Youtube-Kanal betreibe. Und die, die ihre Drogeriemarkteinkäufe in die Kamera halten, Musiker werden wollen oder ihren Tag in Daily Vlogs festhalten.

Ob mir das gelingt, weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich ein Mensch bin, der Dinge, die er ernst nimmt, meistens kritisiert. Oder mit Ironie versucht, davon abzulenken, dass das mit dem Ernstnehmen nicht so recht hingehauen hat. Aber ich weiß auch, dass ich mittendrin sitze. Im Mediensandstrandsturm. Und wer im Mediensandstrandsturm sitzt, soll ja bekanntlich nicht mit Schäufelchen schmeißen.

sandstrandstum

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8 Kommentare

  1. Ich … bin nicht sicher, was ich da gerade gelesen habe. Aber das mit der Kritik klingt vielversprechend. Insofern freue ich mich dann auf die zukünftigen Posts und kann mit denen dann eventuell sogar was anfangen.

  2. Bleibt für mich nach dem Lesen dieses Textes einzig die Frage … was will uns die Autorin jetzt damit sagen?

    Schließe mich Muriel an: Wollen wir nicht so kritisch sein, in der Hoffnung dass folgende Texte erkennbaren Mehrwert bieten.

  3. Och nö, nicht auch noch auf diesem wunderbaren Portal hier!

    Ich frage mich ernsthaft, warum eine Frau, die in allererster Linie durch ihre Selbstdarstellungssucht, die Inhaltsleere ihrer Publikationen und dem schier endlosen Wiederholen der Worte „awsomeness“ und „geile Scheiße“ unbedingt auch noch eine Internetkolumne schreiben muss. Es reicht doch wirklich völlig aus, wenn die Freunde des…ähm…von der „Autorin“ selbst zu Genüge zelebrierten „mariesken“ Schreibstils ihr Verkacken-Buch kaufen und sich damit, ohne ihre Mitmenschen zu belästigen, in ihre Altbauwohnungen oder auch wahlweise an die Ostsee zurückziehen.
    Ist schon klar, dass YouTube oder auch das Fernsehen für eine nicht geringe Zahl von Personen wichtig und bedeutsam sind. Dies trifft auch auf die AfD zu. Leider.

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