Streit um Trans-Rechte

Die Professorin und der „Mob“: Wenn Medien vor lauter Empörung nicht mehr den Konflikt erklären

Die britische Philosophin Kathleen Stock ist nach jahrelangen harten Auseinandersetzungen mit transgender Aktivist:innen von ihrem Posten zurückgetreten. Ist das nur ein weiteres Beispiel für die Bedrohung akademischer Freiheit durch eine „woke“, linke „Cancel Culture“, als die es große Teile der deutschsprachigen Medien darstellen?


Protest mit einem Plakat und der Aufschrift: "It's not a debate just transphobic hate. LGB Alliance are a hate group"
Protest gegen die LGB Alliance Foto: Imago / i Images

Die Empörung ist groß: Ein „Mob“ habe „mit allen Mitteln“ der britischen Professorin Kathleen Stock „das Leben zur Hölle“ gemacht, so dass diese am Ende zurücktreten musste. Das jedenfalls meint „taz“-Redakteur Jan Feddersen. Seine Schlussfolgerung: „Mit der Demission Stocks wird auch die Meinungs- und Forschungsfreiheit als krass bedroht erkannt werden – hier nicht von rechts, sondern auch von einem Teil der Linken. Wokistan gibt sich links – und ist doch nur ein antifreiheitlicher Mob im Zustand der Selbsttrunkenheit“, so Feddersen.

Der schrille Kommentar ist vom Montag vergangener Woche. Auf einen inhaltlichen Artikel zur Sache verzichtet die „taz“ mehrere Tage lang. Erst in der Wochenendausgabe liefert sie einen Essay von Peter Weissenburger nach. Der betont auch, dass Stock nicht hätte bedroht werden dürfen, kommt aber zum konträren Ergebnis: Die Kritik an Stock sei berechtigt.

Geht es also wirklich – wieder einmal – um Meinungsfreiheit versus „Woke-Mob“? So werden solche und ähnliche Auseinandersetzungen immer wieder von den Medien erzählt. Oder geht es um einen politischen Kampf?

Der Konflikt entzündete sich 2018, als es um die Reformierung eines Gesetzes ging: Der „Gender Recognition Act“ ist in etwa das Pendant zum deutschen Transsexuellengesetz. Er sollte es trans Personen in Großbritannien erleichtern, ihre geschlechtliche Identität zu ändern – und zwar ohne medizinische oder psychologische Atteste, die als demütigend empfunden wurden.

Gegen diese Reform, die ihrer Auffassung nach „biologische Frauen“ benachteiligt, verfasste die Philosphie-Professorin Kathleen Stock mehrere Streitschriften – außerhalb des akademischen Rahmens, auf der Online-Blog-Plattform „Medium“, im „Economist“ und bei anderen, mehr oder weniger journalistischen Angeboten. Sie selbst erklärte dazu, sie habe Reichweite außerhalb akademischer Kreise generieren wollen, erstens wegen der politischen Wichtigkeit des Themas, zweitens weil sich die institutionalisierte Philosophie ihrer Meinung nach weigerte, sich des Themas so anzunehmen, wie sie es für notwendig erachtete.

Einseitiges Bild

Folgt man der zunächst dominierenden Empörung deutschsprachiger Medien, bekommt man ein recht einseitiges Bild zugunsten von Kathleen Stock präsentiert: Die „Bild“ titelt „Gender-Zoff“ und schreibt, Stock habe ihre Position aufgeben müssen, „weil sie gesagt hatte, dass Menschen nicht ihr biologisches Geschlecht ändern könnten“.

In der FAZ hat der Historiker und Geschlechterforscher Vojin Saša Vukadinović, ein bekannter Kritiker der Gender Studies, bereits vor Stocks Rücktritt über die Kampagne gegen sie geurteilt, es handele sich um „misogyne aktivistische Energie“. Auch er bezeichnet Stocks Gegner:innen als „Mob“. Von „gender- und queertheoretischen Überzeugungen“ führe „eine direkte Linie zu transaktivistischen Taten“, womit er Demonstrationen und Plakataktionen gegen Stock meint. Auch bei ihm heißt es, Stock werde „von Transaktivisten verfolgt, weil sie daran festhält, dass das Geschlecht einen Körper hat“.

Auch die „Welt“ berichtet ausführlich über den Fall. Sie steht ebenfalls eindeutig auf Seiten Stocks. Bemerkenswert ist jedoch, dass kaum ein Beitrag den eigentlichen Konflikt auf den Punkt bringt. So schreibt die Historikern Katja Hoyer einen langen Artikel, der mit dem Stock-Zitat „Wenn jemand über mich lügt, kannst du bitte laut sagen: Nein, das hat sie nicht gesagt“ überschrieben ist – ohne einmal klar zu sagen, was die „Lüge“ sein soll, die sie meint.

Biologistische Argumentation

Ein Gastbeitrag des Historikers Julien Reitzenstein, bietet eine ausführliche inhaltliche Auseinandersetzung, die zumindest anerkennt, dass auch Stocks Gegner:innen „viele bedenkenswerte Argumente vortragen“. Allerdings werden diese nur sehr kursorisch und allgemeinpolitisch erwähnt. Zudem sind einige Aspekte ungenau: So behauptet Reitzenstein, Stock habe sich „in ihren zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen immer wieder auch mit Fragen geschlechtlicher Identitäten befasst“. Es sei daher „naheliegend“ gewesen, „auch Stocks Positionen anzuhören, als 2018 der Gender Recognition Act reformiert werden sollte“.

Doch das stimmt so nicht: Stock hatte sich ausweislich ihrer eigenen Publikationsliste vor 2018 vor allem mit fiktionalem Erzählen und Imagination, mit Ästhetik sowie Kunst- und Musiktheorie in der Philosophie beschäftigt. Ihre späteren Publikationen zum Thema geschlechtliche Identität erwuchsen – ebenso wie ihre Einladung zur juristischen Anhörung – aus ihrem politischen Interesse und ihrem politischen Kampf gegen die Reformierung des Gesetzes. Stock behauptet zwar, sie trete selbstverständlich für ein Recht auf ein diskriminierungsfreies Leben von trans Personen ein – auf juristischer Ebene jedoch kämpft sie dagegen, dass diese ihr Geschlecht unbürokratischer ändern können. Mithin: Sie suchte den politische Konflikt – und machte daraus in ihren Texten auch überhaupt keinen Hehl.

Stock, eine feministisch orientierte, lesbische Professorin, verfasste fortan überwiegend Texte und vor allem Tweets, in denen sie darauf beharrt, dass es ein essenziell unveränderbares biologisches Geschlecht gebe, das man sich nicht aussuchen und dass man nicht ändern könne. Transgender Personen blieben in Wahrheit  (auf biologischer Grundlage) Mann oder Frau – auch, wenn sie zum anderen Geschlecht übertreten. Diese biologistische Argumentation ist in mehrfacher Hinsicht umstritten: Denn erstens gibt es auch in der Biologie mehr Facetten als nur die „normale“ XX/XY-Chromosomenverteilung. Zweitens sind Geschlechter und ihre Rollen natürlich auch historisch und kulturell bedingt und geprägt.

Im „Tagesspiegel“ ist Tilmann Warnecke einer der wenigen, der sich intensiver mit den Argumenten von Stocks Gegner:innen auseinandersetzt. Er verweist auf den langen Text, den Stock 2018 veröffentlichte und in dem sie große Teile ihres Fachs angriff:

„In ihrem Aufsatz enthalten waren zentrale Thesen, die sie seitdem vertritt. Skrupellose Männer würden sich Erleichterungen bei der Personenstandsänderung zunutze machen, um in Frauenräumen Sexualstraftaten zu begehen, schrieb Stock. Trans Frauen würden dann auch in der Politik andere Frauen verdrängen und eine dominierende Rolle übernehmen. […]

Für ihren Ansatz prägte sie den Begriff „gendercritical“, also „genderkritisch“, der seitdem eine zentrale Rolle in Großbritannien spielt. Kritiker dieses Begriffs wiederum sagen, dieser solle eben die Transfeindlichkeit des Stockschen Argumentationen verschleiern. In der Wissenschaft ist Stock keinesfalls unumstritten. Mehr als 600 Philosoph:innen aus aller Welt protestierten, als sie 2020 den Orden des British Empire erhielt […].“

Den akademischen Protest hat auch „taz“-Redakteur Feddersen erwähnt, allerdings nur, um die deutschen Unterzeichner:innen als „Leute aus dem deutschen Universitätsbetrieb“ zu diffamieren, die „den global getunten Mob unterfüttern“. Einen ähnlich denunziatorischen Ton schlägt Alexander Kissler in der „Neuen Zürcher Zeitung“ an: Stock sei Opfer einer „Hetzjagd“ geworden, an der sich auch „Dozenten aus Deutschland“ beteiligt hätten. In Großbritannien herrschten „Cancel-Culture und Gender-Ideologie“.

Stock ist Aktivistin

Doch es geht eben keineswegs primär um akademische Auseinandersetzungen: Stock ist auch Aktivistin und Treuhänderin der „LGB Alliance“, die sich in Großbritannien 2019 vom größten britischen Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, trans- und intergeschlechtlichen Verband „Stonewall“ abgespalten hat – weil er ihnen zu transfreundlich ist. Daher fehlt bei der Alternativ-Organisation das T für Transgender. Die Gruppe und ihr Status als „gemeinnützig“ sind in Großbritannien Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen und mehrerer Klagen, einigen gilt sie als „Hate Group“, die gegen transgender Personen hetze.

Beschäftigt man sich intensiver mit den Positionen der Kritiker:innen, so stellt man fest: Auch Stock teilt aus. Sie twittert nicht nur aggressiv zum Thema, sie macht sich auch über geschlechtsneutrale Pronomina lustig – oder beschimpft ihre Gegner:innen heftig.

Davon zeugen eine ganze Reihe von Twitter-Threads, in denen es unter anderem darum geht, wie Stock ihre Machtposition als Professorin dazu benutzt hat, Kontrahent:innen mundtot zu machen, vor allem auch solche, die als Student:innen oder wissenschaftliche Mitarbeiter:innen in der Hierarchie weit unter ihr stehen. Die von Stock behauptete Position, sie stehe für den Austausch von Argumenten, während ihre Gegner:innen lediglich eine Schmutzkampagne aufführten, lässt sich so nicht halten.

Darauf macht auch Grace Lavery aufmerksam, Professorin für englische Literatur an der Universität Berkeley und selbst transgender. Sie verweist darauf, dass sie Stock mehrfach zur öffentlichen Debatte aufgefordert habe – Stock sei dem aber nicht nachgekommen. In einem langen Artikel hält Lavery fest, dass bereits die britische Presse die Auseinandersetzung einseitig zu Gunsten von Kathleen Stock erzählt habe. Es sei keinesfalls eine „Lüge“, Stocks Position als „transfeindlich“ zu beschreiben, denn sie vertrete entgegen ihrer Behauptung sehr wohl Positionen, die eine legale Anerkennung vieler transgender Personen verhinderten und diese erheblichen Gefahren aussetzten.

Kathleen Stocks Argumente muten in Teilen in der Tat diffamierend an: So warnt sie immer wieder davor, dass trans Frauen, die in Wirklichkeit Männer seien, auf Toiletten, in Umkleideräumen und ähnlichen Orten Sexualstraftaten begehen könnten. Einzelfälle dieser Art gibt es: So ließ sich zum Beispiel ein zunächst männlicher Sexualstraftäter nach seiner Transition zur Frau in ein Frauengefängnis verlegen und beging dort weitere Vergewaltigungen.

Doch werden männliche Sexualstraftäter wirklich in größerer Anzahl ihren Willen zur Geschlechtsumwandlung bekunden, um dann in einem Frauengefängnis weitere Straftaten zu begehen? Und könnte man diesem Ansinnen insbesondere im Strafvollzug nicht buchstäblich anders einen Riegel vorschieben als mit der Verhinderung der rechtlichen Besserstellung aller trans Personen? Wie es umgekehrt trans Frauen im Männerknast ergeht, ist dagegen eindeutig: Sie sind unfassbarer Gewalt ausgesetzt.

Auch den Zugang zu öffentlichen Toiletten, Umkleiden und ähnlichen Orten erhält man nicht, weil man sich rechtlich als Mann oder Frau definieren kann, sondern aufgrund sozialer Normen und Praktiken. Wer im Auge der Gesellschaft aussieht wie das passende Geschlecht, betritt den entsprechenden Ort. So lange es keine Genitalkontrolle auf öffentlichen Toiletten gibt, ist dieses „Problem“ also weder lösbar, noch wird sexuelle Gewalt dadurch bekämpft, dass man trans Personen das Recht verweigert, ihr Geschlecht auch juristisch selbstbestimmter zu definieren.

Die trans Aktivistin Natalie Wynn zerpflückt dieses Argument auf Ihrem YouTube-Channel in sehenswerter und sehr unterhaltsamer Weise (ab 33:50):

Stocks weitere Befürchtung, junge lesbische Frauen würden reihenweise genötigt, Männer statt Lesben zu werden, erinnert fatal an ähnlich gelagerte, teils überwundene Warnungen vor der Entkriminalisierung von männlicher Homosexualität: Damit würden ganze Generationen von jungen Männern dazu „verführt“, ebenfalls schwul zu werden. Angesichts der sehr geringen Zahl von trans Personen erscheint es doch relativ weit hergeholt, dass sich Heerscharen junger Frauen den physischen und psychischen Strapazen einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, um als heterosexuelle Männer statt als Lesben zu leben.

Wo verläuft die Grenze zwischen Protest und Gewalt?

Allerdings gingen die trans Aktivist:innen ihrerseits auch heftig vor. Sie verteilten Flugblätter, klebten den Campus mit Plakaten gegen Stock zu, organisierten Demonstrationen, auf denen sie teilweise vermummt auftraten, und entzündeten Pyrotechnik.

Zudem war Stock vor allem in sozialen Medien wie Twitter extremen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. Von alldem fühlte sie sich massiv bedroht. Davon zeugt unter anderem ein weit verbreitetes Interview mit der BBC, in dem sie erkennbar mitgenommen von ihren Erfahrungen berichtet:

Die trans Aktivist:innen bestreiten, jemals Gewalt ausgeübt zu haben, und beharren auf ihrem Recht auf friedlichen Protest, auch in Form spektakulärer Plakat- oder Pyrotechnik-Aktionen. Im Interview mit der britischen Tageszeitung „i“ beklagen einige von ihnen, dass ihre Position weder von der Uni-Leitung noch von den Medien in ausreichendem Maße gehört worden sei.

Stock wurde von der Universität mehrfach der Rücken gestärkt, auch als sie ihre Lehrtätigkeit auf eigenen Wunsch für einige Wochen aussetzte. Zwar gab es einzelne Absagen von Reden, weil Veranstalter nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten wollten, aber es gab keinerlei Druck des Arbeitgebers oder eine institutionelle Einflussnahme auf ihre Forschung und Lehre. Im Gegenteil: Sie erhielt Auszeichnungen, die Universität bedauert ihren Rücktritt und spricht von „einem Verlust für uns alle“.

Debatte speist sich aus Gewalterfahrung

Die erbitterte Härte der Auseinandersetzung rührt unter anderem daher, dass trans Personen zu den meistdiskriminierten Gruppen mit einer immensen Gewalterfahrung gehören. Erst im September hatte sich zum Beispiel „Ella“, eine aus dem Iran gefüchtete trans Frau in Berlin selbst verbrannt, mutmaßlich weil sie fürchtete, abgeschoben zu werden – aber auch wegen alltäglicher Diskriminierungen, so ihre Berliner Freund:innen. Das Problem existiert weltweit: Kaum jemand ist im Alltag so gefährdet wie Menschen, die erkennbar transgender sind: So gaben 2018 in einer Studie 41 Prozent der trans Befragten an, im vorhergehenden Jahres Opfer von Hasskriminalität geworden zu sein.

Darauf macht auch Paula-Irene Villa, Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk aufmerksam:

„Ich glaube, man sollte sich in dieser Transgender-Auseinandersetzung die Geschichte vergegenwärtigen: der Gewalt, der Missachtung, des Leidens, der Beschämung, der Verstümmelung von Menschen, die als trans Menschen immer schon gelebt haben – in der Geschichte und auch jetzt.

Es ist sicher immer falsch, egal von wem, wenn Aktivist:innen zu gewalttätigen Mitteln neigen, zu persönlichen Diffamierungen. Aber gleichzeitig muss man auch sagen, diese Ablehnung, diese Herabsetzung, das Nicht-Ernstnehmen von Transgender-Wirklichkeiten und -Erfahrungen, die Ablehnung beispielsweise zu sagen, trans Frauen sind keine richtigen Frauen – das sind Positionen, die Kathleen Stock oder andere behaupten. Und das sind auch fundamentalistische, herabwürdigende und Debatten-verunmöglichende Positionen. Insofern ist es schwer im Moment für mich zu beurteilen, wer geht da wie zu weit.“

Wenn man sich tief in das Thema einliest, stellt man am Ende also fest: Es geht nicht um „Meinungsfreiheit“ versus „Woke-Mob“, sondern vor allem um den Kampf um die juristische Anerkennung einer sehr kleinen, extrem marginalisierten und massiv von Gewalt bedrohten Minderheit. Geschlecht ist eine der biologischen, sozialen und diskursive Ordnungskategorien. Dass sich einige Aktivist:innen in den Auseinandersetzungen darüber in Ton und Form vergreifen, ist unbestreitbar und wird zu Recht kritisiert. Denn sie ignorieren, dass ihre Form des Protests mindestens im Netz tatsächlich einen Mob nach sich zieht, der vor Morddrohungen nicht zurückschreckt. Umgekehrt lässt sich der Hass gegen trans Personen im Netz und auf der Straße aber nicht so systematisch von der Debatte abtrennen und ignorieren, wie Stocks Verteidiger:innen es suggerieren.

Moralische Panik

Warum also unterscheiden sich sich das liberal-konservative Springer-Flagschiff „Welt“ und die linke „taz“ in ihrer inhaltlichen Wertung (zunächst) so wenig voneinander? Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub liefert dafür in der Schweizer Wochenzeitung WOZ eine ebenso pointierte wie entlarvende Erklärung: Das deutsche Feuilleton habe eine sensationalistische Lust an der sogenannten „Cancel Culture“ entwickelt:

Wenn es Cancel Culture nicht gäbe, hätte das deutsche Feuilleton sie erfinden müssen. Gewissermassen hat es das auch. In der deutschsprachigen Presse ist um diese Schauergeschichten für die Boomerseele ein regelrechtes Ökosystem entstanden. […] Der britische Soziologe Stanley Cohen hat dafür schon in den siebziger Jahren den Begriff der moralischen Panik geprägt: Moralische Panik ist immer ein Stück Aufmerksamkeitsökonomie, eine Art kollektiver Konzentration auf scheinbar marginale Dinge, von denen auf eine gesamtgesellschaftliche Gefahr geschlossen wird. Bestimmte Ereignisse sollen plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit verdienen als andere, äußerlich sehr ähnliche. Moralische Panik macht uns hypersensibel für die einen und blind für andere. Cohen hat auch darauf hingewiesen, dass bei moralischer Panik immer irgendeine Form der Jugendkultur im Zentrum der Projektion stehe: Mods, Rocker, Heavy-Metal-Fans – und jetzt eben «woke» Student:innen. Die Angst vor der jeweiligen Nichtigkeit ist immer auch eine Angst davor, selber obsolet zu werden.

Ob letzteres zutrifft, mag im Auge der Betrachterin oder des Betrachters liegen. Klar ist aber, dass ein Aufschrei über „Cancel Culture“ Journalist:innen nicht von ihrer Pflicht zur umfassenden Wiedergabe von Sachverhalten entbindet – und dem Anhören beider Seiten einer Geschichte.

Insbesondere Universitäten waren schon immer ein Ort heftiger politischer und anderer Auseinandersetzungen: Martin Luthers „95 Thesen“ waren für eine akademische Disputation bestimmt, sie lösten in der Folge Reformation und Glaubenskriege aus, der „Muff von 1000 Jahren“, der sich laut der 68’er „unter den Talaren“ befand, läutete eine neue Phase politischer Veränderung (und linksextremer Gewalt) in Europa und den USA ein. Und auch an Kathleen Stocks Uni in Brighton gehört studentischer Protest (auch gegen unliebsame Professor:innen) seit eh und je zum Campus.

Dass sie diesen nun verlassen hat, weil sie die Situation als untragbar empfand, ist bedauerlich. Allein einem übermächtigen „Woke Mob“ geschuldet ist der gesamte Vorgang aber keinesfalls.

23 Kommentare

  1. „Dass sie diesen nun verlassen hat, weil sie die Situation als untragbar empfand, ist bedauerlich.“ Ja, diese blöde Spielverderberin.

    Ungeachtet der Frage, wer Recht hat – dass Främing, dass sie die Situation als untragbar „empfand“ impliziert, dass die Situation nur gefühlt untragbar war, aber in Wahrheit doch tragbar.

    Und sind „transgender Aktivist:innen“ immer transgender, oder auch Cismenschen, die für Transgenderrechte aktiv sind?

  2. Danke für den Artikel. Ich verfolge die Debatte in Großbritannien schon länger und fürchte, dass diese mehr und mehr zu uns rüberschwappen wird, gerade wenn es um Reformen des TSG geht. Die Debatte wird vermutlich auch bei uns vorallem auf dem Rücken von trans Männern und Frauen ausgetragen.

    Zitat aus dem Text:“Wie es umgekehrt trans Frauen im Männerknast ergeht…“
    Sind hier nicht eher trans Männer gemeint? Oder hab ich da was falsch verstanden?

  3. Wann ist ein Mob ein Mob? Oder, andersherum gefragt:
    Warum ist Frau Stocks Organisation nun kein Mob?
    An den fehlenden Gewaltaufrufen ( bis hin zur tatsächlichen Gewalt) wird es nicht liegen können.

    Ich würde da dem Ansatz von Adrian Daub folgen wollen und letztlich fällt mir auf Anhieb kaum ein angeblicher „Cancel-Culture“ Vorfall in unseren Landen ein, der nicht der Reichweitenmaximierung und/oder Unterdrückung berechtigter Kritik dienen sollte. Und ja, auch da ist meist zu beobachten, dass die Hierarchien peinlich genau eingehalten werden:
    Oben gegen Unten, etabliert gegen unbekannt, Mann gegen Frau, Cis gegen queer, alt gegen jung, weiss gegen PoC, you name it.

    Nein, Besagte machen ganz sicher nicht immer alles richtig, es gibt ebenso sicher immer Beispiele, die absolut intolerabel sind.

    Margarete Stokowski hat dazu einen klugen Kolumnen Beitrag auf Spon verfasst: „Schlimm, oder?“.
    Wir können weiterhin Amateure das Netz absuchen lassen und die jeweils schlimmsten „finds“ als prägend für einen Diskurs missdeuten, oder wir kapieren irgendwann, dass eine mediale Revolution auch bedingt, dass niedrigere Schwellen auch mehr Unerträgliches zulassen. Ich kann mir auf jeden Fall nicht auf Twitter die übelste Wortmeldung cherry-picken und damit dann den diskursiven Gegner abwürgen. Und, nein, der Diskurs dieser Teile wurde früher nicht rücksichtsvoller geführt. er hatte nur keine Öffentlichkeit.

  4. @#2 „Zitat aus dem Text:’Wie es umgekehrt trans Frauen im Männerknast ergeht…‘ Sind hier nicht eher trans Männer gemeint? Oder hab ich da was falsch verstanden?“

    Ja, das ist ein Missverständnis: Es geht darum, ob eine Transfrau im Falle einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe entweder

    a)gemäß ihrer Identifikation als Frau und entgegen ihrer biologischen Merkmale (ich hoffe diese Formulierung erregt keinen Anstoß; wüßte nicht, wie man die Frage sonst beantworten kann) in einem Frauengefängnis

    oder b)entgegen ihrer Identifikation, und gemäß ihrer biologischen Merkmale in einem Männergefängnis inhaftiert werden soll.

    Verständnisfrage meinerseits: Ich lese hier zum ersten Mal, dass „trans“ als nicht gebeugtes Adjektiv gebraucht wird:
    die trans Frau
    der trans Frau
    der trans Frau
    die trans Frau
    usw.

    Hat das einen tieferen Hintergrund? Verletze ich jemanden, wenn ich einfach „Transfrau“ schreibe?

  5. Danke für diesen sehr guten Artikel!

    (@5 Bernhard: Ich denke trans Frau analog zur Schreibweise von cis Frau als Adjektiv.)

  6. „Dass sie diesen nun verlassen hat, weil sie die Situation als untragbar empfand, ist bedauerlich. Allein einem übermächtigen „Woke Mob“ geschuldet ist der gesamte Vorgang aber keinesfalls.”

    Dann ist ja gut, wenn es nicht allein der „Woke Mob” war und noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Eine merkwürdige Formulierung, deren Unsinn so richtig deutlich wird, wenn sie auf andere Vorgänge übertragen wird:

    „Dass das Flüchtlingsheim angezündet wurde, ist bedauerlich. Allein einem „rechten Mob” geschuldet ist der gesamte Vorgang aber keinesfalls.” Schließlich hat es ja auch immer wieder Flüchtlinge gegeben, die durch Straftaten in Erscheinung getreten sind.

  7. @#5+6:
    Ich schreibe Cis-Frau oder Cisfrau, weil „cis-“ auch eine Vorsilbe ist. Vor allem mache ich beim Sprechen nach dem trans bzw. cis keine Pause wie nach einem Adjektiv.
    Aber wahrscheinlich gibt es demnächst nicht nur eine Rechtschreibreform, sondern auch eine Rechtsprechreform.

    Was den „Mob“ betrifft: Studien haben ergeben, dass die meisten Menschen Mobbing in Ordnung finden:
    https://www.der-postillon.com/2011/11/umfrage-neun-von-zehn-buroangestellten.html
    Lediglich die Mobbing-Opfer finden das nicht so gut, aber die sind logischerweise immer in der Minderheit.

  8. #7
    Ganz dünnes Eis.
    Brennende Flüchtlingsheime sind also damit gleichzusetzen, dass eine kontroverse Professorin sich aus dem Job gemobbt sieht?

    „Schließlich hat es ja auch immer wieder Flüchtlinge gegeben, die durch Straftaten in Erscheinung getreten sind.“

    Es hat sogar Großeltern und katholische Geistliche gegeben, die durch Straftaten in Erscheinung getreten sind. Brennen demnächst Altenheime und Kirchen?

    Wenn wir schon bei schrägen Vergleichen sind.

  9. Ein sehr guter, weil hilfreicher Artikel. Alle Beteiligten zu Wort kommen zu lassen bzw. ihre Positionen darzustellen und einzuordnen, ist immer wichtig – und das ist Andrej Reisin gut gelungen.

    Eine Bitte habe ich:
    Ersetzt den Begriff „Geschlechtsumwandlung“ durch „Geschlechtsanpassung“ oder „Geschlechtsangleichung“, denn darum handelt es sich: Eine hormonelle und/oder operative Anpassung des Körpers.

  10. @9:
    Es gibt bestimmt Menschen, die den Bewohnern von Flüchtlichsheimen eine „Mitschuld“ an den Anschlägen geben. Täter-Opfer-Umker und so.

    Aber Sie haben Recht, der Vergleich hinkt, weil bis dato niemand tatsächlich einen Anschlag auf die Frau verübt hat.

  11. #10
    Ich will sicher nicht so tun, als sei ein aufgebrachter Mob nicht absolut zu verurteilen.
    Wie sicher war das hier wirklich der maßgebliche Grund für den Rücktritt vom Lehramt?
    Wie steht denn die Mehrheit der Studenten zu der Professorin?
    Was ist mit dem offen Brief der 600 Philosoph:innen, in dem diese gegen die Ordensverleihung an die Professorin protestiert hatten?
    Ist ausgerechnet die Transgender-Community tatsächlich so machtvoll, dass sie nach Belieben Karrieren zerstören kann, wie der Taz Artikel suggerieren soll?

    Ja, kämpferische Rhetorik auf beiden Seiten kann Extremisten aufstacheln und tut dies auch schon. Eben auf beiden Seiten.
    Und ich nehme den ernsthaften Vertretern beider Seiten ab, dass die jeweilige Gewalt von Ihnen nicht gewünscht ist.

    Ich positioniere mich also nicht gegen die Professorin, sondern gegen das reflexartige und unterkomplexe „woke-mob“ Gezeter.

  12. „Wie sicher war das hier wirklich der maßgebliche Grund für den Rücktritt vom Lehramt?“
    Welche anderen Gründe vermuten Sie? Und warum sollten beide Parteien die „maßgeblichen“ Gründe verschweigen?

    „Ist ausgerechnet die Transgender-Community tatsächlich so machtvoll, dass sie nach Belieben Karrieren zerstören kann?“
    Natürlich nicht nach Belieben, aber sich auf eine Person zu konzentrieren, die daraufhin „freiwillig“ kündigt, ist leider Gottes auch nicht so schwer; wenn das einer Mitarbeiterin bei Aldi passiert, steht das bloß nicht in der Zeitung. Und die gesammte Transgender-Community Englands wird insgesamt mehr Macht haben als ein Dutzend Aldi-Angestellte.

  13. #12
    “ Welche anderen Gründe vermuten Sie? Und warum sollten beide Parteien die „maßgeblichen“ Gründe verschweigen?“

    Wer sagt so etwas?
    Wenn Sie aufmerksam lesen, dann steht da, dass einige Artikelschreiber voreilig urteilen. That’s it.
    Es gibt eine Kontroverse, das ist mal klar. Es gibt zumindest auch eine ganze Reihe sehr diffamierende Äußerungen von Frau Stock.
    Diese „als Frauen verkleidete Männer sind potentielle Sexualstraftäter“ Geschichte ist grobschlächtig und infam. Mindestens.
    Dass Sie dann noch jede(n) ihrer Kolleg:innen bezichtigt, sich bei der Trans-Community einschleimen zu wollen um Karriere zu machen, wenn es jemand wagt, sie zu kritisieren, deutet auch auf einen sehr streitbaren Charakter.
    Aber klar, in einem klar umrissenen Anti-Woke Universum ist die Sache sicher glasklar.

  14. „Wer sagt so etwas?“
    Sie wollten wissen, wie sicher es ist, dass Frau Stock wegen Mobbings gekündigt hat, und nicht aus anderen Gründen. Antwort: weil sie das so gesagt hat – warum sonst?
    „Wenn Sie aufmerksam lesen, dann steht da, dass einige Artikelschreiber voreilig urteilen. That’s it.“
    Und wenn Sie dieses voreilige Urteil für falsch halten, würde mich interessieren, was sie stattdessen für wahr oder jedenfalls richtiger halten. That’s it.

    „Diese „als Frauen verkleidete Männer sind potentielle Sexualstraftäter“ Geschichte ist grobschlächtig und infam.“ Ja, das ist es natürlich. Feministinnen können sich oft nicht vorstellen, dass es auch legitime Gründe geben könnte, lieber als Frau zu leben. Aber das verschiebt die Frage von: „Hat sie wegen Mobbing gekündigt?“ zu „Ist dieses Mobbing gerechtfertigt gewesen?“

    „Dass Sie dann noch jede(n) ihrer Kolleg:innen bezichtigt, sich bei der Trans-Community einschleimen zu wollen um Karriere zu machen, wenn es jemand wagt, sie zu kritisieren, deutet auch auf einen sehr streitbaren Charakter.“ Also ist sie der Täter und nicht das Opfer?

    „Aber klar, in einem klar umrissenen Anti-Woke Universum ist die Sache sicher glasklar.“ Das mag sein, aber da wohne ich nicht. Ich wohne in einem Universum, wo Mobbing regelmäßig damit gerechtfertigt werden soll, dass das Opfer es irgendwie verdient hätte. Fortgeschrittene erzählen dann immer, dass solche Rechtfertigungen natürlich Täter-Opfer-Umkehr seien, aber wenn sie es selbst machen, wäre das Opfer wirklich der Täter, doppelplusschwör!

    Wobei die Berichterstattung wirklich zu kurz greift.

  15. #14:
    Es lassen sich einige Hinweise darauf finden, dass die Professorin es sich mit vielen Kolleg:innen und einem Großteil der Studierenden verdorben hat.
    Ich will keinen Mob gegen die Frau rechtfertigen, aber beklage, dass das Mobbing gegen trans Menschen anscheinend tolerabel ist, ja nicht einmal erwähnt werden muss.
    Passt ja nicht in das derzeit „hippe“ Cancel-Culture Narrativ.

    Der Rücktritt der Professorin ist eine Story wert, die alltägliche Gewalt gegen trans Menschen eben nicht.
    Ich sage an keiner Stelle, dass der Rücktritt keine Story wert sein darf und ich entschuldige auch nicht die verbale Gewalt gegen die Frau.
    Aber ich verurteile die Einseitigkeit der Berichterstattung.

    Wenn Sie das als Täter-Opfer Umkehr. zurechtbiegen wollen, dann wollen sie diese Bedenken eben „canceln“.
    So wie Feddersen von der Taz.
    Nach seinem Artikel sind die protestierenden Studierenden, die Philosoph:innen und die betroffenen Trans Menschen eben
    „WOKISTAN“.
    Bei aller Schwurbelei:
    Exakt darum geht es hier die ganze Zeit!

    So zumindest lese ich den Beitrag hier.

  16. Danke für diesen Artikel, Herr Reisin. Nach meiner Wahrnehmung der beste unter sehr wenigen vernünftigen Einlassungen zu dieser Angelegenheit.

    Ansonsten wird meist nur gebarmt, Frau Stock sei wegen ihrer abweichenden Meinung gemobbt worden. Dass diese „abweichende Meinung“ kein differenzierter akademischer Diskurs ist, sondern aggressiver transfeindlicher Aktivismus, der ganz konkret auf eine Entrechtung von Transmenschen abzielt, bleibt in der Regel unerwähnt. Die Diffamierung von Transfrauen als verkappte Sexualstraftäter etwa erinnert stark an die einstmals gängige Darstellung von Schwulen als Kinderschänder und Sexmonster.

    Nun ist auch gegenüber Leuten mit menschfeindlichen Positionen und Aktivitäten nicht alles legitim, und Morddrohungen und sonstige verbale Gewalt sind natürlich zu verurteilen, im moralischen wie juristischen Sinne. Trotzdem fällt es mir, auch oder grade angesichts eigener Mobbingerfahrungen, hier schwer, von Mobbing zu sprechen. Natürlich suchen sich tatsächliche Mobber irgendwelche Eigenheiten ihrer Opfer als Anlass und rechtfertigen damit ihre Attacken. Es gibt aber halt auch Fälle, in denen sich Menschen einfach bösartig verhalten und dann „Mobbing“ schreien, wenn sie deswegen angefeindet werden.

    Eine grundlegende Erkenntnis für Mobbingopfer ist ja: „Was hier passiert, liegt nicht an deiner Art oder deinem Verhalten. Es ist nicht deine Schuld, auch wenn sie versuchen, dir das einzureden.“ Und das kann man Frau Stock nun beim besten Willen nicht sagen.

  17. „Es lassen sich einige Hinweise darauf finden, dass die Professorin es sich mit vielen Kolleg:innen und einem Großteil der Studierenden verdorben hat.“ Das ist bei Mobbing meistens so: Beliebte Menschen werden seltenst gemobbt. Drachengame endet nie.

    „Ich will keinen Mob gegen die Frau rechtfertigen, aber…“ wer sich auf ihre Seite schlägt, macht sich mit den Cancel-Culture-Schreiern gemein.

    „Wenn Sie das als Täter-Opfer Umkehr. zurechtbiegen wollen…“ Eigentlich nicht. Bzw., ich halte die Opfer-Täter-Einteilung von Menschen für eine falsche Dichotomie. Aber gut, mein Sarkasmus diesbezüglich ging wohl etwas unter, sorry.

    Dass die Berichterstattung zu wenig sei, habe ich doch schon geschrieben; einige relevante Fragen werden nicht oder nur halb beantwortet, wie:
    – was genau ist die aktuelle Rechtslage bzgl. Transsexuellen in England, und wie soll die ggfs. geändert werden?
    – da Stock die neue Regelung zumindest ablehnt, wie steht sie zur aktuellen?
    – Stock ist sicher nicht alleine mit ihrer Einstellung, aber wie verbreitet ist diese?
    – welche Argumente abseits von Mobbing und Mobbingvorwürfen und den Mann in Frauenkleidern gibt es eigentlich für oder gegen die Änderung?

    Persönlich halte ich eine rein bürokratische Änderung des Geschlechtseintrages für sehr sympathisch, aber das ist ja kein Argument.

  18. #17
    Sie haben schon mitbekommen, dass es mir nicht darum ging, Berichte über den Rücktritt der Professorin zu unterdrücken, sondern um die schrägen Sichtweisen in den o.a. Berichten?

    Wenn ja finde ich den Teil Ihres Kommentars, der mich zitiert für misslungen und überflüssig und ich werden nicht zum 4. Mal darauf eingehen.

    Aber sei es drum, leben wir halt in „Wokistan“ unter der Knute der „Cancel Culture“.

    Es ist nicht einmal das Dümmste, was einem heutzutage aus den Medien entgegen schreit, nur so unreflektiert adaptiert.

  19. „Trotzdem fällt es mir, auch oder grade angesichts eigener Mobbingerfahrungen, hier schwer, von Mobbing zu sprechen.“
    Mir nicht, aus denselben Gründen.

    Bzw., wenn Stock sich selbst ins Unrecht gesetzt hat, indem sie z.B. Politik und Lehre vermischt hat, gäbe es legitime Möglichkeiten, sich als Student oder Kollege dagegen zu wehren.
    Auch _einschließlich_ der Möglichkeit, dass sie wegen ihres Fehlverhaltens entlassen wird.

    Oder, für außeruni Personen, man könnte auch für ein neues Gesetz demonstrieren, ohne eine einzelne Person anzugreifen, die dagegen ist.

  20. „Sie haben schon mitbekommen, dass es mir nicht darum ging, Berichte über den Rücktritt der Professorin zu unterdrücken, sondern um die schrägen Sichtweisen in den o.a. Berichten?“
    Ja, habe ich.
    Sie beklagen die einseitige, oder meinetwegen schräge Sichtweise, mit der das Thema wiedergegeben wurde, wollen also nicht weniger, sondern mehr Berichterstattung.

    Nach tiefergehender Beschäftigung mit dem Thema komme ich zu der Ansicht, dass das keine „cancel culture“ ist, sondern Mobbing. Insofern stimme ich Ihnen also zu. Da ich aber nunmal auch gegen Mobbing bin, auch, wenn ich das Opfer unsympathisch finde und den politischen Ansichten der Mobber zustimme, ändert eine nicht-schräge Berichterstattung meine Ansicht zu dem Vorgang eher geringfügig.

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