Corona-Kriegs-Opa aus der Zukunft löst Nazi-Alarm im Springer-Haus aus

Manchmal konvergieren die Dinge schön. Bei „Bild“ versteht man das Erzeugen von Aufregern als ureigene Aufgabe, und die lässt sich erstaunlich nahtlos verbinden mit der Mission, in Bezug auf die Corona-Pandemie möglichst mit allen Aussagen falsch zu liegen. Wir kennen das Spiel: Wenn die Bundeskanzlerin Ende September vor mehr als 19.000 Neuinfektionen am Tag warnt, findet „Bild“ einen Experten1)Na gut, den „Hygiene-Experten Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow“., der das „puren Alarmismus“ nennt. Aufregend. Wenn sich die Zahlen dann schneller als von Merkel befürchtet bestätigen, wirft die „Bild“ ihr vor, „meilenweit daneben“ gelegen zu haben. Wieder aufregend!

Aber dass alle das Spiel mit den Aufregern kennen, heißt nicht, dass es auch alle spielen dürfen: Die Bundesregierung hat eine Reihe von Werbespots in Auftrag gegeben, die mit einem Aufreger dafür sorgen sollen, dass mehr Menschen zuhause bleiben. Das hat im Springer-Haus offenbar für eine Art nichtlinearer, irrationaler Kernschmelze gesorgt: Es sind sich alle Angestellten sicher, dass sie explodieren sollten – und sie tun das auch –, sie wissen nur nicht so genau warum.

„Unsere Couch war die Front“

Falls es jemand nicht gesehen hat: In den Spots erzählen alte Menschen im Jahr 2070 von „ihrem Einsatz“ in 2020, der – Vorsicht, jetzt kommt eine Pointe – darin bestand, zuhause auf dem Sofa zu liegen und explizit nichts zu tun. Die Botschaft der Spots ist klar: Corona ist scheiße, aber nicht so scheiße wie das, was die Kriegsgenerationen durchgemacht haben.

Bei „Bild“ findet man das unmöglich, und bestimmt nicht lange nach dieser Feststellung hat man auch einen Grund gefunden, warum. Aufregungs-Experte Filipp Piatov schreibt:

Ausgerechnet am Wochenende des Volkstrauertags startet die Bundesregierung eine Werbe-Kampagne, um junge Menschen im Lockdown zum Zuhausebleiben zu motivieren. Und setzt auf: Weltkriegs-Romantik!

Das findet Filipp Piatov falsch, weil er dafür Gründe hat, findet er. Es ist irgendwie, und überhaupt: Weltkrieg! Er schreibt:

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr machte der Spruch die Runde: Unsere Großeltern mussten damals in den Krieg, wir nur zu Hause bleiben. Nur, dass der Zweite Weltkrieg – anderes [sic] als Corona – nicht über Deutschland hereinbrach, sondern vom fanatisierten Nazi-Deutschland begonnen wurde.

Okay, die logische Verbindung ist ein bisschen wackelig. Ich weiß, es steht nicht im Text, aber ich würde vorsichtig Piatovs Gedanken so verstehen wollen, dass er meint, weil die Nazis Verbrechen begangen haben, dürfen sie nicht als Helden dargestellt werden – das finde ich richtig. Wenn also heute jemand, der im fiktiven Jahr 2070 aussieht, wie ein ehemaliger Wehrmachts-Soldat heute aussieht (nämlich wie ein ganz normaler Opa), von Heldentaten erzählt, dann ist das … irgendwas mit Nazis? Oder so?

Obwohl er das wiederum auch nicht meinen kann, denn, Zitat, „das Vorbild der Kampagne ist klar: amerikanische Kriegsveteranen, die in US-Filmen (u.a. Band of Brothers2)Ja, das ist genau genommen kein Film sondern ein Serie, aber den schenken wir.) von der Befreiung Europas von Nazi-Deutschland erzählen.“ Also nochmal anders: Wenn der Alte von 2070 aussieht, wie ein amerikanischer Held des 2. Weltkrieges heute aussieht, dann geht das nicht, weil … Okay, das geht nicht auf. Piatov, wir brauchen ein neues Argument!

Typisch Öffentlicher Dienst

Und das liefert er: Er zitiert eine Reihe von Historikern, also drei, die den zu dem Zeitpunkt bekannten ersten Spot befremdlich finden. Professor Andreas Rödder von der Universität Mainz findet zum einen den Humor unangebracht, hat aber auch inhaltliche Kritik: „Den Lockdown mit Nichtstun zu verwechseln kann einem auch nur im Öffentlichen Dienst einfallen.“

Man würde denken, Rödder könne das beurteilen, schließlich ist er seit fast 30 Jahren im Öffentlichen Dienst,3) Vielleicht sollte man anmerken, dass der Bundesregierung die Spots technisch gesehen nicht eingefallen sind, sondern der Agentur Florida Reklame. er kann es aber nicht wirklich.

Die Idee, die zum Beispiel dem nach 35 Jahren im Öffentlichen Dienst emeritierten Professor Michael Wolffsohn kommt, ist nämlich eine ganz andere, als den Lockdown mit Nichtstun zu vergleichen. Er möchte eine ganz andere Botschaft: Anstatt „klischeehafte, kriegerische Soldatensprache“ zu benutzen sollte die Bundesregierung in ihren Spots auf das Prinzip „Schütze deinen Nächsten wie dich selbst“ setzen. „Das klingt besser als Kriegsberichterstattung – und stößt auf offene Ohren und Herzen.“

Man könnte diese Annahme möglicherweise infrage stellen, aber was soll der Geiz. Der ganze Punkt des Spots ist, kriegerische, klischeehafte Soldatensprache mit dem Akt des Auf-dem-Sofa-Liegens zu konterkarieren. Das muss man nicht lustig finden. Aber hier geht es ja nicht um lustig, sondern um „Weltkriegs-Romantik“ die kritisiert wird, oder? Wir haben ein Verständnisproblem.

Schrapnell aus dem Springer-Haus

Johannes Boie, der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, versucht es mit einer Spezialdisziplin der Humorkritik:

Ich sage das Offensichtliche: Der Chefredakteur der „WamS“ ist weder Gastronom noch Künstler noch in einer der anderen angesprochenen Berufsgruppen. Trotzdem wäre ihm der Versuch zuzumuten, den Gedanken des Spots aufzugreifen, der ja kein Sketch ist, den man wegen des Gags schauen soll. Der Gedanke ist haargenau der: Was passiert, ist hart, aber wiederum nicht so sehr im Verhältnis zu dem, was unsere Großeltern durchmachen mussten. Diese Botschaft richtet sich vor allem an die Berufsgruppen, die es am härtesten trifft, und sie ist nicht witzig gemeint. Der Witz ist nur dafür da, die Botschaft zu transportieren. Das könnte man verstehen, wenn man wollte.

Aber Boies Reaktion ist, um mal in klischeehafter Soldatensprache zu bleiben, noch das am wenigsten willkürliche Schrapnell aus dem Springer-Haus. Der stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Timo Lokoschat twitterte zu dem Spot:

Äääähm, ja! Haben wir auch immer noch. Jetzt muss man sagen, dass dies ein Spot ist, der Menschen dazu bringen soll, zuhause zu bleiben. Häusliche Gewalt und Depressionen aus Einsamkeit sind möglicherweise nicht die besten Argumente dafür. Die Probleme, die Lokoschat anspricht, sind real und furchtbar. Und wir sollten alles tun, sie zu lösen. Aber fordert er das hier wirklich gleichzeitig, oder einfach nur, dass die Bundesregierung nicht dazu aufrufen soll, zuhause zu bleiben, weil es diese Probleme gibt? Oder hat er einfach nicht nachgedacht? Man weiß es nicht.4)Aber ich habe einen Verdacht. Sag ich aber nicht.

Irgendwas mit Nazis

Die Nahost-Korrespondentin der „Welt“ hat die Tweets von Lokoschat und Boie freundlicherweise für die internationalen Leser noch einmal auf Englisch zusammengefasst:

Der König der Irgendwie-ist-das-alles-falsch-Botschaft bleibt aber selbstverständlich Filipp Piatov, der die Botschaft seines Artikels noch einmal nachhause hämmert, indem er twittert:

Da haben wir es wieder, das ursprüngliche Argument, das nirgendwo steht, weil es sich nicht herleiten lässt: Irgendwas mit Nazis.

Das wäre alles lustig genug, wenn die plötzliche Wokeness in Bezug auf Depressionen, häusliche Gewalt und schwierigen Humor nicht ausgerechnet aus der Ecke derer käme, die sich sonst immer wie Dieter Nuhr anhören, der ja bekanntlich nichts mehr sagen darf, ohne als Nazi dazustehen. Aber so ist es ein umfassendes Gesamtkunstwerk. Manchmal konvergieren die Dinge einfach wunderschön.

Offenlegung: Die Spots wurden im Auftrag der Bundesregierung produziert von der Agentur Florida Reklame, zu deren Gesellschaftern Joko Winterscheidt gehört, mit dem ich an anderer Stelle zusammenarbeite.

Fußnoten

Na gut, den „Hygiene-Experten Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow“.
Ja, das ist genau genommen kein Film sondern ein Serie, aber den schenken wir.
Vielleicht sollte man anmerken, dass der Bundesregierung die Spots technisch gesehen nicht eingefallen sind, sondern der Agentur Florida Reklame.
Aber ich habe einen Verdacht. Sag ich aber nicht.

58 Kommentare

  1. Es wäre interessant zu erfahren, wer diese Filmchen drehen durfte. Es gibt doch jetzt viele notleidende Künstler und Produktionsfirmen. Ist doch schön, dass die beschäftigt werden.

  2. Das ist ein Stürmchen im Wasserglas. Man will sich halt aufregen und vergisst dabei, dass »Werbung« immer für eine Zielgruppe gemacht wird. Doch, doch. In den meisten Fällen schon. Die Zielgruppe dieser Spots ist nicht die coronageplagte Gesamtgesellschaft. Angesprochen sind explizit die Feierbiester zwischen 17 und 25.

    Ob die das tangiert, weiß ich nicht. Ich warte noch auf Rückmeldung meiner drei Kinder. Ich könnte mir allerdings denken, dass sie und viele ihrer Freund*innen sich kaum damit identifizieren können, aufs »Rumgammeln« und »Rumschimmeln« reduziert zu werden. Die meisten von ihnen rödeln gerade wie die Blöden, um Knete für Studium und Ausbildung zusammenzukriegen. Alle Gastro-Jobs sind ausgefallen.

  3. Ich halte ja insbesondere Reichelt und Piatov für niederträchtige Dummköpfe. Über deren Fehlurteile, falsche Darstellungen, Verdrehungen und Lügen ließe sich vermutlich schon alleine ein ganzes Buch füllen. Immerhin wissen sie ihre eigene journalistische Inkompetenz und ihre Unfähigkeit, Sachverhalte richtig einzuordnen und zu verstehen, durch fieses Nachkarten, dummdreiste Unterstellungen und niederträchtige Schuldzuweisungen gegen andere zu kompensieren. Auf diese Typen kann Papa Döpfner wirklich stolz sein. Einfach widerlich!

  4. Elegant die Kritik umschifft und einen schönen “warum ihr alle undifferenziert und blöd seid” Kommentar verfasst.

    “Es sind sich alle Angestellten sicher, dass sie explodieren sollten – und sie tun das auch –, sie wissen nur nicht so genau warum.”

    Hmm, schauen wir mal.

    Zu “Unsere Couch war die Front”

    “Wenn also heute jemand, der im fiktiven Jahr 2070 aussieht, wie ein ehemaliger Wehrmachts-Soldat heute aussieht (nämlich wie ein ganz normaler Opa), von Heldentaten erzählt, dann ist das … irgendwas mit Nazis? Oder so?”

    Ja. Dann ist das eine heroische Verklärung der deutschen Wehrmachtssoldaten, die bekanntermaßen Millionen Menschen brutal ermordet haben. Will ich ein “Held” sein, wie einer dieser brutalen Schlächter?

    Und da heben wir dann auch schön den Unterschied zu einem amerikanischen Soldat im zweiten Weltkrieg. Das waren keine Nazis. Muss schon schwer sein, da zu differenzieren. Der “ganz normale” Nazi-Opa auf der einen Seite, den wir hier im Stil einer Wehrmachtsverklärung zum Helden stilisieren auf der einen Seite und die wahren Helden des zweiten Weltkriegs, die Alliierten, die die Nazis zu unser aller Glück besiegt haben, auf der anderen Seite.

    Zu “Typisch Öffentlicher Dienst”

    “Professor Andreas Rödder von der Universität Mainz findet zum einen den Humor unangebracht, hat aber auch inhaltliche Kritik: „Den Lockdown mit Nichtstun zu verwechseln kann einem auch nur im Öffentlichen Dienst einfallen.“”

    Hat er damit Unrecht? Sie finden offenbar, er könne das nicht beurteilen, weil er ja ebenfalls im Öffentlichen Dienst tätig ist? Naja. Viele andere können es wohl beurteilen und sehen es genauso. Allerdings haben sie diese Tweets in ihrem scheinbar objektiven Kommentar elegant vergessen. Hier sind drei:

    A https://twitter.com/rob_heinze/status/1327713149349490689?s=20
    B https://twitter.com/BuchholzThilo/status/1327703943661690882?s=20
    C https://twitter.com/starkwatzinger/status/1327933150538985472?s=20

    Zu “Schrapnell aus dem Springer-Haus”

    “Ich sage das Offensichtliche: Der Chefredakteur der „WamS“ ist weder Gastronom noch Künstler noch in einer der anderen angesprochenen Berufsgruppen.”

    Stimmt, ist er nicht, deswegen benutzen sie ihn hier auch als Beispiel. Andere sind es sehr wohl, und die sind ebenfalls der Meinung, dass der Clip im Auftrag der Bundesregierung mindestens geschmacklos ist.

    https://twitter.com/igorpianist/status/1328005686622625803?s=20

    Außerdem ignoriert er diejenigen, die sich gerade wirklich heldenhaft für uns aufopfern. Bei beschissener Bezahlung und fast ohne Arbeitsschutz. Die, die laut Spahn demnächst auch krank arbeiten dürfen.

    https://twitter.com/StellaBugatti/status/1327909351160483841?s=20

    Stattdessen soll hier abstrahiert werden, dass es natürlich um die Botschaft (“Zuhause bleiben”) geht, gegen die mitten in einer Pandemie ohnehin niemand ernsthaft etwas einzuwenden hat.

    Was der Spot aber tut, ob absichtlich oder nicht sei mal dahingestellt, ist mittzwanzigjährige, privilegierte, weiße Jungs zu Helden im Stil von Wehrmachtssoldaten zu verklären. Und das kommt eben nicht überall an.
    Zu “Irgendwas mit Nazis”

    “Das wäre alles lustig genug, wenn die plötzliche Wokeness in Bezug auf Depressionen, häusliche Gewalt und schwierigen Humor nicht ausgerechnet aus der Ecke derer käme, die sich sonst immer wie Dieter Nuhr anhören, der ja bekanntlich nichts mehr sagen darf, ohne als Nazi dazustehen. Aber so ist es ein umfassendes Gesamtkunstwerk. Manchmal konvergieren die Dinge einfach wunderschön.“

    Es stimmt, dass die Journalisten, die sie hier als die einzigen Kritiker*innen darstellen, an anderer Stelle eher der Fraktion “das wird man ja wohl noch sagen dürfen” angehören. Macht das ihre Kritik weniger sachlich? Und im Übrigen kam sehr wohl auch Wiederspruch aus der anderen politischen Ecke. Die sie hier elegant weggelassen haben. Schon wieder.

    Die Perspektive der Student*innen, die sich im Spot offenbar leisten können, faul wie die Waschbären abzuhängen, haben Sie im Übrigen auch ganz geschickt unter deren Tisch fallen lassen. Dabei sind sie, wie viele andere Berufsgruppe dieses Jahr überbelastet, während sie sich von Nothilfe zu Nothilfe hangeln.

    https://twitter.com/fruitgecko/status/1328042447381950466?s=20

    Und dann noch das hier:
    Offenlegung: Die Spots wurden im Auftrag der Bundesregierung produziert von der Agentur Florida Reklame, zu deren Gesellschaftern Joko Winterscheidt gehört, mit dem ich an anderer Stelle zusammenarbeite.

    Völlig privat, dieser Meinungsbeitrag hier? Oder ein Versuch eine offensichtlich geschmacklosen Werbespot verzweifelt schön zu reden?

  5. Beobachter hat in #5 eigentlich fast alles gesagt. Bleibt nur noch anzumerken, dass ehemalige WK-Soldaten, egal welcher Nationalität, heute, 75 Jahre nach Kriegsende, eher gar nicht aussehen, weil tot.
    Die wenigen 90+-jährigen Greise als „normale“ Opas zu bezeichnen, ist auch irgendwie… nun ja.

    Dieser Spot ist einfach ein Griff ins Klo.

  6. Hm, ich kann – ausnahmsweise – die Kritik seitens Welt&Co durchaus nachvollziehen: Wenn die Spots sich auch heutige Senioren beziehen sollen, die von ihren „Heldentaten“ im 2. Weltkrieg erzählen – dann ist der völlig absurde, skandalöse Vergleich zwischen Corona und 2. Weltkrieg offensichtlich eingepreist. Und ja, dieser Vergleich ist skandalös: Corona ist eine Epidemie, für die wir Menschen durch unsere Lebensweise und die Zerstörung der Natur vielleicht unseren Beitrag leisten. Aber zunächst ist es ein Virus, das niemand hergestellt oder vorsätzlich verbreitet hat. Der 2. Weltkrieg wurde dagegen von Menschen begonnen, genauer: Von uns Deutschen. Es war eben kein Naturereignis, für das wir Menschen nichts konnten und das wir irgendwie ertragen/managen mussten, sondern diese schweren Schicksale der damaligen Jugend wurden (vorsätzlich!) herbeigeführt.

    Hätten andersrum Bild&CO einen derartigen Vergleich gezogen – ich bin mir sicher, dass es auch hier auf der Seite Kritik daran gegeben hätte.

  7. Was für bekloppte Kommentare! Wieviel Steuern hat Döpfner jetzt noch mal genau für seine geschwenkte Milliarde bezahlt? Da könnte ich im Strahl kotzen!

    Danke, Michalis.

  8. Danke an Beobachter aus #5.
    Ich frage mich ernsthaft, welche Absicht der Autor hier verfolgt. Ich würde mich garantiert nicht mit den Springer-Leuten solidarisieren, aber es gibt in meinen Augen berechtigte Kritik an den Botschaften, die aus diesem Spot der Bundesregierung transportiert werden.
    Das allgemeine Narrativ, dass es ja irgendwie die jungen Partybiester sein müssen, die für die momentane Situation verantwortlich sind, schürt nichts anderes als intergenerationale Konflikte. Ich gehöre wohl zu dieser Gruppe und habe bzw. werde in dieser Pandemie bitterlich auf vieles Verzichten. Aus Solidarität – und das aus Überzeugung.
    Dass diese Gruppe dabei sich aber noch anhören muss, dass sie jetzt einfach ihr Faulenzen auf der heimischen Couch fortsetzen kann, geht dermaßen an der Realität vorbei. Sie schürt eine Zielgruppe von jungen Menschen über einen Kamm.
    Viele von uns arbeiten hart – teils auch im Gesundheitswesen oder Einzelhandel – oder sie kämpfen sich von Abgabe zu Abgabe mit mangelnder Unterstützung auf Seiten von einigen Dozierenden oder Bafög-Ämtern durch ihr Studium.

    Sie können diesen Axel-Springer-Journalist*innen Verlogenheit vorwerfen, aber dann weisen Sie doch wenigstens auf die berechtigten Problematiken hin und diskreditieren sie diese nicht, nur weil Sie meinen, dass diejenigen Menschen, die Sie zitieren, zu privilegiert sind, um sie zu vertreten.
    Solidarität ist beidseitig, das sehen vermutlich viele junge und ältere Menschen so. Der Spot zeigt aber nur die eine Seite der Solidarität – und das ist ein Problem.

  9. Eine Detailkritik, auch wenn sie schon in #3 vorweggenommen wurde:

    „Diese Botschaft richtet sich vor allem an die Berufsgruppen, die es am härtesten trifft“

    Nein, eben gerade nicht! Die Spots richten sich an „die Feierbiester zwischen 17 und 25“, oder ganz allgemein an alle, die jetzt „nur“ auf Party, Disco und Tindern verzichten müssen, um ihren notwendigen Beitrag zur Pandemiebekämpfung zu leisten. (Die „“ übrigens deshalb, weil das für viele Menschen durchaus ein erheblicher Verzicht ist – aber trotzdem ein machbarer.) Also, liebe Krankenpfleger, Supermarktverkäuferinnen und Alleinerziehende: Entspannt euch, dieser Spot ist nicht an euch gerichtet!

    Alles ständig auf sich selbst zu beziehen ist auch so eine dämliche, humorverhindernde Angewohnheit. Wird nur noch übertroffen durch Leute, die auch noch stellvertretend und paternalistisch Dinge auf andere Menschen beziehen, die offensichtlich gar nicht gemeint sind.

    #5-7:
    1. Die Spots beziehen sich in keiner Weise auf Nazis oder Wehrmachtssoldaten, sondern ganz allgemein auf Menschen, die von schweren früheren Zeiten und entbehrungsreichen Heldentaten berichten. Das können alliierte Soldaten sein, Widerstandskämpfer, KZ-Überlebende, DDR-Bürgerrechtler… was auch immer. Da auf Nazis zu kommen braucht schon eine seltsame Wahrnehmung. (In welchen Dokus der, sagen wir, letzten 40 Jahre werden denn bitte Nazis und/oder Wehrmachtssoldaten als alte Helden präsentiert?)

    2. Mit öffentlichem Dienst – dazu zählen nicht zuletzt Leute im Gesundheitsamt, an Schulen, an Kindergärten, bei der Polizei, bei der Müllabfuhr… also ein Haufen Leute, die nicht einfach so zu Hause bleiben können – hat das alles erst recht nichts zu tun. Höchstens insofern, dass die öffentliche Hand mal tatsächlich witzige Werbespots finanziert. In Deutschland natürlich ein Verbrechen, ich weiß.

    3. Die jungen Leute, die einfach zu Hause bleiben können und das auch tun, werden in den Spots gar nicht ernsthaft zu Helden erklärt. Das ist Ironie. Schlagen Sie das Wort bei Gelegenheit mal im Fremdwörterbuch nach.

  10. @Earendil (#10): Ich wäre bei dem Spot gar nicht auf Wehrmachtssoldaten gekommen – diesen Schluss zieht der Autor des hiesigen Artikels.

  11. Ich fand den Spot auch einfach nur lustig.
    Keine Ahnung warum man das hier alles immer so bierernst nehmen muss….

  12. Ich kann dir Kritik in den Kommentaren auch nicht nachvollziehen. Was ist die Forderung? Spots über Fakten zu drehen die ohnehin jeder kennt? Eine Erfolgsgarantie. Oder keine Spots zu drehen?

    Ja, es gibt einen Teil der Bevölkerung der besonders betroffen ist. Ich wage zu behaupten dass es der Großteil nicht ist. Das tut jedoch der Hysterie keinen Abbruch.

  13. #MKM Diesen Zusammenhang zieht eben nicht der Autor des hiesigen Artikels, sondern Piavot. DerAutor stellt das nur dar. Und Earendil hat selbstverständlich völlig recht: Das gedachte Klischee sind Veteranen der Alliierten als sog. Talking-Heads in einschlägigen BBC-Dokus, und keineswegs Wehrmachtssoldaten.

  14. “Das gedachte Klischee sind Veteranen der Alliierten als sog. Talking-Heads in einschlägigen BBC-Dokus, und keineswegs Wehrmachtssoldaten.“

    In Deutschland denkt ,wenn Opa vom Krieg erzählt, natürlich auch jeder sofort an die guten Alliierten. Nicht etwa an Nazi-Opa im Retrolook.

  15. Das Problem an diesen Parolen, die die Politik ja auch laufen ausgibt und die da lauten, man solle zu Hause bleiben um so den Armen, Alten und Schwachen zu helfen, ist viel einfacher, als die Auseinandersetzung hier bei Übermedien es glauben macht.

    Es lautet unterlassene Hilfeleistung, zu der die Politik momentan laufend aufruft. Denn gerade jetzt brauchen diese Menschen unsere Hilfe, unseren Beistand. Jeder, der im Freundeskreis oder in der Familie Fälle hat – auch nur Verdachtsfälle – weiß dass.

    Die Werbung ist deshalb so falsch wie idiotisch. Weil gerade das nicht die wichtigen Erinnerungen sein werden. Tu Gutes und Schweig drüber – das ginge ja gerade noch klar. Aber hier wird wenig verbrämt dazu aufgerufen, Hilfe bewusst zu unterlassen.

  16. Wer kennt sie nicht, die deutschen Dokumentationen in denen Wehrmachtssoldaten von ihren Heldentaten berichten …
    Diese Verbindung nun dem hiesigen Autor unterschieben zu wollen, statt dem bildzeitungsmitarbeiter (#5) ist schon eine nette Verdrehung.
    Wartet ab, die AfD wird bald irgendwas mit KZ-Häftlingen machen, wegen zuhause eingesperrt und so.

    Ich persönlich halte den Spot allerdings auch für problematisch.
    Erstens ist der Humor, naja, piefig. Die angepeilte Zielgruppe „Feierbiester“ (als ihr noch jung wart, war das noch positiv) kennt vermutlich nicht mal die Referenz, also die BBC-Veteranen Schnipsel (ein Stilmittel, das auch schon in Hollywood-Produktionen eingeflossen ist, Interstellar fällt mir da ein).
    Zweitens halte ich das für mindestens Geschichts-beschönigend. Wir waren nun mal die Nazis. Sich jetzt mit alliierten Soldaten zu identifizieren, weil die Popkultur der letzten 30 Jahre (ich bin selbst „erst“ 33) das irgendwie en vogue gemacht hat, halte ich für falsch. Da hätte man den Spot auf Englisch drehen sollen und daraus eine europäische Sache machen können, aber die Chance hat man wohl nicht gesehen. Mehr Das Boot, weniger Band of Brothers.

    Die Kritik an heuchelnden Bildmitarbeitern ist dennoch natürlich berechtig.

    Aber auch dem letzten Satz von MKM in #7 muss ich (leider) zustimmen. Hätte die bildzeitung das selbst gebracht, sähe die Kritik auch hier anders aus.

  17. @Stefan Klein (#15): Der Autor schreibt, noch bevor es um irgendeine Aussage der Springer-Jounalisten geht: „Die Botschaft der Spots ist klar: Corona ist scheiße, aber nicht so scheiße wie das, was die Kriegsgenerationen durchgemacht haben. “
    Das ist eine Aussage des Autors. Keine indirekte Rede, keine Zuschreibung an Äußerungen zu anderen Autoren, keine Interpretation fremder Texte, sondern seine eigenen Worte. Er schreibt sogar, dass diese Botschaft – der Bezug zum 2. Weltkrieg – „klar“ sei, also zweifelt er selber an diesem Zusammenhang offensichtlich nicht.

    „Das gedachte Klischee sind Veteranen der Alliierten als sog. Talking-Heads in einschlägigen BBC-Dokus“
    Der Spot wurde von der deutschen Bundesregierung auf Deutsch für deutsches Publikum beauftragt. Wie vielen der potentiellen Zuschauer kommen wohl irgendwelche BBC-Dokus als Vergleich in den Sinn – und wie vielen der geographisch und persönlich sehr viel näher liegende Bezug zur Geschichte der eigenene (Ur-)Großeltern-Generation?

  18. Mal ganz ohne auf das Thema einzugehen. Wegen solchen Artikeln Zahlencode Euch meinen Obolus sehr gerne. Weiter so, liebes Übermedien-Team!

  19. „Wartet ab, die AfD wird bald irgendwas mit KZ-Häftlingen machen, wegen zuhause eingesperrt und so.“ Hat letztens nicht eine Elfjährige erzählt, ihr ginge es mit Corona wie Anne Frank, die ja auch nicht ihren Geburtstag feiern konnte?

    Mit alten Soldaten, die der jungen Generation Schuldgefühle einreden wollen, kann ich mich so gar nicht identifizieren, insofern finde ich den Spot auch eher unlustig, aber im Prinzip stimme ich dem zu – nicht ausgehen zu können aus Rücksicht auf andere ist nicht so schlimm wie _irgendein_ Krieg. Und auch nicht so schlimm, wie andere Verzichte zurzeit.

  20. „Ja, es gibt einen Teil der Bevölkerung der besonders betroffen ist. Ich wage zu behaupten dass es der Großteil nicht ist.“

    Interessante These. Sie haben wohl eher wenig mit Kindern, mit alten Menschen, mit jungen, aber kranken Menschen zu tun? Sie arbeiten wohl nicht: in der Gastronomie, in der Veranstaltungsbranche, als Künstler, als Sporttrainer, als Betreiber eines Einzelhandelsgeschäfts (dem die Kunden wegbrechen, weil ja quasi aufgefordert wird, online zu kaufen) oder als Angestellter dort? Schön für Sie.

    Weniger schön für Sie ist es, dass es anscheinend in Ihrem Leben auch keine Parties gibt, keine Vereinsabende, keine kulturellen Highlights, die Ihnen fehlen.

    Wie man allen Ernstes im November 2020 in den Raum stellen kann, nur die Wenigsten seien betroffen, lässt mich sprachlos zurück.

    Ich kenne:

    – meinen besten Freund, krebskrank, der sein vermutlich letztes Weihnachten nicht mit der Familie wird verbringen dürfen.

    – eine gute Freundin, deren für die Lebensqualität wichtige, aber eben nicht lebenswichtige OP nun zum dritten Mal verschoben wird.

    – drei ältere Herren, denen der Laufsport im Verein liebster Lebensinhalt war, die diesen nun aber mangels Verein aufgegeben haben – mit nicht absehbaren psychischen wie physischen Folgen

    – zwei junge Menschen, deren Existenz als Gründer (Fall 1) und als Angestellter in der Veranstaltungsbranche (Fall2) beendet (Fall 1) ist oder am seidenen Faden hängt (Fall 2).

    Kleinigkeiten, Casualties of War im Kampf gegen die gegen die „7-Tage-Inzidenz“, einen völlig willkürlichen Wert, der – man lasse es sich auf der Zunge zergehen – dazu dienen soll, den Gesundheitsämter die Nachvorfolgung der Infektionsketten zu ermöglichen. Von Infektionsketten, die gemäß Expertenmeinungen vielleicht ein Fünftel, vielleicht ein Zehntel, vielleicht ein Fünfzigstel der tatsächlichen Infektionsketten sind…

  21. Offtopic: Da es vor mir noch keiner geschrieben hat: Schön, dass die Fußnoten jetzt wieder beim Drüberfahren mit der Maus zu sehen sind! Das Springen zwischen Text und Textende war nur so mittel.
    Ontopic: Ich finde den Spot gelungen und die Bild-Kritik überzogen, so wie Herr Pantelouris. Wieder mal schön aufgezeigt, dass die Bild-Wut-Maschinerie jeden zu jedem Thema treffen kann.

  22. Kontext! Ich habe das Gefühl, dass bei diesem Clip in dieser Situation die Offenheit von Bildern generell zu diversen Interpretationen führen. Ich, als Studierender, der sich seit Monaten bei seinem Vater verschuldet, weil der Nebenjob weggefallen ist, der jetzt gerade wieder eingestellt worden ist und jetzt doch wieder (Wien Lockdown) nicht arbeiten kann, für mich kam der Clip gerade echt im falschen Moment.
    Ich kaufe im Sozialladen, sitzte 9 Stunden an meinem Schreibtisch zuhause, treffe so gut wie keine Freunde und höre von vielen, wie ihnen das Zuhause-Sein und auf Social-Media sein krass aufs Gemüt schlägt.

    Da landen wir dann in der Theorie bei typischen Kommunikationswissenschaften Problem. Gut das ich das studiere, aber im falschen Moment bringt mich so ein Clip leider voll auf die Palme und in einem anderen hätt ich ihn wohl eh ok gefunden

  23. Was hier abläuft ist doch eigentlich leicht zu erkennen. Diskurs in drei Schritten:
    1. Die „Woken“ (ich benutze das mal, weil es so schön Klischee ist und doch ganz gut beschreibt, wer gemeint ist), haben jeden ihrer Ansprüche damit versehen, dass die „Anderen“ irgendwie „Nazi“ sind (oder rechts oder halt moralisch minderwertig).
    2. Die „Anderen“ haben darauf reagiert, 1. in dem sie den „Woken“ vorgeworfen haben, die „Nazikeule“ zu verwenden, 2. in dem sie den „Woken“ vorwerfen, selbst „Nazi“ zu sein. (Und die „Woken“ tun ja auch genügend, dass das oft genug funktioniert.)
    3. Darauf reagieren jetzt die „Woken“ (und dazu gehört auch dieser Text), indem sie die „Nazikeulen-Keule“ betonen (im Text z.B. gegenüber Nuhr) oder den „Anderen“ aufgeregt und entrüstet Aufregung und Entrüstung vorwerfen.
    Was man dem Autor also vorwerfen kann, ist nur, dass er seine eigene Rolle in diesem nach Schema verlaufenden Diskurs nicht erkennt.

  24. #24
    Bin verwirrt. Ich dachte immer, die »Woken« wären die, die irgendeinen alternativen Internetunsinn verlinken und »WACHT ENTLICH AUF !!!« drübertippen.

    Mittlerweile ist es schon so, dass ich auf der Stelle einschlafe, wenn mich einer zum Aufwachen auffordert.

  25. @25:
    Das kommt von der „Red Pill“ Bewegung, die sich an den (fiktiven) Film „Matrix“ anlehnt. Neo wacht auf und erkennt die Lüge der Maschinen – Er ist woke.

  26. Wenn sich Springer-Leute oder auch nur ein Müller darüber aufregen, können die Spots ja nicht ganz falsch sein.

    @MKM / #19: Zur Kriegsgeneration gehören aber eben nicht nur Nazis und Wehrmachtssoldaten, sondern alle, die damals ge- und überlebt haben, auf welcher Seite und in welcher Weise auch immer.
    Und so, als Kritik an den ganzen Shutdown-Hysterikern (Bazooka Joe ist ja auch schon wieder da) kann man das durchaus verstehen: Unsere Eltern/Großeltern/Urgroßeltern haben die Kriegszeit überstanden, da werden wir doch wohl mit dieser Pandemie klarkommen!
    Je nach Geschmack kann man dem nun Kriegstote, Naziopfer, Covid-19-Verstorbene oder pleitegehende Reisebüros entgegenhalten, die das alles nicht so überstanden haben – oder halt alternativ irgendein krampflösendes Mittelchen einwerfen.

    @Stefan Klein / #15:
    „Earendil hat selbstverständlich völlig recht“
    Selbstverständlich. Gut, dass das mal jemand aufschreibt. <3

  27. Ich frag mich, ob die Bild-„Zeitung“-kaufenden Senioren eigentlich wissen, dass die Bild-„Journalisten“ über sie die Nase rümpfen und sie – obwohl sämtlich wohl schon Nachkriegsgeneration – immer noch für Nazis halten.

  28. schön dass trotz corona sich mache dinge nie ändern:

    beim thema humor hört der entgültig spaß auf!

    und @22 (exemplarisch)

    möchte ihnen nicht untersagen mit bazookas auf spatzen zu schießen, aber meine partnerin, meine eltern und ich würde sich freuen wenn sie nicht so pauschal unsere wenigkeiten als künstler, veranstalter, verkäufer im einzelhandel und sogar als ältere risikogruppe die momentan weder zum sport oder lesekreis usw gehen kann, in kleinen wohnungen wohnen und unsicheres einkommen und zukunft haben, als munition benutzen würden.

    danke im voraus.

  29. Mich stört grundsätzlich das Ausmaß, mit dem die Bundesregierung seit Jahren in Kino, Print und Web werblich tätig ist, obwohl ich sonst nicht auf dem Umgang mit „meinen Steuergeldern“ rumzureiten pflege.
    Wohl niemand hat privilegierteren Zugang zu Medien und Öffentlichkeit als die Regierung. Ich fände es angemessen, auf diese Mittelverwendung zu verzichten – auch wenn es die große Berliner Agenturlandschaft wohl schmerzen würde.

  30. @Garamond / #16:
    „Aber hier wird wenig verbrämt dazu aufgerufen, Hilfe bewusst zu unterlassen.“
    Was man mit nur ein bisschen Böswilligkeit so alles in so ein Filmchen hineinlesen kann. Interessant!

    @Wolf / #32: Ach ja, der Klassiker. MEINE STEUERGELDER!!1! Hatten wir ja noch nicht.

  31. PS @Wolf: Und auch noch der zweite Klassiker: „Ich bin ja kein / tue ja sonst nicht …, ABER… !“

    Ich reite ja sonst nicht auf dem Umgang mit meinen Steuergeldern rum. Flughäfen, Bankenrettungen, Kohlesubventionen, alles ok. Aber witzige, gut gemachte Corona-Spots? Das geht nun wirklich zu weit!

  32. @Earendil (#29): „Zur Kriegsgeneration gehören aber eben nicht nur Nazis und Wehrmachtssoldaten, sondern alle, die damals ge- und überlebt haben, auf welcher Seite und in welcher Weise auch immer.“
    Die aber danach seltenst in irgendwelchen Monologen darüber redeten, dass sie damals „Helden“ waren, weder in Filmen, noch in der Realität. Wenn man den Spot so interpretieren will, dass er auf die Kriegsgeneration Bezug nehmen soll, bleibt nur die Lesart, dass der Erzähler einem Ex-Soldaten entsprechen soll. Außerdem spricht der Erzähler auch von der „Front“ – wer würde das tun, außer einem Soldaten?

    Was man aber hier an der Diskussion sieht: Dass der Bezug des Spots – ob beabsichtigt oder nicht – auf den 2. Weltkrieg auf so vielen Ebenen fragwürdig ist, dass das nur schiefgehen kann. Egal ob es um die Ursachen (menschengemacht vs. Natur) oder die Folgen (totale Zerstörung vs. Lockdown) geht, das sind Dinge die man nicht vergleichen kann.

    Die Wirkung des Spots liegt im besten Fall darin, dass die gebeutelte Werbebranche einen Auftrag hatte und sich in sozialen Medien Leute die Finger wund tippen in der Diskussion über den Spot (fördert immerhin das Zuhause-Bleiben). Im schlimmsten Fall relativiert der Film das Grauen des Krieges. Theoretisch könnte man, auch wenn das nicht beabsichtigt war, den Spot als Satire auf die – um in Ihrer Wortwahl zu bleiben – Corona-Hysteriker verstehen, also auf Leute, die wirklich glauben, dass die Folgen des Lockdowns im Wesentlichen aus ein bisschen Zuhausebleiben und dem Verzicht auf ein paar Feiern besteht und dabei die ganzen wirklichen Folgen (wie Einsamkeit und psychische Krankheiten, ausbleibende notwendige Behandlungen und reduzierte Lebenserwartung) leugnen.

  33. Fazit: So misslungen kann ein Spot gar nicht sein. Wenn die BILD ihm blöd findet und er noch dazu der guten Sache, dem Kampf gegen die Pandemie dient, dann wird er hier gut gefunden.

  34. @23
    Ich habe nicht behauptet, dass es keine mehr oder minder dramatischen Schicksale gibt. Ich mag auch in einer Filterblase leben.

  35. @MKM / #37:
    „Egal ob es um die Ursachen (menschengemacht vs. Natur) oder die Folgen (totale Zerstörung vs. Lockdown) geht, das sind Dinge die man nicht vergleichen kann.“
    Ach was. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Das ist Absicht! Von der damit produzierten Fallhöhe lebt der Humor* dieser Spots!

    *Schwierig zu erklärendes menschliches Phänomen. Als Einstieg in die Thematik empfiehlt sich wie üblich Wikipedia.

    @Wolf / #39: Oh doch.

  36. @BazookaJoe
    Darf Ihr Freund nicht im Krankenhaus oder Hospiz besucht werden? Für Familien gilt doch kein Kontaktverbot, oder ist das in manchen LKs anders?

    Eine Sache: dass es nur um die 7-Tage-Inzidenz ginge ist falsch. Alles zielt letztlich darauf ab, die Intensivpatienten zahl kontrollierbar zu halten.

    Ansonsten alles, was Earendil in #10 sagt. Als Titanic-Leser kann ich nur müde schmunzeln, wenn dieser Spot Grenzen überschreiten sollte. Es darf ihn aber natürlich jeder nach Belieben falsch und unlustig finden.

  37. Also, ich bin Studentin, im Nebenjob selbstständig, habe eben diese Jobs durch Corona verloren und fand den Clip witzig.
    Ich frage mich immer, warum Leute, die offensichtlich nicht gemeint sind, sich von allem angesprochen fühlen möchten. Wer nicht zu Hause bleiben *kann*, ist offensichtlich nicht gemeint, sollte sich aber umso mehr freuen, wenn die, die gemeint sind, tatsächlich zu Hause bleiben, weil die daraus resultierende Verringerung der Neuinfektionen für alle gut ist.

  38. „…. weil die daraus resultierende Verringerung der Neuinfektionen für alle gut ist“

    Ist das so?

    Oder zieht eine erfolgreiche Verringerung der Zahl der gemessenen (!) Neuinfektionen (die nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl der Neuinfektionen ist, siehe dazu alle Experten, einschließlich Drosten) nur eine ins schier Endlose verlängerte „Maßnehmerei“ nach sich?

    Spannend übrigens, diese Macht der Zahlen. „In Deutschland gab es 17.XXX Neuinfektionen“ wird von nahezu allen Medien und deren Konsumenten so nachgebetet. Nein, möchte man sagen, es gab vermutlich 5 oder 10 oder 15 x so viele.

    (Nein, ich streite nicht ab, dass die Zahlen darauf hindeuten, dass sich mehr Menschen mit dem Virus infizieren. Nein, ich will nicht, dass alle Maßnahmen aufgehoben werden. Aber ja, ich finde, wir sollten gerade die scheinbar größten Selbstverständlichkeiten der Berichterstattung am kritischsten hinterfragen. Aber wozu haben wir den medienkritische Webseiten.)

  39. Eine Anmerkung zu folgendem Kommentar, den ich so nicht unwidersprochen stehen lassen möchte:

    @MKM, #7
    „Corona ist eine Epidemie, für die wir Menschen durch unsere Lebensweise und die Zerstörung der Natur vielleicht unseren Beitrag leisten. Aber zunächst ist es ein Virus, das niemand hergestellt oder vorsätzlich verbreitet hat. Der 2. Weltkrieg wurde dagegen von Menschen begonnen, genauer: Von uns Deutschen. Es war eben kein Naturereignis, für das wir Menschen nichts konnten und das wir irgendwie ertragen/managen mussten, sondern diese schweren Schicksale der damaligen Jugend wurden (vorsätzlich!) herbeigeführt.“

    Wer sich näher mit den Ursprüngen zoonotischer Erkrankungen befasst – und die aktuelle Pandemie sowie die vorangegangenen sind alles Zoonosen – muss sich der Erkenntnis stellen, dass bisher so gut wie JEDE Pandemie die Schuld des Menschen und, wenn vielleicht nicht vorsätzlich, so jedoch aus profitgier anfangs grob fahrlässig, mittlerweile aber sehenden Auges in Kauf genommen wurde.

    Wieso?

    Weil sie so gut wie alle über Massentierhaltung und deren zahlreiche, durch Stress und profitorientierter Züchtung immungeschwächten Tiere, mit Antibiotika und antiviralen Medikamenten zur Wachstumsförderung dauergefütterten (die bei gesunden, artgerecht gehaltenen Tieren übrigens gar keine Wachstum fördernde Wirkung haben), auf Lebendmärkten und durch Fütterung der Exkremente(!) an andere Spezies mit anderen Tierarten in Kontaktgeratenen, über Tiertransporte über weite Strecken verbreitete Tiere, die ein willkommener Wirt für Krankheitserreger sind, die durch die zahlreichen Wirte, die einander nicht entkommen können, so lange mutieren können, bis sie andere Organe sowie andere Spezies befallen und ihren Wirt immer effizienter töten können.

    Wer das alles nicht glaubt oder sich genauer über all diese Hintergründe informieren will, dem sei das Buch „How not to die in a Pandemic“ von Dr. Michael Greger empfohlen.

    Spannend wie ein Krimi und gleichzeitig erschreckend wie ein Horror erläutert er, wie der Mensch mit seinen abartigen Praktiken zur massenhaften Zucht von Tieren für Nahrung, Kleidung, als Haustiere etc., aber auch durch Zerstörung von Wildhabitaten, wodurch Wildtiere auf Grund ihrer Vertreibung bisher unbekannte Erreger in bewohnte Gebiete bringen, Krankheiten wie die Spanische Grippe, HIV, Rinderwahn, SARS, MERS und eben auch Covid19 über die Welt gebracht hat.

  40. @44 Bazzoka Joe: „Oder zieht eine erfolgreiche Verringerung der Zahl der gemessenen (!) Neuinfektionen (die nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl der Neuinfektionen ist, siehe dazu alle Experten, einschließlich Drosten) nur eine ins schier Endlose verlängerte „Maßnehmerei“ nach sich?“

    Was für ein Blödsinn. Was soll denn die Alternative dazu sein, die Pandemie soweit zu strecken, dass wir jederzeit im Klinikbereich noch innerhalb der Kapazität sind – bis dann hoffentlich bald die Impfung zur Verfügung steht? Wir lassen es einfach laufen, und jeder (also dann auch nicht nur Covid-Erkrankte), der dann intensiv-medizinische Betreuung braucht über den 40000sten hinaus hat dann „halt Pech“? Selten las ich menschenverachtenderes.

    „Spannend übrigens, diese Macht der Zahlen. „In Deutschland gab es 17.XXX Neuinfektionen“ wird von nahezu allen Medien und deren Konsumenten so nachgebetet. Nein, möchte man sagen, es gab vermutlich 5 oder 10 oder 15 x so viele.“
    Ist ja auch Wurscht. Die Zahlen sollen einfach ein Indikator dafür sein, mit wieviel Patientenaufkommen in 3 Wochen zu rechnen ist – und das sollte gut abschätzbar sein, wenn die Dunkelziffer nicht völlig willkürlich schwankt.

  41. Wow, dieser „Skandal“ hat alles: Nazi(verharmlosungs)vorwürfe, Selbstmitleid, Stock-im-arsch, Humorpolizei, Moralapostel, Geschichtsklitterer, gegenseitige Vorwürfe, Metakommentare uvm.

    Zeilen über Zeilen. Emotionen kochen über!

    Großes Kino. Und das zu einem Anlass mit der wirklich denkbar niedrigsten Kontroversität. Unsere Nerven müssen wirklich angespannt sein.

  42. @ Peter Sievert:

    „Eine Sache: dass es nur um die 7-Tage-Inzidenz ginge ist falsch. Alles zielt letztlich darauf ab, die Intensivpatienten zahl kontrollierbar zu halten.“

    Dazu: Die Anzahl der Intensiv-Patienten insgesamt ist bisher nicht gestiegen. Die Zahlen schwanken immer ein wenig nach oben und unten, aber es gibt im Trend so gut wie keine nennenswerte Veränderung „nach oben“. So hatten wir am 17. September 22.299 Intensiv-Patienten, und heute, am 18. November haben wir 22.056 Intensiv-Patienten.

    Was zugenommen hat, ist nur der relative Anteil der der SARS-CoV-positiv getesteten Patienten an der Gesamtheit aller Intensiv-Patienten. Am 12. Sept. hatten wir 238 positiv getestete Patienten (ca. 1%); am 18. Nov. haben wir 3.561 (ca. 16%). Man sieht das gut am „überlagerten Flächendiagramm“ mit dem Namen „Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle an Anzahl belegter Intensivbetten (*d)“.
    Sie finden das im Intensiv-Register unter dem Reiter „Zeitreihen“ hier:
    https://www.intensivregister.de/#/intensivregister

    Man sieht hier deutlich, wie die Anzahl der Nicht-Cvid-Patienten praktisch spiegelbildlich zur Zunahme der Covid-Patienten zurückgeht (und man sieht es noch deutlicher für Berlin), was ein seltsames und erklärungsbedürftiges Phänomen ist. Entweder wären viele Patienten auch ohne (richtig oder falsch positiven) SARS-CoV-2-Test auf die Intensiv-Station gekommen, oder man müsste tatsächlich eine reale „spiegelbildliche“ Entwicklung annehmen.

    Die Anzahl aller High-Care-Patienten ist zwar gestiegen, aber weit weniger als die der beatmeten Covid-Intensiv-Patienten insgesamt, sondern etwa nur halb so viel (siehe die Tagesberichte des Intensiv-Registers). Auch hier haben wir also wieder bis zu einem gewissen Grad eine „spiegelbildliche“ Entwicklung: Die Anzahl der beatmeten Covid-Patienten steigt, die Anzahl der beatmeten Nicht-Covid-Patienten nimmt ab.

    Dies ist und die Tatsache, dass die Gesamt-Zahl der Patienten zwar praktisch konstant bleibt, aber die der beatmeten zunimmt, ist auch etwas seltsam, und hier wären ebenfalls nach einer möglichen Erklärung zu fragen. (Führt eine zu häufige Beatmung von Covid-Patienten, wie Kritiker dies meinen, womöglich zu einem höheren Anteil von beatmeten Patienten? Abgesehen davon: welche Rolle könnten saisonale Effekte spielen? Oder liegt die Erklärung woanders?)

    Die Anzahl der hospitalisierten Patienten mit Atemwegserkrankungen liegt laut RKI Influenza-Bericht über der der letzten Jahre; ich konnte allerdings nicht herausfinden, ob hospitalisierte Patienten mit positivem SARS-CoV-2-Test zu ihnen dazu gezählt werden, selbst wenn sie keine bedeutenden Atemwegsbeschwerden haben (es werden ja offenbar, alle Patienten untersucht und gelten bei positivem Test als Covid-Patienten).

    Zahlen für die Anzahl der an Atemwegserkrankungen verstorbenen Personen sind mir nicht bekannt. Zumindest kürzlich war aber offenbar noch keinerlei Exzess-Mortaliträt (unabhängig von der Ursache) zu beobachten.

    Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Ich möchte damit nicht beurteilen, wie gefährlich oder angespannt die Lage derzeit ist oder zu werden droht, und welche Probleme „natürlich“ oder zum Teil auch „iatrogen“ sein könnten. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die Zahlen und Fakten etliche Fragen aufwerfen, von denen ich nicht beanspruche, sie klären zu können, die m.E. aber sehr relevant wären, um die Lage angemessen beurteilen zu können.

    Vielleicht wäre es eine sinnvollere Investition, wenn die Regierung genau solche Fragen zu beantworten versuchen würde, statt Werbespots zu drehen, die die jetzige Zeit mit dem Krieg vergleichen. Was ohnehin auch abgesehen von potentiellen Nazi-Bezügen fragwürdig ist; denn der Vergleich scheint doch etwas arg weit hergeholt zu sein, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland dieses Jahr höchstwahrscheinlich keinerlei Übersterblichkeit geben wird. (Falls jemand sagt, dass das nur am strengen Lockdown liegt: In Schweden mit viel „weicheren“ Maßnahmen lag die Sterblichkeit im ersten Halbjahr 2020 so hoch wie 2012 und 2013 und nur wenig höher als 2015, und sie wird für das Gesamtjahr vermutlich nicht höher als 2017 oder 2018 liegen (2019 was sie ungewöhnlich niedrig).)

    Wie gesagt: Ich will hier gar keine weitergehenden Thesen darüber aufstellen, wie groß die Gefahr ist – darüber haben wir schon genug in anderen Threads diskutiert, und ich würde auch gerne zuerst Klarheit über etliche offene Fragen gewinnen; es bedarf hier also keines empörten Aufschreis von wem auch immer. Aber zumindest, dass der Vergleich mit dem Krieg schon etwas hinkt, wird man wohl sagen können.

  43. @ Gastbeitrag:

    „Die Zahlen sollen einfach ein Indikator dafür sein, mit wieviel Patientenaufkommen in 3 Wochen zu rechnen ist – und das sollte gut abschätzbar sein, wenn die Dunkelziffer nicht völlig willkürlich schwankt.“

    Das ist aber nicht so, die Zahl der positiven Tests taugt als Indikator wenig bis nichts:
    https://harald-walach.de/2020/11/13/corona-daten-aus-dem-grippe-sentinel-des-rki-neue-cov2-daten-und-die-bedeutung-von-vitamin-d/

    Siehe dort insbesondere die Abbildungen 3 und 4.

  44. @LLL
    Schauen Sie mal hier genau hin. In der untersten Grafik erkennt man, dass der Anteil der Covid-19-Intensivpatienten an der Gesamtzahl Intensivbetten einfach noch so relativ gering ist, dass es insgesamt noch nicht sehr stark gestiegen ist.
    Trotzdem haben Sie recht, es gibt den Effekt, dass die Zahl von September fast konstant geblieben ist, obwohl 3.000 Covid19-Patienten dazu kamen (vielleicht 1.000 höher, es schwankt sehr seltsam). Interessant aber: die Zahl der freien Betten ist in der Tat um 3.000 gesunken seitdem und die Gesamtkapazität ebenfalls.
    Das legt die Vermutung nahe, dass gewisse Low-Care-Bereich umdeklariert wurden? Spekulation.
    Für Interessierte:
    https://www.intensivregister.de/#/intensivregister?tab=laendertabelle

    Der Punkt, den ich mit meiner Bemerkung machen wollte. Ich vertraue darauf, dass die EntscheidungsträgerInnen aller Ebenen sich diese Charts ebenso genau anschauen, wie die Infiziertenzahlen, Positivraten, Testkapazitäten, Auslastung der Gesundheitsämter, geschätzte Dunkelziffer usw. usf.
    Als Mathelehrer weiß ich aus leidgeprüfter Erfahrung, dass die Menschen es aber auch nicht alle sooo genau wissen wollen. Also wird medial halt eine plakative Zahl transportiert. Ich finde das in Ordnung, da sie (wenn auch zeitverzögert) sehr stark korreliert mit allen anderen Größen.

  45. wie der Mensch mit seinen abartigen Praktiken zur massenhaften Zucht von Tieren für Nahrung, Kleidung, als Haustiere etc., … Krankheiten wie die Spanische Grippe, HIV, Rinderwahn, SARS, MERS und eben auch Covid19 über die Welt gebracht hat.

    Darüber sollte man nicht vergessen, einen Blick auf die Gesamtbilanz zu werfen.

    Da sieht man nämlich, dass die Geschichte der Menschheit von Seuchen begleitet ist. Zwei wurden schon bei den zehn biblischen Plagen aufgeführt (eine hat die Tiere, eine die Menschen betroffen). Das war vor 3000 Jahren.
    Die erste historische Beschreibung einer Seuche stammt von Thukydides (429 v. Chr.). Damals hat es ungefähr ein Viertel der attischen Bevölkerung gehingerafft.
    Der Schwarze Tod hat im 14. Jahrhundert ungefähr ein Drittel der europäischen Bevölkerung getötet.
    Alles zu einer Zeit, als es noch keine „abartigen Praktiken zur massenhaften Zucht von Tieren“ gab.

    Die Gesamtbilanz zeigt auch, dass seit der Einführung der „abartigen Praktiken zur massenhaften Zucht von Tieren“ die Menschen immer gesünder werden. Die Lebensqualität, die Lebenserwartung nimmt zu.

    Zur Gesamtbilanz gehört auch die Bestandsaufnahme. Wie viele Menschen sind wirklich gestorben an der Spanischen Grippe, HIV, Rinderwahn, SARS, MERS?
    Bei der Spanischen Grippe haben wir sofort eine große Zahl parat. Das war vor hundert Jahren.
    Wenn man die Opfer von HIV, Rinderwahn, SARS und MERS sucht, stochert man im Nebel.

    Die vermeintliche Welle von Rinderwahn (Kreuzfeld-Jacob-Krankheit) hat zum einen wenig Opfer gefordert. Und kommt zum anderen offenbar doch nicht vom Rind, sondern war vermutlich die Folge von unausgegorenen medizinischen Praktiken.

    AIDS (HIV ist der vermeintliche Erreger) ist eine Seuche, an die sich nur noch die Älteren erinnern. Und auch da mehr an die Aufregung als an die Leichenberge.

    SARS? – Große Aufregung, kleine Wirkung.

    MERS? – SARS en Minature.

    Damit das nicht in den falschen Hals gerät:
    Das ist keine Aufforderung zum Leichtsinn oder zur Umweltzerstörung. Auf der Hut sein ist zu keiner Zeit falsch gewesen.
    Genauso wie es zu keiner Zeit richtig war, in Hysterie zu verfallen und in diesem Zustand die Realität auszublenden.

  46. Jörn: „AIDS (HIV ist der vermeintliche Erreger) ist eine Seuche, an die sich nur noch die Älteren erinnern.“
    auch Jörn: „Genauso wie es zu keiner Zeit richtig war, […] die Realität auszublenden.“

    Kannste dir nicht ausdenken.

    Und kann man denn hier nicht einmal von halbgaren hobbyvirolllogischen Ergüssen verschont bleiben? Mannmannmann…

  47. #49 LLL

    Man sieht hier deutlich, wie die Anzahl der Nicht-Cvid-Patienten praktisch spiegelbildlich zur Zunahme der Covid-Patienten zurückgeht (und man sieht es noch deutlicher für Berlin), was ein seltsames und erklärungsbedürftiges Phänomen ist.

    Das ist nicht sonderlich kompliziert wenn man sich anschaut was unter Intensivmedizin zu verstehen ist:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Intensivmedizin
    „Auf Intensivstationen werden Patienten aufgenommen, deren Zustand bedrohlich ist oder deren Zustand bedrohlich werden könnte. So führen nicht nur schwere Krankheiten, sondern auch Zustände nach umfangreichen, langdauernden und stark eingreifenden Operationen zur intensivmedizinischen Überwachung und ggf. Behandlung.“

    Man kann die Belegung der Intensivbetten ein Stück weit kontrollieren indem man planbare Operationen verschiebt. So war es im Frühjahr, so ist es auch jetzt wieder.
    Was nicht ganz so offensichtlich ist: Im Frühjahr gab’s auch Geld dafür das Betten frei gehalten wurden, das wurde meines Wissen noch nicht wieder aufgegriffen. Von den Krankenhäusern werden, sofern möglich, planbare Behandlungen durchgeführt um in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

    Eine wenig bekannte Folge: Patienten warten wegen SARS-CoV-2 überdurchschnittlich lange auf Operationen die ihre Lebensqualität verbessern sollten.

    wenn man bedenkt, dass es in Deutschland dieses Jahr höchstwahrscheinlich keinerlei Übersterblichkeit geben wird.

    Erstmal: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

    Zum Zweiten: Die Übersterblichkeit in den Monaten April und Mai war lokal leider recht deutlich.
    https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/06/05/coronakrise-uebersterblichkeit-vorbei-erstmal/
    In der bundesweiten Jahresbilanz geht das (aktuell noch) unter. Am ehesten kann man das mit „Ungenauigkeit langer Zeiträume“ beschreiben. Zieht man „den Zoom“ weit auf, fasst also genug Jahre zusammen, gehen auch so Großereignisse wie Weltkriege in der Statistik unter.
    Geht leider auch andersrum, fixiert man sich zu sehr auf Tageswerte tauchen Tendenzen auf die es gar nicht gibt.

    Drittens: Vielleicht schauen sie nicht nur nach Schweden sondern auch mal in die USA, die neben fehlendem Verstand es auch mit dem Glück nicht so gut getroffen haben.
    https://youtu.be/AlelK1EDzqA?t=260

  48. „AIDS (HIV ist der vermeintliche Erreger) ist eine Seuche, an die sich nur noch die Älteren erinnern. Und auch da mehr an die Aufregung als an die Leichenberge. “

    Wow. Just wow.
    Und die ernsthafte Frage warum man so einen vor Uninformiert- und Dummheit strotzenden Dreck hier in den Kommentarspalten stehen läßt…

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