Sich in die Tiefe zwingen

Falls es am Ende doch so sein sollte, dass ein Journalist einen Unterschied ausgemacht hat bei der Wahl zwischen Joe Biden und Donald Trump, dann wird es Bob Woodward gewesen sein, dessen Buch „Rage“ heute erscheint.

Es ist mehr als ungewiss, dass überhaupt irgendeine Information den harten Kern der Trump-Wähler in irgendeiner Weise erschüttern oder überhaupt erreichen kann, was viel über diese Zeit sagt, in der Information eigentlich freier fließen sollte als je zuvor. Aber es sagt auch viel, dass es vielleicht ein Buch gewesen sein wird, das älteste aller Massenmedien.

Weil die Zeiten unübersichtlich sind, noch einmal zusammenfassend: In einem der insgesamt 18 Interviews, die Woodward zu „Rage“ mit Trump geführt hat, hat der Präsident bereits am 7. Februar zum einen beschrieben, dass ihm die Gefährlichkeit des Corona-Virus bewusst ist1)Er beschreibt den Virus als „tödlich“ und „nicht die Grippe“ ebenso wie den Übertragungsweg („man atmet ihn ein“)., und dass er diese bewusst öffentlich herunterspielt, um keine Panik zu erzeugen.

In der Folge war die Antwort der US-Regierung auf das Virus sehr viel passiver als in anderen Ländern, was übermäßig viel mehr Ansteckungen und Todesfälle zur Folge hatte.2)Einige Länder, u.a. England und Schweden, taten ähnlich wenig in Bezug auf Social Distancing, Geschäftsschließungen und Maskenpflicht, allerdings deshalb, weil sie einer anderen Philosophie in Bezug auf so genannte Herdenimmunität anhingen – die sich inzwischen als Fehler herausgestellt hat.Man kann nur schätzen, wie viele Menschen in den USA noch leben würden, wenn Trump zum Beispiel gemacht hätte, was Angela Merkel gemacht hat, aber es sind höchstwahrscheinlich Zehntausende.

Trump lügt bewusst

Woodwards Interview und das daraus entstandene Buch beantworten nun zum ersten Mal die Frage, ob Trump eigentlich bewusst ist, wenn er lügt. Sein Auftreten hätte bis dahin durchaus den Schluss zugelassen, er wisse es vielleicht nicht und würde sich seine Lügen selbst glauben. Im Ergebnis macht das natürlich keine…

Fußnoten   [ + ]

1. Er beschreibt den Virus als „tödlich“ und „nicht die Grippe“ ebenso wie den Übertragungsweg („man atmet ihn ein“).
2. Einige Länder, u.a. England und Schweden, taten ähnlich wenig in Bezug auf Social Distancing, Geschäftsschließungen und Maskenpflicht, allerdings deshalb, weil sie einer anderen Philosophie in Bezug auf so genannte Herdenimmunität anhingen – die sich inzwischen als Fehler herausgestellt hat.

4 Kommentare

  1. Dass Trump glaubt, er könne 18 Interviews mit einem so ausgebufften Journalisten- und Politprofi unbeschadet überstehen, sagt mehr über ihn und sein Selbstverständnis aus, als alle verunfallten Pressekonferenzen zusammen.

  2. Das ist wirklich kompletter Wahnsinn, dass Trumps Team sowas zugelassen hat und dann auch noch zur Veröffentlichung freigibt.

    Fox „News“ hat ja schon gesagt, dass Trump von Lindsay Graham reingelegt wurde, die Interviews zu geben, als wenn Graham den Schwachsinn von sich gegeben hat.

    Aber im Artikel wurde es bereits gesagt, Trump Wähler werden immer Trump wählen, weil es einfacher ist mit dem Finger auf andere zu zeigen, statt sich mal zu reflektieren.

    Ab 4.11. gibt’s Bürgerkrieg in den USA, darauf kann man sich schonmal vorbereiten. Sollte Trump, wie auch immer, gewinnen, wird er eine diktatorische Regierung etablieren (wollen), sollte er, wie auch immer, verlieren, wird er seine Paramilitärs losschicken und seine NRA Freunde.

    Mal gucken wie dann China und Russland reagieren und was die EU diplomatisch zu bieten hat.

  3. Jetzt wird es eng für Trump. Diesmal wirklich. Also ganz wirklich. Wirklich ganz wirklich. So richtig voll total echt ganz 100% wirklich.

    Zwar wurden in den letzten fünf Jahren in gefühlt vierundzwanzigtausenddreihundertvierundachtzig Büchern aufgezeigt … ach was sag, ich … gerichtsfest bewiesen, dass Trump ein alter weißer Mann ist. Leider alles wirkungslos verpufft.
    Aber das vierundzwanzigtausenddreihundertfünfundachtzigste Buch, die Wichsvorlage fürs Wokemilieu, wird allen die Augen öffnen.
    Bob Woodward – die Greta des antitrumpistischen Widerstands.
    Ich drück ihr beide Daumen!

  4. Das Buch wird an der Wiederwahl Donald Trumps nichts ändern. Weshalb? Weil die Demokratische Partei mit ihrem Kandidaten Joe Biden und der voraussichtlichen Vizepräsidentin Kamala Harris einfach inhaltlich nichts zu bieten und noch nicht mal konsequent das Nichts, dass Donald Trump und seine Minister in den letzten Jahren produziert hat, konsequent vor Ort, an der Basis thematisieren und alternative Modelle aufzeigen, oder auf der Ebene der Bundesstaaten eine konkrete, anders ausgerichtete Politik umsetzen. Eine Politik, die sich an Identitäten ausrichtet, ist eine spalterische Politik.
    Wenn Donald Trump und seine Minister etwas machen, kann man manchmal zu dem Schluss kommen, der ist demokratischer und denkt mehr in den Kategorien eines Rechtsstaates als seine Konkurrenten (z.B. die Vorgabe, zukünftig bei hochschulinternen Untersuchungen die Seite des Angeklagten adäquat zu berücksichtigen). Was letztlich aber nicht zutrifft.

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