Wenn „Gute Deutsche“ eine „Halbe Katoffl“ nachmachen

Wer klug handeln will, der hat drei Möglichkeiten. Durch Nachdenken, das ist die edelste. Durch Erfahrung, das ist die schmerzhafteste. Und durch Nachahmung, das ist die einfachste.

Gesagt haben soll das Konfuzius, und indem ich das hier einbaue, wähle ich für meine Podcast-Kolumne natürlich die einfachste. Für Menschen, die hierzulande nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden, ist das meist gar keine freie Entscheidung. Die Lektionen, die sie in ihrem Alltag lernen, sind nicht selten die schmerzhaftesten.

Frank Joung und seine Gesprächspartner kennen das. Frank Joung macht „Halbe Katoffl“, ein Podcast mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Er macht das seit über vier Jahren und damit gilt er auch als Vorbild für viele andere Podcasts, die die Lebensrealität von sogenannten BPoC (Black and People of Color) zeigen.

Seit wenigen Wochen tut das auch Spotify. In „Gute Deutsche“ trifft „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis genau solche Menschen, die das Gefühl vereint, „irgendwie immer zwischen den Stühlen zu sein“. Und hat sich damit eine kleine Protestwelle eingefangen. Der Vorwurf: Der große Konzern habe für „Gute Deutsche“ den einfachsten Weg gewählt – und das Konzept des kleinen Podcasters „Halbe Katoffl“ schamlos geklaut.

Es gibt dazu auch Gegenstimmen, aber für die Kritiker ist die Sache klar:

Der Journalist Malcolm Ohanwe, Kopf hinter dem Podcast „Kanackische Welle“, twitterte: wenn es in „Halbe Katoffl“ die „Passkontrolle“ gebe und in „Gute Deutsche“ den „Instagram-Check“ und Spotify sich nicht einmal die Mühe mache, sich einen eigenen Beschreibungstext auszudenken und sich sogar dort bei dem von „Halbe Katoffl“ bediene, dann sei die Sache ja wohl klar.

4 Kommentare

  1. Danke für den Artikel und die umso größere Sichtbarmachung!
    In dem Zusammenhang „amüsieren“ mich die Fragen aus einem anderen anderen Thread umso mehr, ob denn Dunkelhäutige überhaupt systematisch benachteiligt würden und da überhaupt Bedarf bestehe, auf „beleidigend wirkende“ Ausdrücke zu verzichten; man wäre da sich ja gar nicht so sicher, ab Dunkelhäutige sich überhaupt beleidigt fühlten.
    Da kommste aus’m Kopfschütteln nicht mehr raus.

  2. Die zweite Podcast-Empfehlung hier, die ich echt gut und toll finde.
    Gerade die aktuelle Folge mit Sammy Deluxe sollten sich manche der üblichen Kommentatoren hier anhören.
    Danke für die Vorstellung. :-)

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.