Abgegrenzt statt nur dabei

Zu sagen, ich hätte es nicht kommen sehen, wäre so, als würde ich sagen, ich hätte „4’33“ von John Cage nie gehört1)Mir ist ausnahmsweise egal, ob man den Witz versteht, ich finde, er ist auf vielen Ebenen lustig (als Erinnerung: „4’33“ kann man nicht hören, weil keine Töne gespielt werden, man kann es bei Aufführungen nur sehen): Die erste echte – im Sinne von „zu ihm durchgedrungene“ – Niederlage von Donald Trump wurde ihm angeblich beigebracht von Jugendlichen, die sich über TikTok verabredet und sich zu seiner absurden Wahlkampfveranstaltung am Wochenende angemeldet haben, ohne je die Absicht zu haben, wirklich hinzugehen.2)Ich sage explizit „angeblich“, weil die Trump-Kampagnenorganisation widerspricht und sagt, es hätten sich zwar mehr als eine Million Menschen angemeldet, aber wegen der angsteinflößenden Berichterstattung der Mainstream-Medien über die Corona-Ansteckungsgefahr und gewalttätige Proteste seien dann eben nur gut 6000 Menschen gekommen. Die falschen Anmeldungen von Aktivisten hätte man aber erkannt und vorher aussortiert. Wenn man dem folgt, hat sich also eine Million Menschen trotz Corona zu einer Massenveranstaltung in einer Halle angemeldet, nur um dann plötzlich doch den Warnungen der Medien zu folgen. Proteste gab es übrigens kaum. Das Ergebnis war die erste nur drittelvolle Halle für ihn seit seinem Wahlkampf 2015, und offenbar war die jugendliche Subkultur, die ihn geschlagen hat, die der K-Pop-Anhänger – zumindest scheinen die offenbar extrem gut vernetzten K-Pop-Fans diejenigen zu sein, die die Aktion groß gemacht haben.

Fans der Gruppe BTS im New Yorker Central Park, 2019 Foto: imago images / UPI Photo

Das ist einer der wenigen Momente von Transzendenz in den letzten Jahren.3)Wir können drüber streiten, aber ich glaube, der letzte Moment von Transzendenz war für mich Michael Schumacher im Ferrari im Regen. Creepy, ich weiß. Es ist unfassbar perfekt, und neben allem anderen gibt es mir die Hoffnung zurück, dass die Generation meiner Kinder großartige Dinge heimlich tun kann. Von Fridays For Future habe ich gleichzeitig mit ihnen erfahren. Von dieser Geschichte hier habe ich erst gelesen, als alles vorbei war, und ich werde auf der Stelle aufhören, mich über die TikTok-Sucht von Nummer Zwei zu beklagen. Ich habe die immer ein bisschen bemitleidet dafür, dass sie so viel öffentlich tun müssen mit all diesen Instagram-Feeds und Whatsapp-Status-Updates4)Doch, Whatsapp hat Status-Updates, in etwa so etwas wie Insta-Stories, und bei meinen Kindern waren die für einen kurzen, flackernden Moment so wichtig, dass sie mich blockiert haben, damit ich sie nicht sehe., bei denen sie erstaunlich wenig Übersicht haben, wer da eigentlich was sehen kann. Im Zweifel zum Beispiel auch ich.

Medien für die eigene Peer-Group

Ganz, ganz kurze Schleife: Wir führen gerade wieder eine Diskussion darüber, wie objektiv Journalisten sein können und müssen, und dabei wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass Journalisten gerne verstanden werden. In der „taz“ schreibt Bettina Gaus:

„Journalismus, wie seriös oder unseriös auch immer, hat stets ein Ziel: von einem möglichst breiten Teil des Publikums verstanden zu werden.“

Ohne jetzt über die Definition von Journalismus streiten zu wollen: Genau wie ich früher vergeben meine Töchter einen großen Teil ihrer Aufmerksamkeit an Medien, die möglichst nur von ihrer eigenen Peer-Group verstanden werden. Jeder liebt TikTok, spätestens seit Sarah Cooper, aber das, was meine Töchter dort sehen, finde ich gar nicht, oder wenn, dann bemerke ich es nicht, weil ich nicht verstehe, worum es geht. Ich würde den vorsichtigen Sprung von da zum Journalismus machen und behaupten: Es gibt gute Gründe, nicht von einem möglichst breiten Teil des Publikums verstanden werden zu wollen, weil es am Ende immer auch um Zugehörigkeit geht, und Zugehörigkeit besteht zur Hälfte aus Abgrenzung.

Das ist der Teil, den wir gerne vergessen: Warum erzählen wir uns Geschichten? Warum lesen, schauen und hören wir Nachrichten und Reportagen oder Sarah Cooper, die den debilen Psychopathen im Weißen Haus allein dadurch entlarvt, dass sie seine Reden als Playback nachspielt?5)Ein „Playback nachspielen“ klingt wie eine Doppelung, aber „seine Reden playbackt“ klingt absurd. In diesem Fall hoffe ich tatsächlich, mit meiner Formulierung von einem möglichst breiten Teil der Leserschaft einfach verstanden zu werden. Oberflächlich ist Informiertsein notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie, klar, aber wir nehmen viel mehr als die oberflächlich notwendigen Informationen auf, und von den notwendigen oft nicht genug. Die Antwort ist Zugehörigkeit: Zu welchem Stamm wir gehören, entscheiden wir in modernen Zeiten in weiten Teilen dadurch, wie wir zu Themen stehen, ob wir für etwas sind oder gegen etwas, oder ob wir mit der anstrengenden Komplexität umgehen können, dass Dinge manchmal nicht eindeutig sind.

Zu welcher Gruppe gehöre ich?

Das ist das Gegenteil von banal. Um es überspitzt zu sagen: Ich weiß nichts anderes, als zu welcher Gruppe ich gehöre. Ich persönlich kann zum Beispiel nicht beweisen, dass es den Klimawandel gibt, sondern ich glaube, dass es Wissenschaftler gibt, die es nachgewiesen haben. Ich kann einigermaßen ihren Argumenten und Belegen folgen, oder ich bilde mir das zumindest ein. Das ist eine Gruppe, zu der ich gehöre: Ich glaube an die Wissenschaft. Ich glaube Christian Drosten und nicht Attila Hildmann. Ich habe Gründe dafür, aber ich bin dabei nicht völlig rational. Als Beispiel zitiere ich einmal kurz in Gänze den gerade aktuellsten Eintrag von Attila Hildmann auf seinem Telegram-Kanal:

„Ich sage, dass die Rothschilds und Rockefeller hinter der Weltbank stecken. Die Rothschilds und Rockefeller sagen selbst über sich, sie seien Zionisten! Die Weltbank steckt hinter dem digitalen Identitätsprogramm ID4D, dass sich zum Ziel setzte, alle Menschen auf der Welt über Impfungen zu verchippen, um eine neue digitale Währung und Identität einzuführen und damit die totale Kontrolle und den totalitären Überwachungsstaat (NWO)… und Rockefeller, Gates, WHO und GAVI stecken hinter dem schon aktiven Programm ID2020, durch das 41 Millionen Menschen in Bangladesh per Impfung verchippt wurden (auch in Nigeria aktiv)…soooo und dadurch, dass ich aufkläre, dass Rockefeller und Rotschild hinter Corona stecken, denn Corona ist für sie nur ein trojanisches Pferd für ihre Währungsreform und Machtergreifung… also weil ich es aufkläre schreibt die Presse jetzt „Attila Hildmann füttert seine Follower mit lupenreinem Judenhass.“ 😂😂😂 Stringente Argumentation muss die deutsche Presse aber noch üben. Das einzige, was sie sehr gut kann, ist Menschen in Verruf zu bringen… besonders die, die ihre Lügen aufdecken! 😊“

Sorry dafür, der war eher länglich, aber nötig für den Punkt, den ich machen will: Was er sagt, hat nichts mit Kochen zu tun,6)Oder der Realität, aber das ist hoffentlich offensichtlich. Um es in seinen Worten zu sagen: Er füttert die Welt mit lupenreinem Judenhass, und das ist neben allem anderen ekelhaft. und trotzdem würde ich, nachdem ich diesen Scheiß gelesen habe, kein Rezept aus einem seiner Kochbücher nachkochen wollen.

Eingeschlossen, ausgeschlossen

So stark ist Abgrenzung als Identitätsstifter, und bizarrerweise fühlt es sich gut an, dass es Dinge gibt, von denen man sich so klar abgrenzen kann. Denn die Komplexität ist ansonsten tatsächlich schwer zu ertragen: Ich bin dafür, dass jede Subkultur und Parallelgesellschaft ihre geschützten Räume hat, in der sie sich verstanden fühlen kann, so lange sie sich im öffentlichen Raum friedlich, menschlich und zivilisiert verhält.7)Was Hildmann offensichtlich nicht tut, aber das ist hier gerade nicht Thema. Aber sie kommunizieren dort offensichtlich nicht, um möglichst breit verstanden zu werden, sondern von Ihresgleichen. Und jenseits der „Tagesschau“ ist auch das etwas, was auch Journalismus kann und darf, wenn er die Grundregel einhält, dass seine Grundlage Tatsachen sind und zwar alle relevanten.8)Der Diskurs mit Verschwörungstheoretikern ist ja nicht deshalb unmöglich, weil sie eine andere Meinung haben, sondern weil sie andere „Fakten“ haben.

Und hier ist einschlägiges Beispiel: Ich glaube, man kann sich sehr leicht daran prüfen, ob man bei der beiläufigen Erwähnung von K-Pop oben wusste, dass es um koreanische Popmusik9)https://de.wikipedia.org/wiki/K-Pop geht. Wer es wusste, fühlt sich spätestens jetzt, wo ich es explizit erwähne, ein bisschen mehr eingeschlossen, und wer es nicht wusste, war zumindest ein bisschen ausgeschlossen. Wir dürfen das im Guten wie im Schlechten nicht vergessen, glaube ich: Menschen funktionieren in Gruppen, ob wir das mögen oder nicht, und Journalismus ist für Menschen gemacht. Aber nicht immer für alle gleichzeitig.

Fußnoten   [ + ]

1. Mir ist ausnahmsweise egal, ob man den Witz versteht, ich finde, er ist auf vielen Ebenen lustig (als Erinnerung: „4’33“ kann man nicht hören, weil keine Töne gespielt werden, man kann es bei Aufführungen nur sehen)
2. Ich sage explizit „angeblich“, weil die Trump-Kampagnenorganisation widerspricht und sagt, es hätten sich zwar mehr als eine Million Menschen angemeldet, aber wegen der angsteinflößenden Berichterstattung der Mainstream-Medien über die Corona-Ansteckungsgefahr und gewalttätige Proteste seien dann eben nur gut 6000 Menschen gekommen. Die falschen Anmeldungen von Aktivisten hätte man aber erkannt und vorher aussortiert. Wenn man dem folgt, hat sich also eine Million Menschen trotz Corona zu einer Massenveranstaltung in einer Halle angemeldet, nur um dann plötzlich doch den Warnungen der Medien zu folgen. Proteste gab es übrigens kaum.
3. Wir können drüber streiten, aber ich glaube, der letzte Moment von Transzendenz war für mich Michael Schumacher im Ferrari im Regen. Creepy, ich weiß.
4. Doch, Whatsapp hat Status-Updates, in etwa so etwas wie Insta-Stories, und bei meinen Kindern waren die für einen kurzen, flackernden Moment so wichtig, dass sie mich blockiert haben, damit ich sie nicht sehe.
5. Ein „Playback nachspielen“ klingt wie eine Doppelung, aber „seine Reden playbackt“ klingt absurd. In diesem Fall hoffe ich tatsächlich, mit meiner Formulierung von einem möglichst breiten Teil der Leserschaft einfach verstanden zu werden.
6. Oder der Realität, aber das ist hoffentlich offensichtlich. Um es in seinen Worten zu sagen: Er füttert die Welt mit lupenreinem Judenhass, und das ist neben allem anderen ekelhaft.
7. Was Hildmann offensichtlich nicht tut, aber das ist hier gerade nicht Thema.
8. Der Diskurs mit Verschwörungstheoretikern ist ja nicht deshalb unmöglich, weil sie eine andere Meinung haben, sondern weil sie andere „Fakten“ haben.
9. https://de.wikipedia.org/wiki/K-Pop

21 Kommentare

  1. Ich habe Ihre Kolumnen bislang zwar nie verstanden, aber bei dieser fühle ich mich wenigstens ein bisschen mehr eingeschlossen. Sie haben also Recht.

  2. Sorry, aber 4’33″kann man sehr wohl hören (es sei denn man ist taub oder die Aufführung findet in einem schalltoten Raum statt). Die Komposition lebt von der Wahrnehmung der Umgebungsgeräusche, erklärt diese zu einem gleichberechtigten Klangmaterial.

  3. „Das ist eine Gruppe, zu der ich gehöre: Ich glaube an die Wissenschaft.“

    Eine Formulierung in der ich mich teilweise wiederfinde.
    Allerdings verfolge ich auch aktive Atheisten und ihre Streitgespräche wo diese Formulierung nicht gerne gesehen wird, bzw. als Argument von der Gegenseite auftaucht: „Ihr glaubt doch auch nur.“*

    Deswegen bevorzuge ich diese verfeinerte Aussage: Ich glaube an die wissenschaftliche Methode.

    *) Wie genau „nur“ zu verstehen ist bleibt in der Regel offen.

  4. Mmmm, anderthalb Ärgerlichkeiten.
    Erstens, würde ich die K-Pop-TikTok-Verschwörung in Zweifel ziehen. Und zwar massiv. Die erklärt zwar, warum die Halle nicht ausverkauft war. Sie erklärt aber nicht, warum keine ebenso große Masse vor der Halle stand. Wie bei Trump-Rallys *vor* Tulsa absolut üblich.
    Anders gesagt: TikTok und Co. könnten vielleicht dafür gesorgt haben, dass mehr Anmeldungen zu sehen waren. Aber warum sollten deswegen weniger Menschen kommen als sonst? (Weniger als angemeldet, klar. Aber es waren weniger als bei allen anderen Rallys.)
    Zweitens: das Grundthema treibt mich auch um. Gerade in Corona-Zeiten, wo ich den Eindruck hatte, dass die Berichterstattung für Menschen gemacht wurde, die anders sind als mein Umfeld. Gelesen habe ich über Home-Office-Geplagte und Studierte im Ausnahmezustand, während mein soziales Umfeld auf die Arbeit ging, pendelte und am Abend wieder heimkam. Krankenhaus-, ÖPNV- und Supermarkt-Personal gab es nur als NPCs, die, wenn die aufschreibende Hauptfigur weg ist, keine Funktion mehr haben. Das hat mir vor Augen geführt, dass Journalismus sich irgendwie irgendwo anders bewegt als ich – und dieses Woanders als Normalität empfindet.

  5. @3: Die atheistische Definition wäre wohl sowas: „Bis die Existenz (ansatzweise) belegt ist gehe ich davon aus, dass es nicht existiert.“
    Gestern gelesen, sinngemäß (im Kontext USA): „Wie können christliche Fundamentalisten eigentlich behaupten dass das Coronavirus & Klimawandel nicht existiert, weil es angeblich nicht direkt nachweisbar wäre, aber an Gott glauben?“

  6. @2 MartinF

    insofern höre ich aber nicht das Stück sondern etwas während des Stückes, da das Klangerlebnis nicht wiederholbar ist.
    Ist es dann nicht eher die Ablenkung von der Kunst, die hier gefeiert wird, weil alles wahrgenommen wird nur nicht die vom Stück selbst bereitgestellte Stille?

  7. @Daniel
    Die These lautet: die hohe Zahl Anmeldungen verschaffte (wahlweise) den Eindruck unter Trumps Anhängern, sie würden nicht gebraucht (im Sinne des Komparsen-Pflichtbewusstseins) bzw. sie würden ohnehin so gut wie sicher nicht reinkommen. Also blieben sie zuhause.
    Plausibel, aber natürlich nicht nachweisbar bis auf den Fakt, dass die Zahl der Anmeldungen absurd hoch wie noch nie war.
    Natürlich haben JournalistInnen einen sozialen Bias und sind sich diesem hoffentlich bewusst. Oftmals geben sie den besagten Gruppen allerdings eine Stimme. Aber ich gebe zu, dass meine Augen manchmal auch rollen, wenn sie biographisch schreiben und ich denke: „Sind die Klischees von geisteswissenschaftlichen Studierten also wahr…? Oder wird hier eine Erwartungshaltung bedient. #Rotwein“

  8. @ANDERER MAX:
    So oder ähnlich funktioniert das als Statement sehr gut, wäre (in meinen Augen) aber eine unzureichende Definition des Begriffs Atheismus.

    Was kognitive Dissonanz angeht ist es immer wieder erstaunlich zu welchen Verrenkungen der menschliche Geist im Stande ist wenn es darum geht einen bestehenden Bias zu stützen…

    @PETER SIEVERT
    „bzw. sie würden ohnehin so gut wie sicher nicht reinkommen.“

    Deckt sich zumindest mal mit dem Interview das ich heute früh gesehen habe bei dem eine Unterstützerin erzählte sie habe 3 Nächte in der Reihe vor der Halle auf einem Stuhl geschlafen.

  9. Die Formulierung „ich glaube an die Wissenschaft“ finde ich auch schräg. Im Gegensatz zu religiösen Dingen muss man an die Wissenschaft eben nicht glauben – auch nicht, wenn man im Detail die wissenschaftliche Forschung und deren Ergebnisse gar nicht versteht. Besser könnte man vielleicht sagen: Ich bin von den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens überzeugt und vertraue darauf, dass Wissenschaftler*innen diese im Großen und Ganzen richtig anwenden. „Glauben“ hat in dem Zusammenhang wirklich nichts verloren.

    Im Gegensatz eben zu religiösen Dingen. An Gott glaubt man oder eben nicht. Deshalb finde ich es ebenso schräg, wenn Atheisten damit ankommen, dass man Gott doch nicht beweisen könne. Ach, echt jetzt?

  10. @8: Also ich als Atheist sehe diese Gott-Sache nach wie vor als ergebnisoffen an und freue mich über neue Erkenntnisse … gehe aber nicht davon aus, dass die in irgendeinem Ursache-Wirkungs-Kontext erbracht werden können.
    Mein Atheismus endet auch bei der Frage der ersten Ursache (die jedoch für mein alltägliches Leben auch völlig irrelevant ist). „Singularität“ oder „Quantenfluktuation“ sind für mich als nicht-Wissenschaftler ebenso unbegreiflich, wie die Annahme eines göttlichen Funkens.
    Von daher kann ich (mittlerweile) auch absolut nachvollziehen, dahinter (und somit hinter allem) einen Gott als „ersten Beweger“ zu vermuten.
    Ich halte es nur für unwahrscheinlicher, als eine wissenschaftliche Erklärung die noch nicht gefunden wurde (und zu 99,9% auch niemals gefunden wird).

  11. @Comicfreak:
    Unabhängig von der Frage, inwieweit ein Klangerlebnis überhaupt wiederholbar ist, ist der Zufall eine wesentlicher Bestandteil des Werks von Cage. Keine Aufführung ist wie die Andere.
    Zudem stellt sich die Frage, inwieweit das menschliche Ohr in der Lage ist, Musik und umgebenden Raum zu trennen.
    Schließlich steht es einem Künstler oder einer Künstlerin frei zu entscheiden, was Bestandteil seines oder ihres Werks ist. Wenn Cage selbst erfahren hat, dass es absolute Stille nicht gibt, müssen zwangsläufig die Umgebungsgeräusche Teil der Aufführung sein.

  12. Ich sehe es bezüglich „Glauben“ und „Wissenschaft“ wie meine Vorredner. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun und führt nur zu der Gleichsetzung: „du glaubst halt an Dorsten und ich an Attila“, was grundsätzlicher Unsinn ist. Das eine sind wissenschaftliche Fakten, das andere grober Unfug. Das beides mit „Glauben“ zu betiteln ist kontraproduktiv.

  13. @9 EARENDIL
    „Besser könnte man vielleicht sagen: Ich bin von den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens überzeugt und vertraue darauf, dass Wissenschaftler*innen diese im Großen und Ganzen richtig anwenden.“

    Schon. Sind aber „Überzeugung“ und „Vertrauen“ (und im religiösen Kontext auch gerne „Hoffen“) nicht genau die Bedeutungen die in „glauben“ mit drin stecken.
    Man spart sich freilich erläutern zu müssen das „Glaube“ und „glauben“ nicht zwingend Synonym sind…

  14. @13 ICHBINICH
    „Das eine sind wissenschaftliche Fakten, das andere grober Unfug.“

    Das mit den Fakten ist etwas verzwickt und führt in eine böse Falle.
    Wissenschaft zeichnet sich ja auch dadurch aus das Erkenntnisse angepasst werden wenn sich die Datenlage ändert. Von so etwas unumstößlichen wie Fakten zu sprechen führt deswegen nicht wirklich zum Ziel. Entscheidend dabei ist ja wie wir zwischen Realität und Unfug unterscheiden. Und das tut man in der Wissenschaft eben nicht indem man im Faktenbuch nachschlägt und vergleicht.
    Und zur Falle wird das eben genau dann wenn sich ein „Fakt“ ändert. Und das tun sie ständig – ein klein wenig.

  15. @12: Ja, jein, ach … Da sollte rauskommen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zum Ursprung (Urknall ist ein doofes Wort), egal wie unwahrscheinlich, immer noch wahrscheinlicher sind, als dass etwas eintritt, an das man einfach so (random) glaubt.

    Zur Erheiterung:
    http://explosm.net/comics/1312/

  16. @EARENDIL

    Ich rede mich jetzt mal mit Autokorrektur raus ;)

    @KLAUS TROPHOBIE

    Sie haben ja grundsätzlich Recht. Nennen wir es der Korrektheit halber meinetwegen auch wissenschaftliche Theorien. Nur: für den Journalisten (oder andere „Laien“) ist das eben so nah dran an Fakten wie möglich. Und auf jeden Fall deutlich besser als alles, was z. B. Atilla sagt.

  17. @18 ICHBINICH
    Ich denke das eben dieses „so nah dran“ dabei untergeht und Vertrauen zerstört. Es wohl sogar ein Puzzlestück ist warum sich Leute wie Atilla davon abwenden.

    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und vermute das auch sie mal gelernt haben unser Sonnensystem habe 9 Planeten. Provokativ gefragt: War das Fakt?
    Am Ende ist es nur eine Definitionsfrage, das Objekt verschwindet deswegen ja nicht.

    Etwas deutlicher: das Alter der Erde z.B. ist unscharf. Aktuell gehen wir von 4,6Mrd Jahren aus. Die Zahl an sich ist ja eigentlich schon Indikator genug das wir den Geburtstag nicht genau kennen, aber wenn wegen neuer Daten das Alter auf z.B. 4,5Mrd korrigiert wird gibt es doch genug die ihre Hände in die Höhe werfen „…die haben doch keine Ahnung wovon sie reden!“ rufen und proklamieren die Erde wäre 10.000 Jahre alt.

    Die unschärfe ist kein Mangel des Systems sondern seine eigentliche Stärke. Das sollten wir herausstellen weil es hilft einzuordnen womit wir uns wie sicher sind.
    Und hoffentlich denen die das krasse Gegenteil behaupten den Wind aus den Segeln nimmt.

  18. @KLAUS TROPHOBIE

    Ich stimme Ihnen im Grundsatz ja zu.
    Nur ist das mMn einem generellen Fehlverständnis von wissenschaftlichem Arbeiten geschuldet.
    Ich weiß nur nicht, wie man das gelöst bekommt, bzw. ob überhaupt. (außer vielleicht durch bessere schulische Bildung)

    Z.B. war es bis vor x Jahren ein „Fakt“, dass das Sonnensystem 9 Planeten hatte. Jetzt hat es halt nur noch 8 (aufgrund neuer Erkenntnisse.)

    Aber glauben Sie wirklich, dass es z.B. helfen würde unter jeden wissenschaftlichen Artikel in der Zeitung drunter zu schreiben: „Das sind keine Fakten sondern nur der derzeitige Stand der Forschung, der sich noch ändern kann“?
    Ich befürchte, dass das die Zweifel an der Wissenschaft eher noch schlimmer macht.

  19. Gerade die Pluto-Frage ist so daneben …
    Wenn man einfach alle Zwergplaneten mit aufgenommen hätte, wäre unser Sonnensystem „gewachsen“. Vermutlich wäre das nicht so negativ bewertet worden, schließlich wären wir ja dann größer geworden und stünden nun besser vor den Xenomorphs da.

    An dieser Stelle sei Rick & Morty, Staffel 1 Episode 9 empfohlen.

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