Kritik an rassistischer Werbung ist kein „Shitstorm“

Volkswagen hat jüngst über Instagram ein gerade mal zehn Sekunden langes Werbevideo für den neuen Golf veröffentlicht. Darin zu sehen: ein kleiner schwarzer Mann, der von zwei überdimensional riesigen weißen Händen hin- und hergeschubst wird.

Es erscheinen Buchstaben, die für einen kurzen Moment das N-Wort bilden. Am Ende schnipst eine weiße Hand den Mann in ein Café namens „Petit Colon“. Das lässt sich leicht als Anspielung auf den Kolonialismus verstehen, denn in französischen Kolonien wurden die Kolonialisten „colon“ genannt. Eine Hand zeigt außerdem das Okay-Handzeichen, ein White-Power-Symbol. Alles Zufall?

Twitter-User kritisieren VW

Hunderte, wenn nicht tausende User:innen in sozialen Netzwerken haben sich daraufhin zu Wort gemeldet. Während einige im Werbevideo keinen Rassismus erkannten, prangerten viele die rassistische Reklame an.

VW reagierte auf die Kritik und fühlte sich in einer ersten Stellungnahme aufgrund des Werbevideos missverstanden. Später entschuldigte sich das Unternehmen, nannte das Video „falsch“ und „geschmacklos“. Mittlerweile hat VW den Spot gelöscht. Ob sich der Autokonzern ohne Druck aus den sozialen Netzwerken auch einsichtig gezeigt hätte, ist fraglich.

Täter-Opfer-Umkehr

Diverse Medien griffen die Kritik auf, die sich bei Twitter sammelte. So titelte beispielsweise die Deutsche Welle: „VW erntet Shitstorm für rassistischen Werbespot.“ RTL.de sprach von einem „Riesen-Shitstorm“.

Dabei ist der Begriff „Shitstorm“ für die Kritik am Autokonzern absolut ungeeignet. Um das festzustellen, reicht ein Blick in den Duden. Das Wörterbuch beschreibt „Shitstorm“ als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.“

Sicherlich gibt es auch die eine oder andere Beleidigung gegen den Autokonzern, die sich weder analog noch digital gehört. Aber deshalb pauschal von einem Shitstorm zu sprechen, beleidigt hunderte Internet-User:innen und disqualifiziert deren berechtigte Kritik an VW. Eine günstigere Interpretation könnte sich der Autokonzern kaum vorstellen.

Wir haben es mit einer klassischen Täter-Opfer-Umkehr zu tun, die gerade bei rassistischen und sexistischen Übergriffen weit verbreitet ist. Denn wer die vielen Twitter-, Facebook- und Instagram-Nutzer:innen in der Causa VW eines Shitstorms beschuldigt, macht sie kollektiv zum Täter und VW zum Opfer. Schließlich ging der vermeintliche Shitstorm von den User:innen aus.

Ursache für die Aufregung sind also die Nutzer:innen – und nicht VW und dessen Werbevideo.

Auch Palmer unter den Opfern

Vermutlich erwecken Journalist:innen diesen Eindruck nicht bewusst. Aber: In der Medienlandschaft hat es sich leider einfach eingebürgert, virale Kritik im Netz per se als Shitstorm zu bezeichnen – vollkommen unreflektiert.

Dies war beispielsweise auch der Fall, als der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer eine Werbung der Deutschen Bahn bemängelte, auf der Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe zu sehen waren.

Er schrieb dazu im April 2019: „Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Vieler Nutzer:innen prangerten seinerzeit Palmers Wortwahl an, weil sie realitätsfern wäre und rassistische Klischees bediente. Das ZDF titelte daraufhin: „Boris Palmer: Im Auge des Shitstorms.“ Diese Schlagzeile ist nur ein Beispiel von vielen, die den Grünen-Politiker implizit als Opfer darstellten.

Das ist demokratischer Protest

Aber: Weder bei Palmer noch beim VW-Video haben wir es mit einem Shitstorm zu tun, sondern mit demokratischem Protest im Netz. Weite Teile der Internetgemeinschaft haben im Falle von Palmer und VW ein gesellschaftlich relevantes Problem kritisiert: latenten bis eindeutigen Rassismus.

Die überwiegend konstruktive Kritik war aus den sozialen Netzwerken bis weit in die Gesellschaft hinein zu hören. Die User:innen haben damit die Funktion der vierten Gewalt erfüllt. Das verdient Anerkennung und keine undifferenzierte Diffamierung.

89 Kommentare

  1. Ich finde nichts falsches an der Bezeichnung Shitstorm, selbst in der Duden-Definition. „Zum Teil“ ist ein neumodisches Geschwurbel und gibt einfach keine Auskunft darüber, wie groß der Teil eigentlich ist. Solange ein einziger Twitter-User beleidigend wird, handelt es sich bei dem Sturm der Empörung um einen Shitstorm.

    Der Zug, legitimen Protest von einem Shitstorm im Sinne von Troll- und Hassangriff zu unterscheiden, ist meiner Meinung nach abgelaufen. Alles was so hoch kocht, dass es von sozialen Medien in die nicht-sozialen(?) Medien überschwappt, wird von diesen als Shitstorm bezeichnet.

    Da der Duden ja auch nur deskriptiv und nicht präskriptiv funktioniert, wird sich dieser Bedeutungswandel sicherlich auch bald deutlicher in der Definition zeigen.

  2. Die Kritik an dem Video ist berechtigt, und die Tatsache, dass so etwas heute noch veröffentlicht werden kann, in der Tat irritierend.

    Mit dem Begriff „Shitstorm“ ist es aber so eine Sache: Nach meinem Eindruck wird diese Bezeichnung – ungeachtet der Duden-Definition – (zunehmend) einfach auch für starke Welle heftiger Kritik und Empörung im Internet gebraucht.
    In diesem Sinne, so scheint mir, verwenden auch DW und RTL diesen Begriff.
    DW erläutert indirekt sogar näher, was es mit „Shitstorm“ vermutlich meint, indem es von „heftiger Kritik“ und „Empörung und Wut“ bei vielen Nutzern spricht, was die Sachlage vermutlich trifft und nichts Böses unterstellt.

    In beiden verlinkten Artikeln (DW und RTL) kommt VW ziemlich schlecht weg, so dass die Empörung und Verärgerung im Internet als gut nachvollziehbar erscheint. Diejenige, die sich empört haben, kommen nicht schlecht weg – es sei denn, man würde dies aus dem isolierten Begriff „Shitstorm“ alleine ableiten, was m.E. aber wie gesagt eine problematische Herangehensweise ist.

    Die Rede von einer „klassischen Täter-Opfer-Umkehr“, bei der die „Facebook- und Instagram-Nutzer:innen in der Causa VW [..] kollektiv zum Täter und VW zum Opfer“ gemacht würden, ist jedenfalls sehr, sehr weit hergeholt. Davon kann sich jeder durch Lektüre der beiden verlinkten Texte leicht selbst überzeugen.

  3. Ich stimme ErwinZK inhaltlich in dem Punkt zu, dass die neue Bedeutung Einzug gehalten hat und der Zug abgefahren ist.
    Deshalb empfinde ich „Shitstorm“ nicht als eine Disqualifizierung per se, sondern als neutral, wenngleich natürlich die Medien dadurch schon zu mild gegenüber dem Kritisierten sein können, das gebe ich zu. Mein erster Gedanke bei dem Wort ist bei Interesse stets: „Is‘ er berechtigt? Schau ich mir mal an…“
    Einen Verlust in der Benutzung sehe ich vielmehr aber darin, wenn Hass- und Trollangriffe als „Shitstorm“ bezeichnet nicht mehr als das Unerträgliche verstanden werden, dass sie sind.
    Tja, ergo sollten Medien das Wort jedenfalls meiden, wenn sie differenzieren wollen.

  4. Ich sehe es ähnlich wie die Vor-Kommentare: Unter „Shitstorm“ verstehe ich eine Welle der Empörung in den sozialen Medien – ob die Empörung berechtigt ist oder nicht, gehört m.E. nicht zu dem Begriff. Und auch nicht (mehr), ob alle oder „ein Teil“ der Äußerungen beleidigend sind.

    Wie die Werbung zustande kam, ist mir ein Rätsel. Sicher hat das nicht die Konzernleitung aus Jux und Dollerei so angeordnet. Ich vermute eher, da wollte es eine Agentur mit der alten Benetton-Masche versuchen und hat es verbockt.

  5. Man MUSS das Wort Shitstorm ja nicht verwenden, wenn es missverständlich ist, ob damit überwiegend beleidigende Reaktionen oder eher sachlich formulierte gemeint sein sollen.

    Die Trennung berechtigt/unverdient sollte es mMn eh‘ nie haben.

    Aber ja, DER Spot war jetzt wirklich mies. Meine Güte, was soll uns das anderes sagen als: „Wir schubsen Schwarze herum, kauft unser Auto!“?

  6. @Mycroft: Ich verstehe ihn auch null. Schwarzer und Cafè mal beiseite: Der ist inhaltlich nicht lustig und selbst mit aufgesetzter Slapstick Brille meldet sich bei mir weder Sinn noch Fun.

    Viel schlimmer: So ein Spot ist, wie ein Schummeldiesel, eine Gremiumsentscheidung. Das rutscht nicht einfach so einer verantwortlichen Person durch, da sitzt ne Agentur dran, ein Texter, ein Art Director, die entwickeln das, dann schaut ein Creative Director drüber und wählt es aus, dann wird es dem Kunden (meist mehrere Personen) präsentiert, die geben ihr Okay und Budget frei und dann: wird ein mehrköpfiges Filmteam gebucht, ein Location Scout losgeschickt, ein sonniger Tag abgewartet, eine Straße gesperrt, ein schwarzer Schauspieler gecastet, ein weißes Handmodel gescreent, ein Ausstatter beauftragt, ein Cafe Schild hinzuschrauben, dann Sichtung des Materials, Post Produktion, Schnitt, mehrere Korrekturschleifen, ins Boot einer Mediaagentur, die das auf verschieden Channels wie auch immer verteilt. Bei all dem Brimborium und mindestens 20 involvierten Personen will das niemandem aufgefallen sein? Ein Ausrutscher? Extrem schwer zu glauben.

  7. Zur Sache war zwar schon alles gesagt – aber noch nicht von allen.
    Da muss die (intellektuelle) Not schon sehr groß sein, wenn einer versucht noch irgendwie wenigstens noch ein paar vom Tisch gefallene Krümel des antirassistischen Buffets aufzulesen.

  8. @ Mit PH (#5):

    Danke für den Hinweis. Schon möglich, dass es solche Hintergedanken gab. Besonders plausibel finde ich das aber nicht. Zum einen ist der Imageschaden durch dem Dieselskandal längst eingepreist und das Emprörungspotential nur noch gering. Es hat also wenig Sinn, das kleine Feuer mit einem Gegenfeuer zu bekämpfen und den nächsten Imageschaden zu riskieren.

    Zum anderen war die Krisenkommunikation nach Erscheinen des Videos derart tölpelhaft – ich glaube, wenn die Empörung wirklich so geplant war, hätte man da schlauer reagiert.

  9. Eine „klassische Täter-Opfer-Umkehr“ ist übrigens schon deswegen zweifelhaft, weil eine solche Umkehr nach allgemeinen Verständnis bedeutet, dass die Schuld für ein übergriffiges Verhalten bzw. die daraus resultierenden Konsequenzen dem Opfer anstelle des Täters angelastet werden.

    – Es wurde in den verlinkten Artikeln aber nirgendwo insinuiert, dass die Schwarzen (d.h. die Opfer) selbst schuld an der VW-Werbung seien.
    – Noch wurde suggeriert, dass VW sich korrekt verhalten habe. (Im Gegenteil kommt VW wie gesagt überhaupt nicht gut weg; einer der Artikel kritisiert VW auch explizit dafür, dass der Konzern sich nicht von Anfang an klar entschuldigt hat.)

    Höchstens ließe sich argumentieren, dass VW trotz seines Fehlverhaltens in einem anderen (!) Sinne zugleich Opfer sei, nämlich Opfer von Beleidigungen als Reaktion auf sein Verhalten. Wie gesagt scheint aber auch dies zweifelhaft zu sein.

    Was am Ende mutmaßlich bleibt, ist die Verwendung eines womöglich unglücklichen weil potentiell missverständlichen Begriffs. Aber auch da ist das Missverständnis-Potential vielleicht gar nicht so groß, wie die Reaktionen hier zeigen, da der Sprachwandel an dieser Stelle schon relativ weit fortgeschritten ist.

  10. @ LLL:

    Seltsam an dem Begriff der „Täter-Opfer-Umkehr“ ist auch, dass alle, die das Video kritisieren, dessen „Opfer“ gewesen seien. Da wird der Begriff des „Opfers“ derart ausgeweitet, dass er jeden greifbaren Sinn verliert.

  11. Ich finde es schön, dass unsere Wissenschaftler an einer reinen, korrekten und virenfreien Sprache arbeiten.

    Was, wenn mit Shitstorm hier nur eine Erregung gemeint war?

    Aber natürlich darf man das nicht so nennen, denn das dumme Volk könnte ja auf die Idee kommen, dass VW hier das Opfer ist.

    Sorry, aber ich würde mal zum Arzt gehen..

  12. @Hartmut Runge
    „Sorry, aber ich würde mal zum Arzt gehen..“
    Entschuldigung, aber sind wir schon wieder so weit, dass wir diejenigen, die nicht unserer Meinung sind, als geisteskrank aus der Gesellschaft auschließen wollen?
    Vielleicht haben Sie mit dem Begriff Shitstorm auch deshalb kein Problem, weil Verrohung Ihr Ding ist?

  13. Früher sagte man „Sturm der Empörung/Entrüstung“ oder ähnlich. Das ist treffend und man handelt sich keine Probleme mit der Wirkung im angloamerikanischen Raum ein, der weit zurückhaltender mit dem Begriff ist. Ich habe ansonsten nichts gegen Anglizismen, aber hier stimmt eigentlich tatsächlich nichts so recht.

  14. @Hartmut Runge

    Ihre populistische, wissenschaftsverachtende Argumentation könnte man im Extremfall ja auf fast jeden Beruf anwenden, in dem nicht direkt Lebensmittel erzeugt, Menschenleben gerettet werden o.ä. Aufgrund unseres technologischen Fortschrittes sind das bereits die allermeisten Berufe.

    Nun sind Sie hier auf einer in Bezug auf die gesamte Breite der Wirtschaft her extrem spezialisierten Webseite, die nämlich bewertet, wie andere Medien Informationen an die Menschen bringen. Die Idee dahinter ist stets, dass jene Medien solche Hinweise aufnehmen können, um unmißverständlicher und wahrer zu kommunizieren.
    Nun spotten Sie darüber, dass Wortwahl dabei eine Rolle spielt und Menschen sich über die Verwendung eines speziellen Begriffes Gedanken machen. Das hat aber eben nichts mit unterstellter Dummheit auf Seiten des Empfängers zu tun, sondern einfach mit akribischer Arbeit im Detail. Selbst wenn das Ergebnis der Detailarbeit falsch sei und mithin unsinnig erschiene, ist das kein Grund, sich darüber so spöttisch zu erheben.

    Ihre Beschwerde hat in etwa den Charakter, als gingen sie direkt in einen Bäckerei und machen Sich über die Diskussion lustig, welche Mehlsorten fürs Mischbrot verwendet werden soll. Dem „Volk“ schmeckte es doch bisher schon immer.
    Oder Sie gehen in die Sparkasse und machen sich darüber lustig, dass die darüber diskutieren, welche Anlagen die Anlageberater den Kunden derzeit empfehlen sollen. Die Menschen aus dem „Volk“ wissen doch selbst, was gut für Ihr Geld ist, sind ja nicht dumm.
    Danach können Sie gleich noch in das Lehrerzimmer der Schule gehen und jemanden dafür auslachen, eine neue Lehrmethode vorzuschlagen. Denn ist es ja schlimm, den Schülerinnen und Schülern (stellvertretend für „das Volk“) die Dummheit zu unterstellen, nicht schon mit den Mitteln der letzten 100 Jahre alles perfekt zu erlernen zu können.

  15. Hier zeigt sich auch wieder schön, dass sich bei einem „Shitstorm“ plötzlich jeder berufen fühlt, sich zum Thema zu äußern. Es steht auch jedem frei, nicht zu verstehen, was die Werbung aussagen soll. Aber ich wette, dass genau diese Menschen gar nicht Zielgruppe sind und weder auf Instagram, noch auf Tiktok aktiv sind. Dort ist dieses „Herumschubsen“ nämlich extrem, extrem beliebt und verbreitet und Nutzer der Plattformen verstehen den Bezug sofort.
    Soll heißen: nicht nur historische Dokumente sollte man immer im Kontext sehen, sondern auch Videos wie diese. Das tut aber kaum einer der Artikel, die ich bisher dazu gelesen habe, leider.
    Was nicht heißen soll, dass ich die Kritik für ungerechtfertigt halte…

  16. @JMNL
    Danke für die Anmerkung, ich bin in dem Bereich, zu dem Sie kommentierten, nicht so versiert und wäre dankbar, wenn Sie genauer schrieben, in welchem Kontext das Video steht.
    Zu VW: Es gab auch mal die unappetitliche Geschichte, dass der Vorstand Betriebsratsmitglieder zu Puffbesuchen kostenfrei eingeladen hat, um sie auf Vorstandslinie zu bringen. Denen kann man schon Undenkbares zutrauen.

  17. @JMNL
    Falls das VW-Video tatsächlich wie von Ihnen behauptet dem Kommunikationsstil auf TikTok und Instagram entspricht, stellt sich die Frage, ob die beiden Plattformen tatsächlich die richtige Zielgruppe für das beworbene Produkt sind, bzw. ob die Kommunikation auf diesen Plattformen nicht generell als problematisch anzusehen ist. Werden dort häufig nicht-weiße Personen von weißen Händen herumgeschubst?
    Interessant wäre es als allerdings gewesen, wenn VW einen zweiten Clip mit ungekehrter Farbkonstellation hinterhergeschoben hätte. Dann würden die Kritiker vermutlich genauso im Regen stehen wie bei der Ankündigung des Rammstein-Videos zu „Deutschland“…

  18. Einen Entrüstungssturm oder neudeutsch Shitstorm kann es sowohl gegen eine vermeintlich richtige wie vermeintlich falsche Sache geben.
    Alles andere ist Ideologie und Wunschdenken.

  19. Ein Paar Fragen zum Inhalt des Artikels.

    Es steht geschrieben, dass da das N-Wort zu sehen ist. Kann mal bitte jemand ein Screenshot von dem entsprechenden Frame Posten? Ich habe es jetzt mehrfach mit Pausieren des verlinkten Videos probiert. Aber bei mir erscheint immer erst das REG und anschließend die Buchstaben ENL.

    Des weiteren habe ich gelesen, dass das Petit Colon in Buenos Aires ist und der Name sich auf Christopher Columbus bezieht. Gefunden habe ich einen Artikel auf Metro.co.uk der folgenden Stz enthält:

    „The Petit Colon is a real cafe in Buenos Aires located closeby the Teatro Colon, a theatre which is named in honour of Christopher Columbus.“

    Also das rumgeschubse von einem Menschen finde ich per se jetzt nicht in Ordnung, aber ein Teil der Sachen scheint irgendwie arg konstruiert.

  20. Joa, ich verstehe den Artikel auch nicht. Da wird die Dudendefinition zitiert:

    „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.“

    „Sturm [im übetragenen Sinne, natürlich] der Entrüstung“, „in einem Kommunikationsmedium des Internets“ ist unstreitig der Fall und zum letzten Punkt wird erklärt: „Sicherlich gibt es auch die eine oder andere Beleidigung gegen den Autokonzern“
    Also, wenn der Artikel argumentieren wollte, warum die Kritik an VW ein Shitstorm IST, dann wäre es gelungen. So rum hingegen stehe ich als Leser etwas ratlos davor…

  21. #20 Martin:

    Es haate mir tatsächlich das Video heruntergeladen und die frames angeschaut. Es gibt den frame nicht. Soweit ersichtlich ist das nur eine Behauptung, weil man bei der Buchstabeneinblendung entfernt an das N-Wort denken kann (man muss rückwärts lesen und Buchstaben weglassen). Um das zu problematisieren muss man bereits vorher durch die Rassismus-Brille auf das Video schauen.

    #16 JMNL:

    Mir ist auch schleierhaft, warum sich VW bzw. die Agentur nicht gleich klar auf die offensichtliche Inspiration für die Machart des Videos bezogen bzw. erklärt haben, dass sie ein tiktok-Phänomen aufgreifen. Das ist soweit ich sehen kann nicht geschehen. Wie sinnvoll das in Bezug auf Werbewirksamkeit und Zielgruppen ist, ist jedenfalls eine ganz andere Debatte als eine Rassismus-Debatte.

    #10, 11 LLL und Kritischer Kritiker bzgl. „Täter-Opfer-Umkehr“:

    Man könnte auch überspitzt anmerken, dass ein Autor, der einerseits angibt, es sehr genau mit Begriffen zu nehmen, weswegen man über das Wort „Shitstorm“ noch einmal neu nachdenken müsse, es an anderer Stelle nicht sehr genau nimmt, wenn es zur Konstruktion der moralischen Fallhöhe für den Antagonisten gerade gut in den ideologischen Kram passt. Scnr.

    #Thema:

    Es erscheint mir äußerst problematisch, wenn es Einigen offensichtlich nicht genügt, einfach auf eine mögliche rassistische Lesart hinzuweisen und eine Debatte anzustoßen. Da wird zurechtgebogen (das N-Wort sei sichtbar) und der Kontext verschwiegen (tiktok) und jede noch so abenteuerliche gedankliche Schleife mitgedreht („Täter.Opfer-Umkehr“), nur um die Grube der moralischen Verfehlung maximal tief zu graben und im Zweifel sich selbst als großen Rassismus-Bekämpfer überhöhen zu können.

    Es erscheint mir mit der Aufgabe des Journalismus als Transporteur und Gestalter gesellschaftlicher Debatten kaum vereinbar, das eigene Wirken ganz an der Aufmerksamkeitsökonomie der steilsten Wortmeldung von Twitter auszurichten und sich dieser Logik in der eigenen Arbeit anscheinend völlig auszuliefern.

  22. @23, Tobias
    Das nennt man alternative Wahrheit.
    Nicht nur beliebt bei Rechten, sondern auch bei allen anderen, die sich auf der „richtigen Seite“ sehen.

    Ein Ok-Symbol wird zu White Power, ein paar Buchstaben zu dem Wort „Nigger“ fantasiert und ein paar Zufälle zu einer Verschwörung.
    Und wenn man sich dann noch (obwohl man nicht mal indirekt betroffen ist) als Opfer einer „Täter-Opfer-Umkehr“ sieht, dann wird auch direkt die Definition des Shitstorms geleugnet.

    Wir sind die Guten!
    Egal ob Beginn völkerrechtswidriger Krieg oder „nur“ das Umdeuten von Entrüstung und Kritik im Internet.
    Wenn die Guten etwas tun, ist es richtig.

    *Duden: Shitstorm = Entrüstung in einem Kommunikationsmedium.
    Auch bei Wikipedia findet man keinen Hinweis darauf, dass das Motiv für die Entrüstung Teil der Definition ist.

  23. Es gibt einen Moment, in dem das „G“ „E“ „R“ auf der rechten Seite stehen und das „N“ und „E“ auf der linken Seite gerade „aufdämmern“. Wenn man dann beide Schriftzüge von links unten nach links oben liest, kommt das fragliche Wort zustande. Es sieht etwa so aus:

    E R
    N E
    G

    (Hoffe, das ist jetzt zu Doku-Zwecken erlaubt.)

    Wie gesagt: Das „N“ und das linke „E“ sind noch schwach, und bevor sie „stark“ erscheinen (so wie das „G“, „R“ und rechte „E“), wird dann rechts unten bereits ein „L“ eingeblendet.
    Wenn man aber die Kombi von schwach und gut sichtbaren Buchstaben nimmt, sind für einen kurzen Augenblick nur die entsprechenden fünf Buchstaben sichtbar; und zwar ziemlich genau so angeordnet, wie ich das hier dargestellt habe.

    Von den meisten genannten Indizien (außer vielleicht dem, dass ein Schwarzer von weißen Händen „herumgeschoben“ wird), würde ich sagen, dass es sich da womöglich einfach um Zufall handeln könnte – sofern sie EINZELN auftreten würden. In der SUMME drängt sich mir aber schon der Verdacht auf, dass da „spielerisch“ ein rassistisches Thema bedient werden sollte. Dass all die möglichen subtilen Anspielungen ein Zufall sind, der den Machern gar nicht aufgefallen ist, kommt mir jetzt nicht so plausibel vor.

    Insoweit finde ich die Kritik an VW auch berechtigt; nur eben nicht unbedingt diejenige an den an den kritisierten Medien-Texten, soweit diese verlinkt wurden und ich sie also lesen konnte.

  24. Es gab auchmal ein ähnliches Video, dass einen Terroristen beim Versuch zeigt, sich – in einem VW Polo sitzend – vor einem Cafe in die Luft zu sprengen. Dies misslingt, da die Explosion nicht nach außen dringt, so sicher ist das Auto:

    youtube.com/watch?v=WUtE3QlTpKI

    Ob dieses Video echt ist, weiß ich nicht, aber es ist genau die gleiche Art der Werbung. Insofern gehe ich davon aus, dass das von VW alles so beabsichtigt war, einschließlich der Reaktionen darauf und solcher Artikel wie diesem hier, die es dann am Ende komplexer einordnen.

    Mich eingeschlossen, haben wir uns gerade an einer Werbeaktion beteiligt.

  25. @ Tommix (#26):

    Nein, die Werbung mit dem Selbstmordattentäter ist ein Fake aus den Nullerjahren und nicht von VW. Ein sehr witziger, wie ich fand. Warum ein Terrorismus-Sketch jetzt „genau die gleiche Art Werbung“ sein soll wie der vorliegende Spot, verstehe ich nicht – zumal das Auto in dem Fake-Spot ja eine entscheidende Rolle als Lebensretter spielt („Polo – small but tough“), während es in dem echten einfach sinnlos am Straßenrand steht.

  26. In diesem Artikel sieht man den relevanten Frame ganz gut: https://www.wort.lu/de/business/volkswagen-rassistischer-werbespot-sorgt-fuer-entruestung-5ec4ff2ada2cc1784e35e291 . Ich finde das N-Wort da schon recht markant dargestellt, wenn man von unten links nach oben rechts liest – was meiner Meinung nach hier auch ein recht natürlicher Lesefluss ist. Und ja, da ist auch noch ein „L“, aber das wird von der Hand verdeckt.

    Klar, das kann auch Zufall sein. Aber zusammen mit den anderen „Unfällen“ hinterlässt das schon einen bitteren Beigeschmack. Und Dummheit wird halt auch bestraft.

  27. @27:

    Danke für die Hintergrundinfo (Attentäterspot war ein Sketch), dass mir dieses Video, obwohl es offenbar über 10 Jahre alt ist in Verbindung mit VW im Gedächtnis geblieben ist, zeigt ja wie wirksam solche „Werbung“ ist. Insofern gehe ich als plausibelste Erklärung immernoch davon aus, dass es genau im diese Wirkung geht.

  28. #28 Max Horn

    Es reicht nicht von unten nach oben zu lesen. Man muss in der Mitte anfangen, dann in die untere Zeile, dort das L übersehen, und dann in die obere Zeile springen.

    Man kann auch nicht sagen, das L sei verdeckt, denn es ist offensichtlich sichtbar (auch Sie haben es ja gesehen). Man kann sagen es ist weniger deutlich zu erkennen, aber das ist nun einmal etwas anderes als zu sagen, es sei in einem Frame das N-Wort zu lesen. Das ist in keinem Frame der Fall; man kann das Gezeigte lediglich interpretieren, als sei die Intention gewesen, daran subtil zu erinnern. Aber das ist dem ein oder anderen anscheinend nicht genug (nicht an Sie gerichtet).

    #25 LLL:

    Ich muss gestehen, dass ich das Argument der gehäuften Zufälle als Indiz rassistischer Intention hier eher als problematisch einstufen würde. Da ist zum einen der offensichtliche Bezug zu tiktok. Vor diesem Hintergrund könnte man umgekehrt sogar interpretieren, dass der dunkelhäutige Schauspieler als Diversity-Hire gedacht war, um positive Bilder zu transportieren. Das Schnipsen ist auf diversen sozialen Plattformen derzeit schlicht voll im Trend.

    Zum anderen ist der Bezug zum N-Wort wirklich mindestens außerordentlich interpretationsoffen.

    Selbstverständlich ist die Lesart im Großen als Rassismus genauso möglich und mn wird mE mindestens sagen können, dass das Motiv angesichts der Zusammensetzung der Meinungsgruppen auf Twitter &co. maximal unglücklich war. Aber den Rassismus als so gut wie bewiesen anzusehen? Hier gilt mE doch eher: 3 schwache Argumente machen noch nicht 1 Gutes.

  29. #30 Illen:
    Ich habe auch nie behauptet, dass es von unten nach oben zu lesen sei. Sondern von unten links nach oben rechts. Anders ausgedrückt: wenn man den Kopf nach links kippt, dann ist es von links nach rechts in zwei Zeilen zu lesen, mit gutem Kontrast; die zwei Buchstaben der ersten „Zeile“ haben dabei einheitliche Farbgebung, die drei in der zweiten „Zeile“ habe eine andere, aber ebenfalls einheitliche Färbung, was den „Zeileneffekt“ unterstützt. Und das L kommt dann ein ganzes Stück „tiefer“ (jedenfalls klar abgesetzt), und ist hell über einer hellen Hand, mit niedrigem Kontrast, so dass sie verschwimmt. Das kann man in dem von mir verlinkten Screenshot sehr gut sehen.

    Ich habe es in einer nicht-repräsentativen Studie ;-) an zwei Probanden getestet, die zwar wussten, dass da was mit VW war, aber weder das Video noch Details zur Kontroverse kannten; ein Blick auf den Screenshot und das Wort wurde sofort vorgelesen, ohne irgendwelche Vorwarnung oder Anleitung, wie das zu lesen sei („OK, du weißt also nicht mehr? Was siehst du dann auf diesem Bild?“). Klar, das sagt nicht viel, bestätigt mich aber darin, dass da sehr wohl etwas gut erkennbar ist.

    Was aber natürlich trotzdem nicht entscheidet, ob das Absicht war, das werden wir wohl nie wissen. Wobei ich schon interessant fände zu wissen, ob die Animation der Buchstaben evtl. ein Standardeffekt irgendeiner Videoschnittsoftware ist; wenn man das mit dem (harmlosen) Golf-Text und den Standardeinstellungen des Effekts reproduzieren könnte, würde ich eher glauben, dass es echt ein blöder Unfall war.

  30. #31 Max Horn:

    Jetzt verstehe ich Ihre „Leserichtung“. Wobei mir das doch kontraintuitiv erscheint gegenüber dem normalen Lesen entlang der drei Zeilen, in welcher Richtung auch immer. Dass man das Wort erkennen kann, wenn man will, würde ich nicht bestreiten (s.o.). Es ist nur nicht richtig zu sagen, das Wort sei als Wort zu sehen (was Sie auch nicht getan haben, nur der Artikel).

  31. @ Illen:

    Meine Darstellung des Wortes wurde durch die Software hier irgendwie verfremdet (umgestellt). Und auch die im von Max Horn verlinkten Artikel zu sehende Darstellung ist nicht die, die ich meine, die ich meine, weil man da schon das „L“ sieht.
    Habe einen Screenshot gemacht, mit dem das (von mir) Gemeinte klarer werden könnte. Wo kann/soll ich ihn hochladen?

  32. Nach nochmaligem Vergleich komme ich zum Ergebnis, dass mein Bildschirmfoto vllt doch dem im von Max Horn verlinkten Artikel entspricht. Das „L“ ist aber irgendwie unauffälliger, wenn das Bild kleiner ist.

    Alles ein Zufall?

    Dass es problematisch ist, wenn ein Schwarzer von weißer Händen herumgeschoben (bzw. herumgeschubst) wird, sollte für eine Werbeagentur schon relativ offensichtlich sein. So etwas ist „vermintes Gelände“, das weiß man eigentlich.

    Und dass der schwarze Mann ausgerechnet in ein Café, das im Deutschen „kleine Kolonie“ heißt, hineingeschoben bzw. hereingeschnipst wird, ist schon ein merkwürdiger Zufall, wenn es einer ist. Wie viele Cafés haben Namen, die in einem „Rassen-Kontext“ offensichtlich bedenklich sind? Eines von 100? Noch weniger? Und sollte die Problematik wieder niemandem im Werbe-Team aufgefallen sein?

    Die potentielle (und nicht allzu fernliegende) Symbolik, die sich aus der Gesamt-Szene ergibt – ein Schwarzer wird von Weißen herumgeschubst und von ihnen an seinen Platz in eine Kolonie verwiesen bzw. dorthin gesteckt: Ein unerkannter, doofer Zufall?

    Und dann die Buchstaben; bei typischer Größe fällt das „L“ m.E. kaum auf. Wenn man zuerst die blassen und dann die fetten Buchstaben liest, kommt das N-Wort dabei heraus. Das ist keine zwingende, aber bei kurzer Betrachtung doch eine der naheliegenden Leseweisen, auf die vermutlich viele kommen werden.
    Erneut: Fällt das keinem im Werbeteam auf?

    Entweder die Werbedesigner waren da etwas naiv und wurden von dummen Zufällen ziemlich vom Pech verfolgt; oder aber sie haben bewusst subtile Andeutungen gemacht.
    Man soll im Zweifelsfall mit Vorverurteilungen vorsichtig sein, und vielleicht klärt sich ja noch etwas auf. Aber bei aller Vorsicht scheint mir die Zufalls-These im Moment nicht recht plausibel zu sein.

  33. Wären ein bisschen viele Zufälle, vor allem bei 20 Leuten, wie Alex oben schrieb.

    Vor allem, es gibt auch Fälle, wo über Rassismus und Artverwandtes diskutiert wird, wo es aber einen „doppelten Boden“ gibt; also irgend eine zweite mögliche Interpretation, wonach das etwas eben nicht rassistisch ist, sondern antirassistisch. (Bzw., macht sich jemand über Juden lustig, oder über judenfeindliche Klischees, wenn soe judenfeindliche Klischees erwähnt?)

    Aber hier? Wenn der Schwarze rumgeschubst würde, aber er steigt in seinen tollen VW und ist vor Diskriminierung geschützt oder so – vermutlich würden viele das auch kritisieren, aber man könnte VW ja zugute halten, dass die prinzipiell auf Seiten des Schwarzen sind, nur eben ziemlich unsensibel. Aber so???

  34. Wir halten fest:
    1. Das Herumschubsen ist ein (anscheinend vorwiegend bei Heranwachsenden auftretender) Trend auf Tiktok mit entsprechenden Hashtags und dem obligatorischen Subreddit, in dem sich die nicht mehr so Taufrischen darüber lustig machen.*
    2. Das Petit Colón** ist ein existentes Café in Buenos Aires, das so bekannt ist, dass es seit acht Jahren einen eigenen Eintrag in der spanischsprachigen Wikipedia hat. Colon (ohne Akzent) könnte man mit Siedler oder Kolonist übersetzen (nicht: Kolonie); darüber würde man dort aber höchstwahrscheinlich nicht mal nachdenken. ‚Colón‘ (meistens mit Akzent) ist ein in Lateinamerika sehr weit verbreiteter Ortsname, der sich dann immer auf Christopher Kolumbus bezieht; analog gibt es Orte namens ‚Balboa‘ oder ‚da Gama‘. Hier ist die Sache noch eindeutiger, da sich das Café in der Nähe des Teatro Colón befindet, dessen Interieur es absichtlich im Kleinen (petit) nachahmt.***
    3. Wenn man den Kopf schräg hält und ein bisschen blinzelt, um einen überflüssigen Buchstaben auszublenden, kann man für einen Bruchteil einer Sekunde „N____“ rückwärts lesen.****

    Wenn das keine wasserdichte Beweisführung ist, dann weiß ich ja auch nicht. You had me at the babies in the incubators.


    *Das kann man in weniger als fünf Minuten „recherchieren“, selbst wenn man – wie ich – Tiktok noch nie zuvor angesehen hat. Was daran werbewirksam sein soll, wenn große, weiße Hände einen Schwarzen auf dem Gehweg herumschubsen, erschließt sich mir schon daher nicht, weil ich nicht weiß, was an dem ganzen Trend lustig oder interessant sein soll. Von daher halte ich mich da mit Bewertungen zurück, denn ich bin wohl nicht Teil der Zielgruppe. Dass ich eigentlich doch gemeint bin, weil die perfiden Werber über das Triggern der SJWs das Ganze viral steil gehen lassen, um dem mittelalten weißen Mann, der sich doch nur ein bisschen über rassistische Chiffren in Miniwerbespots amüsieren möchte, einen gelben Kompaktwagen anzudrehen und gleichzeitig die etwas Stumpferen unter den Volxtümlern (*kicher*“Da stehen die Buchstaben für N____, auf einem N____!“*glucks*) unter uns Kolonialzeitnostalgikern von den juristischen Folgen des Dieselgates abzulenken, weil die sonst am Ende doch noch scharenweise linksgrünversiffte Klimaretter werden und keine fünftürigen Verbrenner mehr kaufen, das nenne ich mal eine steile The…äh…Moment…Erzählung! (Wo kann man das kaufen und was kostet das pro Gramm? Frage für einen Freund.)
    **Bei Versalien (wie bei den Lettern am Gebäude) sind Akzente im Spanischen unüblich.
    ***Nur so vorbeugend: Ob man es gut finden soll, dass die Orte nach diesen – vorsichtig ausgedrückt – umstrittenen historischen Personen benannt sind, ist dann eine Frage, die ich vielleicht vor Ort mit den Einheimischen diskutieren würde, aber nicht unter Mitteleuropäern auf einer deutschsprachigen Medienkritikseite.
    ****Ich empfehle die 3D-Suchbilder-Bücher aus meiner behüteten Kindheit. (Spoiler: Auf der letzten Seite ist immer ein Dino.) Wem das zu modern ist, der kann ja seine Schallplatten rückwärts abspielen.

  35. @36 VONFERNSEHER

    Nix „rückwärts lesen“, ganz normal vorwärts genügt. Und da muss man auch nicht blinzeln, die Augen zukneifen oder sonst was. Haben Sie den verlinkten Screenshot denn überhaupt mal angesehen?

  36. Der Herumschubsen-Tiktok-Bezug ist der durchaus lustige Teil. Wenn jemand sich auf vermeintl. Schubsen einer Riesenhand bewegt, kann das lustig wirken. Bei Tiktok ist das Ergebnis allerdings meist Tanz. Im VW-Spot wird ein Mensch herumgeschubst, weil er dem Blick aufs Auto versperrt, darum muss er weg und wird in die Café-Tür gedrängt. Schon allein das ist fragwürdig. Mir sagt das: Straße für Autos, nicht für Menschen. Eine allein so schon merkwürdige Botschaft.
    Dass die Hand weiß, der Mann schwarz ist, dass die Hand beim Schnippsen einem White-Power-Symbol ähnelt, dass die N, E, G, E, R, L glechzeitig dazu sichtbar sind, das sind mir alles viel zu viele Zufälle. und selbst wenn es Zufälle sind, hätte deren „unglückliche“ Häufung ja wohl irgendwem auffallen müssen.

  37. @Max Horn
    Der Werbetext ist in deutsch, die Werbung richtet sich an eine Zielgruppe in einem westlichen Kulturzusammenhang. Vorwärts ist demnach von links nach rechts, von oben nach unten. (Nicht etwa: 2., halbe 3., dann 1. Zeile, auch nicht: 3., 1., 5., 4., 2. Buchstabe, 6. ignorieren)

    @Lars
    Wie schnipsen Sie denn mit dem Zeigefinger, ohne zumindest annähernd [In Ordnung|Lecker|Arschloch|O-KKK] zu zeigen?

  38. Ich habe mir den Spot mehrfach angeschaut, nachdem ich hier auf das N-Wort hingewiesen wurde.
    Und ich konnte es nicht erkennen.

    Mein Frau dachte bei Cafe Colon (hier auch ohne Akzent auf e bzw. o) sofort an „Wie Darm?“

    Der die Rezipientin sieht also offensichtlich, was sie sehen will, da können die Werbefuzzis sich vorher ausdenken, was sie wollen.

  39. Merkwürdig: Mir ist die Hautfarbe des Mannes gar nicht aufgefallen, bis nicht in den üblichen Netzwerken mal wieder laut „Rassismus“ krakeelt wurde.

    Ein Mensch schnippt einen anderen rum, von der Straße runter, für ein Auto – find ich eher mäßig gelungen, wie den ganzen Spot, dessen Sinn ich nicht verstehe.

    In der Konstellation weiß/schwarz gleich Rassismus zu wittern hingegen ist vielleicht rassistischer als der Spot selber.

    Aus den aufleuchtenden Buchstaben dann mit jeder Menge bösem Willen ein zurecht nicht mehr gutgeheißenes Wort rauszulesen, das ist, na ja, bestensfalls infantil.

    Und ja, das, was VW und diese Agentur nun erfährt, ist ein Shitstorm, nach ganz klassischer Definition. Daran ändert es gar nichts, dass ein Eintreten gegen Rassismus, wenn auch hier vielleicht in etwas übereigriger Form, an sich etwas Positives ist.

  40. Man kann es auch anders sehen, Herr Niggemeier.

    Es gibt immer noch überall viel zu viel Rassismus. Echten, unverhohlenen Rassismus. Bitterbösen, verletzenden, zerstörenden Rassismus.

    Und es gibt einen Werbespot, in dem man beim siebten Hinsehen sieht, dass ein Mensch dunkelhäutig ist und beim einundvierzigsten Mal mit einem eingeblendeten Schriftzug eine Runde Schimpfwort-Scrabble spielen kann.

    Ich bin da gerne naiv: Nein, ich glaube nicht, dass in der Agentur und beim Auftraggeber Menschen arbeiten, die sich denken: „Mensch, der Schwarze, und dann blenden wir [gelöscht] ein, das wird was.“

    Ich glaube aber, dass es eine bestimmte Art Menschen gibt, die sich ganz gerne an so etwas abarbeiten, weil das so einfach ein so gutes Gefühl gibt. Und deren Treiben bezeichnet man halt heutzutage wertungsfrei als Shitstorm.

  41. @Stefan Niggemeier
    Vielleicht liegt es ja daran, das kein Rassismus halt kein Vorwurf ist. Und gut begründen sollte man nun mal den Vorwurf und nicht umgekehrt.

  42. #44 Vonfernseher

    Dass man den Vorwurf gut begründen sollte und nicht die Zurückweisung, zumal wenn man das (leider zunehmend nicht mehr) starke Wort Rassismus anführt, scheint mir auch vielen abzugehen. Man könnte es mit dem obigen Artikelverfasser eine Täter-Opfer-Umkehr nennen..

  43. Der Artikel ist irgendwie ziemlich sinnfrei. Der Begriff „Shitstorm“ sagt nichts über seine Berechtigung aus, sondern ist völlig wertfrei. Er kennzeichnet einfach nur eine Welle der Empörung.

    Hier denkt sich der Autor eine Bedeutung für den Begriff aus, um die dann zu kritisieren.

    Keine Ahnung, was das hier soll, eigentlich ist das doch genau das Vorgehen, das man bei anderen Medien hier so gerne kritisiert.

  44. „Keine Ahnung, was das hier soll…“

    Eine Ahnung habe ich da schon. Eine Empörungswelle schwappt über ein Unternehmen und seine Marketing-Agentur. Auf der mag man gerne surfen, stellt dann aber fest, dass man Medienkritik macht und gar keine Werbekritik. Mist. Dabei surfen wir doch so gerne.

    Also wird auf einer Meta-Ebene rumgekrittelt. Diejenigen, die darüber mit einem ebenso albernen wie neutralen Modewort berichtet haben, haben dieses Wort falsch verwendet, damit nicht deutlich genug mit dem Finger auf den überführten (?) Rassisten gezeigt und sind deshalb selbst Rassisten. Mindestens.

    Dass weder der Rassismusvorwurf sonderlich schlüssig ist noch es stimmt, dass die Medien „Täter“ und „Opfer“ (im denkbar weitesten aller Wortsinne) umgekehrt haben: geschenkt. Man war surfen, und das zählt.

    Und wer dieses Vorgehen dann wiederum nicht gutfindet, der ist, vermute ich, auch Rassist.

  45. @Neandertaler:

    Da haben Sie mich gründlich missverstanden. Ich halte die Kritik an dem sehr, sehr dummen VW-Spot für absolut gerechtfertigt.

    Nur dass daraus hier eine Schuldumkehr konstruiert wird, halte ich eben für totalen Unfug. Und wenn, dann nicht, weil der Begriff Shitstorm verwendet wurde.

    Ansonsten möchte ich deutlich machen, dass ich mit denen von Ihnen geäußerten Ansichten nichts zu tun haben will.

  46. @Tobias

    Ich habe Sie nicht, und schon gar nicht gründlich, missverstanden.

    Ich habe eine Frage aus Ihrem Beitrag zitiert, und auf diese eine denkbare Antwort gegeben.

    Klären Sie mich mal kurz auf, was die von mir hier geäußerten Ansichten sind, mit denen Sie nichts zu tun haben wollen?

  47. Eine weiße Hand schnippt einen schwarzen Menschen durch die Gegend und ein Neandertaler schreibt, dass hier der Rassismusvorwurf nicht »sonderlich schlüssig« ist. Glückwunsch zu diesem Nickname.

  48. Dieser Nickname beschreibt meine Heimat. Sie dürfen das gerne googeln, oder sie lassen es.

    O.K., exerzieren wir das mal durch. Dieses Herumschnippen ist wohl irgendein Social-Media-Trend, den ich nicht kenne. Vermutlich bin ich dafür zu alt, das häuft sich in letzter Zeit. Irgendwer schnippt irgendwen herum.

    Glauben Sie es mir, oder lassen Sie es: Ich habe gar nicht wahrgenommen, dass die kleine Person, wie Sie es schreiben, „schwarz“ ist. Sie ist es auch gar nicht. Ich hab Schachfiguren, die sind schwarz. Dieser Mensch hat dunklere Haut als der, dessen Hand wir sehen.

    Ich glaube, dass ist ein wenig das Problem mit all den wackeren Antirassisten im Netz. Sie merken gar nicht, wie verräterisch es manchmal sein kann, was sie in diesen Bildern sehen. Verräterischer vielleicht als das, was ich darin nicht sehe.

  49. Ich muss das nicht googeln. Ich wohne 5 Minuten vom Neanderthal-Museum entfernt. ;) Aber diese Lage bedeutet ja nicht automatisch, dass man zu Themen, die einen überfordern, oder Sachverhalten, die man nicht wahrnimmt, steinzeitliche Kommentare ins Netz stellt.

  50. Ich frage mich allen Ernstes, worin hier das Missverständnis besteht.

    Ich habe mich klar gegen Rassismus positioniert. Ich bin nur nicht bereit, jede Situation, an der Menschen unterschiedlicher Hautfarbe beteiligt sind, in diesem Kontext sehen zu müssen.

  51. Ich hatte mich schon gefragt, wo die üblichen hauptberuflichen Missversteher in diesem für sie doch so ergiebigen Thema bisher nur bleiben, aber das hat sich ja dann erledigt.

    #53 Neandertaler:

    Falls Sie es nicht bereits ahnen: jede Sekunde, die Sie dem werten Mitkommentator Dodillet widmen, ist verschwendete Lebenszeit. Sie können noch so eindeutig Stellung gegen z.B. Rassismus beziehen wie Sie in #43. Das wird Ihnen nicht helfen.

    Man kann so behutsam oder abwägend den tiktok-Trend oder den Hintergrund des Petit Colón thematisieren, wie man will, aber da sprechen Sie auf einer Ebene, zu deren Ambiguität die sich fälschlicherweise links verstehenden Autoritären in ihrem Bedürfnis nach moralischem Distinktionsgewinn keinen Zugang haben.

  52. @Illen
    Der Einfachheit halber hole ich die klare Positionierung gegen Rassismus mal hier runter. Zitat aus #43: »Es gibt immer noch überall viel zu viel Rassismus. Echten, unverhohlenen Rassismus. Bitterbösen, verletzenden, zerstörenden Rassismus. Und es gibt einen Werbespot in dem man beim siebten Hinsehen sieht, dass ein Mensch dunkelhäutig ist und beim einundvierzigsten Mal mit einem eingeblendeten Schriftzug eine Runde Schimpfwort-Scrabble spielen kann.«

    Das ist für mich keine Distanzierung vom Rassismus, schon gar keine »noch so eindeutige«. Es ist nicht mehr als ein »Okay, der Kukluxklan geht jetzt wirklich zu weit. Aber ein bisschen N****-Schubsen im Internet wird ja wohl noch erlaubt sein.«

    Klassischer Alltagsrassismus eben. Der bereitet in meinen Augen dem »echten, unverhohlenen Rassismus« (was immer das auch sein mag) den Boden. Das geht heute nicht mehr. Deshalb halte ich dieses Denken für steinzeitlich. Mehr steckt nicht dahinter.

  53. O.K., der Frey-Dodillet,

    das war es dann für mich. Ich distanziere mich von Rassismus, so klar es nur eben geht, aber weil ich das von Ihnen als rassistisch empfunde, alberne Werbevideo nicht zweifelsfrei rassistisch finde und vor allem den Begriff Rassismus ungern inflationär gebraucht und dadurch abgestumpft sehe, bin ich in Ihren Augen ein Alltagsrassist. Wer nicht zu 100% für Sie ist, der ist gegen Sie. Das mag Ihre Weltsicht sein, spannend nur, dass Sie dann mir aufgrund meines Nicknames eine steinzeitliche Weltsicht unterstellen.

    Sparen Sie sich weitere Kommentare. Ich lasse mich zur Not beleidigen, offen und ehrlich. Ihre hinterfotzige Art lasse ich mir nicht gefallen. Schreiben Sie lieber weiter lustige Bücher über possierliche Tiere.

    Danke, Illen, ich hab es selbst gemerkt. Mit manchen Menschen ist kein Gespräch möglich, zu hoch das moralische Ross, das sie reiten.

  54. Ob die Kritik am Spot berechtigt ist, könnte man leider nur beurteilen, wenn nicht (in sämtlichen Versionen!) der Anfang weggeschnitten wäre. Da könnte zB ebenso gut zu sehen gewesen sein, wie sich ein Ku-Klux-Klan Mitglied mit Schuhcreme als Schwarzer „verkleidet“ und daraufhin völlig zu Recht weggeschnippst wird (ist übrigens eine ganz normale „Schnips-Hand-Stellung“, für das „WP“-Symbol hätten die drei Finger hochgereckt werden müssen). Ich glaube ja auch nicht, dass sich der Schwarze zu Beginn verkleidet hat, jedoch gab es bereits so viel „Rassismus“ Hysterie (zB darf Bahlsen jetzt nicht mehr im Produktnamen klarstellen, dass der qualitativ beste Kakao für den betreffenden Keks auf einem Kontinent namens „Afrika“ eingekauft wird. Das war als Kompliment gemeint, aber für die „Rassismus-Polizei“ in Deutschland scheint nur die Erwähnung dieses -herrlichen!- Kontinents irgendwie unanständig zu sein). Also ohne den Beginn zu sehen, mit (anders unmöglich schnipsen könnender Schnipshand) finde ich es beachtlich, da gleich Grossalarm zu schlagen. Und das „N-Wort“ (das übrigens nur für halbgebildete Nicht-Lateiner an die herabsetzende, englische Variante erinnert) ist dort auch nicht zu sehen, nur wenn man sich es sich -aus völlig anderer Reihenfolge- mutwillig zusammendichtet. Vielleicht aber ja tatsächlich ein rassistischer Skandal, wenn man nur mal den Kontext gezeigt bekäme! Bis dahin finde ich nur skandalös, wie bereitwillig hier alle ohne volle Infos im Zweifel die Empörung wählen. – Ist ja ein wahrer „Volkssturm!“😉

  55. Lieber Neandertaler, ich bin nicht »hinterfotzig«, sondern nur anderer Meinung. Ich denke, das ist gestattet.

  56. Stimmt! Nicht „alle“ folgen der Empörung hier so bereitwillig – mir ging nur nach den ersten Kommentaren gleich die Hutschur hoch (nachdem ich neulich vergeblich endlos versucht habe, den „Rassismus“ im Spot wasserdicht zu bekommen). Danke Stefan Niggemaier für den Hinweis, erst jetzt habe ich die Kommentare tatsächlich alle gelesen und entdeckt, doch nicht der einzige Selberdenker auf der Welt bzw der Website hier zu sein. Das nächste Mal mache ich das als erstes, gründlicher, versprochen! Gute Website – mit anscheinend (meist) guten Lesern! Schade, dass man den Spot nicht mal komplett analysiert und den „Rassismus“-Schnappatmern um die Ohren haut. Die kosten langsam wirklich Lebensqualität.

  57. Welches Motiv könnte VW haben, einen rassistischen Werbespot für seinen neuen Golf herzustellen und zu veröffentlichen?

  58. Selberdenker wie Burkard finden nämlich, dass das N-Wort nun eigentlich auch nicht so recht mit Rassismus zu tun hat. Alle anderen sind Schnappatmer. Ich will nicht wissen, was als nächstes kommt.

  59. Und wenn man sonst keine Argumente hat, MR RE, dann schiebt man dem anderen eben was unter, und am liebsten natürlich, dass er Rassismus toleriert – oder gar toll findet.

    Sagt mal, könnt ihr euch nicht mal ganz klassisch auf ’ne Frau oder ’nen Kerl oder beides einen runterholen statt auf eure vermeintliche moralische Überlegenheit?

  60. Wenn der Hauptbestandteil der Übung – Weiße Person schubst Schwarzen herum – schon den rassistischen Kerngegenstand zu Thema hat, und nichts vom Rest explizit antirassistisch ist oder eine Identifikation mit dem Schwarzen ermöglichen soll; die Vermutung, dass die zumindest rassistisch interpretierbaren Details rassistisch interpretierbar sein sollten, ist nicht so abwegig.

    Oder für Freunde(m/w/d) der differenzierten Darstellung: das Handzeichen ist vllt. wirklich Zufall, das Colon ist einfach für den Wiedererkennungswert und das Wort ist tatsächlich Absicht.

  61. @ Michael Frey-Dodillet
    @ Mr. Re:

    Wenn ein Richter jemanden freispricht, der wegen Erpressung angeklagt ist, dann muss das nicht heißen, dass der Richter kleinree Erpressungen ganz in Ordnung findet. Vielleicht ist der Richter strikt gegen Erpressung, aber einfach nicht überzeugt, dass es den Erpressung überhaupt gab, weil ihm die Beweise zu schwach sind.

    Entsprechend auch hier: Wenn jemand z.B. das Wort „Neg…“ hier nicht als gegeben sieht, dann wird er da eben auch keine Provokation und keinen Rassismus sehen. Nicht, weil derjenige „leichte“ Formen von Rassismus in Ordnung finden müsste, sondern weil er bezweifelt, dass der entsprechende Tatbestand überhaupt vorliegt.

    Ich selbst gehe ja auch eher davon aus, dass es bei diesem Werbespot kein Zufall, sondern Absicht ist, weil ich mir nicht recht vorstellen kann, dass die Macher die möglichen Bezugspunkte und Interpretationsmöglichkeiten übersehen haben (selbst wenn diese zufällig aufgetaucht sein sollten). Da wir hier aber über Indizien gehen müssen, von denen die meisten einigermaßen vage sind, ist das letztlich eine Interpretationsfrage.

    Wenn wir recht haben, unterläuft den von Ihnen kritisierten Leuten ein „Tatbestandsirrtum“. Sie kritisieren diese Leute aber für einen „Verbotsirrtum“ bzw. „Normenirrtum“. Sie kritisieren, um bei der Analogie zu bleiben, einen Richter, der keine guten Beweise dafür sieht, dass im konkreten Fall eine Erpressung vorliegt, dass er Erpressungen verharmlosen würde.

  62. #63 Neandertaler
    Haben Sie vielen Dank für den famosen Entspannungstipp. Auch wenn er – wie soll ich sagen – etwas archaisch wirkt.

  63. Die Analogie hilft auf jeden Fall, die verschiedenen Ebenen der Auseinandersetzung sichtbarer zu machen. Sie funktioniert aber nur, wenn alle vom gleichen Tatbestand ausgehen. Schon dessen Bestimmung dürfte einigermaßen schwierig werden (objektiv: genügt die Wahrnehmung Dritter als rassistisch oder brauche ich als subjektives Element auch noch eine rassistische Intention des Spot-Erstellers?).

    Und sicher kann jeder für sich persönlich die Indizien im Werbespot als mehr oder minder aussagekräftig bewerten (Beispiel: #40). Wer dann aber dabei gleich im ersten Aufschlag die zu abweichenden Ergebnissen kommenden Mitbewerter als Krakeeler, „vielleicht rassistischer als der Spot selbst“ und infantil abwertet (alles nur aus #41) sowie mit einer angeblichen Surf-Geilheit der Medienkritik nachlegt (#47), ist doch nicht ernsthaft an einer Diskussion interessiert. Der „Richter“ aus dem Neandertal scheint jedenfalls von seinen Richterkollegen von vornherein nicht viel zu halten. Wären jetzt mal so meine Schlüsse aus den vorliegenden Indizien…

  64. #66 LLL

    »Ich selbst gehe ja auch eher davon aus, dass es bei diesem Werbespot kein Zufall, sondern Absicht ist, weil ich mir nicht recht vorstellen kann, dass die Macher die möglichen Bezugspunkte und Interpretationsmöglichkeiten übersehen haben …«

    Ich bin da mittlerweile schwankend, was die Absicht angeht. VW lässt seine Kampagnen nicht mehr wie in den gemütlichen 1990ern in Düsseldorf bei DDB zusammendengeln: 12 Monate, 36 Leute, 48 Abstimmungschleifen, fertig ist der neue Spot.

    Mittlerweile macht das Voltage, ein internationaler Zusammenschluss von DDB-Hotshops. Unter anderem auch, weil der VW-CMO Sengpiehl angemahnt hat, dass Kampagnenentwicklung viel zu lange dauere und man schnelle Kreation auch über Crowdfunding auf Plattformen wie TikTok generieren könne. Im HORIZONT-Interview schwärmte er vom großen Disruptions-Potential, das diesen neuen Arbeitsprozessen innewohne. Mehrere hundert Kommunikationselemente könnten vollautomatisiert auf einer Vielzahl von Kanälen parallel ausgespielt werden.

    Diese neuen Arbeitsprozesse fallen ihm gerade mächtig auf die Füße. Der Colon-Spot soll in einem brasilianischen DDB-Ableger entstanden sein. Kaum vorstellbar, dass da Nazi-Maulwürfe tätig waren. Eher schon, dass in Zeiten von »schnell, hot, disruptiv« die Kontrollmechanismen nicht mithalten konnten.

    Blöd ist halt, dass – egal wo auf der Welt der Spot realisiert wurde – der Absender immer Wolfsburg ist. Der Imageschaden ist immens, wenn da so ein idiotisch gemachter Film durchrutscht.

  65. Ich habe vergessen, die die Quelle zu erwähnen: https://www.horizont.net/agenturen/kommentare/rassistische-vw-werbung-so-was-kommt-von-so-was-183276

    Ich weiß leider nicht, wie weit man das ohne kostenpflichtiges Abo lesen kann. Deshalb kopiere ich den zweiten Absatz vorsichtshalber hier rein. Der ist aus der Abteilung »Karma is a bitch«:

    »Besonders schräg: Der Schnipsel sollte angeblich Teil einer größeren Kampagne mit einem Pärchen unterschiedlicher Hautfarbe sein, mit der man auch ein Zeichen für vorurteilsfreies Zusammenleben setzen wollte. Wie dabei dieses Ergebnis entstehen kann, bleibt vorerst das Geheimnis der Macher.«

  66. @Neandertaler, @LLL: Ich schiebe da niemandem etwas unter. Mein Beitrag bezog sich auf das, was Burkard ganz eindeutig so schrieb, nämlich „das „N-Wort“ (das übrigens nur für halbgebildete Nicht-Lateiner an die herabsetzende, englische Variante erinnert)“. Ergo: das deutsche Wort sei nicht herabsetzend, sondern bloß die harmlose Ableitung des lateinischen Wortes für „schwarz“, was ein immer wieder vorgebrachtes und ebenso oft widerlegtes, nunja, ‚Argument‘ ist von Leuten, die meinen, man solle sich mal nicht gleich so beleidigt fühlen vom N-Wort. Also, tief durchatmen (oder halt Neandertals vorzüglichen Tipp umsetzen) und mir bitte nicht unterstellen, ich hätte Burkard seine eigenen Worte in den Mund gelegt.

  67. #56 Michael Frey-Dodillet

    Das ist für mich keine Distanzierung vom Rassismus, schon gar keine »noch so eindeutige«. Es ist nicht mehr als ein »Okay, der Kukluxklan geht jetzt wirklich zu weit. Aber ein bisschen N****-Schubsen im Internet wird ja wohl noch erlaubt sein.«

    Diese „Interpretation“ ist geradezu abenteuerlich weit von dem entfernt, was der Kommentator Neandertaler tatsächlich geschrieben hat. Der Ansatz würde jeden Scholastiker vor Neid erblassen lassen. Aber damit sind Sie immerhin schon Mittelalter, und nicht Steinzeit.

    Sie verlinken doch selbst einen Artikel mit der Aussage, der Spot sollte Teil einer Kampagne für vorurteilsfreies Zusammenleben sein. Wenn das stimmt, wäre jede rassistische Intention der Macher widerlegt und die Diskussion ginge nur noch darum, inwieweit die konkrete Ausgestaltung unglücklich war. Wenn Ihnen dazu nur „karma is a bitch“ einfällt, dann denken Sie lediglich vom gewünschten Endergebnis her.

    Sie sagen jetzt natürlich: der Spot IST rassistisch, objektiv, auf die Intention der Macher kommt es nicht an. Das ist jetzt seit über 40 Jahren der zentrale Selbstbetrug der postmodernen „Linken“, dass es einerseits so etwas wie Objektivität gar nicht gebe und alles (de)konstruierbar sei, andererseits aber diverse -ismen, vor allem Rassismus, als objektiver Wesensgehalt an Sachverhalten kleben könne, unabhängig von Kontext und Intention des Sprechers.

    DAS ist erkenntnistheoretisch dann leider doch wieder Steinzeit.

  68. Und jetzt stellen wir uns alle mal vor, der Spot sei in einer brasilianischen Agentur entstanden, wo niemand beim gemeinsamen Auftauchen von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in einem Spot zuallererst nach rassistischen Motiven sucht.

    In einer Agentur, in der man beim einzublendenden Schriftzug „Der neue Golf“ gar nicht auf dem Schirm hatte, dass die von vielen hier so selbstverständliche Lesart irgendwie problematisch sein könnte.

    Was genau bliebe dann von all der selbstbeweihräuchernden Hyperventiliererei, außer dass VW mal dringend darüber nachdenken sollte, ob man an den Abläufen, die zur Entstehung eines solchen Spots beitragen, nicht mal was ändern sollte.

    Für mich ist der Vorwurf, mehrfach gelesen, dass dort ganz bewusst rassistische Motive eingesetzt werden auf jeden Fall ein anderer als der, dass dort durch Outsourcing und weiteres Outsourcing und die Hektik des Tagesgeschäfts ein Ergebnis zustandegekommen ist, dass dunkelhäutige Menschen, äh, nein, medienkritisierende selbsternannte Advokaten dunkelhäutiger Menschen als rassistisch empfinden.

    @MR RE

    Entschuldigen Sie bitte, Sie haben natürlich Recht. Burkards Relativierung dieses ekeligen Worts ist in der Tat inakzeptabel, das ist mir im Eifer des Gefechts durchgerutscht. Das Wort ist, unabhängig von seiner Etymologie, nicht hinnehmbar, das kann man sich noch so sehr hinbiegen wollen.

  69. #72
    Natürlich sage ich, dass es auf die Intention der Macher nicht ankommt. Wenn ich in 35 Jahren Werbung eines gelernt habe, dann dieses: Der Empfänger bestimmt die Botschaft.

    Wenn das Kind im Brunnen liegt, können die »Macher« hinterher noch so eloquent rumrudern, um es wieder rauszufischen. Es bleibt halt drin. Das weiß man, und deshalb trägt man im Vorfeld dafür Sorge, dass es erst gar nicht passiert.

    Wo wir gerade bei »Machern« sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der »Macher« von George Floyds Tod in Minneapolis jegliche rassistische Intention weit von sich weisen wird, weil er im Rahmen seiner Dienstpflicht ja nur einen mutmaßlichen Kriminellen festgenommen hat und bei einem sich wehrenden Weißen genauso gehandelt hätte. Das Bild in der Öffentlichkeit sieht anders aus: Rassismus der übelsten Sorte. Und das sehen weiß Gott nicht nur die »postmodernen Linken« so.

  70. Als „rassistisch“ kann ein Werbespot wohl (vereinfachend) in zweierlei Sinne bezeichnet werden:

    1) Er soll eindeutig eine rassistische Botschaft transportieren.

    2) Er kann relativ leicht so verstanden werden, als solle er eine rassistische Botschaft transportieren, muss aber nicht so verstanden werden, und es ist auch nicht die Absicht des Senders, dass es so rüberkommt.

    Im zweiten Fall ist es fraglich, ob die Bezeichnung „rassistisch“ überhaupt sinnvoll ist; das ist vielleicht eher eine semantische als eine Sachfrage.
    Wenn der Begriff „Rassismus“ im zweiten Fall verwendet wird, so trifft er jedenfalls nur in einem analogen, abgeschwächten Sinne zu. Und man kann dem Sender dann mangelnde Sensibilität, Ungeschicklichkeit und ähnliches vorhalten, nicht aber eine rassistische Gesinnung.

    Die von Herrn Frey-Dodillet zitierte Quelle recht hat, könnte dies gegen eine rassistische Absicht der Verantwortlichen und für Ungeschicklichkeit sprechen. Ein Argument könnte hier auch lauten: Wer ist so dumm, dass er sich in so einem Zusammenhang mit Absicht Rassismus erlaubt? Wäre es nicht offensichtlich, dass das allen in diesem Fall Beteiligten nur sehr schaden kann?

  71. @LLL:
    Es kann auch andere Möglichkeiten – es werden zwar bspw.rassistische Dinge gezeigt, aber die Botschaft ist nicht: „Schwarze Menschen verdienen es, von Weißen herumgschnipst zu werden.“, sondern: „Weiße schnipsen Schwarze herum, aber WIR tun dies nicht.“ Nur würde DANN im vorliegenden Fall die Stelle fehlen, wo die Trennung zwischen „Wir“ (VW) und „die“ (andere Weiße) erfolgt; es kann aber, bei aller Ambiguitätstoleranz, trotzdem passieren, dass eine solche Werbung ebenfalls als rassistisch kritisiert werden würde.

    Und wenn das Teil eine Kampagne sein soll, die _insgesamt_ nicht rassistisch ist, hätte man vllt. mit dem antirassistischen Teil anfangen sollen…

  72. Ich würde hier VW kein Kalkül unterstellen mit diesem Video von irgendwas ablenken zu wollen, das würde der Konzernleitung nun doch zuviel Intelliegenz zuschreiben. Aber wer weiß schon was son Marketing Fuzzy sich bei sowas denkt, im Zwifel nichts. Ich schlag auch immer die Hände über dem Kopf zusammen, wenn die bei uns mit irgendwelchen abstrusen Vorchlägen kommen, das sind halt alles irgendwie weltfremde Gestalten.

    PS: Mal ein + für Ihren Genderdoppelpunkt, weitaus besser zu lesen als ein Sternchen, wenns schon sein muss, aber imho genauso überflüssig, ich dache zuerst, da hätten sich nur Frauen beschwert.

  73. Ich biete mal 2 Interpretationen an, auf denen der Spot fussen könnte.

    1. Der Golf ist so cool, da darf kein cooler Typ die Sicht versperren.
    2. Der Golf ist noch cooler als der Typ und deshalb nimmt die Frau lieber den Golf und kickt den Typen weg.

    ..ehrlich gesagt der Sinn erschließt sich mir trotzdem nicht. Andererseits langweilige Autospost gibts ja nun genug, die hätten einfach nen weißen Typen nehmen sollen, der wär auch nicht so cool gewesen.

  74. @70

    Wenn man diesen Hintergrund kennt, erklärt sich der Spot eigentlich von selber. Man muss nur das Narrativ kennen. Die werden den Spot in etwa so gepitcht haben: Ein gemischtrassiges Pärchen fährt mit seinem neuen Golf vor, die Frau (die Hand) rennt auf die ander Strassenseite um Ihren Lover (der Farbige) mit dem neuen Auto zu knipsen. Dabei fällt ihr auf, och der steht im Weg und die Karre sieht ja ohne den viel besser aus, also schnell den alten symbolisch in die Kneipe geschubst, der findet das lustig und macht das Spielchen mit. So, wo ist nun der Rassismus? Dumm nur dass der Betrachter die Story nicht kapieren kann weil der Spot einfach doof gemacht ist. Hätte man den 5 Sekunden länger gemacht und die beiden zusammen bei Aussteigen gezeigt wäre alles tutti. Der Name der Name der Kneipe und der unglücklich eingeblendete Claim tun natürlich Ihr übriges, keine Sau hätte das gemerkt, aber das Internet sieht alles. Da hat das QM einfach gepennt.

    Viel lächerlicher sind diese Zwangsentschuldigungen der Macher.

  75. @ Mycroft:

    Deshalb ist es m.E. auch sinnvoll, ein Werk erst dann als „rassistisch“ zu bezeichnen, wenn offensichtlich ist, dass eine rassistische Botschaft mit Absicht reingesteckt wurde. Oder alternativ vielleicht auch dann (in einem schwächeren, derivativen Sinne), wenn eine rassistische Interpretation naheliegend ist – und zwar eben auch unter Berücksichtigung des Gesamt-Kontextes. Und ob in diesem letzteren Fall das Wort „rassistisch“ überhaupt angemessen ist, wäre noch die Frage.

    In Fällen jedenfalls, in denen eine rassistische Interpretation möglich ist, aber vom Urheber gar nicht gewollt ist und auch nicht so sehr naheliegend, würde ich persönlich die Sache erst einmal als „problematisch“ klassifizieren.

    Ich selbst war der Auffassung, dass beim VW-Clip bewusst mit rassistischen Andeutungen gespielt wurde, und dass das auch entsprechend rüberkommen sollte (vielleicht um der Provokation willen) – weshalb ich den Clip auch als „rassistisch“ betrachtet habe. Inzwischen bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Vielleicht ist es tatsächlich eine nicht rassistisch gemeinte, aber wirklich verunglückte Performance. Für beide Positionen scheinen mir Argumente zu existieren. Vielleicht gibt es bald mehr Gewissheit.

  76. War es unglücklich, zwei Bühnen wie Rassismus und Shitstorm nebeneinander zu eröffnen, oder benötigte man noch einen Nebenschauplatz, weil die Rassismus-Geschichte alleine etwas dünn war? In dem Artikel will nichts so richtig ineinandergreifen, die heranzitierte Dudendefiniton für Shitstorm, den aktuellen Sprachgebrauch schon nicht mehr richtig treffend, und der Symbolismus im Film, der erst die gewollt brisant wirkende Deutung durch den nachfolgenden Text erhält.
    Wenn man über Rassismus schreiben will, gibt es leider genügend eindeutigere Beispiele, die Interpretationen wirken auf mich zu konstruiert und könnten viel zu leicht als hysterisch verworfen werden.

  77. Ich muss einen Teil meiner Meinung revidieren.
    Ich hatte mir gestern den Film nur auf dem Tablet angesehen, dazu auch nicht im Fullscreenformat geöffnet. Auch ich bin der hier in den Kommentaren schon beschriebenen Meinung, dass keinesfalls alles pauschal als rassistisch zu betrachten ist, nur weil unterschiedliche Hautfarben in einer Interaktion dargestellt werden, und dabei einer von beiden den Kürzeren zieht. Weil ich als Weißer in Deutschland wahrscheinlich nicht genügend sensibilisiert bin, habe ich die Szene zwar nicht mal als komisch empfunden, aber auch nichts Anstößiges aus der reinen Filmbetrachtung entdecken können. Die nachfolgende Beschreibung erschien mir, wie gesagt, als überzogen, zumal ich den Herumgeschubsten nicht mal als dunkelhäutig ausgemacht hatte.
    Bei heutiger genauer Betrachtung auf einem größeren Screen werden mir zumindest zwei Dinge klar: Der zweideutige Name der Kneipe/des Cafés und mit mehrmaligen Pausieren des Films das Auftauchen des N-Worts, dass ich nun wirklich nicht mehr als zufällig einstufen kann.
    Aus meiner Sicht muss der Film für eine Gruppe geschaffen worden sein, die genau auf solche Reize reagiert, ich will mich nochmal entschuldigen, unbedarft wäre mir die rassistische Story nicht bewusst gewesen. Umso perfider stufe ich heute dieses „Werk“ ein.

  78. Was man unter dem Wort Shitstorm zu verstehen hat oder nicht, wurde hier schon breit kommentiert. Ich würde mich der Kritik am Artikel diesbezüglich anschließen – man kann hier nicht die Duden-Definition zum Maßstab erheben und über das Maß von Beleidigungen spekulieren. (Und hat der Autor die Wikipedia-Definition nicht gelesen?)

    Aber ich sehe da auch eine grundlegende Fehlentwicklung bei Übermedien. Niggemeier lasst uns Interview mit dem Media Future Lab folgendes wissen:

    Ich finde das total legitim, was die NachDenkSeiten machen: aus einer klaren politischen Position heraus, Medienkritik zu betreiben. Das ist völlig in Ordnung! Aber das ist auch genau das, was wir nicht machen wollen! Für unsere Art der Medienkritik ist es erst einmal nicht entscheidend, ob sie gegen rechts oder links zielt. […] Unser Maßstab kann wirklich nur sein, ist die Berichterstattung in diesem Fall wahrhaft, fair. Das ist für uns ganz entscheidend, dass wir nicht aus einer ideologischen Position heraus Medienkritik betreiben. Dass immer mal persönliche Meinungen durchspiegeln; dass man sagt: „Bei meinen politischen Gegner schaue ich besonders genau hin“, das will ich nicht bestreiten. Weil ich glaube, so sind wir als Menschen gemacht. Aber bei Übermedien versuchen wir, das so gering wie möglich zu halten.

    Hier – wie auch bei manchen anderen Artikeln – stellt sich bei mir aber ein ganz anderes Gefühl ein. Es hier offenbar gar nicht darum, Medienberichterstattung zu kritisieren. Wenn es so wäre, wie könnte man sich dann ernsthaft daran festbeißen, dass bei zwei – herausgepickten – Beispielen das Wort Shitstorm falsch verwendet wurde, aufgrund einer nebulösen Duden-Definition und einer gefühlten Statistik des jeweiligen Beleidigungsanteils? DAS soll Medienkritik sein??

    Hier entsteht doch eher der Eindruck, dass es dem Autor darum geht, VW bzw. Boris Palmer als „Täter“ hinzustellen. Dafür benutzt er sogar eine eigene Zwischenüberschrift, macht einen gesonderten Abschnitt: „Täter-Opfer-Umkehr“. Hier geht es doch in Wirklichkeit darum, Verfehlungen eines Konzerns bzw. eines Politikers anzuprangern, und nur nebenbei noch eine selbstausgedachte Sprachregelung einzuführen.

    Was hat das noch mit dem ursprünglichen Anliegen von Übermedien zu tun?

    Nochmal zu dem Niggemeier-Interview:
    Was sieht guter Medienjournalismus aus?

    Niggemeier: Ich lese regelmäßig die Medienseiten von SZ und FAZ, TAZ, Zapp. Dazu habe ich eine Hassliebe zu Meedia. Das ist insgesamt nicht viel an Angebot für Medienjournalismus. Vielleicht gibt es immer noch diese Berührungsangst unter Journalisten, sich gegenseitig zu kritisieren. Das hat noch etwas Schmuddeliges. Aber das ist absurd. Unter Journalisten gibt es den Konsens, dass es sich lohnt, kritisch über Politik oder Wirtschaft zu berichten, weil es die Gesellschaft besser macht. Warum das nicht für Journalisten gelten sollte, weiß ich nicht …

    Nach Niggemeier soll es in erster Linie nicht darum gehen, Politik und Wirtschaft zu kritisieren, sondern die Medien selbst.

    Ist es dann guter Medienjournalismus, sich ein Wort wie Shitstorm herauszupicken, um dann anhand zweier Beispiele zu fordern, dass man doch bitteschön bei denjenigen, die der ideologischen Haltung des Autors nicht entsprechen, von „demokratischem Protest“ sprechen müsse statt von Shitstorm. (Nebenbei: Von Tätern und Opfern ist bei Duden nicht die Rede.)

    Und das wird dann umfangreich begründet mit den (vermeintlichen) Verfehlungen Palmers und des VW-Konzerns, aber fast überhaupt nicht mit der Rezeption in den Medien. Die offenbar – wenn sie dieses eine falsche Wort nicht verwendet hätten – nicht zu tadeln sind.

    Wozu dann das ganze?

    Man kann Übermedien inzwischen genauso kritisieren wie die Bild. Es geht nur darum, die eigene Haltung zu transportieren. Es ist nicht mehr „über“ den Medien, es ist mittendrin und schlägt die gleichen Schlammschlachten.

  79. Übermedien »schlägt die gleichen Schlammschlachten« wie die BILD? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Ich Schlafschaf bin vermutlich dem zurückhaltenden Layout auf den Leim gegangen. Keine Leichenfotos, keine roten Balken, keine Überschriften in 144-Punkt Reichelt schmalmager.

    Danke fürs Augenöffnen. Jetzt wird mir auch klar, warum die Herren Niggemeier, Rosenkranz und Kruse so selten ihre Kommentarspalten moderieren. Vor lauter Witwenschütteln kommen die ja zu gar nix mehr.

  80. Ich Schlafschaf bin vermutlich dem zurückhaltenden Layout auf den Leim gegangen. Keine Leichenfotos, keine roten Balken, keine Überschriften in 144-Punkt Reichelt schmalmager

    Dass es nicht um Layout und Leichenfotos geht, hatte ich beschrieben. Aber vielleicht erklären Sie mir, was im obigen Artikel die Medienkritik ist?

  81. Der Autor erklärt, dass er das Wort „Shitstorm“, das die Medien verwendet haben, in solchen Fällen für unpassend findet, weil es eine positive, wichtige Reaktion mit einem negativ besetzten Begriff beschreibt.

    Nicht jede Kritik, die Sie nicht teilen, ist keine Medienkritik.

  82. Ich habe ja begründet, warum das als Medienkritik nicht taugt.

    Rezek klammert sich an eine Duden-Definition (missachtet dabei andere Definitionen, siehe Wikipedia), spekuliert über die Anzahl von Beleidigungen ohne es nachvollziehbar zu machen. Er erhebt vor allem seine eigenen politischen Wertungen und persönlichen Sprachregelungen zum Maßstab für alle, auch hier ohne tiefere Begründung. Die empörten Leser haben doch recht (ohne Begründung), also darf man nicht von einem Shitstorm sprechen (obwohl sich die Verwendungsweise schon lange so etabliert hat und niemand die Duden-Definition kennt).

    Sorry, Herr Niggemeier, natürlich poste ich hier nur meine Meinung (was sonst), aber wenn Sie hier schon Stellung beziehen – was ist denn Ihre Meinung dazu?

    Übrigens misst Rezek mit zweierlei Maßstäben:

    Sicherlich gibt es auch die eine oder andere Beleidigung gegen den Autokonzern, die sich weder analog noch digital gehört. Aber deshalb pauschal von einem Shitstorm zu sprechen, beleidigt hunderte Internet-User:innen

    Sehe ich das richtig? Der Gebrauch des Worts Shitstorm ist für die Internet-User bereits beleidigend, während deren empörte Postings unter dieser Schwelle bleiben?

    Weiter unten:
    Die überwiegend konstruktive Kritik war aus den sozialen Netzwerken bis weit in die Gesellschaft hinein zu hören. Die User:innen haben damit die Funktion der vierten Gewalt erfüllt. Das verdient Anerkennung und keine undifferenzierte Diffamierung.

    Die User sind „konstruktiv“, die Medien mit ihrem Shitstorm-Begriff dagegen betreiben „Diffamierung“? (Und das, obwohl sich dieser Begriff laut Rezek inzwischen eingebürgert hat? Übrigens fehlt ein Beleg, dass er jemals anders gebraucht wurde.)

    Mehr Schwarz-Weiß geht wohl nicht. Wenn schon Medienkritik sollte sie nicht auf Bild-Niveau sein. Aber das ist letztlich eine Entscheidung dieses Portals hier. Ist ja nicht mein Ruf, der draufgeht.

  83. Rassismus und Diskriminierung ist sehr vielschichtig. Ich sehe das Problem nicht unbedingt bei diesen sehr augenscheinlichen und plumpen Veröffentlichungen, sondern eher bei den latenten und differenzierten Entgleisungen der Industrie. Aber vielleicht liegt das auch in der DNA, denn wer von Euch wusste eigentlich das die ursprüngliche Coca Cola Flasche in ihrer Form eigentlich ein rassistischer Marketing-Coup war? Die Form und Farbe erinnerte bewusst an eine dunkelhäutige kurvige Männerfantasie und sollte zum Kauf animieren. Aber es gibt auch heute noch viele Beispiele wie man hier lesen kann..

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