Steingarts Corona-Verharmlosung: Wenn die Anti-Mainstream-Pose gefährlich wird

Wenn uns das Coronavirus zumindest eine gute Sache gebracht haben könnte, dann vielleicht die eindrücklichste Performance des Gaborsplaining.

Gaborsplaining ist die täglich in Gabor Steingarts Newsletter angewandte Kulturtechnik der welterklärenden Gegenwartsanalyse, irgendwo zwischen pittoreskem bildungsbürgerlichen Besserwissen, abendländischer Referenz und gegen den sogenannten Mainstream posierendem Hot Take.

Never forget zum Beispiel sein legendäres „Morning Briefing“ nach der Wahl der neuen SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, das er damals mit folgenden Worten einleitete:

„Die Sozialdemokraten aller Herren Länder laden in diesen Tagen zum Totentanz. In einer spektakulären Choreografie tänzeln moribunde Parteien und ihre präfinalen Protagonisten an den Bühnenrand, um ihre Wollust am eigenen Untergang mit dem Publikum zu teilen.“

Es folgte dann ein semantischer Fiebertraum, in dem Luxemburg, Marx und Brecht karnevaleske Gastauftritte hatten – denken Sie sich ein Frank-Castorf-Stück, nur als Spam-Mail.

„Aus dem Jurassic Park unserer verstorbenen Ängste“

Bei seinen Betrachtungen zu Covid19 verzückte Steingart uns in den vergangenen Tagen mit feinstem Gaborsplaining, hier zum Beispiel wird er zum Steven Spielberg der Virologen:

„Das Virus aus dem Jurassic Park unserer verstorbenen Ängste stapft als neugeborener T-Rex durch die Städte: instinktgesteuert und surreal.

Das Volk will jetzt nicht vernünftig, nur ausgelassen geängstigt sein. Die neuzeitliche Furcht ist nicht medizinisch, sondern demokratisch legitimiert: Meine Angst gehört mir.“

Screenshots: „Gabor Steingart – Das Morning Briefing“

Seit Beginn des Ausbruchs der Corona-Epidemie versucht sich Gabor Steingart in dem, was er als Besonnenheit und Vernunft wahrnimmt – zumindest unterstelle ich ihm das wohlwollend. Leider landet er irgendwie immer in spöttischer Verharmlosung und augenrollender Ferndiagnose.

Das wäre bei den meisten Phänomenen egal. Bei einer echten Epidemie ist diese überbetonte, als Gelassenheit gelabelte Teilnahmslosigkeit jedoch mehr als problematisch. Sie macht die journalistische Schwäche der inszenierten Anti-Haltung deutlich: Um den Ausbruch der Krankheit zu verlangsamen, ist es notwendig und sinnvoll, dass alle kollektiv vorsichtig sind; es ist eine Gruppenanstrengung, deren Erfolg davon abhängt, dass die Mehrheit achtsam ist. Vorsichtig zu handeln, muss also Mainstream sein. Händewaschen muss Mainstream sein. Nicht krank werden wollen muss Mainstream sein.

Wenn nun das Geschäftsmodell oder die Newsletter-Linie darin besteht, gegen den sogenannten Mainstream zu sein, ist dies die einzige Möglichkeit, sich während einer ernstzunehmenden Bedrohung treu zu bleiben: Man muss der eine lässige Typ sein, der allen zuruft, den Ball flach zu halten, während das Haus brennt.

Verharmlosung als Hot Take

Steingart schreibt:

„Wer es zulässt, dass aus einer milden Grippe in der öffentlichen Wahrnehmung der Angriff von Killerviren wird, kann damit alles lostreten, auch eine Massenpsychose.“

Uff, eine milde Grippe, gleich zwei kecke Relativierungen. Warum der Vergleich mit der Grippe mehr als hinkt, hat Lars Fischer hier erklärt. Diese mediale Inszenierung demonstrativen Ballflachhaltens, um sich von der als hysterisch empfundenen Berichterstattung abzugrenzen, ist natürlich auch programmatisch für Hot-Take-Journalismus. Der kommt gerne wagemutig und provokant daher, er ist die eine ausgefallene Haltung in Bezug auf ein Thema, die schon aus gesundem Menschverstand von keinem anderen eingenommen wurde.

Gegen die Pose des Kontrazyklischen kann man in einer pluralistischen Presselandschaft auch gar nicht sein: Wenn zu einem diskutierbaren Thema eine gewisse Einhelligkeit übermediatisiert ist und irgendwann nur noch Selbstverständlichkeiten reproduziert werden, ist eine gegenteilige Position zu einem Debattenthema manchmal betrachtenswert oder zumindest unterhaltsam. Medienethisch zweifelhaft wird die Antipose bei Themen, bei denen sich eine konträre Betrachtung ethisch nicht gestattet, zum Beispiel bei Impfungen, dem menschengemachten Klimawandel oder zum Beispiel bei der Frage, ob Seenotrettung kriminell ist.

Auch bei Covid19 ist die Lage zu ernst für hypothetische Gedankenspiele und renitente Überlegenheitsgesten. Nicht für die Verhinderung der Ausbreitung zu sein, ist gesellschaftsgefährdendes Trolling. Wenn ein Newsletter mit vielen Tausend Followern vermittelt, dass eine wissenschaftlich begründete Vorsicht alberner Quatsch ist, und das nur, um die eigene Coolness zu inszenieren, ist das das Gegenteil von Vernunft: Es ist unverantwortlich.

Aber die Reitunfälle!!!11!

Steingart schreibt:

„Die apokalyptischen Corona-Prophezeiungen vieler Medien wollen partout nicht eintreffen. Wer sich auf das Feld der vergleichenden Forschung begibt, hat schon gewonnen, vor allem an Gelassenheit. Nahezu jede menschliche Tätigkeit provoziert mehr Todesfälle als das ‚killer virus‘ (‚Daily Mail‘).“

Wer sich auf das Feld der vergleichenden Forschung begibt, hat schon verloren, wenn seine Beispiele statistischer Unsinn sind – und das weiß Steingart auch.

Er zählt unter anderem auf:

Allein in Deutschland haben im Straßenverkehr im vergangenen Jahr 3059 Menschen ihr Leben verloren. Gegen Frontalzusammenstöße mit Lastwagen, Bussen oder SUVs gibt es – zumal für Fußgänger und Radfahrer – keine Schutzimpfung. Die Inkubationszeit beträgt oft weniger als eine Hundertstelsekunde.

► Das Inhalieren von Nikotin erweist sich für viele als eine tödliche Angelegenheit. Pro Jahr sterben allein in Deutschland rund 40.000 Menschen an Lungenkrebs. Weltweit erliegen ihrer Nikotin-Sucht über sieben Millionen Menschen. Von allen Killerstoffen der Gegenwart ist Nikotin der gefährlichste.

► Allein 14.000 Menschen verloren 2017 in Deutschland ihr Leben durch Stürze – vom Pferd, von der Leiter, bei Glatteis. In 2019 starb ein Österreicher beim Stolpern über den eigenen Bart und brach sich das Genick. (…)

► Der Blitz ist ein Killer, der ohne Vorwarnung zuschlägt. Ungefähr vier Menschen sterben allein in Deutschland jedes Jahr durch Blitzschlag.

Warum Steingart eine ansteckende, tödliche Krankheit, die mit ihrer Verbreitung exponentiell immer mehr Reichweite erhält, aber die durch richtiges Verhalten eingedämmt werden könnte, mit Reitunfällen, Blitzeinschlägen (LOL, was?) oder Rauchen vergleicht, können vermutlich nur Äpfel den Birnen erklären.

„Die Tatsache, dass mehr Menschen bei Unfällen in den eigenen vier Wänden von der Leiter purzeln oder durch eine Schlange zu Tode gebissen werden, kann in der Stunde des emotionalen Aufruhrs nicht überzeugen.“

Hoooo, emotionaler Aufruhr, wir sind also alle zu hysterisch und alarmiert, um zu begreifen wie gefährlich Leitern und Schlangen sind, weil … wir … vielleicht … begreifen … dass … Leiterabstürze durch Ansteckung nicht mehr werden! D’uh!

Man erkennt hier ähnliche Dynamiken wie bei der konservativen Einordnung der Klimakrise: Die Statistik ist evident, wir haben hier Empirie, Fallbeispiele und messbare Konsequenzen direkt vor unser Haustür, dennoch wird die berechtigte und von Ärzten und Wissenschaftlern legitimierte Sorge als Hysterie desavouiert.

Der Bundesvorsitzende der Werteunion, Alexander Mitch, vergleicht auch Greta direkt mal mit dem CoronaVirus, was den angeblichen Medienhype anbelangt:

Profilierung durch Medienbashing

Auch typisch für den Newsletter und die ausgestellte Lässigkeit: das die eigene Marke stärkende Medienbashing.

„die weltweite Corona-Angst ist die womöglich größte Massenhysterie der Moderne – ausgelöst von den ‚Bakterienschwärmen neuer Medien'“

„Selbst die altehrwürdige ‚FAZ‘ hat offenbar den Verstand verloren“

„im globalen Dorf grassiert das Coronafieber. Und die Dorfbewohner – angeführt von ihren Leitmedien – nähern sich kollektiv dem Gemütszustand einer milden Winterpanik.“

„Jeder Unfug ist recht, der Psychose einen Superlativ zu verschaffen, den sie nicht verdient. So weisen verschieden Medien darauf hin, dass die Corona-Epidemie die Schwachstellen der Globalisierung offenlege, weil über die heutigen Handelsrouten eben nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch Viren getauscht würden.“

Dass Medien sich gerade in Krankheitszeiten in einer delikaten Balance zwischen Warnen, Mahnen und Angsterzeugen befinden und manchmal zur Panik beitragen, ist nicht falsch, muss aber speziell bei der Berichterstattung zum Coronavirus differenziert betrachtet werden.

Nachrichten befinden sich in einem seltsamen Limbo der Aufmerksamkeitsökonomie: Einerseits versuchen sie aufzuklären, zu informieren und den Sachverhalt abzubilden, andererseits wollen sie natürlich auch auf die Ängste der Rezipienten eingehen und Alarm schlagen, wo es notwendig ist.

Die Kunst der wohltemperierten Sorge

Die publizistische und medienethische Frage ist: Wo hört Informieren auf und fängt Angstschüren an? Der Sinn der Warnung ist ja, uns gerade soviel wohltemperierte Sorge zu bereiten, dass wir uns umsichtiger verhalten. Tragen Medien nun bei ihrem Ziel, uns zu schützen, auch zur der Angst bei? Ja – aber es geht nicht ohne.

Die Berichterstattung erzeugt nicht nur Angst, sondern spiegelt die der Öffentlichkeit wieder – aber sie versucht diese gleichzeitig sinnvollerweise durch Fakten und Aufklärung gerade so viel zu beruhigen, dass wir nicht panisch werden, aber vorsichtig bleiben.

Es müsste also auch in Steingarts Sinne sein, dass so viel Aufklärung wie möglich erfolgt: Fakten sind das Gegenteil von Panik.

Es ist fast inspirierend, dass da jemand so sehr von seiner Ferndiagnose überzeugt ist, dass er mehr zu wissen glaubt als Ärzte aus Italien und China. Ein hedonistischer Teil von mir kann sich für diese Lust am Verdrängen begeistern, keiner pflegt gerne eine existenzielle Furchtsamkeit. Am Ende seines Newsletters gaborsplaint der Publizist scheinbar versöhnlich:

„Im kommenden Winter werden sich die meisten Teilnehmer dieses Angstseminars kaum mehr an ihr Coronafieber erinnern – und falls doch, dann mit einem Schmunzeln.“

In Anbetracht der steigenden Todeszahlen wage ich das zu bezweifeln.

30 Kommentare

  1. „Weißt du noch, vor ein Paar Monaten, als dieses Virus… wie hieß es noch… naja, egal. Das, worüber sich die Medien so aufgeregt haben. Als Idioten Klopapier und Nudeln gekauft haben. Genau, Corna hieß es. Naja, das hat ja in Italien mindesten 630 Leute getötet. Und in China mindestens 3.000.*Schmunzel* So viel Aufregung, und eigentlich ist nichts passiert. Sogar Fußball hat man abgesagt. Tja, typisch deutsche Hysterie eben. Und die Mainstream-Medien, ehy, die waren ja voll in Panik. Jetzt berichten die schon wieder über den Klimawandel. Voll. Die. Hysterie. Aber wie viele Österreicher über ihren Bart stolpern und sterben, das liest man dann wieder nicht.“

  2. Ich glaube, diese Gefühl des ‚Zuviel‘ kommt daher, dass ich früher das Buxtehuder Tageblatt hatte und vielleicht noch ne überregionale Zeitung und abends ‚tagesschau‘ und/oder ‚heute‘. In unserer Zeit habe ich, wenn ich will, 20 Kanäle oder mehr und bekomme den Eindruck, alles ist super-schlimm. Und ja, es ist auch schlimm und jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten verantwortungsbewusst handeln. Aber mir schreiben insgesamt eher zuwenig vom Fach über das Thema oder ich lese die falschen Kanäle ;-)

  3. Sehr schöner Beitrag, den ich mir auch über das Beispiel Steingarts hinaus abspeichern werde. Für den bewussten und hoffentlich auch unterbewusst daran angelehnten Umgang mit Medien.

    Leider musste ich die Zitate mit der steingartschen Morning-Briefing-Sprechweise und -Betonung lesen, das war etwas unschön.

    Bei Ihrer Zwischenüberschrift „Die Kunst der wohltemperierten Sorge“ bin ich dann kurz gedanklich zusammengezuckt. Wie viel ein „einfacher Satz“, ein darin verwendetes Wort aufgrund der Verwendung in einem anderen Kontext, hier geschrieben oder gesprochen von Björn Höcke, schon anstoßen kann, hat mich wieder einmal überrascht.

    Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag.

  4. Gut gefallen hat mir der Absatz über die wohltemperierte Sorge. „Wo hört Informieren auf und fängt Angstschüren an?“ Genau an dieser Frage arbeiten ich und meine Kollegen, die gerade ständig über Corona schreiben, jeden Tag und immer wieder ab. Das Informationsinteresse der Menschen ist riesengroß, das belegen Klickzahlen und Leserkommentare. Wir Journalisten müssen es natürlich befriedigen, dabei aber unsere Worte wohl wägen und sachlich bleiben. Nichts beschönigen, aber auch nichts dramatisieren. Gar nicht so einfach und nur durch ausführliche Recherche machbar, um alles richtig einordnen zu können.

  5. Kann leider nur die ersten paar Absätze lesen, obwohl ich brav bezahlt habe. Ging mir neulich schon mal so. Fehler bei mit oder bei Ihnen?

    Deshalb bis auf weiteres nur der freundliche Hinweis: In der Jurassic-Park-Überschrift ist ein „r“ zuviel und ein „s“ zuwenig…

  6. Hallo Kritischer Kritiker, das Problem kenne ich. Bei mir hat es geholfen, mich bei Steady neu einzuloggen, generell den Cache zu leeren und einmal alle Erweiterungen meines Firefox‘ auf Übermedien zu deaktivieren.

  7. Hallo Nihilokrat,

    danke für den Hinweis. Das Problem war ein Anti-Tracking-Plugin. Finde es nicht gut, dass ich es für diese Seite deaktivieren muss, aber nun kann ich lesen…

  8. Die publizistische und medienethische Frage ist: Wo hört Informieren auf und fängt Angstschüren an? Der Sinn der Warnung ist ja, uns gerade soviel wohltemperierte Sorge zu bereiten, dass wir uns umsichtiger verhalten.

    Danke, so ist das. Habe den Eindruck, mein Lieblingsmedium, der Deutschlandfunk, bekommt das gerade ganz gut hin. Daneben gibt es Ausreißer in beide Richtungen: Auf der einen Seite Leute wie Steingart, die vor lauter Coolness kaum laufen können und in der U-Bahn die Viren an sich vorbeipfeifen lassen wie der Westernheld die blauen Bohnen bei der Schießerei im Saloon.

    Auf der anderen gibt es aber auch die Panikmacher: Gestern las ich auf einer halb-seriösen Nachrichtenseite eine Meldung, wonach 20 bis 25 Prozent der über 65-jährigen in Deutschland sterben werden. Im Indikativ. Das wären 3,6 bis 4,5 Mio. Tote. Man hatte – aus Zynismus oder Fahrlässigkeit – die Einschränkung „der Infizierten“ weggelassen. Die genannte Quelle, der Virologe Christian Drosten, geht selbst von 250.000 Toten aus, was andere aus seiner Zunft als viel zu hoch erachten.

    Solche Meldungen schüren tatsächlich Panik und können Reaktionen hervorrufen, die mit der zu recht angemahnten Vorsicht nichts mehr zu tun haben. Ins Theater gehen und jedem fröhlich Bussi geben ist genauso falsch, wie die Supermärkte zu stürmen und Vorräte für eine Art nuklearen Winter anzulegen (warum ist eigentlich ausgerechnet Klopapier überall ausverkauft?).

    „Im kommenden Winter werden sich die meisten Teilnehmer dieses Angstseminars kaum mehr an ihr Coronafieber erinnern – und falls doch, dann mit einem Schmunzeln.“

    Das Perfide ist: Wenn sich alle vorsichtig verhalten und die von Steingart psychotisch genannten Regeln einhalten – dann könnte er Recht behalten, weil alles glimpflich verläuft. Wenn alle das tun, was er für vernünftig hält (nämlich business as usual) – dann dürften wir uns noch lange an dieses Frühjahr erinnern.

  9. Danke für den Kommentar.
    Dies ist wohl nicht die letzte Herausforderung, wie unbeherrschbare virale Bedrohungen gesellschaftspolitische Reaktionen evozieren, die Bevölkerungen zur Individualisierung bewegen oder zwingen, was deren potentielle Machtlosigkeit zur Folge hat, die medial vernachlässigt wird.
    Ein Beispiel: In Frankreich ist die Rentenreform gerade durchgesetzt, parallel zum Versammlungsverbot wegen akuter realer Gesundheitsgefahr. Das Zusammenwirken ist nicht geplant, dennoch verschiebt sich das Verhältnis von staatspolitischer Macht und ziviler Aktion.
    Übrigens: Der Spiegel spiegelt wider, auch wenn er es wieder und wieder tut.

  10. Ich bin mehr zufällig hier Gelandet und kann den Artikel leider nicht lesen. In Situationen wie diesen finde ich es immer spannend wie es alle besser wissen. Für mich gibt es in erster Linie zwei Dinge die ich weis… und das sind:
    1. Medienpanikviren habe ich in 38 Jahren diverse überlebt. Man kann sich jetzt darüber lustig machen das ich das ganze nicht ernst nehme wenn man grade eine pause davon macht sich über die Menschen lustig zu machen die mit Plastiktüte über dem kopf Hamsterkäufe tätigen. Aber ich denke grade in einem Blog das „Über Medien“ heißt sollte man schon ein gewisses stück weit Verständnis dafür mitbringen das die Presse für Auflage bereits das ein oder andere mal zu viel „Wolf“ geschrien hat wenn es um Killerviren ging.

    2. Das Robert Koch Institut vermeldet Corona weiterhin als milde Gefahr und stuft die aktuelle Influenza weiterhin als gefährlicher ein. – Was sich rückblickend ganz nebenbei mit dem Verhältnis „super killer Viren Medientamtam vs normale influenza die viel mehr anrichtet“ der Vergangenheit decken würde.

    Natürlich habe ich auch eine Meinung die darüber hinaus geht. Interessante Beobachtungen Welche Politiker welcher Partei sich in welchen Bundesländern wie verhalten, oder warum eine Freundin mir entsetzt mitteilt man dürfe an keiner Großveranstaltung mehr teilnehmen weil damals 1914 war mal was während heute Millionen mehrfach täglich die U-Bahn in Großstätten teilen… aber das ist alles schnnullibulli bei dem ich mir bewusst bin das ich auch unrecht haben kann. Ich glaub halt einfach mal nicht dran das 1,9 Millionen (oder auch nur Zehntausende) in Deutschland Sterben werden. Auch wenn Fußballspiele mit Publikum stattfinden. Darfst du, lieber Leser im Internet, aus einer genau so großen Ahnungslosigkeit gerne anders sehen – das nehme ich dir nicht übel denn ich weis es auch nicht sicher, ich glaube nur das es nicht passieren wird.

  11. Steingart kannte ich bisher nicht und stelle hier fest, dass ich ihn und seine auf originell getrimmten Ergüsse auch nicht zu kennen brauche. Wenn einer, und dann auch noch einer vom Typ „alter weisser Mann“, von sich selbst sagt (er macht das auf seiner Webseite), er analysiere das Weltgeschehen mit Scharfsinn und Sprachwitz, dann spricht er das Publikum an, für das man in einer Satire Zeitung in einem Werbefake hinschreiben muss: „keine Anzeige“. Ich unterstelle: das sind dann auch die, die einen Beitrag Lars Fischers auf Spektrum.de „doof“ finden, weil sie einen Diskurs mit Fakten bekommen und den Fun Fact vermissen.

  12. @9 Kritischer Kritiker:
    „Die genannte Quelle, der Virologe Christian Drosten, geht selbst von 250.000 Toten aus, was andere aus seiner Zunft als viel zu hoch erachten.“

    Diese Aussage ist aus dem Zusammenhang gerissen. Drosten sagte weiter:
    Solch eine Berechnung mache allerdings „wenig Sinn“, weil die Zeitkomponente fehle, erklärte Drosten weiter. „Bei langsamer Verbreitung werden Corona-Opfer in der normalen Todesrate verschwinden.“

  13. @ Alex (#14)

    Genau. Und das macht die Behauptung mit bis zu 4,5 Mio. Toten noch abstruser. Dennoch hält z.B. sein Kollege Kekulé Drostens Prognosen für zu hoch.

    Ähnlich missverständlich und angstschürend wie mein Beispiel von gestern ist z.B. folgender Artikel von Focus-Online: https://www.focus.de/gesundheit/news/chef-virologe-der-charite-top-virologe-bis-zu-25-prozent-sterberate-bei-senioren-warum-sie-geschuetzt-werden-muessen_id_11754907.html

  14. Apropos Sterberate. Da kursieren derzeit viele verschiedene Werte, mal ist es so harmlos wie eine normale Grippe und mal so schlimm wie die Spanische Grippe. Auf heise.de gab es eine gute Einordnung der Zahlen und wie schwierig das auch für Forscher ist, überhaupt derzeit eine Todesrate anzugeben, geschweige denn die Zahlen zwischen den Epidemien zu vergleichen: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Zahlen-bitte-3-4-Coronavirus-Fallsterblichkeit-False-Number-4679338.html?seite=all

  15. „as Robert Koch Institut vermeldet Corona weiterhin als milde Gefahr und stuft die aktuelle Influenza weiterhin als gefährlicher ein.“

    Das war der Stand vom Februar. Aktuell heißt es:

    „Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als mäßig eingeschätzt. Diese Gefährdung variiert aber von Region zu Region und ist in „besonders betroffenen Gebieten“ höher. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.“

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html

  16. Werfen wir im Oktober nochmal einen Blick auf dieses Beitrag.
    Dann, so meine Prognose, wird sich der Schwätzer diskreditiert haben.

  17. Frau El Ouassil,
    ungeachtet Ihrer ausgiebigen Analyse finde ich das Denglisch in Ihrem Text geradezu lächerlich: „Never Forget …“, „gelabelte“, usw.
    Dafür gibt es wunderbare deutsche Ausdrücke, ist gar nicht so schwer ;)
    Dieses Phänomen fällt mir aber nicht nur bei Ihnen auf, das scheint ganz in Mode zu sein, nicht nur bei Twitter.
    Grüße
    C. Meissner

  18. Der Bayerische Rundfunk hat faktisch das Gleiche verbreitet wie Steingart.
    Aber hier beschweren wir uns lieber nicht. Frau und Öffi, das ist sozusagen Seriosität hoch zwei. Und wer da widerspricht ist voll total Nazi.

    https://twitter.com/FlyingTomFFM/status/1238487861357314048

    Disclaimer:
    Ich bin kein Mediziner und habe zu COVID-19 keine Sachkenntnis. Mir geht es nur um die Doppelstandards.

  19. @ Einervonvielen (#19):

    Aha, wer einen prominenten dummen Beitrag zu Corona kritisiert, muss jeden einzelnen dummen Twitter-Tweet zu Corona kritisieren, sonst wendet er „Doppelstandards“ an. Das leuchtet unmittelbar ein…

  20. Einervonvielen, ist dir der virtuelle >MImmimi-Mundschutz verrutscht? Schnell wieder hochziehen, sonst kommt die große Austauschfrau.

  21. Realitätsverlust, wie bei Steingart gelegentlich feststellbar. Schade, an sich ein kluger Kopf.
    Informiert man sich aus Fachquellen, wird einem schlicht und einfach klar, dass solche Beiträge mit „Tanz auf dem Vulkan“ noch unzureichend beschreiben sind. Es ist viel zu wenig viel zu spät geschehen. Inzwischen dürfte die größte Hoffnung darin bestehen, auf eine frühe Selbstlimitierung des Virus zu setzen. Wir haben weder konsequent die Einschleppung noch die Ausbreitung verhindert und schaffen es auch nur sehr halbherzig, ein „Containing“ zu organisieren. Obwohl wir die Statistiken sowohl aus den überlasteten Ländern als auch aus denen, die konsequent vom ersten Tag an gehandelt haben (Taiwan, Südkorea) vor Augen haben.
    „FlattenTheCurve“ ist gut und schön. Aber wenn dieses schöne Schaubild mal mit den realen Zuwachsraten und den realen Klinikkapazitäten versehen wird, dann dürfte es mit „FlattenTheCurve“ schnell vorbei sein.
    Mein Ceterum censeo: Nehmt die Sache ernst. Seid nicht wie Gabor.

  22. Umgekehrt ist unbedachte Panikmache großer Leitmedien auch fragwürdig: Zeit-Online ganz oben auf der Seite der Live-Blog mit der Überschrift „Corona-Pandemie kann laut Robert Koch-Institut etwa zwei Jahre dauern“

    Im Live-Blog keine Erklärung, ob damit ein Stillstand wie jetzt gemeint sein könnte oder die komplette Zeit, bis das Virus nach Abklingen der ersten Welle verschwunden, bzw. auf das Maß anderer Infektionskrankheiten eingedämmt ist.
    In Zeiten, wo Menschen nur noch aus dringenden Gründen ihre Wohnung verlassen sollen, sicherlich nicht die glücklichste Meldung.

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/corona-pandemie-virus-covid-19-ausbreitung-live-blog

  23. #26: „Im Live-Blog keine Erklärung, ob damit ein Stillstand wie jetzt gemeint sein könnte oder die komplette Zeit, bis das Virus nach Abklingen der ersten Welle verschwunden, bzw. auf das Maß anderer Infektionskrankheiten eingedämmt ist.“

    Der „Stillstand wie jetzt“ ist politische Entscheidung, keine des RKI -außerdem findet sich schon noch ein bisschen mehr im Live-Blog:

    „Außerdem gehe das Institut davon aus, dass sich noch mehrere Jahre lang Menschen mit dem Coronavirus infizieren werden. „Wir gehen von einem Zeitraum von zwei Jahren aus“, sagte Wieler. Die Dauer hänge jedoch stark davon ab, wann ein Impfstoff eingesetzt werden könne. Im Extremfall könnten auch die vom Staat verhängten Einschränkungen bestehen bleiben. Die Lage müsse jedoch immer wieder neu bewertet werden.“

    Zeitstempel ist 10:13 (am heutigen 17.3.)

    Man muss halt runterscrollen bzw. „weitere Beiträge“ anklicken, um irgendwann da hin zu kommen.

  24. Sie nennen den Coronavirus eine „ansteckende, tödliche Krankheit“. Das ist sehr tendenziös dargestellt und trifft für die Grippe auch zu, mit wahrscheinlich ähnlicher Sterberate, die Sie so aber wohl nicht darstellen würden.

  25. Sehr interessante Diskussion..Heute am 23.3. bin ich mal gespannt, wann diesen obercoolen „Fachleuten für Epidemiologie“ ihr halbstarkes Gelaber im Hals stecken bleibt; oder anders ausgedrückt : wie viel Tote in Italien Spanien Frankreich , Großbritannien und auch bei uns müssen es denn werden , bevor sich so eine beschränkte Expertengemeinde mal anfängt zu schämen? und an ihrer Spitze Herr Steingart?
    Immer die gleichen Großmäuler, aber sich freiwillig mal im Krankenhausdienst zu melden, dafür reicht ja wohl ihr Mut nicht, da könnte ja der eigene kostbare Body gefährdet werden.
    Die übergroße Tendenz der Kommentare ist ein Schlag ins Gesicht der verzweifelten Ärzte , Pflegekräfte und Verantwortlichen in Italien und bald auch bei uns und eine wahre Unverschämtheit!! Im übrigen sind das dieselben Leute, die natürlich sofort in ihrem maßlosen Egoismus einen maximalen Hilfsanspruch dem verlachten Gesundheitssystem gegenüber anmelden, sobald es sie mal selbst betrifft, dann reiht man sich nicht brav in die Warteschlange ein!! Ich sage das aus trüber langjähriger Erfahrung, leider…

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