Peinliche Medienaufseher

Es wäre falsch, sich über Marc Jan Eumann nur lustig zu machen. Wir sollten ihn auch ernst nehmen – als Zumutung in seinem neuen Amt.

Am Montag ist der SPD-Politiker in einem undurchsichtigen Verfahren zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt LMK gewählt worden. Am Dienstag reagierte er im Deutschlandfunk auf kritische Fragen dazu mit der Belehrung der Interviewerin, „zum Stil gehört auch, dass Sie mir einfach mal gratulieren, dass ich diese Wahl gewonnen habe“. Das löste dann eine ironische Gratulations-Welle auf Twitter aus.

Aber das war nicht der einzige bemerkenswerte Satz Eumanns. Auf die nächste kritische Frage erwiderte er:

Wie gesagt, wenn das Ihr journalistischer Stil ist, dann nehme ich das gerne hin. Ich setze mich für Medienfreiheit und Meinungsfreiheit, seitdem ich politisch aktiv bin, ein. Also auch für die Art und Weise, wie Sie Interviews führen.

Mann mit Brille, dunklen Haaren, Sakko, Hemd schaut in die Kamera.
Marc Jan Eumann

Selbst wenn man annimmt, dass Eumann einfach sehr schlecht in Form war und furchtbar enttäuscht, dass er vom Deutschlandfunk vermutlich auch kein Antrittspräsent bekommen würde, lässt das tief blicken. Der SPD-Mann tut so, als sei es eine der bedauerlichen Nebenwirkungen von Rechten wie der Pressefreiheit, dass sie auch Verirrungen wie diese stillosen Fragen an ihn schütze. So wie er das sagt, ist es ein Zeichen von großer Undankbarkeit der Moderatorin, dass sie diese Medienfreiheit, die sie nicht zuletzt Leuten wie ihm verdankt, dafür missbraucht, ihm unangenehme Fragen zu stellen.

Dieser Mann ist Medienpolitiker. Dieser Mann redet über seine Medienkompetenz. Dieser Mann wird Präsident einer Aufsichtsbehörde, die anderen Medienkompetenz vermitteln will und für die Aufsicht über private Medien zuständig ist. Und diesem Mann muss man erklären, dass hartnäckige, berechtigte, nervige Fragen an Mächtige keine unangenehme Begleiterscheinung von Medienfreiheit sind, sondern ihr ausdrückliches Ziel?

Um es deutlich zu sagen: Man muss die Medienfreiheit vor Leuten wie Eumann schützen.

Alles, wirklich alles, an dieser Personalie und diesem Posten ist unwürdig. Schon bei Eumanns Vorgängerin Renate Pepper gab es kaum Zweifel, womit sie sich vor allem für dieses Amt qualifiziert hatte, in das sie 2011 kam: ihrem Parteibuch. Sie war lange SPD-Landtagsabgeordnete und zuletzt stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Der sogenannte „rote Freundeskreis“ in der LMK-Versammlung, die den Direktor wählt, hatte die Mehrheit in dem Gremium, seit die SPD seine Zusammensetzung verändert hatte.

Die LMK hat in den vergangenen Jahren absurdeste Auseinandersetzungen geführt, nicht zuletzt mit Sat.1 um die Frage, welche Programme von Drittanbietern der Sender bezahlen und ausstrahlen muss. Die ganze Institution dieser Sendefenster ist, freundlich formuliert, ein Anachronismus. Im Fall von Sat.1 war das Verfahren zugleich skandalumwittert. Ein Mainzer Fernsehproduzent bekam unter teils merkwüridgen Umständen immer wieder von der Landesmedienanstalt den Zuschlag für einen Teil der lukrativen Sendeaufträge.

Die LMK stritt sich nicht nur mit Sat.1 (die Auseinandersetzung wird in mehreren Verfahren, deren Details für Außenstehende inzwischen komplett undurchschaubar sind, gerichtlich immer noch weitergeführt), sondern auch mit der Landesmedienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein, zu der Sat.1 wechseln wollte, weil der Sender sich in Ludwigshafen schlecht behandelt fühlte.

Die ganze Geschichte wirkt wie eine große Versuchsanordnung, die nur einem Zweck dient: den Irrsinn des Landesmedienanstaltentums in Deutschland zu demonstrieren. Mit sämtlichen Zutaten: überforderte Chefs, Parteienklüngel, Regionalklüngel, föderales Chaos.

Und als wäre das alles nicht eindrucksvoll genug, kommt nun ein neuer Chef, durch den das Elend noch greller ausgeleuchtet wird: Er wechselt fast direkt aus der Politik in das Amt, obwohl die Anstalten eigentlich staatsfern organisiert sein müssen (und folgt damit dem schlechten Beispiel unter anderem seines Kollegen in Bayern). Er wird in einem intransparenten Verfahren ausgeguckt. Er erfüllt die Bedingungen nicht, die er selbst als Medienpolitiker in Nordrhein-Westfalen für diesen Posten durchgesetzt hat – damals vorgeblich aus fachlichen Gründen, in Wahrheit nach Meinung fast aller Beobachter, um einen ungeliebten Landesmedienanstaltschef mit dem falschen Parteibuch loszuwerden.

Auf kritische Nachfragen dazu sagte er am Montag: „Das ist Föderalismus ‚at its best‘.“ Zu dem Irrwitz, Gekungel und Anachronismus kommt nun noch Schamlosigkeit.

Das ist einerseits eine gute Sache: Damit wird für jeden unübersehbar, wie problematisch dieses System der staatsnahen Medienaufsicht ist. Andererseits ist es verblüffend, dass diese Politiker und diese Anstalten immer noch nicht gemerkt haben, dass wachsende Teile der Bürger, in deren Dienst sie theoretisch stehen und von deren Geld sie bezahlt werden, sich mit solchen Zuständen nicht mehr abfinden wollen.

Die LMK hat nach der ganzen Aufregung um diese Wahl angekündigt, das Wahlverfahren in Zukunft vielleicht ein bisschen besser zu organisieren, und man ahnt die Verblüffung der Leute, die bislang gut damit gefahren sind, irgendwelche Findungskommissionen zu installieren, die finden, ohne suchen zu müssen, dass Leute plötzlich sowas wie Transparenz wollen. Wer hätte das ahnen können!

Marc Jan Eumann aber hat nach der ganzen Kritik im Vorfeld immer noch nicht den Schuss gehört. Anstatt mit etwas Demut darauf zu reagieren, dass er es trotz allem knapp geschafft hat, dieses Amt zu bekommen, erbittet er sich Glückwünsche und verbittet sich kritische Fragen. Offenkundig hat er auch nicht mitbekommen, dass da draußen eine heftige Diskussion tobt um zu große Staatsnähe von Anstalten öffentlichen Rechts, wie es auch die Landesmedienanstalten sind, die aus dem Rundfunkbeitrag bezahlt werden. Während Leute den öffentlich-rechtlichen Sendern vorwerfen, zu regierungsnah zu sein, fordert er live im Radio von der Moderatorin eines öffentlich-rechtlichen Senders, ihm erst einmal brav zu gratulieren.

Und kümmert sich demnächst um bessere Medienkompetenz im Land.

51 Kommentare

  1. In Rheinland-Pfalz ist der SPD-Medien-Filz wirklich dramatisch! Das geht schon bei Malu Dreyer los, die sich ebenfalls in allen möglichen Gremien breit macht und dadurch Einfluss nimmt. Aber es scheint ja kaum jemanden zu stören bzw. es wird so hingenommen.

  2. Das Schlimme ist ja eigentlich gar nicht der Klüngel. Oder halt, ist es doch. Aber dazu noch diese komplette Abgehobenheit lässt mich sprachlos zurück. Er hätte sich über seinen Posten freuen können, hätte sich denken können, rede Du nur, Du blöde Kuh, leider muss ich so etwas ja gewähren lassen. Aber nein, er tritt auch noch auf wie ein Lukaschenko für Arme. Ich frage mich, ob seine Gönner, die ihm in dieses Amt verholfen haben, jetzt die Hände vor’s Gesicht schlagen und sagen „Eumann, Du Eumel, jetzt reisst Du uns da auch noch mit rein mit Deinem Taktgefühl eines Kampfpanzers“. Aber wahrscheinlich denken die sich: „Ha, der hat er es aber gegeben!“
    Respekt für die Jurnalistin! Ich kritisiere immer wieder, dass Journalisten in Deutschland nicht kritisch nachfragen, sich mit Worthülsen zufrieden geben oder sich sogar einschüchtern lassen. Diese Isabelle Klein… Respekt!

  3. „Offenkundig hat er auch nicht mitbekommen, dass da draußen eine heftige Diskussion tobt….“

    Tut sie das? Wenn ja dann nicht heftig genug und wo genau ist eigentlich „draußen“?

  4. Um es deutlich zu sagen: Man muss die Medienfreiheit vor Leuten wie Eumann schützen.

    Das wäre wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr wünschenswert.

    Ich fände es gut, wenn Übermedien da dran bleibt und sich dieser Fälle (die ja anscheinend immer wieder auftauchen) auch direkt im Vorfeld annimmt. Bevor Markus Kompa seine Initiativbewerbung eingesendet hat, hat das Ganze (soweit ich weiß) nirgends Beachtung gefunden.

    Ein Mainzer Fernsehproduzent bekam unter teils merkwüridgen Umständen immer wieder von der Landesmedienanstalt den Zuschlag für einen Teil der lukrativen Sendeaufträge.

    Hat das was mit diesen Programmfenstern für Alexander Kluge bzw. dctp zu tun, gegen die Ulrich Wickert geklagt hatte?

  5. Die Medienkompetenz von Herrn Dr. Eumann ist bereits auf technischer Ebene eher limitiert. So hielt Herr Dr. Eumann bei seiner Bewerbungsrede zunächst das Mikrofon zu niedrig und kommentierte dann, lieber ganz ohne Mikrofon zu sprechen, das sei für ihn bequemer. Ist halt alles eine Frage der Perspektive.

  6. Ich finde diesen gnadenlosen Umgang mit arbeitslos gewordenen Politikern unerträglich. Herr Dr. Eumann hat sich schließlich über mehrere Jahre an die Besoldung als Staatssekretär gewöhnt und einen entsprechenden Lebensstil gepflegt. So etwas kann man nicht einfach so ablegen. Es ist daher verständlich, dass er nach neuen Aufgaben suchte. PS: Und die Tätigkeit als Direktor der LMK ist ja finanziell ein echter Rückschritt, da wird er ganz schön zu knabbern haben.

  7. Die Maer vom unabhaengigen oeffentlich-rechtlichem Rundfunk.

    Aber die LMK und die Aufsichtsgremien werden von den etablierten Parteien kontroliert und es herrscht intransparenter Kluengel und Freundeskreise. Und die Finanzierung liegt natuerlich auch in den Haenden der Ministerpraesidenten.

    Das die Berichterstattung dementsprechend einseitig ist, wundert da nicht mehr.

    Und da beklagt man dann noch den Vertrauensverlust…

  8. @TS66: Insbesondere sollte man bedenken, dass das Interview im DLF, also im ÖR, geführt wurde. Demnach ist der ÖR sogar trotz der Staatsnähe solcher Leute noch immer ziemlich unabhängig und stellt auch kritische Fragen.

    @Markus Kompa: Da Sie ja leider gegen die Entscheidung nicht vorgehen wollen, meine Frage an Sie als Anwalt: was kann man denn gegen sowas machen, wenn man nicht direkt betroffen ist? Ich bin noch immer fest davon überzeugt, in einem Rechtsstaat zu leben und das ganze fühlt sich rechtsstaatlich nicht in Ordnung an. Auch will ich ungern, dass solche Dinge einfach passieren und man sich zwar darüber (völlig zurecht) aufregt, es am Ende aber im Sande verläuft, weil es keine Konsequenzen geben wird, solange niemand etwas unternimmt. Also, was kann man, was kann jemand wie ich, dagegen machen?

  9. @Stefan Niggemeier
    Beim ÖR Rundfunk läuft es doch genauso ab. Dort werden die Intendanten Stellen auch zwischen den Freundeskreisen intransparent ausgemauschelt. Dort gibt es auch Ein Kandidat „Wahlen“. Dort wird z.B. auch der ehemalige Pressesprecher der Bundesregierung und ehemalige Pressechef der Bayrischen Staatskanzlei Intendant des BR.
    Darüber regt sich keiner auf… das ist Normalität.
    Warum wird Malut Dreyer Verwaltungsratschefin beim ZDF? Weil der Ministerpräsident von RLP dort halt immer die Stelle bekommt.

    Generell ist die Medienaufsicht in Deutschland (Privat wie ÖR) sehr schlecht da dort es hauptsächlich um Parteiinteressen geht. Genauso ist es blödsinnig das wir föderale Aufsichten haben bei Bundesweiten Programmen. Wir bräuchten eine zentrale starke unabhängige Aufsicht die gleiche Maßstäbe an alle anlegt und nicht aus Parteiinteressen oder Standortpolitik „ihren“ Sender versucht zu schützen.

    @Dominic Zander
    Ich denke im SWR käme so ein Interview jetzt nicht ;-) Aber es stimmt die ÖR sind da unabhängiger

  10. Ich muss es so drastisch sagen: Marc Jan Eumann widert mich an. Ich habe das DLF-Interview zufällig live während des Autofahrens gehört und kam aus dem Kopfschütteln, Fremdschämen und Ärgern nicht mehr heraus. Ich frage mich, wie man es schafft, als erwachsener Mensch so wenig Reflexionsfähigkeit zu besitzen.

    Im übrigen scheint das hier verwendete Foto schon älter zu sein, beim DLF ist Eumann deutlich grauer und weniger dynamisch.

  11. Ich habe das Interview im Deutschlandfunk nur zufällig mitgehört. Ich wohne on Berlin und schalte meistens bei Werbung von radio eins auf DLF um weil meistens irgendetwas „Relevantes“ besprochen wird. mediasres ist wirklich ein gutes Format und da kam dann dieses Interview. Ich bin kein Intellektueller oder besonders nah dran an Politik oder internem Mediengeschehen, aber ich konnte einfach nicht umhin mir dieses unsäglich Gelabere von diesem Marc Jan Eumann reinzuziehen und an der Stelle wo er dann auch noch eine Gratulation von der Interviewerin einforderte dachte ich das wäre eine Art Realsatire und ich warf die Suchmaschine an. Schon die ganze unsägliche Geschichte um seine „Doktorarbeit“. Das war dann auch alles ganz knapp, wie bei seiner jetzigen Wahl. Isabelle Klein hat wahrscheinlich einfach nur die Fragen gestellt, die nach Durchsicht der Vita des Herrn Eumann und seiner „Wahl“, sich jeder mit gesunden Menschenverstand ausgestattete Mensch gestellt hätte und ich dachte die ganze Zeit, was labert der Typ da eigentlich? Dieser ganze Politiksprech, diese Platitüden, diese Anmaßung und diese Arroganz – einfach ekelhaft. Besonders sein Ausstieg aus dem Gespräch, der in dem DLF-Protokoll falsch zitiert wurde (bitte den Podcast bemühen, ich krieg es jetzt auch nicht mehr ganz zusammen) war unter aller Kanone. Was für eine Fehlbesetzung für einen solchen Posten – ein labernder Parvenü als neue Direktor der LMK Rheinland-Pfalz. Was war der vorher? Staatssekretär? Gibt’s nicht!

    Der zweite Artikel hier zu diesem Thema fasst alle meine Gedanken zu diesem unsäglichen Vorgang präzise zusammen und wenn ich mir dann auch noch vorstelle das solche Leute unter anderem dann auch noch von den Rundfunkgebühren bezahlt werden werde ich unglaublich wütend. Alles das geschieht in diesen Tagen, in diesem Land wahrscheinlich hundertfach und in diesem Fall bekommt man es sogar wie auf einem Silbertablett serviert und was passiert? Nichts. Diese Leute fühlen sich sicher, sie meinen sogar all das verdient zu haben (ist das eigentlich ein beruflicher Auf- oder Abstieg? Ich kenn mich mit Ämtern nicht so aus) und mal abgesehen von seinem Salär geht es Herrn E. wahrscheinlich vielmehr um die damit verbundene Macht die er inne hat. Dieser Mann und die ihn beschäftigende Institution vergibt Sendelizenzen. Hallo?

    Zum Thema Wahl: Was ist das für ein Prozedere in dem zwar mehrere Leute abstimmen, in dem es aber nur eine Kandidaten gibt, der in einem anderen Bundesland für Zugangsbeschränkungen für exakt den gleichen Posten gesorgt hat, die er in dem jetzigen Bundesland in dem er antritt, selber nicht erfüllt und das in allen Punkten? Das ist alles vollkommen unglaublich. Ich habe bis dato naiverweise gedacht das solche Vorkommnisse besonders bei Parteien rechter Couleur gang und gäbe wären, aber da wird hier von Mitgliedern meiner – bis dato – Lieblingspartei munter der Stab weitergereicht. Warum schämen sich solche Leute eigentlich nicht? Ich würde gegen sowas gerne etwas unternehmen.

  12. @15: Ja, ich würde auch jedem empfehlen, sich das vollständige Interview anzuhören. Im Transkript fehlen doch so einige interessante Stellen. Auf die Kritik, dass der Posten nie öffentlich ausgeschrieben wurde entgegnete Herr Eumann sinngemäß, dass dies ja kein Problem sei, da jeder, der einigermaßen in den entsprechenden Kreisen vernetzt sei doch gewusst habe, dass der Posten zu vergeben ist. Da wurd mir klar: der merkt nichts mehr.

  13. Einer der geschätzten Kommentatoren stellt hier die Frage, ob man nicht doch irgendwas gegen den beschrieben Fall von Nepotismus tun könne. Vielleicht, dass Kompa doch klagt. Er verbindet dies mit der Überzeugung, in einem Rechtsstaat zu leben.
    Eine Überzeugung, die ich immer weniger zu teilen vermag. Eben weil man offensichtlich nichts machen kann. Weil die Dreistigkeit unbegrenzt ist.
    Letztendlich wissen wir in Wahrheit alle, dass es nahezu keinen Bereich gibt, wo es anders läuft. Auch wenn Formalien eingehalten werden.
    Ich habe mich in den letzten Tagen, auch schon vor der Entscheidung der Vergabe des Postens an Eumann, als Kompa erstmals darüber schrieb und seine Bewerbung ankündigte, mit etlichen Menschen darüber unterhalten. Nahezu immer hatten die ähnliche Beispiele aus ihrem Umfeld. Ob Berufung von Professoren, gut dotierte Posten in öffentliche Betrieben oder direkt im öffentlichen Dienst. Die Friedrichshainer Bürgermeisterin, deren Lebensgefährtin einen fetten Posten in der ihr unterstellten Verwaltung erhält, was eigentlich generell verboten sein sollte, erklärt lapidar, sie wäre an dieser Entscheidung nicht beteiligt und der Personalrat sei einbezogen gewesen.
    Na klar….
    Ein Mitglied des Personalrats der Berliner Polizei erklärte mir überzeugt und überzeugend, er könne von jedem Leiter eines Abschnittes, ich habe die Zahl vergessen, vielleicht sind es sieben oder acht, sagen „auf welchem Parteibuch er fährt“.

    Nein, man kann überhaupt nichts dagegen machen. Ich wünschte mir nur, ich hätte den Humor und die Gelassenheit von Kompa. Dann wäre es irgend wie leichter zu ertragen.

  14. Oha, die Wikipedia-Vita von Eumann liest sich ja wie die eines prototypisch inkompetenten Politikers… Spendenaffäre, Plagiatsaffäre, Klüngel ohne Ende – der Mann hat nicht viel ausgelassen! Wenn sich schon sein Doktorvater „schockiert“ darüber zeigt, dass Eumann der Doktorgrad nicht nachträglich aberkannt wurde, dann spricht das Bände. Sein unverschämtes Interview im DLF komplettiert dann einfach nur das extrem hässliche Bild von ihm.

  15. DLF: „Guten Morgen Herr Eumann, erstmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl!“

    Eumann: „Ach bitte, was soll denn dieser ironische Einstieg? Aber das ist offensichtlich auch Teil…“

    DLF: „Ich finde, es gehört zum guten Stil, den Gesprächspartner erstmal zur gewonnenen Wahl zu gratulieren.“

    Eumann: „Wenn das Ihr journalistischer Stil ist, nehme ich das gerne hin. Ich setze mich schon immer für die Pressefreiheit ein, also auch für die Art und Weise, wie Sie Interviews führen.“

    […]

  16. Kann es sein, dass man den loswerden wollte, und irgendwer fragte: „Wo kann der am wenigsten Schaden anrichten?“ und die anderen so: „Irgendwas mit Medien!“

    Sorry, liebe Medienschaffenden.

  17. Schade das Sie nix zu Markus Kompas Bewerbung schreiben.

    Siehe:
    https://www.heise.de/tp/features/Bewerbung-als-Entfilzung-3902879.html
    und
    https://www.heise.de/tp/features/Gratulationswelle-fuer-Marc-Jan-Eumann-3911135.html

    Herr Kompa hatte sich auch auf die Stelle beworben da er die Qualifikationskritierien, die her Eumann aufgestellt hat, deutlich besser erfüllte.

    Er wurde aber leider abgelehnt da er sich zu spät auf diese nicht ausgeschriebene Stelle beworben hat.
    Beste auf die Frage woher Eumann von der Stelle erfahren hat antwortete man nur mit „Er hat sich halt umgehört“.

    Verleiht der ganzen Geschichte noch mehr Würze :D

  18. Die (Partei-)Politik muss sich gänzlich aus den Medien und deren Aufsicht heraushalten. Denn die Medien sollten unabhängig die Politik kontrollieren. Das ist aber ein Treppenwitz, wenn die Politik die Medienzulassung- und aufsicht faktisch führt. Also: Raus mit den Parteivertretern aus Medienanstalten, Medienräten- und komissionen sowie Rundfunkräten und Programmaufsicht. Und zwar konsequent! Dann bleiben uns solche peinlichen Personalien auch erspart!

  19. Eumanns Doktorvater Prof. Dr. phil. Horst Pöttker kklagte gegen Springer (LG HH Az. 324 O 73/13) und die ZEIT Onliene (OLG HH 7 U 32/14, LG HH 324 O 576/13).

    Beim OLG gab es einen Verfgleich:
    1. Die Antragsgegnerin verpflichtet sich, es zu unterlassen, den Eindruck zu erwecken, der Antragsteller habe im Promotionsverfahren den Titel im Wortlaut und den Inhalt der Magisterarbeit von Dr. Eumann gekannt.
    2. Daraufhin erklären die Parteien übereinstimmend das Verfügungsverfahren sowie das Hauptsacheverfahren für erledigt.
    3. Die Kosten beider Verfahren werden gegeneinander aufgehoben.
    4. Dem Antragsteller wird nachgelassen bis zum 10.09.14, 15:00 dem 7. Senat mitzuteilen, ob er vom Vergleich zurücktritt.
    Beschlossen und verkündet:
    1. Der Wert des Berufungsverfahrens wird auf € 15.000,- festgesetzt.

  20. Ich kann nur jedem empfehlen, sich das Originalinterview anzuhören, welches weiter oben bereits verlinkt war. Fremdschämen in einer neuen Dimension, meine Güte… So sonorig, so satt, so säurefest. Wer bezahlt eigentlich diese LMK? Wird das Geld aus dem Topf der Rundfunkgebühren genommen? Ich habe auf die Schnelle leider keine Antwort darauf gefunden. Mir ist immer noch ganz schlecht, ich glaube, ich gehe jetzt erstmal an die frische Luft. Boah, das ist so ekelhaft. Der Mann hätte eine ewige Karenzzeit wahrhaftig verdient.

    Herr Niggemeier, wie schaffen Sie es eigentlich angesichts solcher Schmierenkomödien, nachwievor so unglaublich überzeugt vom öffentlich-rechtlichen System und seiner Auswirkungen zu sein? Ich kann das langsam echt nicht mehr verstehen. Ich weiss, die LMK und ihre Pendants in den anderen Bundesländern beaufsichtigen die privaten Rundfunkveranstalter, aber auch hier gilt, wie Sie selbst schreiben, das Gebot der Staatsferne. Können Sie es den Menschen wirklich noch verübeln, wenn diese von „Staatsfunk“ reden? Sie echauffieren sich ja regelmässig, wenn „private“ Medien von „Staatsfunk“ reden. Ist Ihre Schärfe in der Diskussion um die vermeintliche Staatsnähe der Öffentlich-Rechlichen angesichts dieses, und auch anderer, Possenspiele noch angemessen? Was muss passieren, dass auch Sie auf die Barrikaden gehen?

  21. @Joachim B.: Verstehe ich Sie richtig, dass Sie dafür plädieren, nun auch die Privatsender „Staatsfunk“ zu nennen, weil deren Aufsicht nicht staatsfern organisiert ist, obwohl sie es sein sollte?

    (Ja, die Landesmedienanstalten werden aus den Rundfunkbeiträgen finanziert.)

  22. @15 Jörn Pönitz
    „… in dem es aber nur eine Kandidaten gibt, der in einem anderen Bundesland für Zugangsbeschränkungen für exakt den gleichen Posten gesorgt hat, die er in dem jetzigen Bundesland in dem er antritt, selber nicht erfüllt und das in allen Punkten?“

    Zwar kann auch ich mich nur sehr schwer zurückhalten dem Herrn Direktor eine geschmackvolle Glückwunschkarte (vielleicht mit einem schönen Sinnspruch wie „per aspdera ad astra“) zu senden, in der Hoffnung, dass er der neue Craig Shergold wird, aber irgendwer muss ja hier auch einmal die andere Seite beleuchten. Wegen der Ausgewogenheit und Balance und so Zeuch. Er spricht diesen Punkt in seinem Interview zwar nicht direkt an, meistert ihn aber dennoch mit Bravour.

    Marc Jan Eumann: Na, es geht ja nicht darum, ob ich das für nötig halte oder nicht, sondern tatsächlich sind die Länder – und vor allem reden wir ja nicht über Staatssekretäre, sondern wir reden über die Parlamente, über die Landesgesetzgeber, die die Gesetze verabschieden.

    Ist das nicht schön?
    In einer Zeit in der alle sich bemühen einen GroKo oder sonstige stabile Mehrheit, die unser Land so dringen braucht, irgendwie herzustellen, damit die Regierung und Gesetzgebung für die nächsten Jahre auf eine sichere Grundlage gestellt werden, wagt Eumann den Widerspruch. „Nein!“, sagt er uns, „Nein, die Regierung macht nicht die Gesetze.“ Wer sonst würde es wagen, in solch schwieriger Zeit, noch dazu wenn er selbst so in der Kritik steht, den Grundsatz der Gewaltenteilung so hochzuhalten?

  23. @17 – Robert Naves:

    Können wir wirklich nichts tun? Oder wissen wir nur nicht, welche Möglichkeiten wir eigentlich haben, sind evtl. sogar einfach zu bequem? Daher habe ich ja gefragt, ob man etwas tun kann. Denn ich persönlich weiß es nicht. Aber wie gesagt, aktuell empfinde ich Deutschland noch immer als Rechtsstaat und in einem solchen muss es Möglichkeiten geben, dagegen vorzugehen. Ich bin aber kein Jurist und habe tatsächlich nicht die Zeit, mich juristisch derart weiterzubilden, um diese Frage zu beantworten.

    Was ich indes extrem schade finde, ist, dass Herr Kompa zwar durch seine Bewerbung auf diesen Irrsinn aufmerksam macht, aber dann nicht gegen diese Entscheidung klagt, wenngleich ich diese Entscheidung nachvollziehen kann. Dies wäre also eine Option. Die Frage bleibt also, gibt es noch andere?

    Wir können uns natürlich auch weiterhin alle darüber aufregen, was da passiert ist und Herrn „Dr.“ Eumann furchtbar und Fehl am Platze finden und Nepotismus schreien. Ich würde aber viel lieber aufstehen und etwas unternehmen. Solange wir nur schreien, aber keinen „#Aufschrei“ verursachen, wird sich nichts ändern.

    @26 – Joachim B.

    Ohne mir anmaßen wollen für Herrn Niggemeier zu sprechen, ist der ÖR in Deutschland noch immer ziemlich gut. Weit entfernt von perfekt, mit viel zu viel Filz und Korruption und Vetternwirtschaft, teils fragwürdigen Programmen und noch vielen anderen Dingen, die zu kritisieren sind, aber trotz allem noch immer ziemlich gut. Ein guter ÖR schließt ja Kritik an ihm selbst nicht aus, im Gegenteil. Ein ÖR, den man nicht kritisieren kann, der macht in meinen Augen etwas falsch.

  24. Um auch mal was anderes gesagt zu haben: Ich kann schon verstehen, wie Herr Eumann sich zu diesen absurden Einlassungen versteigen konnte. Erst hält ihm die Moderatorin zu recht vor, dass er sich an seine eigenen Ansprüche nicht hält, da fühlt man sich schon mal ertappt. Dann fragt sie, warum er nicht über den gesetzlichen Rahmen hinaus berufsethische Ansprüche erfüllt. Dieser Vorwurf ist schon nicht mehr ganz so wasserdicht. Und in der nächsten Stufe hält sie ihm vor, keine ausreichende Medienkompetenz für diesen Job mitzubringen, und spätestens hier ist der Mann der festen Überzeugung, dass man ihm Unrecht tut, denn, nicht wahr, mit Medien beschäftigt er sich doch nun jeden Tag die Länge die Breite. Und da platzt dann diese Dusseligkeit aus ihm heraus. Das entschuldigt alles nichts, seine Sätze zur Pressefreiheit bleiben haarsträubend und diskreditieren ihn für sein neues Amt. Ich hatte nur beim Lesen des Artikels den Eindruck, dass MJE als allererstes eine Gratulation eingefordert hat. Das Lesen des Transkript vermittelt dann eine etwas andere – eigentlich noch faszinierendere – Dramaturgie.

  25. @29 Dominic Zander
    „Aber wie gesagt, aktuell empfinde ich Deutschland noch immer als Rechtsstaat und in einem solchen muss es Möglichkeiten geben, dagegen vorzugehen.“
    We’ll Always Have Paris. In unserem Fall https://dejure.org/gesetze/GG/17.html
    Ansonsten ist nicht klar, welches Gesetz hier verletzt wäre. Wird jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen. Was wäre hier die Verletzung?
    Der Einzug des Rundfunkbeitrags? Dann wäre gegen Eumann klage wie gegen schlechtes Programm klagen.

  26. @15 Jörn Pönitz
    „Warum schämen sich solche Leute eigentlich nicht?“

    Weil sie dazu keinen Anlass sehen. Für was den? Vor wem den? Wie eine Boulevardzeitung aus dem Springerverlag immer wieder, von Guttenbergs Doktor“arbeit“ bis zu den Paradies-Papers klarstellt, sind doch alle so. Alle würden das machen, wenn sie könnten. Aber die anderen sind eben zu dumm oder zu faul, deswegen kann er stolz auf sich sein, es im Gegensatz zu denen geschafft zu haben.

    Eine andere Zeitung aus dem Springerverlag teilt uns unter der title-tag „undefined: Ex-NRW-Staatssekretär wird Chef der Medienaufsicht – WELT“ folgendes mit. https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/rheinlandpfalzsaarland/article171267276/Ex-NRW-Staatssekretaer-wird-Chef-der-Medienaufsicht.html

    Ein sorgfältig recherchierter Artikel, der einem nur zutreffende Fakten liefert. Keine Fake News. Es gibt auch einen erläuternden Link, wenn jemand näheres über Ludwigshafen wissen will. Unter anderem erfahren wir dort, dass es wohl auch einen Mitbewerber gegeben hätte, der aber – obwohl Anwalt! – wohl zu dumm war, die Bewerbungsfrist einzuhalten. Da wird der Jan Marc dann wohl doch die bessere Wahl gewesen sein, als diese Juristennull.

    Ein weiterer Artikel von undefined findet sich hier https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/rheinlandpfalzsaarland/article171363569/Opposition-Mehr-Transparenz-bei-Landesmediendirektor-Wahl.html

    Völlig zusammenhangslos fällt mir dazu ein Zitat von G. K Chesterton aus Pater Brown, Das schlimmste Verbrechen der Welt, ein: „Selbst die Wahrheit zu sagen, ist manchmal ein Machwerk des Teufels. Vor allem, wen man sie so sagt, dass jedermann sie missversteht.“

  27. Eumann ist letztlich nur eine faule Frucht an einem faulen Baum. Er sagt nur offen, was andere in ähnlicher Form im Geheimen denken. (Wäre es anders, dann hätte er es nicht dahin gebracht, wo er jetzt ist.)
    Um mit dem faulen Baum fertig zu werden, muss man seine Wurzeln beseitigen; das heißt man muss es dahin bringen, dass die Politik nur so wenig Einfluss wie irgend möglich auf Medien (und Mediananstalten) ausübt. Leider ist ein solches Ziel dem Eigeninteresse der Politik und der Politiker jedoch direkt entgegengesetzt.

  28. Also einen kleinen Hinweis für einige Nutzer (bsp #26), möchte ich mir nicht verkneifen.
    Der Deutschlandfunk gehört meines Wissens zu den Öffentlich-rechtlichen. Die kritischen Fragen kamen also vom bitterbösen Staatsfunk.

    Es gibt also durchaus kritischen und guten Journalismus. Man sollte, das was schief läuft immer kritisieren, aber eben dabei auch die guten Dinge im Hinterkopf behalten.

    MfG

  29. @ 45:

    Auch wenn ich nicht direkt angesprochen bin, möchte ich gerne antworten.
    Ja, es gibt kritischen und guten Journalismus – auch in den ÖR. Das wird m.E. auch keiner von den „reflektierteren“ Medienkritikern in Abrede stellen.
    Ich glaube aber, dass hier Ulrich Teusch (der selbst für den ÖR arbeitet) den Nagel auf den Kopf trifft, wenn er (sinngemäß) sagt, dass der gute Journalismus gerade dort oftmals nicht zu finden ist, wo ein großes Publikum erreicht werden könnte. Zitat Teusch:

    „Obwohl man in den Printmedien wie auch in den Hörfunk- und Fernsehprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach wie vor viele journalistische Perlen finden kann, werden diese nur unzureichend wahrgenommen. Sie gehen unter, weil ein verflachter, plakativer, tendenziöser, oft staats- oder wirtschaftsnaher Journalismus das Bild dominiert.“
    https://augenaufunddurch.net/2016/02/24/guter-und-schlechter-journalismus/

    (Siehe auch Teusch: „Die Lückenpresse“.)

    Oder wie Johannes Grotzky, der frühere Hörfunkdirektor des BR es sagte: Der gute Journalismus wird nach seinem Eindruck oftmals „von vermeintlichem Journalismus in der Masse anderer überlagert“.

  30. Kommentare so:
    Kritik an Privatmedien – Scheiß ÖR! Steuergelder! Staatsfunk!

    Wirf dem Hund einen Knochen hin und erfreue dich am Anblick seines Eifers.

  31. @39 Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass hier noch keiner die Kurve Richtung „Merkel und die Flüchtlinge“ gekriegt hat. Strengt euch an, Leute, da geht noch was!

  32. @ 39:

    „Kommentare so:
    Kritik an Privatmedien – Scheiß ÖR! Steuergelder! Staatsfunk!“

    Und so: Etwas arg pauschale Kritik an den Kommentaren hier.

  33. Was für eine widerlicher Geschichte das ist, da kommt mir echt das Essen hoch. Ich wähnte mich irgendwie immer Seite an Seite mit den „Volksparteien“ im „Kampf“ gegen die AFD. Jetzt lese ich, dass die AFD Fraktion im Landtag von Rheinland-Pfalz gegen die überstürzte Wahl von Herrn Eumann ausgesprochen hat und denke mir: „Da haben sie Recht mit.“ Und allein dieser Gedanke widert mich an. Derartige Strukturen gehören alle aufgelöst und ich erwarte von den regierenden Parteien, dass sie diese Auflösung itiieren. Es ist wirklich beschämend. Soviel Angrifffläche und Unreflektiertheit. Nach der Bundestagswahl war es ja überall zu lesen: „Wie geht man mit der AFD im Bundestag um. Wie sollen die etablierten Parteien reagieren?“ Vorher wars in den Landtagen ähnlich….und ich denke mir: Wie wärs damit, einfach nicht so eine Scheisse zu bauen, sondern sich mal so langsam klar zu werden, dass man 2017 nicht mehr so schalten und walten kann, wie man sich das denkt, weil es ja fast allen egal ist. Das geht nach hinten los.

  34. Nun ja, nach dem Hören des Interviews bin ich der Meinung
    – die Journalistin hatte eine Agenda, Herrn E. in die Pfanne zu hauen, und der blöde Kerl wollte sich dazu partout nicht hergeben :-(
    – Herr E. hat das gemacht, was angeblich dieses kapitalistische System so erfolgreich gegenüber allen konkurrierenden macht – er hat seine Chance da ergriffen, wo es ihm möglich war, weil es nicht gesetzlich verboten war.

    Und weil er obendrein noch die Frechheit hat auszusprechen, er sei der Meinung, als Politiker über Medienkompetenz zu verfügen, ist er nun der Gottseibeiuns?
    Kleiner habt Ihr’s nicht?
    Da ist mir Richter Fischer denn doch lieber, der (nach Selbstbeschreibung) immer wieder auf die vielen Verhungernden in dieser Welt hinweist.

  35. @jörg,45: Also mir geht es da weniger um Herrn E., sondern um den gesamten Vorgang. Allerdings: Wer sich nach einer derartigen „Wahl“ explizit Gratulationen ausbittet, der hat es wohl nicht wirklich anders verdient.

  36. @ 45, Jörg.

    „– Herr E. hat das gemacht, was angeblich dieses kapitalistische System so erfolgreich gegenüber allen konkurrierenden macht – er hat seine Chance da ergriffen, wo es ihm möglich war, weil es nicht gesetzlich verboten war. “

    Politik und Medienaufsicht sind allerdings eigentlich gerade keine Teil des kapitalistischen Systems bzw. des „freien Marktes“ – oder sie sollten es der Idee nach zumindest nicht sein. Anders gesagt erwartet man von einem Politiker NICHT, dass er ganz so wie ein „nutzenmaximierender Unternehmer“ im Sinne der Neoklassik handelt und dabei ohne Rücksicht alles zu seinem Eigenwohl tut, was nicht gerade direkt gesetzlich verboten ist. Sondern man hofft, dass er auch das Allgemeinwohl im Auge behält und nach gewissen ethischen Prinzipien agiert.
    Man mag sagen, dass eine solche Haltung naiv sei; aber wenn man keine normativen Erwartungen an die Politiker richtet und abweichendes Verhalten kritisiert (und sanktioniert), dann muss man damit rechnen, dass das Verhalten von Politikern immer noch dreister wird. Massive öffentliche Kritik dürfte zumindest einen gewissen Schutz gegen bestimmte Verhaltensweisen bieten.

    Dennoch würde ich Ihnen weitgehend recht geben: Das Problem ist nicht Eumann, sondern ein System, das einen Eumann hervorbringt bzw. in seine jetzige Position hievt. Es gibt immer Menschen, die ein marodes System nutzen, und es wird sie immer geben. Sie moralisch zu verurteilen, bringt langfristig wenig; es ist vielmehr nötig, das marode System selbst zu reformieren.
    Es bringt ja auch nicht viel, Reiche lauthals zu verurteilen, wenn sie legale Steuerschlupflöcher nutzen. Es liegt vielmehr am System, dass es unangemessene Schlupflöcher illegal macht und verstopft.

  37. @47 LLL
    „Es gibt immer Menschen, die ein marodes System nutzen, und es wird sie immer geben.“
    Man muss sorgfältig zwischen drei Gruppen unterscheiden.
    1) Diejenigen, die das System sind
    2) Diejenigen, die das System schaffen
    3) Diejenigen, die es nutzen.
    Vielleicht muss man aber auch nicht sorgfältig zwischen diesen drei Gruppen unterscheiden, weil sie praktisch deckungsgleich sind.

    „Sie moralisch zu verurteilen, bringt langfristig wenig; es ist vielmehr nötig, das marode System selbst zu reformieren.“
    Ja sicher. Die Philosophie beschreibt die Welt nur, es kommt aber darauf an, sie zu verändern. Worte helfen nicht. Andererseits ist aber die Grundannahme einer aufgeklärten Gesellschaft, dass ein Interessenausgleich auf Basis der Vernunft allein mit Worten erfolgen kann. Das hier (all das hier, Medien, Übermedien, der politische Prozess) ist einfach ein praktischer Test, ob das wirklich funktionieren kann. So einen gab es schon öfters, z.B. 1933 mit ziemlich schlechtem Ergebnis. Andere Gesellschaften ermöglichten damals einen Neustart mit neuen Randbedingungen und (hoffentlich) besseren Parametern. Da inzwischen Gesellschaftsmodelle nicht mehr so sehr in einzelnen Gesellschaften, sondern global getestet werden, sollte es diesmal besser funktionieren, weil nicht sicher ist, dass uns noch ein weiterer Versuch spendiert wird. In diesem Sinne: Quick! To the Bat-Fax! https://whyweprotest.net/attachments/batfax-jpg.234938/
    tl;dr Mit fällt auch nix Besseres ein, als zu schreiben.

    PS: Laut googeln von „eumann site:welt.de“ ist dort der Eumannskandal ganz oben. Der um seine Doktorarbeit.

  38. @ 48:

    „Vielleicht muss man aber auch nicht sorgfältig zwischen diesen drei Gruppen unterscheiden, weil sie praktisch deckungsgleich sind.“

    Im konkreten Fall scheinen mir die Gruppen tatsächlich (weitgehend) deckungsgleich zu sein.

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