spannend

Es gibt viele Wörter, die mich wundern oder mir gelegentlich auf die Nerven gehen. Ganz oben auf meiner Liste aber rangiert die Floskel „Es bleibt spannend“ am Ende eines Nachrichtenstücks.

Nach dem Motto: Ich habe auch keine Ahnung, wie das Thema weitergeht oder was ich mit dem Beitrag sagen wollte. Bleibt aber spannend, also bleiben Sie dran! Und spannend bleibt es auch sicher für den Reporter, der beim nächsten Stück dann wieder neu entdecken kann, wie aufregend das ist, was er da tut.

Spannend eben, dieses Journalistenleben.

Mich regt das auf, weil das Wort so ganz und gar nicht in die Welt der Politik und Nachrichten gehört. Ein Fußballspiel ist spannend. Ein Krimi ist spannend. Ein Wettlauf ist spannend. Politik-Berichterstattung aber ist das Erklären und Aufdecken komplexer Zusammenhänge. Spannend versimpelt das zur unterhaltsamen Soap Opera.

Ärgerlicher ist nur der Wirtschaftskrimi, eine Floskel, die suggeriert, der Zuschauer oder Leser werde bestens unterhalten, mit dem was nun folgt. Aber unterhaltsam ist auch Wirtschaftsberichterstattung nur in den seltensten Fällen. Und Politik ist allenfalls spannend für die Akteure selbst. Der Journalist aber ist keiner: Er ist einer, der kühl beobachten und analysieren soll. Spannend ist allenfalls, ob ihm das gelingt.

 

 
Medien besser kritisieren.

8 Kommentare

  1. Sogar als jemand, der das Konzept von Spannung schon grundsätzlich (Auch und gerade bei Kriminalromanen.) nie richtig verstanden hat (Wehe, jemand mutmaßt jetzt, was das über mich als Autor aussagt!) und den die Floskel auch vage nervt, finde ich die Hasswort-Auswahl wie auch die Begründung ein bisschen boring.
    Und auch unzutreffend, weil es ja nun mal genug Leute gibt, die Ereignisse in Wirtschaft und Politik sogar äußerst spannend finden.

  2. Ja – mich nervt das auch! Es ist noch gar nicht so lange her , da hatte man alles unter „interessant“ subsummiert.
    Heute ist alles „spannend“.
    Man erspart sich die konkrete Aussage, umgeht damit, dass man vielleicht sowieso ahnungslos ist, sich aber vielleicht doch mal damit beschäftigen sollte…- aber eigentlich ist es einem wurscht, oder aber es trifft einen persönlich und man möchte es nicht zugeben, weil man meint, eine Schwäche zu offenbaren.

  3. Auch Wahlabende sollten aus Journalistensicht nicht „spannend“ sein. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft (auch schlimmes Wort) sorgt für mehr mögliche Regierungskonstellationen. Genau dies wird leider von manchen Journalisten als Vorteil gesehen, dass die Wahlergebnisse „spannender“ sind.

  4. Wird der überschaubar irrelevante Muriel jemals nicht das erste Meckerwort haben?
    Es bleibt spannend…

  5. Ein m.E. völlig überflüssiger Artikel angesichts der Flut schwerwiegendster Probleme, denen sich weder Politik noch Presse stellen.
    Und die Zeiten, in denen Journalisten erlaubt, oder gar geboten war, „kühl zu beobachten und zu analysieren“, sind doch nun wirklich lange vorbei.

  6. „Wehe, jemand mutmaßt jetzt, was das über mich als Autor aussagt!“

    Wird noch ein unvorsichtiger Forist der Versuchung erliegen und dem Duft dieses Honigtopfes folgend in sein Verderben rennen?
    Es bleibt spannend!

  7. Leider noch nerviger- wenn sich genau diese Autoren für solche Sätze völlig sinnfrei ins TV – ON drängen..

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