Der Clown

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Jerry Lewis bei den Dreharbeiten zu „The Day The Clown Cried“.Foto: NDR

Ein Hoch auf den NDR und seinen Dokumentarfilmer Eric Friedler, der mit seiner Dokumentation „Der Clown“ ein erstklassiges, wahrscheinlich endgültiges Portrait über den amerikanischen Komiker Jerry Lewis geschaffen hat.

Auch ich war bei der Erstausstrahlung vor einem Monat im Ersten verleitet, hier einen heiteren Lebens-Bilderbogen zu erwarten, der in Kurzform schon in „Brisant“ gelaufen sein könnte, aber nein: Friedler beleuchtet in erster Linie Lewis‘ Lebensabschnitt zu Beginn der 1970er Jahre und berichtet von dessen Scheitern an seiner Holocaust-Komödie „The Day the Clown Cried“, die er in Schweden und Frankreich produzierte. Und lüftet damit eines der letzten Film-Geheimnisse überhaupt, denn Lewis‘ „Clown“ wurde nie fertiggestellt, geschweige denn veröffentlicht.

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Foto: NDR

Eric Friedlers meisterhafte Rekonstruktion der Geschehnisse (und des Lewis-Filmes selbst) hat nichts mit History-Reenactment zu tun, auch wenn er die schwedischen Schauspieler dabei beobachtet, wie sie sich selbst erstmals in den Film-Mustern nach 43 Jahren wiederentdecken und fehlende Passagen nachspielen. Nein, es wirkt vielmehr so, als wären die zahlreichen Originalausschnitte aus „The Day the Clown Cried“ eine unwirkliche Nachinszenierung einer vergangenen (Kino-)Zeit.

Und so wird diese NDR-Dokumentation „Der Clown“ zu einer Frage nach dem Sinn von Kunst und Komödie, um die Fragilität von großen Absichten und dem Schmerz des Verlustes.

Ich vermute, dass dieses Meisterwerk aus rechtlichen Gründen nie in Mediatheken gelangen wird, daher empfehle ich Ihnen dringend die lineare Wiederholung von „Der Clown“ am morgigen Samstag, 5. März, um 22:35 Uhr im NDR Fernsehen.

Nachtrag, 6.3.2016. Überraschung! „Der Clown“ steht doch in der Mediathek. Aber nur bis 12. März.

 

7 Kommentare

  1. Danke, das wäre mir entgangen. Ich bin bei der Erstausstrahlung ins Bett gegangen, weil ich echt müde war und dachte, ihn mir in der Mediathek angucken zu können – war leider nix.

  2. Ich finde die Friedler-Filme gewöhnlich sehr gut. Dieser hat mich weniger überzeugt: Es wirkt auf mich so, als ob Friedler uns (und Lewis) einreden will, dass „The Day the Clown Cried“ ein Meisterwerk war bzw. hätte sein können. Sieht man aber die Ausschnitte und hört Lewis’ Gründe, das Projekt zu beerdigen, dann glaube ich tatsächlich, dass er gescheitert ist. Vielleicht wäre der Film sogar ein Erfolg geworden, im Kino und bei den Kritikern – aber Lewis’ Ansprüchen hätte er nicht genügt. Er hatte, so scheint mir, tatsächlich die professionelle Distanz verloren – so wie er es ja selbst anspricht. Die profanen Gründe des Scheiterns, die Friedler ausarbeitet (der Produzent, das Auslaufen der Nutzungsrechte …) waren meines Erachtens nicht ausschlaggebend.

  3. Da der Film (den man, wie bereist oben in einem Kommentar erwähnt) in der Mediathek zu finden ist, konnte und habe ich mir den auch gleich dort aufgrund des Tipps angesehen. Und da der Film im gängigen nervtötenden Dokustil a la History-Chanel (viel zu langer Anfang, der wie ein Trailer wirkt; Einstreuung von Wortmeldungen durch Zeitzeugen; Nachspielen wichtiger Szenen durch Schauspieler) gedreht wurde, empfand ich ihn in der Form für gewöhnlich bis langweilig, dennoch leistet er eine wichtige filmhistorische Arbeit, keine Frage. Daher: Danke für den Tipp.

  4. Auch von mir ein Danke für den Tipp. Ich habe mir die Doku ebenfalls in der Mediathek angesehen und fand sie insgesamt sehr gelungen, nach den ersten zwanzig Minuten sogar spannend.

    So ist das mit den Geschmäckern: Mir hat die Verbindung der nachgestellten mit den Original-Szenen gerade gut gefallen. Schöne Idee, dazu auch die „Original“- Schauspieler nochmal zusammenzubringen. Da gab es beim Zusehen schon einige Gänsehaut-Momente. Und sicher haben eben diese nachgestellten Szenen lettlich bei mir auch zu dem Gefühl beigetragen, Jerry Lewis‘ Film zu kennen, also komplett gesehen zu haben.

    Ich fühlte mich jedoch nicht bedrängt, ihn als Meisterwerk betrachten zu müssen. Es war zu seiner Zeit allerdings zweifellos ein außerordentlich ambitioniertes Projekt und wäre wohl in der Tat „ein Meilenstein der Filmgeschichte“ geworden, wie der Historiker Andreas Kilb vermutet.

    Wobei ich für das endgültige Verschwinden des Filmmaterials in den Archiven dann doch eher profane Gründe ausgemacht habe (die verweigerten Nutzungsrechte der Drehbuchautorin). Aber so ist es ja meistens.

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