Helmut Kohl lebendig eingebauert

Was macht eigentlich Helmut Kohl?

Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, die Vögel zwitschern und die Blumen blühen – doch ob Altkanzler Helmut Kohl (87) den Frühling überhaupt genießen kann? Denn statt die ersten warmen Sonnenstrahlen im Freien zu genießen, ist der Politiker gefangen – lebendig begraben im eigenen Haus!

Wer den Bauer-Verlag und dessen Auffassung von Journalismus kennt, kann sich schon denken, dass Kohl in Wahrheit weder „eingemauert“ noch „lebendig begraben“ wurde. Die „schreckliche Tragödie“ besteht vielmehr darin, dass an Kohls Haus – Trommelwirbel! – angeblich ein Sichtschutz errichtet wurde.

Aus seinem Zuhause in Oggersheim hat seine zweite Frau, Maike Kohl-Richter, längst eine Festung gemacht: Überwachungskameras, Polizeiwachen und zu guter Letzt ließ sie sogar einen meterhohen Sichtschutz errichten.

Diesen offensichtlichen Wunsch nach Privatsphäre möchte die „Prima Freizeit“ dem Altkanzler aber selbstverständlich nicht erfüllen und zeigt im Artikel gleich mal ein Foto seines Hauses („Hinter diesen tristen Mauern spielt sich mittlerweile fast das komplette Leben des Politikers ab“).

Genauso machte es „Das neue Blatt“ (ebenfalls Bauer), das vor einem halben Jahr schon mal eine ganz ähnliche Geschichte veröffentlicht hatte:

Maike Kohl-Richter schätzt Besuch nicht – und Einblicke in ihr Privatleben schon gar nicht.

Privatleben? Tss.

Befürchtet sie, dass wir eine dunkle Seite von ihr entdecken?

Der neue Sichtschutz jedenfalls werde den Altkanzler …

täglich daran erinnern, dass es aus dieser Festung für ihn kein Entrinnen mehr gibt …

Bei der „Prima Freizeit“ spinnen sie das Gefangenendrama noch weiter:

Das Tragische: Auch in seinem eigenen Körper scheint Helmut Kohl gefangen zu sein. Nach einem Treppensturz vor neun Jahren ist der ohnehin schon schwer kranke Politiker auch noch an den Rollstuhl gefesselt.

Diese (ohnehin sehr dämliche) Formulierung benutzt die „Prima Freizeit“ natürlich ganz bewusst: „Eingemauert“ und „gefesselt“ in einer „Festung“ – mehr gefangen geht gar nicht. Das Leben des Altkanzlers sei „alles andere als selbstbestimmt“, behauptet das Blatt, stattdessen habe seine Frau „die Geschicke im Hause Kohl“ übernommen, sie entscheide sogar darüber, „wer Helmut Kohl noch besuchen darf“.

So spekulieren die Bauer-Blätter munter über Kohls Privatleben, stellen seine Frau als die böse Bestimmerin dar und nutzen – wir erinnern uns an den eigentlichen Anlass der Geschichten – den Sichtschutz, der Helmut Kohls Privatsphäre schützen soll, um Helmut Kohls Privatsphäre zu verletzen.

Zu dieser Praxis fallen uns jede Menge Adjektive ein. „Prima“ ist nicht dabei.

Mit Dank an @Tweetweit für den Hinweis.

5 Kommentare

  1. Naja, der „Spiegel“ hatte mal eine Geschichte mit „Der Gefangene“ überschrieben, eine lange Kohl-Story, ebenfalls im „Spiegel“, wollte auch den Eindruck rüberbringen, er wird von seiner Frau festgehalten.
    Meiner Erinnerung nach haben die Kohl-Söhne in zahlreichen Interviews ebenfalls solche Begriffe und Andeutungen benutzt.

    Muss man alles nicht mögen, tu‘ ich auch nicht, aber es waren wahrlich nicht die Klatschblätter, die diesen Mythos gestartet haben. Insofern etwas verwunderlich, dass erst jetzt und ausgerechnet über so ein Blättchen eine Geschichte hier dazu kommt.

  2. Ich verstehe das Problem nicht…
    Sagte nicht schon Facebook-Gründer Marc Zuckerberg: „Privatsphäre ist eine soziale Norm die heute nicht mehr zeitgemäß ist.“?

  3. viel schlimmer, als im eigenen Haus eingemauert zu sein, scheint mir, in der eigenen Blödheit gefangen zu sein. Insofern muss das Leiden in den Redaktionsstuben der Lügenblätter furchtbar sein. Es gibt kein Entrinnen, kein Entkommen. Es muss schrecklich sein.

    Täglich rennen rennen sie gegen Wände aus Borniertheit, hinterhältig-fieser Verlogenheit und abgrundtiefer Dummheit. Wenn sie sich einmal im Kreis herumgetastet haben, stellen die Schmierfinken fest, sie sind eingemauert. Nur ein schmaler Schlitz auf Gesäßhöhe erlaubt es, dass sie sich täglich ihrer geistigen Notdurft entledigen können.

    Auf der anderen Seite wartet der Auslieferungsfahrer schon auf den neuesten Auswurf.

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