Lügeleien für Millionen

Die ollen Knallblätter liest doch eh kaum jemand? Von wegen.

Allein von den wöchentlich erscheinenden Regenbogenheften werden laut den aktuellen IVW-Zahlen insgesamt knapp fünf Millionen Ausgaben verkauft – pro Woche. Das sind fast dreimal so viele wie von „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ zusammen.


Hinzu kommen noch etwa 60 weitere Regenbogenblätter, die monatlich bzw. zweimonatlich erscheinen und deren Auflage oft jeweils weit über 100.000 Exemplaren liegt.

Insgesamt werden pro Jahr also locker Hunderte Millionen Klatschblätter verkauft.

Schaut man sich die Zusammensetzung der Auflage im Einzelnen an, wird schnell deutlich, warum dafür eine reißerische Titelgestaltung so immens wichtig ist: „Die Aktuelle“ zum Beispiel verkauft 85 Prozent aller Hefte am Kiosk – im Gegensatz zum „Spiegel“, der gut die Hälfte seiner Ausgaben über Abonnements verkauft.


Je knalliger die Titelseite, desto höher der Profit der Regenbogenverlage.

Und dass es immer noch knalliger wird, ist kein Wunder, denn trotz der wahnsinnigen Verkaufszahlen geht es auch für diese Branche abwärts:

Auch im vergangenen Jahr haben alle wöchentlich erscheinenden Regenbogenhefte weiter an Auflage verloren.

Bei den Monatsblättern sind die Einbrüche nicht ganz so extrem. „Freizeit Exklusiv“, „Freizeit Heute“, und „Prima Woche“ aus dem Alles-Gute-Verlag konnten ihre Auflagen im Vergleich zum Vorjahr sogar steigern.

… was vielleicht auch daran liegt, dass sie ihre erfolgreichen Lügengeschichten einfach quer durch alle Blätter verwursten:

3 Kommentare

  1. Ja, das ist eine erschreckende Zahl. Geht man davon aus, dass diese Klientel sich eher politisch an der Bildzeitung ergötzt, kann man doch von einem DQ sprechen als einem IQ. Die Lüge hat in diesen Köpfen Gewohnheitsrecht und ist offen für Alternative Fakten.

    Sehnsucht nach eigenem Leben wird verlagert, zusammen mit der Angst vor dem Schicksal mit seinen Katastrophen – das erleiden die öffentlichkeitswirksamen Stellvertreter. Sensationen statt Information – erstaunlich, dass es abnimmt. Liegt vielleicht am Internet als Ersatz.

    Von daher eine hochbrisante besorgniserregende politische Mischung, diese Leserschaft. Man sollte sie nicht im Stich lassen.

  2. Was würden Sie als Experte sagen, das das goldene Blatt besser macht als die anderen?

  3. Mich wundert es, dass diese Blätter schon seit Jahren Fake-News verbreiten und es niemand bisher so nannte. Des Weiteren bin ich erstaunt, dass dem Treiben dieser Blätter nach deutschem Recht nicht Einhalt geboten werden kann. Schließlich ist es doch Vorschrift, dass die Angaben auf der Verpackung auch dem Inhalt entsprechen müssen, etwa dass 500 g Bohnenkaffee auf der Tüte auch 500g Bohnenkaffee in der Tüte zu sein haben und nicht etwa 500g Malzkaffee. Bei diesen Zeitschriften stimmen aber die Aufmacher der Titelseiten oft nicht mit dem Inhalt im Heft überein. Das sollte doch einmal unter verbraucherschutzrechtlichen Aspekten geprüft werden.
    Meines Erachtens liegt hier durchaus der Tatbestand der bewussten Täuschung des Verbrauchers vor, unter Umständen sogar des Betruges zur Erzielung eines materiellen Vorteils, von mehreren Tätern gemeinschaftlich und organisiert wiederholt begangen. Eindeutig strafbar. Das Verbreiten von Falschmeldungen
    (z.B. gefälschte Fotos, bevorstehenden Hochzeiten oder Scheidungen, von den Betreffenden dementiert) sollte diesen Tatbestand eindeutig erfüllen.

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