Weinkampf

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Nichts ist glaubwürdiger als schlechte Laune. Es ist ein Kreuz, dass zwei der Säulen, die sich für journalistische Medien eingebürgert haben, zu den in der menschlichen Erfahrung am häufigsten vorgetäuschten gehören, nämlich Objektivität und die stabil gute Laune derer, die als Moderatoren und Kommentatoren der öffentlichen Meinung in den Massenmedien ihr Gesicht hinhalten.

Schlechte Laune ist, zu allem anderen, immer subjektiv. Gute Laune ist potenziell immer nur das aufgemalte Gesicht des traurigen Clowns.

Die Macher von „Merum – Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien“ nehmen sich das Recht heraus, schlecht gelaunt zu sein. Genauer, sie nehmen sich das Recht heraus, auch mal schlecht gelaunt zu sein, denn im Kern ist das Magazin eines, das aus der Freude an zwei der großartigsten landwirtschaftlichen Produkte in der Geschichte der Menschheit geboren wurde.

Leider gehören Olivenöl und Wein gleichzeitig zu den meistgepanschten und zerlaberten Lebensmitteln*. Auch in den Medien: Als normaler Leser und Zuschauer von Wein- und Olivenöltests kann man problemlos zu dem Schluss kommen, es gäbe ordentliche Ware zum kleinen Preis im Discounter. Das ist falsch. Punkt. Dass es trotzdem behauptet werden kann, liegt zu einem großen Teil daran, dass wir Konsumenten keine Ahnung haben.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass das, was ein großer Teil der Menschen für den Geschmack von Olivenöl hält, in Wahrheit der Geschmack von Ranz im Olivenöl ist. Und als Testfrage: Was sind die drei positiven Charakteristika von Olivenöl? Wer sie aufzählen kann, gehört schon zu der absoluten Geschmackselite**.

All das kann schonmal für schlechte Laune sorgen, wenn man zum hundertsten und tausendsten Mal erlebt, wie ein seelenloser Discounter-Wein hochgelobt wird und ein 08/15-Ölgemisch im Warentest den ersten Platz belegt, weil es weniger schlecht ist als anderer Mist. Vor allem, wenn man Andreas März ist.

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5 Kommentare

  1. Olivenöl sollte so sein, dass du es aus einem Schnapsglas trinkst und ein zweites willst.
    Meistens ist es aber so, dass du Rapsöl zum Braten nimmst, weil du nicht willst, dass dein Fleisch schmeckt wie 4 Jahre alter Lachs, den du im Motorraum eines VW-Busses gefunden hast.

  2. Bei allem Verständnis für die Intention der Macher. Mir persönlich fehlt die Phantasie dafür, solch ein (scheinbar) monothematisches Heft über einen längeren Zeitraum zu lesen, geschweige denn zu abonnieren.

  3. ..ich gestehe, dass ich in der Hinsicht auf gutes Öl absoluter Banause bin und das Discounterolivenöl tatsächlich für gut/angenehm halte; dank des Autors habe ich mir und der Sippe jetzt aber mal 2 Testpakete bei Artefakt bestellt und bin neugierig, ob sich der Unterschied auch einer ungeschulten Banausenzunge so deutlich erschließt.

  4. Ich lese diese Kolumne eigentlich meist sehr gerne, aber diese Woche finde ich sie leider eher schwach. Einige Argumente werden angerissen, aber dann nicht näher ausgeführt. Z. B.: Ist Objektivität also per se ein schlechtes Ziel für ein journalistisches Medium? Und warum ist „launig“ in Ihren Augen etwas Negatives?

    Außerdem wurde diesmal enttäuschenderweise gar kein arkanes Magazin-Wissen/-Vokabular vermittelt.

  5. Mir wurde mal von einem Lebensmittelchemiker gesagt, die eine Hälfte seiner italienischen Kollegen panscht Olivenöl, und die andere ist damit befasst, der ersten Hälfte draufzukommen.

    Insofern sehe ich schon einen Bedarf, darüber zu berichten.
    Vom Standpunkt des Laien wäre aber vllt. schon mal interessant, was über spanische Weine oder griechisches Olivenöl zu lesen. Oder gibt’s da schon eigene Zeitschriften zu?

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