Gutmensch

Wer immer genau auf die Idee kam, Gutmensch zu einem Schimpf- und Spottwort zu machen, muss ein ziemlich böser Mensch gewesen sein.

Das war ja vielleicht 1994 noch irgendwie lustig, Klaus Bittermann, im sarkastischen Furor gegen „Betroffenheitsjargon und Gesinnungskitsch“ und eine Zeit lang auch noch selbst(!)ironisch nutzbar – doch heute hat „Welt“-Redakteur Matthias Heine unbestreitbar recht: „Durch übermäßigen Gebrauch der falschen Leute ist es unbrauchbar geworden. Gutmensch sagen eigentlich nur noch Nazis und Idioten ohne sprachliches Feingefühl“.

Wen hätten Sie denn lieber, geehrte Gutmensch-Verhöhner?

Schlechtmenschen?

Bösmenschen?

Empathiebefreite Zyniker wie Sie?

Irgendwer muss ja die Arbeit erledigen, während Henryk M. Broder raunzt und Sie dazu nicken. Also seien Sie froh, dass es Menschen gibt, die sich engagieren, Mitgefühl zeigen und die Welt zumindest nicht schlechter machen. Möglicherweise sind das ganz gute Menschen.

Und alles, was Sie über Gutmensch wissen müssen (unter anderem, dass nicht Goebbels das Wort erfunden oder kaputt gemacht hat), hat Matthias Heine hier zusammengetragen.

57 Kommentare

  1. Es ist nur noch eine Abkürzung für
    „ich habe keine Argumente gegen Ihre Ansicht, und ich will mich nicht der Einsicht stellen, dass Sie für all das eintreten, was uns als Spezies überhaupt erst hat überleben lassen – Zusammenhalt, soziales Verhalten, Fürsorge – weil ich mir dann nämlich eingestehen müsste, wofür ich selbst stehe.“

    „Gutmensch“ – das !!!111EINSELF!!! derjenigen, die gerne Realisten wären, aber es doch nur zum Egozentriker gebracht haben.

    Wenn überhaupt, bin ich froh, ein Gutmensch genannt zu werden. Sagt mir, dass ich offenbar doch für die richtigen Dinge eintrete. Wer will schon zu den Losern gehören, die seit Jahrtausenden Sklaverei, Krieg, Unterdrückung, Rassismus, Sexismus usw.usf. verteidigt haben? :)

  2. Ich habe mir das Wort immer von „Gutgemeint“ abgeleitet.
    In den allermeisten Fällen wird damit ein ja naiver Mensch gemeint, der die Welt verbessern will, und dabei (angeblich)
    – einen eher kleinen oder harmlosen Fehler beheben will,
    – einen schon relevanten Fehler beheben will, aber mit völlig unzureichenden Methoden, und/oder
    – ein (zu) optimistisches Menschenbild hat und daher mehr Probleme verursacht bzw. verursachen würde, als er löst

    Dass das Wort jemals ohne Ironie positiv gemeint gewesen ist, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, insofern: Achwas?
    Ich bin natürlich kein Schlechtmensch, sondern ein Bessermensch.

  3. Interessant ist, dass das Wort als Beschimpfung ausgerechnet bei “Achgut“(!) häufiger auftaucht. Der alte Zyniker Broder liebt(e) es. Keine Ahnung, ob er es noch benutzt. Ich lese “Achschlecht“ schon lange nicht mehr. Kleines Anekdötchen: Ich schrieb ihm einmal eine süffisante Mail. Er schrieb wie von der Tarantel gestochen sofort zurück: Ihre Meinung hat mir gerade noch gefehlt! Broder wie er leibt und lobt.

  4. „schwul“ war früher als Diskriminierung und Verhöhnung gemeint… bis die Schwulen sagten: „Ich bin schwul…“ der Rest ist Geschichte. Also, liebe Gutmenschen: nur Mut:-)
    Offenlegung: Ich bin schwul, aber kein Gutmensch… und kein Islamumarmer.

  5. „Gutmensch sagen eigentlich nur noch Nazis und Idioten ohne sprachliches Feingefühl“.
    Warum seit Ihr Gutmenschen denn darüber so empört? Nehmt den Begriff doch als Kompliment. Das wollt Ihr nicht, weil Ihr merkt, dass es vielleicht ein vergiftetes Kompliment ist?!
    Wie kommt das, wo Ihr doch nur Mitgefühl zeigt und Gutes tut? Diese Frage solltet Ihr Euch dann aber stellen.
    Ich hätte darauf zumindest eine Antwort, aber Armin Wolfs Replik zeigt mir, dass er an einer Antwort nicht interessiert ist, sondern sich an dieser Stelle nur über den Begriff „Gutmensch“ moralisch empören möchte, schade!

  6. Das bringt mich auf eine ganz andere Frage: Warum geben die meisten her nicht ihre Identität preis? Ehrlich gesagt, ich fühle mich etwas unwohl, mit Anonymen zu diskutieren, auch ist die Hemmschwelle für Beleidigungen niedriger, wenn man nicht identifiziert werden kann. Und die “Rollenverteilung“ ist ungleich.
    Keine Kritik, nur eine Frage.

  7. (6) D. Weller

    Sie haben vollkommen Recht!!! Noch besser als Gutmensch ist Gutedel.
    Den trinke ich immer zum Abendessen.

  8. @Werner Kiby, #7

    Ich weiß nicht recht, aber ist diese Pseudonym-Diskussion nicht schon seit uh 20? Jahren geklärt?

  9. #7: „Das bringt mich auf eine ganz andere Frage: Warum geben die meisten her nicht ihre Identität preis?“
    2 Fragen dazu:
    1. Woher weiß ich, dass sie Werner Kiby sind (und was habe ich davon, wenn ich es weiß)?
    2. wer ist mit „die meisten“ gemeint?

    „Keine Kritik, nur eine Frage.“

  10. (9) ZE T (10) Matthias

    Verstehe den “Ton“ in den Antworten nicht, der mitschwingt. Ausserdem bin ich nicht seit 20 Jahren in diesem Forum , keine Ahnung von dieser Pseudonym-Diskussion, und habe doch meine Meinung einigermassen hoeflich begruendet.
    Aber lassen wir’s.

  11. Die Legende, dass Klarnamen zu einem höflicheren Umgangston führen, sollte spätestens seit Facebook erledigt sein. Und ich bin als „wonko“ so viel oder wenig identifizierbar als wenn ich als Lieschen Müller postete. Da verlasse ich mich doch lieber auf die Inhalte als auf den Namen, der drüber steht.

  12. @11 Werner Kiby:

    Ich bin hier zwar kein regelmäßiger Kommentator, aber ich kann Ihnen meine Verwendung eines Pseudonyms erklären.

    Mein wahrer Name ist kommt in Deutschland dreimal vor. Ich habe keine Lust, vor meiner Haustür irgendeinem Honk zu begegnen, der mir sein Missfallen über einen meiner Kommentare mit schlagkräftigen Argumenten mitteilen möchte.

  13. An den, der sich hier „Werner Kiby“ nennt:

    »Warum geben die meisten her nicht ihre Identität preis?«

    Was meinen Sie denn mit „Identität“? Der Name allein kann’s ja nicht sein, denn der ist weder überprüfbar noch von Belang. Es macht nicht den geringsten Unterschied, ob über Ihren Beiträgen „Werner Kiby“, „Mäxchen123“ oder „Hans Dampf in allen Gassen“ steht.

    Was also wollen Sie wirklich von den anderen Kommentatoren wissen? Und vor allem: Warum wollen Sie das wissen?

  14. @Werner Kiby
    Ich finde die Frage schon okay. Ich würde sie damit beantworten, dass die Anonymität auch eine größere Freiheit in der Auseinandersetzung begründet. Ob Menschen das dann für Beleidigungen missbrauchen, ist m. E. der zweite Schritt. Wenn Sie sich nicht auf einer Ebene fühlen – Dann bleibt Ihnen die Option zum „Werner“ zu werden.

  15. Viel Dank an alle, die mir sachlich geantwortet haben. Ich sehe, es gibt ja durchaus Gruende, es so zu halten. Nur das wollte ich wissen, keine Diskussion darueber anzetteln.

  16. Jetzt weiß ich nicht, was für ein Ton da mitschwingt, aber ich halte es für reichlich naiv, Fragen nach der Verwundung von Pseudonymen zu stellen, wenn die Argumente dafür und dagegen seit Usnet-Zeiten ausgetauscht werden. Man muss nicht jedes Fass immer und immer wieder neu aufmachen. Vorallem mit der stilvollen Einleitung: „Das bringt mich auf eine ganz andere Frage“.

  17. (17) ZET
    Haben Sie meinen Eintrag von 19:39 nicht gelesen?
    Sind Sie der Cheflektor in diesem Blog?
    Setze Sie hier die Themen?
    Verteilen Sie hier die Stilnoten?
    Verschonen Sie mich mit Ihren Kommentaren.
    Vielen Dank.

  18. Sprachlich war ‚Gutmensch‘ schon immer unangenehm. Es ist für meinen Geschmack einfach zu verwandt mit ‚Schamlos-Prinz‘ und ‚Axtmörder‘ und ähnlich häßlichen Bildzeitungskomposita.
    Inhaltlich ist es sicher richtig, Bigotterie und Selbstwidersprüchlichkeit offensichtlich zu machen, aber nach dem ‚Wörterbuch des Unmenschen‘ (das sich mit der Sprache des Nationalsozialismus befasst) mit dem ‚Wörterbuch des Gutmenschen aufzuwarten, hat dem Begriff einen pennälerhaften Humor mitgegeben, der, einmal dem Elternhaus entwachsen, ein furchtbares Eigenleben als Diskursbully führt.

    Gruß

    pit

  19. „Gutmensch“ verhält sich zu „guter Mensch“ wie „Frischmilch“ zu „frischer Milch“: nicht ganz dasselbe, aber die beste Annäherung, die der Supermarkt anbieten kann.

    @Kiby, #7:
    Meine Argumente sind gut oder schlecht, unabhängig davon, von wem sie kommen.
    Daher können sie nicht dadurch besser oder schlechter werden, dass Sie wissen, von wem sie kommen.

  20. „Gutmensch“ ist nur eine von vielen Schubladen derjenigen, die zu jeder Neonazi-Berichterstattung den Satz „Aber die Linksradikalen sind genau so schlimm“ nachlegen müssen. Das schöne an Schubladen ist, dass man sie als Ende jedweder Argumentationskette verwenden kann. Den Gutmenschen muss man genau so wenig erklären wie die Homolobby. Das ist nicht bloß die Behauptung, sondern gleich das Argument: Hinter der „Indokrination“ unserer Kinder steht die Homolobby (viel schlimmer als die Tabak- Waffen- und Alkohollobby zusammen) und hinter der Toleranz gegenüber Ausländern das allgemeine Gutmenschentum.

  21. Meine Definition wäre: „Gutmensch“ ist ein universales Schimpfwort für Menschen, die an irgendeiner Stelle versuchen, kein A-loch zu sein. Gebraucht wird es von Menschen, die genau diesen Versuch ablehnen und im Gegenteil noch stolz sind auf ihre Inhumanität.

    @D. Weller / #6
    „Warum seit Ihr Gutmenschen denn darüber so empört?“

    Wir sind halt nicht doof. (Viele von uns kennen z.B. den Unterschied zwischen seit und seid.) Wir wissen, dass „Gutmensch“ ein Schimpfwort sein soll. Wenn Menschen deswegen beschimpft werden, weil sie versuchen, Gutes zu tun, kann man sich schon mal darüber empören.

    @Matthias / #5
    „Schwul“ wird nach wie vor bzw. mehr denn je auch als Schimpfwort gebraucht – nix mit Geschichte. Ist vielmehr ein gutes Beispiel dafür, dass das mit der Aneignung von Begriffen so einfach eben nicht funktioniert.

    Offenlegung: Ich bin auch schwul, aber kein Rassist. Also ein „Gutmensch“.

  22. @Weller
    Der Begriff regt wenig auf – was stört ist die Dummheit und Faulheit dahinter. SKL hat es m.E. sehr gut erklärt: wer einen anderen „Gutmensch“ nennt will diesen und seine Meinung diskreditieren, ohne selber ein einziges vernünftiges Argument bringen zu müssen.

  23. Was wäre der Unterschied zwischen dem „Gutmensch“ und dem „Besorgten Bürger“? Scheint mir persönlich ja das gleiche zu sein, für verschiedene Fraktionen.

  24. @TS66 / #24
    Der Unterschied ist schon mal, dass „besorgter Bürger“ eine Eigenbezeichnung dieser Menschen ist, „Gutmensch“ dagegen nicht (höchstens in ironisierter Form). Bedeutung und Gebrauch beider Begriffe sind vollkommen unterschiedlich. Außer dass beides irgendwie zur Bezeichnung von Personen benutzt wird, sehe ich überhaupt keine Gemeinsamkeiten.

  25. @TS66

    Ein weiterer Unterschied ist:

    ‚Besorger Bürger‘ ist ein Euphemismus, ‚Gutmensch‘ ein Dysphemismus.

  26. ‚Gutmensch‘ ist tatsächlich ein destruktives Wort, das man nicht benutzen sollte. Es ist unschön, aus etwas eigentlich Gutem ein unscharfes Schimpfwort zu machen.
    Es gibt zahllose Klassiker, die das Gemeinte sehr viel besser und selektiver ausdrücken:
    Naivling, Blauäugiger, Biedermann, Scheinheiliger, Frömmler, Tartüff, Pharisäer, Pastor
    Wenn schon ein neueres Wort: warum nicht ‚Geschenktmensch‘?

  27. @Andreas Müller,

    Weil das keiner ausser Ihnen versteht und es ausserdem noch häßlich klingt.

  28. @Andreas Müller,

    Sie bleiben sich treu: Was Sie sagen, klingt häßlich und ist unverständlich.

    Geschenkt, Mensch!

    pit

  29. @Andreas Müller,
    das entlarvende am ad-hominem ist: Wer sich an der Person abarbeitet, hat zur Sache nichts zu sagen. Neurechte Begriffe wandeln sich stets von einer Behauptung zur Begründung, völlig unreflektiert. Am Ende ist Ihnen Stichelei lieber als das Diskutieren. Das erweckt den Eindruck, dass sie letzteres nicht können.

  30. Meine Definition von Gutmensch lautet:

    Jemand, der als Lohn für seine Haltung / Texte eine positive Anerkennung von seinen Mitmenschen erwartet, obwohl der Gutmensch keine persönliche Investition getätigt hat oder Risiken eingegangen ist. Der Gutmensch begreift die Wirklichkeit dramatisch anders, als es die Menschen tun, die ihn „Gutmensch“ nennen.

    Das Wort ist meiner Meinung nach notwendig, weil Menschen es benutzen, um ein Phänomen zu beschreiben, das gegenwärtig eine gesellschaftliche Rolle spielt.

    Im übrigen gibt es keine guten oder böse Menschen, sondern nur gute oder böse Taten.

  31. @Katja Kornmacher: Schreiben Sie hier, um für Ihren Kommentar, für den Sie kein Risiko eingegangen sind und bis auf ein paar Minuten Ihrer Zeit keine persönliche Investition getätigt haben, von Ihren Mitmenschen positive Anerkennung zu bekommen? Nein?
    Nein? Sie schreiben einfach nur Ihre Meinung? Und warum unterstellen Sie das dann den „Gutmenschen“? Können Sie sich einfach nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich einfach der Meinung sind, die sie äußern? Einfach weil sie das für wichtig und richtig halten? Dann müssen Sie wirklich sehr verbittert sein.

  32. @34 Inga
    Können Haltungen kundgetan werden oder Texte publiziert werden, ohne persönliche Investitionen oder ohne Risiken? Und selbst wenn man für Haltungen oder Texte eine Anerkennung erwartet, ist Wertschätzung nicht ohnehin ein elementares Bedürfnis? Und eine Wirklichkeit „dramatisch anders“ zu begreifen ist doch immer Bestandteil in der subjektiven Wahrnehmung, wenn erhebliche gegensätzliche Positionen vorliegen und ein Konsens nicht erreicht werden kann, oder?
    Die ganze Definition von #33 ist so dermaßen unlogisch, das hätte eher Mitgefühl verdient statt so einen Anschiss.

  33. @Jub 68: Erstens widerspreche ich Ihren Argumenten an keiner Stelle und zweitens: „Anschiss“? Ernsthaft jetzt?
    Sie sagen doch selbst, dass Wertschätzung ein elementares Bedürfnis ist und somit offensichtlich unabhängig von der jeweils vertretenen Meinung. Gleiches gilt für die Frage, ob man ein persönliches Risiko eingeht. Kornmacher ist aber diejenige, die die Motivlage bei „Gutmenschen“ anders beschreibt als bei sich selbst, und darauf habe ich hingewiesen. Sie will damit den „Gutmenschen“ (scheinbar) unredliche Motive unterstellen, obwohl diese ganz genau wie sie selbst einfach nur ihre Meinung vertreten. Sie hat jedoch keinerlei Argument dafür gebracht, wie sie zu dieser Auffassung kommt.

  34. @ Katja Kornmacher
    Sie sollten wissen, dass es sich bei ‚INGA‘ um ein halbmenschliches Kommentar-Bot handelt, dessen (immer sehr kernig vorgetragene) Sätze zwar keinen Sinn ergeben und nichts mit Ihrem Text zu tun haben, aber beeindrucken sollen. Mit einem gewissen Abstand kommt dann noch ein zweiter Post von einer ‚Maike‘, einem ‚PitPitPat‘ oder einem ‚JUB‘ hinterher, der den Einschüchterungsversuch als Meisterleistung preist und verstärkt.
    Das ist eine Spezialbehandlung für alle, die es wagen, unter ihrem Klarnamen ihre Meinung gerade heraus kundzutun. Wahrscheinlich sitzen diese Kreaturen im Büro einer Agentur als digitale Putzgruppe zusammen und werden auf Umwegen von irgendeiner dubiosen Behörde bezahlt.

  35. OMG, 24/7-Dauerkommentarsspaltenbeschaller Müller ist also der einzige Mensch der hier schreibt! Alles Bots und Geisterfahrer, nur das AFD-Schlachtschiff hält den Kurs!
    Das ist Popcornkino vom Feinsten.

  36. Gutmensch als Begriff gefällt mir auch nicht. Allerdings suchte ich lange nach einer Bezeichnung für diejenigen, die sich zwar im Anstrich, aber nicht in ihren Mitteln von der AfD unterscheiden. Durch die letzte Folge ‚Die Anstalt‘ hab ich da endlich was gefunden. Anstandselite, Hypermoralisten, Überempörte. Aktuell gibt’s da einen Artikel auf faz.net, in dem genau das zum Thema wird. Da geht einer vermeintlich gegen Rechts vor, aber trifft doch die Falschen. Zu lesen ist das hier:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-passiert-wenn-ein-werber-zum-werbeboykott-aufruft-14576102.html

    Das treffende Fazit: „Es ist gerade schwer in Mode, Leute zu brandmarken und als „rechts“ zu denunzieren, deren Ansichten man nicht teilt.“ Wie sich das dann auswirkt, liest man z.B. hier: http://www.achgut.com/artikel/der_schmutzige_erfolg_der_denunzianten

    Und so sind eben die Anhänger der Anstandselite, die Hypermoralisten und Überempörte diejenigen, die der AfD in die Hände spielen. Derentwegen man wirklich genau aufpassen muss, was man sagt, um ja nicht als Rechts abgestempelt und über Facebook um den Ruf gebracht zu werden. Was sich dann in keiner Weise von den unsäglichen öffentlichen Brandmarkungen im Nazi-Deutschland und der DDR unterscheidet.

  37. Eine Diskussion darüber, ob ein Verweis auf Henryk M. Broder so geschickt ist, kann natürlich geführt werden.

  38. @Colophonius

    Sie müssen nicht aufpassen, was Sie sagen. Lassen Sie es einfach raus!

    „Was sich dann in keiner Weise von den unsäglichen öffentlichen Brandmarkungen im Nazi-Deutschland und der DDR unterscheidet.“

    Genau! So laß ich kürzlich auf dem Weg zur Arbeit: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei AfDlern!“

  39. @Colophonius: Ja, genau, wenn man als unterempörter Hypomoralist nicht genau aufpasst, rutschen einem ärgerlicherweise immer so Sachen raus, die dann von Gutmenschen direkt als das erkannt und benannt werden, was sie sind.

  40. @Inga: Ich weiß nicht, was mir das sagen soll. Ist aber auch egal, ich bin als linker Demokrat ausreichend gefestigt und im Gegensatz zu Ihnen anscheinend auch in der Lage, nicht immer nur mit dem ausgestreckten Finger nach Rechts zu zeigen, sondern ihn auch mal nach Links zu wenden.

    Aber da wären wir schon wieder bei der Doppelmoral der Anstandselite. Wenn Mely Kiyak Tilo Sarrazin aufgrund seiner Physiognomie abwertet und das anschließend bedauert, ist alles wieder gut. Wenn sich Oettinger über die Schlitzaugen auslässt und das anschließend bedauert, dann gehört er weiterhin mit einem Schild durch die Stadt gejagt. Das geht, weil sich Erstere im Deckmantel des Guten hüllt und Letzterer eben ein Schlechtmensch ist. Mir erschließt sich nicht, warum man da nicht sagen darf, dass beide verloren haben. Genauso wie Hensels Boykottaufruf sich der Mittel der Nazis bedient und sich deshalb ihrer Menschenverachtung anschließt. Aber verbleiben Sie ruhig in ihrem naiven Weltbild, in dem sich das Böse nur Rechts befindet

  41. @Colophonius: Kennen wir uns? Wissen Sie eigentlich, wie ich zu der Aussage Kiyaks stehe? (Wenn Sie den Nachbarkommentarstrang gelesen haben, könnten Sie es übrigens sogar wissen). Habe ich mich irgendwo und irgendwann zu Oettinger geäußert? Woher glauben Sie dann, meine Meinung dazu zu kennen? Finden Sie es nicht ein bisschen ironisch, anderen vorzuwerfen, andere vorschnell in Ecken zu stellen, nachdem es Ihnen so mühelos gelingt, mir irgendwelche Meinungen zuzuschreiben, die Sie überhaupt gar nicht kennen können bzw. wo Sie diese kennen könnten (Kiyak) mir das Gegenteil zu unterstellen? Und was sagt das über Ihr Weltbild aus?

  42. @colophonius, #45

    Das geht, weil sich Erstere im Deckmantel des Guten hüllt und Letzterer eben ein Schlechtmensch ist.

    Oder – nur so ein irrer Gedanke – es könnte schlicht eine andere Qualität sein, ob man ein individuelle Person abwertet oder gruppenbezogene, rassistische Bezeichnungen ausspricht. Von der Art der Entschuldigung ganz zu schweigen.

    […] nicht immer nur mit dem ausgestreckten Finger nach Rechts zu zeigen, sondern ihn auch mal nach Links zu wenden.

    Wissen Sie was, vielen ist es sogar möglich, den Finger sowohl nach links als auch nach rechts zu wenden und nicht nur hin und wieder hin und her zu rotieren. Wobei „die/der tut das doch auch“ schon im Kindergarten nicht wirklich als Argument funktionierte.

  43. Gut, dass ich nicht mehr im Kindergarten bin. Außerdem scheinen Sie mich nicht verstanden zu haben. Ich habe an keiner Stelle dieses Argument angeführt. Sondern ich habe geschrieben, dass so ein Verhalten auf beiden Seiten eine Verfehlung ist. Das ist ein Unterschied zu dem, was Sie mir unterstellen

    @Inka: nein, ebenso wenig, wie Sie mich kennen und trotzdem eine Antwort zu meinem Kommentar geben, der nichts mit meiner Botschaft zu tun hat

  44. Wie auch immer. Diese Seite ist anscheinend ein Sammelbecken der Anstandselite, also bleiben Sie schön gemütlich unter sich. So haben Sie zumindest keine Widerworte zu befürchten, die Ihr Weltbild erschüttern könnte. Es wäre auch eine Schande, wenn nur die AfD dieses Privileg hätte

  45. @colophonius, #49

    So haben Sie zumindest keine Widerworte zu befürchten, die Ihr Weltbild erschüttern könnte.

    Gleichfalls. Und: Auf Wiedersehen.

  46. @Colophonius: Für jemanden, der anderen vorwirft, keinen Widerspruch aushalten zu können, können Sie aber erstaunlich schlecht Widerspruch aushalten, finden Sie nicht?

  47. Anstandselite

    Anständig zu sein oder zumindest den Anspruch zu haben, es zu sein ist jetzt auch schon anrüchig?

  48. Erst heute habe ich im Grundgesetz gelesen und da steht in Artikel 3:

    Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Komischerweise werden da keine Ausnahmen oder Gewichtungen genannt, was Verstöße dagegen angeht. Oder teilen Menschen wie Sie neuerdings ein, was zulässig ist und was nicht? Mely Kiyak hätte Sarrazin zurecht bei seinen Thesen packen können, aber lästert über sein Äußeres. Ist das ein Verstoß gegen Artikel 3/3? Ja. Genauso wie Oettingers abfällige Rede ein Verstoß dagegen ist. Ich finde beides gleich schlimm, als Demokrat und Verfechter der Menschenrechte kann ich gar nicht anders. Aber dass man auf dieser Seite mit zweierlei Maß misst, konnte ich ja schon feststellen. Nur leider bestärken solche Positionen eben auch die AfD.

    @WONKA: was soll diese Verkürzung meines Kommentars? Ich schrieb nichts von anständigen Menschen, denen jederzeit Respekt zu erweisen ist. Sondern ich spreche von den Anhängern extremer, vereinfachender und populistischer Ausprägungen auf der linken Seite. Schauen Sie sich doch einfach die Folge der Anstalt vom 6. Dezember an, da reicht der Solo-Beitrag von Alfred Dorfer ab Minute 42:46: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-6-dezember-2016-100.html

    Aber wie es von der Anstandselite nicht anders zu erwarten ist, wird auch hier gebrüllt: „Das sagt man nicht“ und geradezu ironisch bestätigt sich, dass „Es […] gerade schwer in Mode (ist), Leute zu brandmarken und als „rechts“ zu denunzieren, deren Ansichten man nicht teilt.“ Damit werden dann Leute wie Steimle befeuert: https://www.youtube.com/watch?v=H1x1nUhkxV8 – Da wird ein wenig Wahrheit mit rechtspopulistischem Geschwätz vermischt, bei dem gerade zahlreiche MDR-Zuschauer beifällig mit dem Kopf nickend feststellen „endlich sagt’s mal einer.“ Das können die aber nur, weil eben irgendein Moralpolizist festgelegt hat, dass Steimles komplette Äußerung gegen den Anstand verstößt. Das sind eben auch Mechanismen, die Menschen in die rechte Ecke drängen.

    Oder die lächerliche Diskussion nach dem Auftritt von Nora Illi bei Anne Will. Wie sich die Überempörten aufgeregt haben, dass man so einer Person kein Podium geben darf. Aber genau das darf und muss man sogar! Denn das ist die Art der Demokratie, mit denen umzugehen, die sie zerstören wollen. Man lässt sie öffentlich ihre Gerede absondern und hält dagegen. Das haben die anwesenden Gäste ja auch gemacht. So gräbt man Nora Illi das Wasser ab. Laut zu rufen: „das sagt man nicht“ bestärkt sie doch nur. Denn das ist kein Fakt und schon gar kein Gegenargument. Selbst im Kindergarten nicht.

  49. PitPitBull, ZETerer, Honko und eine der Betschwestern machen schon wieder ein Rudel, kaum dass jemand Neues auftaucht und zwei Sätze gesagt hat. Die dürfen das, denn sie sind die Guten. LOL!

  50. Mal wieder einer, dem mit den Argumenten auch gleich die Manieren ausgehen. Aber schon lustig, wie Sie die Namen verhunzen. Also für sechsjährige.

  51. okay, da ich vorhin direkt angesprochen wure: „„Schwul“ wird nach wie vor bzw. mehr denn je auch als Schimpfwort gebraucht – nix mit Geschichte. Ist vielmehr ein gutes Beispiel dafür, dass das mit der Aneignung von Begriffen so einfach eben nicht funktioniert.“ …hm…ich seh ehrlich gesagt kein Gegenargument. Klipp und klar: wenn jemand zu mir sagt: „Du Schwuler“, sage ich: ja und… ich weiss nicht genau, wo das Problem ist (fühlst Du Dich beleidigt, wenn jemand „Gutmensch“ zu Dir sagt?), ansonsten scheint hier eine („seit und seid“) Privatfehde statt zu finden, die ihr vielleicht auf euren Facebook/Twitteraccounts austragen könnten? … Danke:-)

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